Samsung verliert Spitze: Chinesische TV-Herausforderung

Samsung verliert Marktanteile: Chinesische Marken wie TCL und Hisense rücken auf, Google TV dominiert die Softwarelandschaft, und Technologien wie Mini-LED, Micro RGB und OLED verändern Kaufentscheidungen im TV-Markt.

Tim Becker Tim Becker . Kommentare
Samsung verliert Spitze: Chinesische TV-Herausforderung

8 Minuten

Samsung hat zwei Jahrzehnte lang die Krone als größte TV-Marke der Welt gehalten, doch dieser lange Lauf zeigt erste Risse. Aktuelle Marktdaten dokumentieren ein engeres Rennen, angeführt von den chinesischen Herausforderern TCL und Hisense, während TV-Software und Panel-Technologien zunehmend beeinflussen, wie Käufer Bildschirme wählen.

Wie der Markt derzeit dasteht

Der jüngste Überblick von Counterpoint Research zeigt, dass Samsung weiterhin die meisten Fernseher ausliefert, sein weltweiter Anteil aber bis November 2025 auf etwa 17 Prozent gesunken ist. TCL sitzt dem Marktführer mit rund 16 Prozent dicht im Nacken, gefolgt von Hisense mit etwa 10 Prozent; LG belegt die nächste Position. Das unter Walmart stehende Onn (verkauft unter dem Namen Vizio in einigen Regionen) kommt auf ungefähr 5 Prozent.

  • Samsung: ~17% Marktanteil
  • TCL: ~16% Marktanteil
  • Hisense: ~10% Marktanteil
  • LG: vierter Platz
  • Onn/Vizio: ~5% Marktanteil

Trotz des schmaler werdenden Abstands erwarten Analysten von Counterpoint, dass Samsung wahrscheinlich bis 2026 an der Spitze bleiben wird. Der Trend aber ist eindeutig: Die Vormachtstellung der Marke ist nicht mehr selbstverständlich.

Diese Verschiebung im weltweiten Markt ist Ergebnis mehrerer, sich überlappender Faktoren: aggressive Preisstrategien chinesischer Hersteller, verbesserte LCD-Techniken (z. B. Mini-LED-Backlights), neue Ansätze wie Micro RGB sowie ein sich wandelndes Ökosystem an Smart-TV-Plattformen. Daneben spielen regionale Vertriebskanäle, Handelsbedingungen und logistische Faktoren eine Rolle, die den kurzfristigen Marktanteil spürbar beeinflussen können.

Regional betrachtet zeigen sich Unterschiede: In Nordamerika und Westeuropa bleiben die direkten Margen und der Service ein Argument für etablierte Marken, während in Schwellenmärkten preisbewusste Käufer stärker zu kostengünstigeren, funktional vergleichbaren LCD-Modellen greifen. Große Einzelhändler und Online-Händler beeinflussen die Verfügbarkeit bestimmter Marken durch Exklusivmodelle und Promotions.

Für Hersteller bedeutet das: höherer Preisdruck in der Mitte des Marktes, mehr Produktdifferenzierung durch Features (z. B. Gaming-Modi, HDR-Performance, Bildprozessoren) und stärkere Investitionen in die Lieferkette, um Kosten zu senken und Lieferzeiten zu optimieren. Patentstreitigkeiten um Panel-Technologien und die Verfügbarkeit von Substraten oder speziellen Backlight-LEDs können kurzfristig Produktionskosten und damit Endkundenpreise beeinflussen.

Der Software- und Betriebssystem-Wandel

Es geht nicht nur um Hardware. Auch Samsungs Tizen OS verliert an Boden. Wo Tizen 2020 noch fast 34 Prozent der TV-Software-Nutzung ausmachte, ist der Anteil auf etwa 23 Prozent gefallen—Prognosen deuten darauf hin, dass er bis 2029 ungefähr 20 Prozent erreichen könnte. Google TV (inklusive Android TV-Basisversionen) führt inzwischen mit rund 40 Prozent des Marktes. LGs webOS liegt heute bei etwa 15 Prozent, mit einer leichten Abwärtsprojektion gegen Ende des Jahrzehnts.

Für Verbraucher bedeutet das: Mehr Fernseher laufen im Google-Ökosystem, die Vielfalt an App-Stores, Sprachassistenten (Google Assistant, Alexa, Bixby) und Integrationen wächst. Die Plattformentscheidung beeinflusst Kaufentscheidungen fast ebenso stark wie Preis und Bildqualität—denn sie bestimmt verfügbare Streaming-Apps, Software-Updates, Sicherheitspatches und Sprachsteuerungsoptionen.

