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LG Electronics bringt auf der CES 2026 eine neue Art Haushaltshelfer: LG CLOiD, ein KI-gestützter Hausroboter, der mit smarten Geräten zusammenarbeitet, um Zeit und körperlichen Aufwand bei Routineaufgaben zu reduzieren. CLOiD ist darauf ausgelegt, tägliche Gewohnheiten zu erkennen und sich an sie anzupassen – nicht nur starren Befehlen zu folgen. Diese Kombination aus Haushaltsroboter, Smart-Home-Integration und adaptiver Künstlicher Intelligenz zielt darauf ab, wiederkehrende Tätigkeiten zu automatisieren und die Benutzererfahrung in vernetzten Wohnungen deutlich zu verbessern.
Praxisnahe Demos: Frühstück bis Wäsche
Auf der CES wird LG realistische Wohnszenen inszenieren, um CLOiD in Aktion zu zeigen. In einer Vorführung entnimmt der Roboter Milch aus dem Kühlschrank und legt ein Croissant in den Ofen, um das Frühstück vorzubereiten. Später, nachdem die Bewohner das Haus verlassen haben, startet CLOiD einen Waschgang, faltet die getrocknete Wäsche und stapelt die Kleidungsstücke ordentlich. Ziel dieser Demonstrationen ist es, habit-basierte Automatisierung zu veranschaulichen: Der Roboter sagt voraus, koordiniert Aufgaben geräteübergreifend und handelt proaktiv statt nur auf manuelle Anweisungen zu warten.
Die gezeigten Szenarien betonen die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Roboter und bestehenden Haushaltsgeräten (Waschmaschinen, Kühlschränken, Backöfen, Trocknern) – also das Zusammenspiel von Robotik, Internet of Things (IoT) und Cloud-gestützten Diensten. Solche Demonstrationen sind bewusst praxisnah gestaltet, um zu zeigen, wie ein Haushaltsroboter im Alltag tatsächlich Mehrwert liefert: weniger Aufräumen, weniger manuelle Schritte und eine gleichmäßigere Verteilung wiederkehrender Arbeiten.
Wichtig für reale Einsätze sind Timing, Kontextverständnis und Sicherheit. In den CES-Demos wird CLOiD offenbar Situationen erkennen, in denen es sinnvoll ist, zu handeln – zum Beispiel den Ofen vorzuwärmen, wenn es zum Frühstückszeitpunkt passt, oder den Waschvorgang zu starten, wenn die Energiepreise niedrig sind oder der Nutzer nicht zu Hause ist. Solche Funktionen erfordern eine enge Verzahnung mit Smart-Home-Plattformen und eine robuste Nutzerpräferenzverwaltung, damit Automationen die Privatsphäre respektieren und nicht ungewollt eingreifen.
Zur Demonstration habit-basierter Automatisierung gehört auch die Fähigkeit, über längere Zeiträume Muster zu lernen: wann die Familie frühstückt, welche Kleidungsstücke häufig gewaschen werden, und wie Räume genutzt werden. Diese Langzeitbeobachtung verbessert die Vorschlagsqualität und reduziert Fehlszenarien. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie Nutzer Kontrolle behalten: Optionen für manuelle Eingriffe, zeitliche Regeln und Transparenz über die Entscheidungsgrundlagen sind entscheidend, damit solche Systeme im Alltag Vertrauen aufbauen.
Design auf Wohnräume abgestimmt
Die Form von CLOiD ist explizit für den Einsatz in Wohnungen konzipiert. Der Kopf des Roboters enthält das Haupt-SoC, ein Display, mehrere Kameras, Lautsprecher und verschiedene Sensoren – ergänzt durch sprachbasierte generative KI-Funktionen. Dadurch kann CLOiD kommunizieren, mimische Hinweise geben und gleichzeitig die räumliche Struktur eines Zuhauses erlernen. Das visuelle System dient nicht nur der Navigation, sondern auch der Objekterkennung und -verfolgung, was für die Interaktion mit Haushaltsgegenständen essenziell ist.
Der Torso ist mit zwei kinematisch beweglichen Armen ausgestattet, die über eine Neigemechanik verfügen, um die Reichweite variabel zu gestalten. Diese Kombination ermöglicht sowohl feinmotorische Arbeiten als auch das Erreichen von niedrigen und hohen Ablagen. Die Basis des Roboters rollt auf Rädern und nutzt autonome Navigationsalgorithmen, die sich an LGs Roboterstaubsaugern und dem LG Q9 orientieren. Die Navigation integriert SLAM-Verfahren (Simultaneous Localization and Mapping), Hinderniserkennung und -vermeidung sowie sichere Interaktionsroutinen für den Umgang mit Menschen und Haustieren.

