WhatsApp: Werbung im Updates-Tab ab rund 4 €/Monat

Hinweise aus einer Android-Beta zeigen, dass WhatsApp in Europa und UK ein werbefreies Abo für etwa 4 €/Monat testet. Der Wechsel von Tenor zu Klipy als GIF-Anbieter ist ebenfalls geplant — beide Features stehen noch unter regulatorischer Prüfung.

Lukas Schmidt Lukas Schmidt . Kommentare
WhatsApp: Werbung im Updates-Tab ab rund 4 €/Monat

9 Minuten

WhatsApp könnte Nutzern bald die Möglichkeit bieten, Werbung aus dem Updates-Tab gegen Bezahlung zu entfernen, wie Codefunde in einer Android-Beta nahelegen. Erste Screenshots deuten auf eine Option von rund 4 € pro Monat, die sich auf Nutzer in Europa und im Vereinigten Königreich zu konzentrieren scheint — eine Änderung, die die Nutzungserfahrung von Millionen Menschen beeinflussen könnte.

Was die kostenpflichtige Option tatsächlich entfernt

Das Abonnement scheint sich ausschließlich auf Werbung im Updates-Bereich zu konzentrieren, in dem Status-Beiträge und Channels angezeigt werden. Das heißt: Status-Anzeigen und vorgeschlagene, beworbene Channels würden für Abonnenten verschwinden — zentrale Funktionen wie private Nachrichten, Sprach- und Videoanrufe bleiben weiterhin kostenlos. Kurz gesagt: Schreiben und Anrufen bliebe kostenlos, nur die werblichen Inhalte im Updates-Tab würden entfallen.

Welche Elemente betroffen sind

Genauer betrachtet umfasst der Updates-Tab typischerweise mehrere Inhaltsformate:

  • Status-Updates von Kontakten
  • Inhalte und Kanäle (Channels), die von Unternehmen oder Creators betrieben werden
  • Gesponserte Beiträge oder Empfehlungen, die aufsprachlicher, regionaler und aktivitätsbezogener Basis ausgespielt werden

Die bezahlte Stufe würde nach den vorliegenden Hinweisen ausschließlich die gesponserten Elemente entfernen, nicht jedoch die organischen Inhalte von Kontakten oder die Funktionalität der Channels an sich.

Was Nutzer weiterhin sehen und nutzen können

Für Abonnenten ändern sich das Messaging- und Anruffund um nichts: Ende-zu-Ende-verschlüsselte Chats, Gruppennachrichten, Sprachnachrichten sowie Sprach- und Videoanrufe bleiben Teil der kostenlosen Basisfunktionen. Auch die Möglichkeit, Status-Updates zu posten oder Channels zu abonnieren, bleibt erhalten; lediglich die kommerziellen Werbeeinblendungen im Updates-Tab entfielen.

Warum Meta eine kostenpflichtige Stufe testet

Meta hatte Werbung zuerst im Updates-Tab von WhatsApp in den USA eingeführt und diese später auf weitere Regionen ausgeweitet, um die riesige Nutzerbasis der App zu monetarisieren. Laut Unternehmensangaben lesen die Anzeigen dabei keine privaten Chats; die Zielgruppenansprache erfolgt über Sprache, grobe Geolokation und Aktivitäten innerhalb des Updates-Bereichs.

Regulatorische Gründe und Marktstrategie

Die Einführung einer kostenpflichtigen, werbefreien Option erfüllt mehrere strategische und rechtliche Zwecke:

  • Konformität mit europäischen und britischen Regeln, die verlangen, dass Plattformen sowohl werbegestützte als auch bezahlte Angebote bereitstellen.
  • Angleichung an vergleichbare Abonnements auf Facebook und Instagram, die bereits in Europa und dem Vereinigten Königreich angeboten werden.
  • Zusätzliche Erlösquelle neben werblicher Monetarisierung, insbesondere in Märkten mit strikteren Datenschutzvorgaben.

Der Schritt kann auch als Reaktion auf Nutzerfeedback verstanden werden: Manche Anwender bevorzugen ein werbefreies Erlebnis und sind bereit, dafür zu bezahlen, während andere bei einem kostenlosen, werbeunterstützten Modell bleiben.

Datenschutz und Zielgruppenansprache

Meta betont, dass Anzeigen nicht durch das Lesen privater Chats personalisiert werden. Stattdessen nutzt die Plattform weniger sensitive Signale wie Spracheinstellung, breite Standortdaten (z. B. Land oder Regionen), sowie Interaktionen innerhalb des Updates-Tabs, um Anzeigen relevant zu platzieren. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber personalisierter Werbung, die auf detaillierten Nutzerdaten basiert.

