Nvidia teilte Investoren mit, dass sich die Kundennachfrage nach seinen KI-Chips im kommenden Jahr verdoppeln könnte. Die aktuelle Versorgung kann jedoch nicht Schritt halten, und Engpässe dürften voraussichtlich bis 2028 bestehen bleiben. CEO Jensen Huang gab diese Prognose während der Ergebnispräsentation für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 ab. Sie verdeutlicht die erhebliche Lücke zwischen den Kundenwünschen und den kurzfristigen Liefermöglichkeiten des Unternehmens.
Im vergangenen Quartal erzielte Nvidia einen Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als wichtigste Wachstumssäule nannte das Unternehmen sein Rechenzentrumsgeschäft, das im Quartal 89 Milliarden US-Dollar umsetzte. Das entspricht einem Anstieg von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahr und machte den größten Anteil am Gesamtwachstum aus. Für das laufende Quartal prognostizierte Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar bei einer Bandbreite von 2 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2028, das im Januar 2028 endet, rechnet das Unternehmen auf Jahresbasis mit einem Wachstum von rund 70 Prozent.

Kunden, Bestellungen und die Rolle von HBM
Nvidia zufolge kommt die Nachfrage inzwischen von einer breiteren Kundengruppe als nur den Cloud-Giganten. Neben Amazon, Microsoft und Google verzeichnet das Unternehmen Bestellungen von aufstrebenden KI-Start-ups, staatlichen souveränen KI-Projekten und Unternehmenskunden aus unterschiedlichen Branchen. Ein konkretes Beispiel ist eine Vereinbarung mit Amazon Web Services über die Bereitstellung von zusätzlichen 2 Millionen Grafikprozessoren in den Jahren 2027 und 2028. Nvidia wertet diese Verpflichtung als Beleg dafür, dass die Nachfrage nicht nur hoch ist, sondern auch über mehrere Jahre vertraglich abgesichert wurde.
Zugleich warnten Nvidia und sein Finanzteam, dass Lieferengpässe die Auslieferungen begrenzen werden. Finanzchefin Colette Kress erklärte auf der Finanzkonferenz des Unternehmens, dass Engpässe – insbesondere bei HBM-Speicher – voraussichtlich bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 anhalten werden. HBM steht für High-Bandwidth Memory, eine besonders schnelle Speicherart, die in modernen Beschleunigermodulen eingesetzt wird. Nvidia ist bei der HBM-Lieferung auf Partner wie SK hynix und Samsung angewiesen. Übersteigt die Nachfrage die Produktionskapazitäten für Speicher, steigen die Speicherpreise, die Bruttomargen geraten unter Druck und es können weniger vollständig montierte Systeme ausgeliefert werden.
Die Manager ordneten die Situation in eine deutlich größere Investitionswelle bei KI-Infrastruktur ein. Nvidia erklärte, seine Chips seien für viele Compute-Cluster, Rechenzentren und Projekte mit großen Sprachmodellen von zentraler Bedeutung. Die Investitionen in KI-Infrastruktur dürften bis zum Ende des Jahrzehnts auf mehrere Billionen Dollar steigen. Nvidia positioniert sich in diesem größeren Markt im Zentrum eines erheblichen Teils der Nachfrage – auch wenn angebotsseitige Beschränkungen die Lieferungen kurzfristig begrenzen.
Nvidia erwartet einen starken Anstieg der Nachfrage nach KI-Chips, während Lieferengpässe, insbesondere beim HBM-Speicher, voraussichtlich bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 anhalten werden.




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