- Arme: sieben Freiheitsgrade pro Arm für menschenähnliche Bewegungen.
- Hände: fünf einzeln angetriebene Finger für präzises Greifen von Alltagsgegenständen.
- Torso: eine Neigemechanik, um sowohl niedrige als auch obere Flächen zu erreichen.
- Basis: tiefer Schwerpunkt und kollisionssicheres Design für Stabilität in Anwesenheit von Kindern und Haustieren.
Das ergonomische Design berücksichtigt typische Wohnumgebungen: schmale Flure, Teppiche, Möbelstücke und überlappende Lebensbereiche. Für die effiziente Zusammenarbeit mit Haushaltsgeräten sind Reichweite, Greiffähigkeit und Stabilität zentral. Beispielsweise erfordern das Öffnen von Schranktüren, das Hantieren mit Besteck oder das sichere Platzieren von Geschirr unterschiedliche Griffstrategien und Sensorfusion aus Kraft-, Berührungs- und Bilddaten.
Darüber hinaus adressiert CLOiD Nutzerbedürfnisse durch modulare Hardware- und Softwarekomponenten: upgradefähige Module, austauschbare Greifer und Firmware-Updates sollen den Lebenszyklus verlängern. Solche Konzepte sind wichtig, um Anschaffungs- und Folgekosten zu senken und die langfristige Wartbarkeit im Smart Home sicherzustellen.
Intelligenz unter der Haube: Physical AI und AXIUM-Aktuatoren
Im Kern von CLOiD steht LGs Konzept der "Physical AI": eine Fusion aus Vision-Language-Modellen, die visuelle Informationen (Bilder, Video) in sprachliche Beschreibungen überführen, und Vision-Language-Action-Modellen, die visuelle und verbale Hinweise in physische Aktionen übersetzen. Laut LG wurden diese Systeme auf Zehntausenden Stunden von Haushaltsaufgaben trainiert, damit der Roboter Routinen erlernt und flexibel auf Variationen reagiert – statt auf starre, vorprogrammierte Befehle angewiesen zu sein.
Die Vision-Language-Modelle sind darauf ausgelegt, Kontexte zu verstehen: Sie erkennen Objekte, erfassen Zustände (z. B. ob ein Geschirrspüler voll ist) und leiten daraus mögliche Aktionen ab. Die Vision-Language-Action-Komponente ordnet erkannte Situationen konkreten Manipulationsstrategien zu, etwa welches Greifwerkzeug, welche Kraft und welche Bewegungsbahn erforderlich sind. Diese Verknüpfung von Wahrnehmung und Aktion ist zentral für robuste Haushaltsrobotik, weil sie auch in unstrukturierten Umgebungen funktioniert.
LG betont, dass solche Modelle nicht nur in der Cloud laufen müssen: eine hybride Architektur mit Edge-Processing kann Latenzen reduzieren und Datenschutzrisiken minimieren, indem sensible Bilddaten lokal vorverarbeitet werden. Gleichzeitig ermöglichen Cloud-Backends kontinuierliches Lernen, Modell-Updates und die Aggregation anonymisierter Nutzungsdaten, um die Leistung über viele Haushalte hinweg zu verbessern.
Parallel zur KI-Plattform stellte LG "Actuator AXIUM" vor – eine neue Aktuator-Marke für Serviceroboter. Aktuatoren, die Motoren, Antriebe und Getriebe kombinieren, gehören zu den kritischsten und kostenintensivsten Komponenten eines Roboters. Mit AXIUM verfolgt LG das Ziel, kompakte, leistungsfähige und drehmomentstarke Aktuatoren zu produzieren, die sowohl die Kosten senken als auch die Zuverlässigkeit erhöhen können.
Technisch gesehen ist die Auswahl und Abstimmung von Aktuatoren entscheidend für Energieeffizienz, Genauigkeit und Lebensdauer. Höhere Effizienz reduziert Batterieverbrauch und verlängert Einsatzzeiten, während robustes Getriebedesign die Wartungsintervalle verlängert. Für Haushaltsanwendungen sind zudem leise Betriebsgeräusche, thermische Stabilität und Sicherheitsmechanismen bei Überlast erforderlich. LGs Erfahrung in der Massenproduktion von Haushaltsgeräten kann hier einen Wettbewerbsvorteil bieten, weil sie Skalenvorteile und strenge Fertigungsprozesse mitbringen.