Die Verlagerung hin zu Google TV hat technische und wirtschaftliche Ursachen: Hersteller schätzen die große Entwicklerbasis, die regelmäßigen Sicherheitsupdates und die Tiefe der Integration mit anderen Google-Diensten. Gleichzeitig bietet Google TV Herstellern eine relativ standardisierte App-Verteilung und Monetarisierungswege, was für Händler und Content-Partner attraktiv ist.

Auf der anderen Seite versuchen Hersteller wie Samsung und LG, durch exklusive Features, eigene App-Stores oder Partnerschaften einen Mehrwert zu schaffen—etwa erweiterte Bildverarbeitungsfunktionen, exklusive Inhalte oder tiefere Integration in Smart-Home-Ökosysteme. Diese Differenzierungsstrategie kann Kundentreue fördern, ist aber aufwendiger und kostet Entwicklungskapazitäten.

Wichtige Auswirkungen für Käufer:

  • Software-Ökosystem: Wer stark auf bestimmte Apps, Sprachassistenten oder Smart-Home-Funktionen setzt, sollte vor dem Kauf prüfen, welche Plattform diese am besten unterstützt.
  • Updates & Support: Regelmäßige Firmware-Updates verlängern die Nutzungsdauer und Sicherheit eines Fernsehers; dies variiert stark zwischen Herstellern und Plattformen.
  • Kompatibilität: Spielekonsolen, AV-Receiver und Streaming-Hardware können von der Plattformunterstützung beeinflusst werden—beispielsweise bei bestimmten HDR-Profilen oder Audioformaten.

Der Technik-Wettlauf: Mini-LED, Micro RGB und OLED

Vor mehr als einem Jahrzehnt hielt Samsung weit über 26 Prozent des globalen TV-Absatzes und konkurrierte hauptsächlich mit LG. Heute hat sich das Feld deutlich verbreitert. Chinesische Marken haben aggressive Allianzen entlang der Lieferkette geschmiedet und bieten preisgünstigere LCD-Modelle an—häufig mit Mini-LED-Backlights—um Kontrast und Helligkeit zu verbessern, ohne die hohen Produktionskosten von OLED tragen zu müssen.

Gleichzeitig gewinnt ein neuerer Ansatz namens Micro RGB (manchmal auch als Micro-LED-Backlight-Arrays in Verbindung mit LCD-Panels beschrieben) an Aufmerksamkeit. Micro RGB verwendet mikrometerkleine RGB-LEDs hinter einer LCD-Matrix, um Farbdarstellung und lokale Dimming-Genauigkeit zu verbessern. Technisch positioniert sich Micro RGB als Mittelweg zwischen Mini-LED-LCDs und echten OLED-Panels: es bietet feinere Zonentiefe beim Local Dimming und bessere Farbdarstellung als klassische Mini-LED-LCDs, bleibt aber in der Herstellung günstiger als großflächige Micro-LED- oder OLED-Displays.

Hersteller wie Samsung, Hisense und TCL investieren in Micro RGB, um höherwertige Bildqualität zu bieten, ohne alle Kosten und Fertigungsanforderungen von OLED zu übernehmen. OLED bleibt aber weiterhin das Spitzenprodukt für Kontrastverhältnis, Schwarzwert und Blickwinkelstabilität—insbesondere bei Modellen von LG und ausgewählten Modellen anderer Hersteller. Samsung und LG sind derzeit die wichtigsten Marken, die OLED in größerem Umfang anbieten, wobei unterschiedliche OLED-Varianten (z. B. WOLED vs. QD-OLED) verschiedene Vor- und Nachteile haben.

Technische Unterschiede kurz erklärt

Mini-LED: Ein LCD-Panel mit sehr vielen kleinen, aber nicht einzeln getakteten LEDs als Hintergrundbeleuchtung. Mini-LED ermöglicht mehr Local-Dimming-Zonen als klassische LEDs und verbessert so HDR-Kontrast und Schwarzwerte bei moderaten Kostensteigerungen.

Micro RGB / Micro-LED-Backlight-Arrays: Hier kommen noch kleinere, einzeln adressierbare RGB-LEDs zum Einsatz. Wenn diese in ausreichender Dichte vorhanden sind, können sie sehr präzises Local Dimming liefern und eine breite Farbskala abbilden. Bei Micro-LED (reine Micro-LED-Displays) fungiert jedes Pixel als selbstemittierende Quelle—ähnlich wie OLED, aber mit anderen Materialien und Herstellungsprozessen.