Dennoch bleibt die Frage nach der Transparenz: Nutzer und Regulierungsbehörden achten zunehmend darauf, wie Plattformen Zielgruppen definieren und welche Datenarten tatsächlich verwendet werden. Ein klar kommuniziertes, kostenpflichtiges Angebot hilft, die Wahlfreiheit der Nutzer zu stärken und regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.

Wie es für Nutzer funktionieren würde

Der Beta-Code zeigt, dass Abonnements über Google Play als In-App-Kauf abgewickelt würden und bis zu 15 Minuten benötigen könnten, bis sie aktiv werden. Screenshots deuten auf einen Preis von etwa 4 € pro Monat hin, wobei Meta bislang keine endgültigen Preise bestätigt hat.

Zahlungsabwicklung und Verfügbarkeit

Wichtige Details zur Zahlungsabwicklung:

  • Abschlüsse würden über die jeweiligen App-Stores laufen (zumindest bei Android über Google Play), einschließlich der üblichen Abwicklungsgebühren.
  • Es ist noch unklar, ob das Abonnement als eigenständiger WhatsApp-Kauf angeboten wird oder Teil eines umfassenderen Meta Accounts Center-Pakets sein könnte, das mehrere Apps abdeckt.
  • Die Aktivierung könnte, wie im Beta-Code angedeutet, bis zu 15 Minuten dauern — eine kurze Verzögerung, die bei Store-Verarbeitung oder Server-Synchronisation auftreten kann.

Für Nutzer bedeutet das: Die Wahl bleibt optional. Wer beim kostenlosen Angebot bleibt, sieht weiter promotete Inhalte im Updates-Tab; wer bezahlt, bekommt ein werbefreies Updates-Erlebnis.

Erwartungen und mögliche Szenarien

Falls das Angebot eingeführt wird, hätten europäische und britische Nutzer die Option, durch eine monatliche Zahlung beworbene Inhalte im Updates-Bereich zu vermeiden, während das vertraute Chat- und Anruf-Erlebnis unverändert bleibt. Unternehmen dagegen behalten mit Werbung im Updates-Tab einen direkten Kanal, um eine laut Berichten über 1,5 Milliarden Nutzer erreichende Zielgruppe anzusprechen.

Einige mögliche Auswirkungen:

  • Reduzierter Anzeigenumsatz von Werbeeinblendungen bei zunehmender Zahl zahlender Nutzer.
  • Höhere Zufriedenheit bei Nutzern, die Werbung als störend empfinden.
  • Verstärkte Nutzung von Channels durch Unternehmen, sofern organische Reichweite nicht durch kostenpflichtige Optionen beeinträchtigt wird.

Integration mit Meta-Diensten

Ein offener Punkt bleibt die Frage, ob das Abonnement in ein zentrales Meta-Konto eingebettet wird. Ein solches Bundling könnte für Nutzer Vorteile wie eine einheitliche Abrechnung bieten, zugleich aber datenschutz- und wettbewerbsrechtliche Fragen aufwerfen, falls mehrere Dienste eng verknüpft werden.

Klipy ersetzt Tenor als Standard-GIF-Anbieter

Unabhängig von der Anzeigenoption bereitet WhatsApp auch einen Wechsel des Standard-GIF-Anbieters vor: Tenor wird offenbar durch Klipy ersetzt, nachdem Tenor angekündigt hat, seine API am 30. Juni 2026 einzustellen. Diese Änderung wurde in einer iOS-Beta entdeckt und erfolgt automatisch — Klipy-gebrandete GIFs würden in Chats erscheinen, sobald die Umstellung ausgerollt ist.

Technische Hintergründe und Nutzererfahrung

Der Austausch des GIF-Anbieters ist technisch betrachtet ein Backend-Wechsel: Die Integration eines Drittanbieters erfolgt über eine API, die Suchanfragen, Vorschläge und das Einbetten von GIFs in Chats ermöglicht. Wenn Tenor seine API abschaltet, muss WhatsApp sicherstellen, dass GIF-Suche und Teilen nahtlos weiterarbeiten — Klipy übernimmt diese Rolle.

Für den Nutzer ist die Änderung weitgehend unbemerkt: Suchfunktion, Vorschläge und das Versenden von GIFs bleiben erhalten. Marketingseitig könnte WhatsApp allerdings Klipy-Branding sichtbarer platzieren, sodass Nutzer die neue Quelle wiedererkennen.

