8 Minuten
Übersicht
Nur ein Bruchteil der Android-Geräte war bis Ende letzten Jahres auf die neueste Version umgestiegen. Laut Googles Verteilungsdiagramm vom 1. Dezember 2025 liefen nur 7,5 % der aktiven Android-Geräte mit Android 16.
Diese Zahl liegt sieben Monate nachdem Google Android 16 im Juni 2025 auf Pixel‑Telefone ausgerollt hatte. Das ist nicht überraschend — aber sie braucht Kontext. Android aktualisiert sich nicht wie ein einzelnes, streng kontrolliertes Ökosystem; es ist ein weit verzweigtes Netzwerk aus Herstellern, Mobilfunkanbietern und Modellen, die jeweils eigene Testpläne und kommerzielle Prioritäten haben. Diese Komplexität verhindert, dass neue Releases sich so schnell verbreiten wie iOS‑Updates.

Verteilung der Android‑Versionen
Welche Versionen liegen vor Android 16? Android 15 stand an der Spitze mit 19,3 %, gefolgt von Android 14 mit 17,2 % und Android 13 mit 13,9 %. Überraschenderweise belegt Android 16 nur den siebten Platz: Es wurde nicht nur von direkten Vorgängern überholt, sondern auch von älteren Builds wie Android 11, 12 und sogar Android 10. Unterschiedliche Marktsegmente — Flaggschiffe, Mittelklasse‑Modelle, Budgetgeräte und vertragsgebundene Geräte — bewegen sich jeweils in ihrem eigenen Tempo.
Warum bleibt die Verbreitung gespalten?
Kurzantwort: Fragmentierung. Hinter dieser einfachen Beschreibung verbergen sich mehrere technische, organisatorische und wirtschaftliche Faktoren, die zusammenspielen:
- OEM‑Anpassungen und UI‑Skins: Jeder Hersteller integriert Android in seine eigene Oberfläche (z. B. One UI, MIUI, ColorOS). Updates müssen an diese Anpassungen angepasst, getestet und eventuell neu integriert werden.
- Netzbetreiber‑Zertifizierung: Carrier führen eigene Tests durch, fügen gegebenenfalls Bloatware oder spezielle Konfigurationen hinzu und zertifizieren Updates — ein Prozess, der Wochen bis Monate dauern kann.
- Hardware‑Limitierungen: Günstige Modelle haben oft weniger leistungsfähige SoCs, weniger RAM oder begrenzten Speicher, was die Kompatibilität neuer Features einschränken kann.
- Wirtschaftliche Prioritäten: Hersteller priorisieren Updates für umsatzstarke Geräte (Flaggschiffe) über günstigen Modellen, weil Kundenzufriedenheit und Markenimage hier stärker ins Gewicht fallen.
- Regional unterschiedliche Rollouts: In verschiedenen Regionen gelten unterschiedliche regulatorische Anforderungen, Funktionen für Netzbetreiber unterscheiden sich, und die Verfügbarkeit von Inhalten kann variieren.
Fragmentierung und OEM‑Anpassungen
Hersteller müssen oft proprietäre Treiber, Anpassungen und zusätzliche Systemdienste mit den neuen Android‑APIs abgleichen. Dieser Aufwand ist technisch anspruchsvoll: Schnittstellen zwischen Kernel, Treibern und Android‑Framework müssen stabil sein, sonst entstehen Performance‑ oder Akkuprobleme. Viele OEMs betreiben eigene Testlabore und Feldeinsätze (Staging‑Rollouts), um Abstürze oder Kompatibilitätsprobleme zu erkennen — ein Vorgang, der Zeit kostet.
Netzbetreiber und Zertifizierungszyklen
Selbst wenn ein Hersteller ein Update fertigstellt, können Mobilfunkanbieter zusätzliche Prüfungen verlangen, beispielsweise für VoLTE/VoWiFi, Modem‑Interoperabilität oder proprietäre Dienste. Diese Prüfungen verlängern die Zeit bis zur Veröffentlichung und führen dazu, dass ein Update in einigen Märkten früher erscheint als in anderen.
Hardware‑ und Geschäftsgründe
Bei preisgünstigen Geräten fehlt oft der Anreiz oder die technische Grundlage für regelmäßige Major‑Upgrades. Viele dieser Geräte erreichen Endkunden über Vertriebsmodelle, bei denen der Fokus stärker auf niedrigen Kosten liegt als auf Langzeitbetreuung. Zugleich reduzieren Hersteller ihren Supportaufwand, indem sie bestimmte Geräte nach einer definierbaren Zeitspanne nicht mehr mit größeren Versionssprüngen versorgen.

Marktsegmente und ihre Update‑Geschwindigkeit
Die Verbreitung neuer Android‑Versionen verläuft in Schichten:
- Flaggschiffe: High‑End‑Modelle großer Hersteller erhalten Updates zuerst, oft in den ersten Monaten nach dem offiziellen Release.
- Mittelklasse: Erhält Updates später; einige Hersteller priorisieren bestimmte Serien oder Modelle je nach Marktstrategie.
- Budget‑Modelle: Bekommen Major‑Releases seltener oder gar nicht; Sicherheitsupdates können jedoch in längeren Abständen bereitgestellt werden.
- Carrier‑gebundene Varianten: Durch zusätzliche Tests und Anpassungen verzögert sich der Rollout oft weiter.
Dieser Staffelungseffekt erklärt, warum eine neue Android‑Version in Statistiken zunächst unscheinbar wirkt, aber gleichzeitig in bestimmten Nutzergruppen und Regionen schnell Fuß fassen kann.