OLED: Organische Leuchtdioden sorgen für selbstleuchtende Pixel ohne Hintergrundbeleuchtung. Vorteile sind tiefe Schwarztöne, extrem hoher Kontrast und sehr gute Blickwinkelstabilität. Nachteile sind tendenziell höhere Kosten und das Risiko von Einbrenneffekten bei statischen Inhalten (bei moderner OLED-Hardware jedoch zunehmend kontrolliert).

Für Konsumenten bedeutet das: Mini-LED-Fernseher bieten heute meist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei hoher HDR-Helligkeit; Micro RGB kann in kommenden Jahren High-End-Bildqualität liefern, ohne OLED-Preise zu erreichen; OLED bleibt die Referenz für Filme und anspruchsvolle Bildqualität, besonders in dunklen Heimkino-Settings.

Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Preisgestaltung

Die Folge ist eine Kompression des Marktes zwischen Premium- und Mittelklasse: günstigere, leistungsfähige LCD-Modelle von TCL und Hisense greifen das mittlere Segment an, während High-End-Angebote durch Micro RGB oder OLED differenziert werden. Erwartet werden daraus:

  • stärkerer Preiswettbewerb im Mittelklasse-Segment, was Margen belastet;
  • mehr Modellvarianten und Feature-Pakete, um unterschiedliche Käufersegmente (Gaming, Heimkino, Smart-Home) gezielter anzusprechen;
  • Verstärkte F&E-Investitionen in alternativen Display-Technologien, um Fertigungskosten zu senken und Skaleneffekte zu erreichen;
  • Höherer Marketingdruck und Promotions durch Händler, um Lagerbestände zu beschleunigen.

Langfristig könnten einige Hersteller ihre Strategie anpassen: Entweder Konzentration auf margenstarke Premiumprodukte (wo OLED und exklusive Software-Dienste Vorteile bringen) oder Massenausrichtung mit hohem Volumen und engen Margen, wo chinesische Player derzeit stark sind.

Kaufempfehlungen für Verbraucher

Je nach Bedarf können Käufer unterschiedliche Prioritäten setzen:

  • Film- und Serienfans in dunklen Räumen: OLED bleibt die erste Wahl für besten Schwarzwert und Kontrast.
  • Heller Raum, Sport und HDR-Inhalte: Große Mini-LED-Modelle bieten hohe Peak-Helligkeit und deutlich besseres Blooming-Verhalten als einfache LED-Backlights.
  • Preisbewusste Käufer: LCD-Modelle von TCL und Hisense sind heute sehr konkurrenzfähig und liefern oft gutes Upscaling, vernünftige Panelqualität und smarte Software-Funktionen.
  • Technik-Enthusiasten: Micro RGB könnte interessant sein, sobald verlässliche Tests vorliegen—es verspricht eine Balance zwischen Preis und Bildqualität.

Wichtig sind zudem praktische Kriterien: Anschlussvielfalt (HDMI 2.1 für Gamer), Software-Updates, Garantieleistungen, lokaler Service sowie echte Messwerte zu Helligkeit, Kontrast, Farbvolumen und Input Lag—nicht nur Marketing-Spezifikationen.

Zusammenfassend: Billigere, leistungsfähige LCD-Varianten von TCL und Hisense sowie die wachsende Attraktivität von Micro RGB drücken das Premium- bis Mittelklasse-Portfolio, in dem Samsung traditionell dominiert hat. Verbraucher sollten daher Preise, Plattformen und Display-Technologien genauer vergleichen, um das beste Verhältnis aus Preis, Bildqualität und Langzeitnutzen zu finden.

Für die Industrie bleibt die zentrale Frage: Welche Technologie schafft es, in der Breite etabliert zu werden? Mini-LED hat den Vorteil der sofortigen Skalierbarkeit; Micro RGB benötigt noch Reife und Skaleneffekte; OLED bleibt technologisch attraktiv, aber teuer in der großflächigen Produktion. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Kombination aus Bildqualität, Herstellkosten und Plattform-Ökosystem die größte Akzeptanz findet.

Quelle: sammobile

"Gaming und E-Sports sind mehr als nur ein Hobby für mich. Ich berichte live von den größten Turnieren und Hardware-Releases."

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