Folgen für Entwickler und Partner

Die Schließung von Tenors API betrifft nicht nur WhatsApp, sondern auch andere Apps und Dienste, die diese Schnittstelle nutzen. Entwickler müssen daher bestehende Integrationen überprüfen und gegebenenfalls auf Klipy oder alternative Anbieter umstellen. Für Unternehmen, die GIF-basierte Kampagnen planten, bedeutet dies, dass technische Anpassungen und Tests notwendig sind, um die Kontinuität der Inhalte zu gewährleisten.

Regulatorischer Status und Zeitplan

Meta hat bislang keinen öffentlichen Zeitplan für die Einführung des werbefreien Abonnements oder den Wechsel des GIF-Anbieters genannt. Beide Funktionen befinden sich in der Entwicklung und müssen noch regulatorische Prüfungen durchlaufen, bevor sie breit ausgerollt werden können.

Behördliche Prüfung und Marktzulassung

Gerade in Europa und dem Vereinigten Königreich steht Meta unter intensiver Beobachtung durch Datenschutzbehörden und Wettbewerbshüter. Ein kostenpflichtiges Angebot, das Werbung ersetzt, kann einerseits regulatorischen Anforderungen gerecht werden, andererseits weitere Fragen zu Transparenz, Preisgestaltung und fairer Wahl lassen. Behörden könnten im Rahmen ihrer Prüfungen etwa folgende Aspekte betrachten:

  • Ob Nutzer klar über die Unterschiede zwischen werbegestütztem und bezahltem Angebot informiert werden.
  • Ob die Preisgestaltung transparent ist und keine versteckten Kosten entstehen.
  • Ob die Integration mit anderen Meta-Diensten zu marktbeherrschendem Verhalten führen könnte.

Solche Prüfungen können den Rollout verzögern oder zur Anpassung der Implementierung führen.

Was Nutzer jetzt tun können

Aktuell handelt es sich um Hinweise aus Beta-Code und frühen Screenshots — eine offizielle Ankündigung seitens Meta steht noch aus. Werbetreibende, Entwickler und Nutzer sollten folgende Punkte beachten:

  1. Beobachten: Beta-Releases und offizielle Statements von Meta verfolgen, um konkrete Preise und Starttermine zu erfahren.
  2. Abwägen: Prüfen, ob ein werbefreies Erlebnis für die eigene Nutzung den monatlichen Preis rechtfertigt.
  3. Vorbereiten: Für Unternehmen die Werbestrategie im Updates-Tab überdenken, da ein Teil der Nutzeroptionen sich verschieben könnte.

Für die meisten Nutzer gilt: Abwarten und entscheiden, sobald Meta endgültige Informationen veröffentlicht. Unternehmen sollten hingegen prüfen, wie sich eine potenziell zweigleisige Nutzerbasis (werbefrei vs. werbegestützt) auf Reichweite und Kampagnen-Performance auswirkt.

Fazit: Eine mögliche Option mit breiter Wirkung

Die Einführung einer kostenpflichtigen, werbefreien Stufe in WhatsApp könnte die Nutzererfahrung in Europa und dem Vereinigten Königreich deutlich verändern. Sie bietet eine klare Wahl zwischen einem kostenlosen, werbeunterstützten Modell und einem bezahlten, werbefreien Erlebnis. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie Meta die technische Umsetzung, Preisgestaltung und regulatorische Anforderungen meistert.

Der Wechsel von Tenor zu Klipy als GIF-Anbieter ist ein begleitender, technischer Schritt, der sicherstellt, dass GIF-Suche und -Teilen weiterhin funktionieren, auch wenn Tenor seine API abschaltet. Beide Änderungen zusammen zeigen, dass WhatsApp sich sowohl in Richtung Monetarisierung als auch in technischer Infrastruktur weiterentwickelt — mit spürbaren Auswirkungen für Nutzer, Entwickler und Werbetreibende.

Meta hat bisher keinen endgültigen Starttermin kommuniziert. Interessierte Nutzer und Unternehmen sollten offizielle Kanäle beobachten, um über Verfügbarkeit, Preise und mögliche Bundles informiert zu bleiben.

Quelle: gizmochina

"Als Technik-Journalist analysiere ich seit über 10 Jahren die neuesten Hardware-Trends. Mein Fokus liegt auf objektiven Tests und Daten."

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