Kommen Powerbanks außer Mode? Anker warnt vor Wandel

Anker-Chef Meng Yang warnt, dass klassische Powerbanks wegen effizienterer Geräte, neuer Ladeorte und alternativer Energiespeicher an Bedeutung verlieren könnten. Anker diversifiziert in smarte Geräte, Energiespeicher und Ladeinfrastruktur, um langfristig relevant zu bleiben.

Lukas Schmidt Lukas Schmidt . Kommentare
Kommen Powerbanks außer Mode? Anker warnt vor Wandel

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Frage jeden Pendler: Eine sperrige Powerbank war früher so unverzichtbar wie ein Portemonnaie. Diese Zeiten könnten gezählt sein. Meng Yang, Gründer und CEO von Anker, denkt, dass das bescheidene tragbare Ladegerät MP3-Playern und CD-Playern folgen und innerhalb weniger Jahre obsolet werden könnte.

Das ist eine deutliche Aussage von einem Unternehmen, dessen Name einst synonym mit dem Produkt wurde, das seinen Ruf begründete. Anker erlebte nach der Gründung 2011 einen raschen Aufstieg, indem das Unternehmen zuverlässige Powerbanks weltweit verschickte. Prominenz bedeutet jedoch nicht Dauerhaftigkeit. Yang warnt, dass herkömmliche Powerbanks wahrscheinlich nicht zu einem Markt im Wert von mehreren Milliarden Euro aufblühen werden und dass ihr Lebenszyklus kurz sein könnte, wenn neue Lade- und Batteriesysteme Fuß fassen.

Vom unverzichtbaren Zubehör zur kleineren Rolle

Zahlen erklären, warum Anker über Wandel spricht, statt sich an Nostalgie zu klammern. Das Unternehmen meldete für 2025 rund 3,97 Milliarden Euro Umsatz, ein deutliches Plus im Jahresvergleich. Etwa 2,00 Milliarden Euro davon entfielen auf Lade- und Energiespeicherprodukte, also rund die Hälfte der Anker-Umsätze. Doch das Unternehmen stellt klar: Konventionelle Powerbanks sind nicht länger der wichtigste Wachstumsmotor.

Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichnete Anker einen Umsatz von etwa 988 Millionen Euro, ein Anstieg von fast 27 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dennoch sank der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn auf rund 61 Millionen Euro, ein Rückgang von etwa 4,9 Prozent. Wachstum ohne Margenverbesserung. Ein Signal dafür, dass sich die Nachfragedynamik verändert.

Yang gab zu, das Unternehmen habe sein Powerbank-Portfolio einst zu stark ausgedehnt. Auf der Hauptversammlung 2025 räumte er ein, Anker habe weit mehr Modelle auf den Markt gebracht, als sinnvoll gewesen seien: Allein 2024 seien etwa 100 verschiedene Powerbank-SKUs erschienen. Menge ist nicht gleichbedeutend mit Langlebigkeit. Verbraucher wechseln ihre Präferenzen.

Wohin geht die Reise also? Für Anker lautet die Antwort Diversifizierung. Das Unternehmen verkauft weiterhin Ladezubehör und Akkupacks, setzt aber zunehmend auf smarte Geräte, Energiespeichersysteme und anspruchsvollere Ladeaccessoires. Das Portfolio ist breiter geworden. Die Erzählung hat sich von einem einzelnen Produkt zu einer Plattform für Energie und smarte Peripherie verschoben.

Dieser Kurswechsel ist praktisch sinnvoll. Technologiekonsum folgt Zyklen. Geräte, die einst unverzichtbar erschienen, wirken altmodisch, wenn sich Formfaktoren ändern, Telefone effizienter werden oder das Laden in neue Umgebungen verlagert wird wie Autos, Möbel oder öffentliche Infrastruktur. Powerbanks schlossen über ein Jahrzehnt eine Lücke. Das nächste Jahrzehnt könnte andere Lösungen verlangen.

Werden tragbare Ladegeräte vollständig verschwinden? Wahrscheinlich nicht von heute auf morgen. Es wird Nischen geben: Reisende, Festivalbesucher und Regionen mit unzuverlässiger Stromversorgung werden weiterhin mobilen Strom schätzen. Doch der Massenmarkt könnte dünner werden. Und schrumpft ein Markt, drücken Margen und müssen Produktstrategien sich schnell anpassen.

Für Anker bedeutet Überleben ohne Stillstand, auf das zu setzen, was dauerhaft am Geschäft ist: Ingenieurskompetenz, Know-how in der Lieferkette und Markenbekanntheit. Diese Stärken lassen sich in neue Kategorien übertragen, die dieselben Nutzerbedürfnisse bedienen — bequemes, zuverlässiges Laden und mobile Energie durch andere Formfaktoren und intelligentere Integrationen.

Veränderer in der Verbraucherelektronik wussten schon immer: Wer zuerst ein Problem löst, ist nicht automatisch derjenige, der es für immer löst. Die Zukunft tragbarer Energie werden Unternehmen schreiben, die voraussehen, wie Menschen Energie im Alltag tragen, zugreifen und teilen wollen.

Quelle: smarti

"Als Technik-Journalist analysiere ich seit über 10 Jahren die neuesten Hardware-Trends. Mein Fokus liegt auf objektiven Tests und Daten."

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