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Ein 20-Zoll-iPad, das sich wie ein Buch zusammenfaltet, klingt nach genau dem Gerät, das Apple unter perfekter Bühnenausleuchtung enthüllen würde, mit einer Zeitlupenanimation des Scharniers und einem Publikum, das versucht zu entscheiden, ob es gerade die Zukunft gesehen hat. Berichten zufolge nimmt diese Zukunft innerhalb von Apple bereits Gestalt an. Die schwierigere Frage ist, ob sie jemals das Labor verlässt.
Die meisten Gerüchte über faltbare Apple-Geräte drehen sich um das sogenannte iPhone Fold, das allgemein als der erste ernsthafte Vorstoß des Unternehmens in Richtung faltbarer Displays erwartet wird. Das faltbare iPad ist allerdings eigenartiger und weitaus ehrgeiziger. Mark Gurman von Bloomberg berichtet, dass Apple an einem Gerät mit etwa 20 Zoll großem Display im aufgeklappten Zustand arbeitet, also in etwa zwei nebeneinandergestellten iPad Pros entspricht.
Das ist kein beiläufiges Experiment. Gurman zufolge hat das Projekt für John Ternus, Apples Leiter der Hardwareentwicklung und angeblich der für den 1. September vorgesehene CEO, Priorität. Wenn ein künftiger Apple-Führer ein so ungewöhnliches Produkt unterstützt, achtet man genau darauf. Dennoch ist die Apple-Geschichte voll von ausgefeilten Prototypen, die nie zu Produkten wurden.
Das Problem, ein riesiges iPad normal wirken zu lassen
Die Anziehungskraft ist offensichtlich. Ein faltbares iPad könnte zum tragbaren Kreativstudio, zur riesigen Leseoberfläche, zum Multitasking-Monster oder zur leichteren Alternative werden, statt Laptop und Tablet getrennt zu tragen. Auf dem Papier ist es genau die Art von kategorieübergreifendem Gerät, die Apple gerne verfolgt.
Dann kommt die Realität und hat ein Scharnier im Gepäck.
Mit dem Projekt vertraute Personen sagten Bloomberg, dass das faltbare iPad wegen hartnäckiger Designprobleme ein Prototyp bleiben könnte. Das Scharnier ist die augenscheinliche Baustelle, aber nicht die einzige. Wie macht man ein faltbares Tablet stabil, ohne es in Gepäck zu verwandeln? Wo findet die Tastatur-Erfahrung statt? Würden Nutzer auf Glas über eine riesige Fläche tippen, ein Zubehör anschließen oder das Gerät eher wie einen tragbaren Desktop behandeln?
Das Gewicht könnte dem Traum genauso schaden. Einige Prototypen sollen etwa 1,6 kg (3,5 Pfund) gewogen haben, was das Gerät in die Nähe eines MacBook Pro rückt. Das ist ein heikler Platz für ein iPad. Tablets sollen mühelos wirken. Sobald ein Gerät etwas wird, das man mit beiden Händen abstützt und sich zweimal überlegt, es mitzunehmen, beginnt die Magie zu schwinden.
Apple hat die Idee schon einmal auf Eis gelegt. Die Entwicklung sei Berichten zufolge 2025 ins Stocken geraten wegen hoher Kosten, technischer Komplikationen und Zweifel, ob genug Menschen ein solches Gerät wirklich kaufen würden. Dieser letzte Punkt ist wichtig. Faltbare Tablets sind nicht gerade ein Massenphänomen, und hochwertige experimentelle Hardware ist nach dem schwierigen Start der Vision Pro innerhalb von Apple zu einem sensibleren Thema geworden.
Das Timing verkompliziert zudem alles. Sollte Ternus tatsächlich Apples nächster CEO werden, ändert sich seine Rolle über Nacht. Ein Hardwarechef kann ein exotisches Gerät persönlich durch schwierige Phasen treiben. Ein CEO muss vor dem Frühstück Lieferketten, Margen, Dienste, KI-Strategie, Aktionäre, die Dynamik im Einzelhandel und den nächsten iPhone-Zyklus abwägen.
Unterdessen wirkt das iPhone Fold wie die sauberere Wette. Es passt in einen bestehenden globalen Markt, beantwortet jahrelange Konsumenten-Neugier und bietet Apple eine direkte Antwort auf Samsung und andere Hersteller faltbarer Telefone. Ein massives faltbares iPad ist weniger vorhersehbar. Es könnte die mobile Produktivität neu definieren. Es könnte aber auch eine weitere teure Kuriosität mit kleinem Publikum werden.
Das faltbare iPad ist nicht tot, fühlt sich aber nicht mehr unvermeidlich an.
Das ist vielleicht der typischste Teil der Apple-Geschichte. Das Unternehmen wartet oft, bis eine Technologie bereit erscheint, und kommt dann spät mit einer Version, die plötzlich Sinn macht. Ein 20-Zoll-Falttablet verlangt jedoch mehr als Geduld. Es braucht einen Existenzgrund, der stärker ist als bloße Schau. Wenn Apple diesen Grund nicht findet, könnte der große Falttraum des nächsten CEOs genau dort bleiben, wo er jetzt ist: beeindruckend, teuer und hinter verschlossenen Türen verborgen.
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