Technische Auswirkungen und Sicherheitsaspekte
Ein langsamer Rollout hat konkrete Konsequenzen:
- Sicherheitsrisiko: Geräte, die keine aktuellen Sicherheitsupdates erhalten, sind anfälliger für Exploits. Hersteller und Google versuchen, Sicherheitsfixes auch für ältere Versionen bereitzustellen, doch der Schutz ist nicht immer lückenlos.
- App‑Kompatibilität: Entwickler nutzen neue APIs, die auf älteren Geräten nicht verfügbar sind. Das kann die Nutzererfahrung einschränken oder dazu führen, dass Entwickler Target‑SDK‑Level erhöhen und ältere Geräte weniger gut unterstützen.
- Funktionen und Performance: Neue Systemoptimierungen, Energie‑Management und Features wie erweiterte Berechtigungssteuerung oder neue ML‑Funktionen bleiben Nutzern älterer Versionen vorenthalten.
Sicherheitsupdates versus Major‑Releases
Es ist wichtig, zwischen großen Versionsupdates (Major Releases) und monatlichen Sicherheitsupdates zu unterscheiden. Viele Geräte erhalten noch Sicherheits‑ und Wartungsupdates, selbst wenn sie kein Android‑Major‑Update bekommen. Dennoch bleiben Features und API‑Verbesserungen jenseits der Sicherheitsmaßnahmen verborgen.
Wie sich die Verteilung verändern wird
Erwartungen für die kommenden Monate sind realistisch optimistisch: Sobald mehr Hersteller ihre Testzyklen abschließen und neue Modelle bereits mit Android 16 ausgeliefert werden, wird der Anteil steigen. Zwei Treiber sind dabei entscheidend:
- Neugeräteauslieferungen: Smartphones, die ab Werk mit Android 16 kommen, erhöhen den Marktanteil automatisch.
- Fertiggestellte Update‑Rollouts: Wenn OEMs und Carrier ihre verbleibenden Testphasen abschließen, beschleunigt sich die Verbreitung deutlich.
Darüber hinaus üben Verbraucher‑ und Regulierungsdruck zunehmend Einfluss aus. In mehreren Regionen fordern Behörden längere Update‑Zeitfenster und mehr Transparenz bei Software‑Support. Hersteller passen ihre Strategien langsam an, indem sie längere Update‑Zusagen und modularere Update‑Pipelines (Project Treble, Mainline/Google Play‑System‑Updates) unterstützen.
Auswirkungen von Project Treble und modularen Updates
Projekte wie Project Treble und modulare System‑Updates über den Play Store haben das Ziel, Komponenten zu isolieren und Update‑Zyklen zu beschleunigen. Diese Architektur reduziert den Aufwand für OEMs, da Treiber‑ und Hardware‑Layer klarer vom Android‑Framework getrennt sind. In der Praxis führt das zu schnelleren Rollouts für Komponenten, die unabhängig vom vollständigen OS‑Upgrade aktualisiert werden können. Dennoch lösen diese Maßnahmen nicht alle Probleme: Große UI‑Skins und Carrier‑Anforderungen bleiben als Verzögerungsfaktoren bestehen.
Was Nutzer tun können
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Gerät zu den 7,5 % gehört oder ob ein Update geplant ist, können Sie folgende Schritte unternehmen:
- Prüfen Sie unter Einstellungen > System > Systemupdates die Verfügbarkeit von Android 16.
- Besuchen Sie die Support‑Seite Ihres Herstellers oder die Produktseite Ihres Geräts für offizielle Update‑Zeitpläne.
- Kontaktieren Sie den Händler oder Mobilfunkanbieter, insbesondere bei vertragsgebundenen Modellen, da diese oft eigene Zeitpläne haben.
- Erwägen Sie den Kauf eines Geräts mit längeren Update‑Versprechen (z. B. Hersteller, die 3–4 Major‑Updates zusagen), wenn Ihnen Update‑Sicherheit wichtig ist.
Tipps für Unternehmen und Entwickler
Für IT‑Verantwortliche und App‑Entwickler ist die fragmentierte Landschaft relevant:
- Test auf mehreren API‑Levels: Stellen Sie sicher, dass Ihre Apps auf verschiedenen Android‑Versionen stabil laufen.
- Graceful Degradation: Implementieren Sie Fallbacks, wenn Funktionen auf älteren Geräten fehlen.
- Monitoring und Analyse: Verwenden Sie Telemetrie, um zu sehen, welche Versionen Ihre Nutzer tatsächlich verwenden, und priorisieren Sie Support danach.
Wirtschaftliche Perspektive für Hersteller
Hersteller müssen Kosten für QA‑Testing, Bugfixing und Support gegen die Marktvorteile schneller Releases abwägen. Für Premiummarken lohnt sich hoher Update‑Aufwand oft, weil er Loyalität und Markenwert stärkt. Für Hersteller im Low‑Cost‑Segment bleibt die Bilanz dagegen oft negativ, da geringe Margen und kurze Produktzyklen die Bereitschaft zu umfangreichem Software‑Support verringern.
Fazit
Die 7,5‑Prozent‑Marke für Android 16 per 1. Dezember 2025 ist kein Indikator für Versagen, sondern Ausdruck der komplexen Realität des Android‑Ökosystems. Fragmentierung, OEM‑Anpassungen, Carrier‑Zertifizierungen und wirtschaftliche Faktoren führen zu einem langsamen, aber stetigen Übergang. Mit weiteren Neugeräten, abgeschlossenem Testen und dem Druck von Verbrauchern sowie Regulierern wird Android 16 in den kommenden Monaten deutlich an Boden gewinnen.
Neugierig, ob Ihr Gerät zu den 7,5 % gehört? Prüfen Sie Ihre Systemeinstellungen auf Updates und fragen Sie Ihren Anbieter, wann Android 16 für Ihr Modell verfügbar sein wird.
Quelle: gsmarena
Kommentar hinterlassen