AMD Venice überholt Nvidia: Neue Dynamik im Rechenzentrum

Analyse: AMDs EPYC Venice könnte Nvidia bei Stückzahlen überholen. Morgan Stanley sieht TSMC-2-nm-Vorteile, wachsende CoWoS-Nachfrage und die Bedeutung kundenspezifischer Chips für die Zukunft von Rechenzentren und KI-Infrastruktur.

AMD Venice überholt Nvidia: Neue Dynamik im Rechenzentrum
Reading time: 3 Minutes

Stellen Sie sich einen Rechenzentrumsboden vor, auf dem Racks wie ein Orchester beim Aufwärmen summen. Der Solist, von dem alle erwarten, dass er führt? Nvidia. Doch die Komposition verändert sich, und eine neue Melodie von AMD könnte die Show stehlen.

Wie Venice die Oberhand gewinnt

Die jüngste Einschätzung von Morgan Stanley zur Siliziumlandschaft zeichnet ein nuanciertes Bild. Nvidia wird 2027 weiterhin TSMCs größter einzelner CoWoS-Kunde bleiben, doch die nächste EPYC-Generation von AMD mit dem Codenamen Venice wird voraussichtlich mehr CPU-Einheiten verkaufen als Nvidias Vera.

Zahlen sind hier entscheidend. Die Bank prognostiziert Nvidias Vera-Lieferungen für 2027 bei etwa 5,75 Millionen Einheiten. Groß. Ehrgeizig. Beeindruckend für eine neue Server-CPU. Dennoch wird für AMDs Venice ein Absatz von rund 6,75 Millionen Einheiten erwartet, etwa 17 Prozent mehr als Vera und fast das 5,4-Fache gegenüber AMDs geschätztem Volumen von 1,25 Millionen Einheiten im Jahr 2026.

Mehrere technische und marktbezogene Faktoren erklären diese Lücke. Venice basiert auf Zen 6 und nutzt TSMCs 2-Nanometer-Fertigungsprozess. Vera hingegen zielt auf agentenorientierte KI-Workloads und verwendet einen 3-Nanometer-Prozess. Venice soll sowohl KI- als auch Hochleistungsrechenaufgaben abdecken und damit seinen adressierbaren Markt erweitern.

Verpackung und Kapazität gehören ebenfalls zur Erklärung. TSMCs Wafer-Kapazität wird voraussichtlich 2027 rund 200.000 Wafer pro Monat erreichen, und Nvidia wird weiterhin den größten Teil der CoWoS-Verpackungsnachfrage antreiben. Morgan Stanley schätzt, dass die CoWoS-L-Nutzung für Nvidias KI-GPUs auf etwa 910.000 Einheiten steigen könnte, ein Plus von rund 40 Prozent im Jahresvergleich. Auch die Vera-Lieferungen sollen sich verdoppeln; solche kombinierten Trends helfen zu erklären, warum Nvidias Rechenzentrumserlöse um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen könnten.

Rohzahlen erzählen jedoch nicht die ganze Geschichte. Das Design von Venice, optimiert für KI-Inferenz und HPC und kombiniert mit einem dichteren Prozessknoten, gibt AMD ein breiteres Spektrum an Workloads, die es bedienen kann. Diese Vielseitigkeit kann sich in höheren Stückzahlen niederschlagen, insbesondere bei Cloud-Anbietern, die gemischte Workloads ausbalancieren.

Dann gibt es noch das Joker-Thema: kundenspezifische Chips. Große KI-Akteure investieren stark in maßgeschneiderte Chips. OpenAI, Google, Amazon und andere verhandeln entweder oder gehen in Richtung eigener Beschleuniger. Wenn Hyperscaler eigenes Silizium entwerfen und herstellen, verändern sie die Dynamik der lieferantengesteuerten Nachfrage. Das Aufkommen kundenspezifischer Siliziumlösungen verschärft die Versorgungslücke, erhöht die Unvorhersehbarkeit und setzt traditionelle Anbieter wie Nvidia und AMD unter Druck, nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen ihre Kunden zu konkurrieren.

Worauf sollten Branchenbeobachter achten? Erstens: Adoptionsmuster bei Cloud-Anbietern: Wer entscheidet sich für Venice und wer für Vera, und wo werden kundenspezifische Chips eingesetzt? Zweitens: Ausbeute und Hochlaufzeitpläne bei TSMC für die 2-nm- und 3-nm-Knoten, denn die Reife des Prozesses kann Vorteile schneller verschieben als Designverbesserungen. Drittens: CoWoS-Verpackungskapazität und Priorisierungszuteilung: Selbst wenn Nachfrage besteht, sind Verpackungsdurchsatz und Terminplanung entscheidend.

Auf hoher Ebene werden die nächsten Jahre weniger von einem einzigen Gewinner handeln als von strategischer Positionierung. AMDs Venice scheint dank Architekturentscheidungen und Prozessvorteilen die Führung bei den Stückzahlen übernehmen zu können, doch Nvidias Dominanz in der Verpackung von KI-GPUs und seine etablierten Rechenzentrumsbeziehungen halten das Unternehmen weiterhin im Rennen. Gleichzeitig fügt der Aufstieg kundenspezifischen Siliziums einen neuen Gegner hinzu, der die Marktanteile auf unerwartete Weise neu zeichnen könnte.

Erwarten Sie Volatilität. Erwarten Sie Überraschungen. Und erwarten Sie, dass die Server-Racks weiter summen, denn die Nachfrage nach Rechenleistung zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung.

Sarah Hoffmann

"Nachhaltige Technologie ist die Zukunft. Ich schreibe über Green-Tech und wie Digitalisierung dem Planeten helfen kann."

Leave a Comment

Comments

No comments yet.