AXIUM-Aktuatoren könnten außerdem modular gestaltet werden, sodass Ersatzteile leichter verfügbar sind und Reparaturen vor Ort erfolgen können. Das hat Auswirkungen auf die Total Cost of Ownership (TCO) eines Hausroboters: geringere Reparaturkosten, längere Laufzeiten und weniger Ausfallzeiten erhöhen die Attraktivität für Verbraucher und institutionelle Kunden (Pflegeeinrichtungen, Betreutes Wohnen).
Ein weiterer Aspekt betrifft Standards und Interoperabilität: Für eine breite Akzeptanz müssen Aktuatoren und Steuerungssysteme offene Schnittstellen oder zumindest dokumentierte Protokolle unterstützen, damit Entwickler Drittanbieter-Tools, -Module und -Dienste integrieren können. Das ist wichtig für ein gesundes Ökosystem rund um Haushaltsrobotik und Smart Home, das Innovationen fördert und Nutzern Wahlfreiheit erhält.
Warum das wichtig ist
Stellen Sie sich einen Haushaltsassistenten vor, der still und verlässlich die Morgenroutine übernimmt, die Wäsche startet, wenn Sie außer Haus sind, und gefaltete Kleidung wegräumt – und das alles, während er sich an Ihre Gewohnheiten anpasst. Für vielbeschäftigte Familien, Pflegepersonen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen kann das eine erhebliche Verringerung der täglichen Belastung bedeuten. Solche Einsparungen umfassen nicht nur Zeit, sondern auch physische Belastung und Stressreduktion.
Gleichzeitig werfen Hausroboter relevante Fragen zu Datenschutz, Zuverlässigkeit und Kosten auf. Sensordaten und Bildmaterial enthalten viele private Informationen; deshalb sind transparente Datenschutzkonzepte, lokale Datenverarbeitung und klare Nutzerzustimmungen unerlässlich. Auch die langfristige Wartung und Robustheit sind entscheidend: Ein Haushaltsroboter muss über Jahre hinweg zuverlässig funktionieren und einfache Wartungsprozesse bieten.
Preislich wird es eine Herausforderung sein, robuste Mechanik, leistungsfähige KI und sichere Software zu einem für Privathaushalte akzeptablen Preis zu kombinieren. Hier spielt LGs Produktionskompetenz eine Rolle: Durch effiziente Fertigung und modulare Designs kann der Hersteller die Kosten pro Einheit senken. Dennoch dürfte CLOiD zunächst in höherpreisigen Segmenten und im gewerblichen Bereich (Pflege, Hospitality) Akzeptanz finden, bevor eine breitere Marktdurchdringung möglich wird.
Aus Sicht des Smart-Home-Ökosystems ist die Integration mit bestehenden Standards und Plattformen (z. B. Matter, Apple HomeKit, Google Home, Amazon Alexa) ausschlaggebend. Je besser CLOiD Geräte anderer Hersteller steuern oder mit ihnen kooperieren kann, desto größer der praktische Nutzen für Anwender. Schnittstellen für Drittentwickler, SDKs und offene APIs würden zusätzlich die Entwicklung neuer Anwendungen und Skills erleichtern.
Ein weiterer Punkt ist die gesellschaftliche und regulatorische Umgebung: Sicherheitszertifizierungen, Normen für Mensch-Roboter-Interaktion und Haftungsfragen müssen geklärt werden. Diese Aspekte beeinflussen sowohl die Produktentwicklung als auch die Markteinführung. Hersteller, Regulierungsbehörden und Forschungseinrichtungen stehen hier in der Pflicht, praktikable Sicherheits- und Ethikstandards zu definieren.
Schließlich ist CLOiD ein Indikator für die Weiterentwicklung der Haushaltsrobotik: Die Kombination aus Physical AI, leistungsfähigen Aktuatoren und nahtloser Smart-Home-Integration zeigt, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Wenn Hersteller wie LG die Herausforderung meistern, zuverlässige, sichere und bezahlbare Lösungen anzubieten, könnten Hausroboter künftig ein integraler Bestandteil vernetzter Wohnräume werden – mit klaren Vorteilen für Lebensqualität, Barrierefreiheit und Alltagsorganisation.
Die Präsentation auf der CES 2026 wird ein wichtiger Testlauf für CLOiD sein: Hier lassen sich Nutzerreaktionen, Integrationsszenarien und technische Grenzen live beobachten. Für Interessenten lohnt es sich, die Entwicklungen genau zu verfolgen, weil die nächste Generation von Haushaltsrobotern nicht nur Geräte ersetzt, sondern bestehende Smart-Home-Systeme intelligenter und proaktiver machen kann.
Quelle: gizmochina
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