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Stellen Sie sich einen Drehzahlmesser vor, bei dem die Nadel nicht auf Glas liegt, sondern es tatsächlich durchsticht. Seltsam? Atemberaubend. Auf dieses theatralische Detail setzt Ferrari beim Luce, einer karosseriebauerischen Studie in taktilen Anzeigen und großspurigem Design aus dem LoveFrom-Studio von Sir Jony Ive.
Im Zentrum der Kabine steht ein Display-System, das wie der Fiebertraum eines Hardware-Designers wirkt. Samsung Display liefert vier OLED-Panelgrößen: 12,9 Zoll, 12 Zoll, 10,1 Zoll und 6,3 Zoll. Sie werden nicht einfach auf ein Armaturenbrett aufgeklebt. Sie sind geschichtet, perforiert und choreografiert, sodass physische Zeiger und mechanische Hinweise neben digitalen Grafiken koexistieren.

Der Instrumententräger erhält die dramatischste Behandlung. Samsungs Hole-In-Active-Area-(HIAA)-Technik, die bereits von Smartphone-Kameras bekannt ist, wurde hochskaliert. Viel größer. Deutlich größer. Während das Loch einer Handykamera nur wenige Millimeter misst, sind die Aussparungen des Luce ungefähr zwanzigmal größer und so ausgelegt, dass echte, sich bewegende Zeiger dieselbe Bildebene wie animierte Anzeigen einnehmen können.
Wie funktioniert das in der Praxis? Ferrari verwendet für den Instrumententräger zwei übereinanderliegende OLED-Panels: eine 12-Zoll-Unterlage, die Hintergrundelemente wie Striche und Skalen darstellt, und eine 12,9-Zoll-Oberschicht mit drei großen runden Aussparungen. Durch diese Öffnungen ragen physische Zeiger, wodurch eine geschichtete, dreidimensionale Anzeige entsteht statt der flachen, glasartigen Grafiken in den meisten modernen Cockpits. Es ist Analog trifft Digital im wörtlichsten Sinn.

Das zentrale Modul folgt derselben Gestaltungsprache. Ein 10,1-Zoll-OLED sitzt in der Mittelkonsole und unterstützt konfigurierbare Widgets wie Uhr, Stoppuhr, Kompass und andere Funktionen, wobei drei physische Zeiger durch die Bildschirmoberfläche brechen. Die HIAA-Technologie ermöglicht es Ferrari, die taktile Tradition von Zeigern zu bewahren und gleichzeitig die Anpassungsfähigkeit eines modernen Touchscreens beizubehalten.
Die Passagiere wurden nicht vergessen. Zwei 6,3-Zoll-Displays hinter den Vordersitzen bieten Klimaeinstellungen, Angaben zum Fahrzeugzustand und zur Fahrweise sowie weitere interaktive Elemente für die Fondsitze. Klein, aber zweckmäßig. Jeder Screen hat eine festgelegte Rolle, vom Show-Instrumententräger bis zur pragmatischen Bedienoberfläche für den Fond.

Man könnte das leicht als Luxusspielerei abtun. Und ja, der Luce hat einen annähernd siebenstelligen Preis von etwa 550.000 €, sodass theatralische Elemente durchaus passen. Aber dahinter steht eine tiefere Logik. Geschichtete Displays mit physischen Elementen können Blickzeiten reduzieren, die Lesbarkeit verbessern und Rückmeldungen geben, die Fahrer instinktiv verstehen. Es ist eine Designentscheidung mit Form und Funktion.
Ernesto Lasalandra, Ferraris Leiter Forschung und Entwicklung, beschrieb die Zusammenarbeit als Verbindung von Erbe und zukunftsgerichteter Technologie und sagte, Samsung Display habe Ferraris Vision einer nahtlosen Integration von Software und Hardware im Cockpit verwirklicht. Kurz gesagt: Das war kein reiner Panels-Einkauf. Es war ein Co-Design darüber, wie sich Menschen und Schnittstellen in einem Sportwagen anfühlen sollten.

Jony Ives Einfluss ist überall sichtbar: klare Flächen, sorgfältige Proportionen und der Wunsch, das Digitale körperlich erfahrbar zu machen. Das Ergebnis ist theatralisch, aber zielgerichtet: Anzeigen, die überraschen und dann schnell intuitiv werden. Der Luce will mehr sein als ein schneller Wagen; er will ein Erlebnis sein, in dem Handwerkskunst und Display-Engineering im ständigen Dialog stehen.
Werden sich solche Lösungen im Automotive-UX durchsetzen? Vielleicht. Und selbst wenn nicht, zeigt der Luce, wie weit Automobilhersteller gehen, um Tradition und Technologie zu verbinden. Eine Nadel durch Glas ist mehr als eine Neuheit. Sie erinnert daran, dass die fortschrittlichsten Schnittstellen oft stark aus der taktilen Vergangenheit schöpfen.
Quelle: gsmarena
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