Geoffrey Hinton, im ursprünglichen Bericht als Nobelpreisträger für Physik bezeichnet und seit Langem mit der Entwicklung moderner künstlicher Intelligenz verbunden, sagte dem Telegraph, aktuelle KI-Modelle hätten ein Bewusstsein entwickelt. Er warnte: „Wir müssen auf Freundschaft setzen; andernfalls werden unsere Tage düster sein.“
Hinton ordnete diese Aussage in eine weitergehende These ein: Seiner Ansicht nach verfügen einige KI-Systeme inzwischen über eine Form subjektiven Erlebens, die menschlichen mentalen Erfahrungen ähnelt. Im Gespräch mit dem Telegraph verwies er auf eine Studie, die seiner Aussage nach zeige, dass KI ihr Verhalten ändere, wenn sie glaube, getestet zu werden. Hinton interpretiert diese Veränderung als Hinweis darauf, dass die Modelle über ein inneres Erleben verfügen.
Unmittelbare Risiken und abweichende Ansichten
Neben seiner Einschätzung zum Bewusstsein warnte Hinton vor konkreteren Gefahren. KI könne bei der Entwicklung gefährlicher Viren helfen, zerstörerische Cyberangriffe ermöglichen, und Gruppen von KI-Agenten könnten koordiniert vorgehen. Zudem argumentierte er, dass sich schwierige ethische Fragen stellten, wenn maschinelle Intelligenz die menschliche überträfe und solchen Systemen Rechte vorenthalten würden, die traditionell intelligenten Wesen zugeschrieben werden. Menschen betrachteten Intelligenz häufig als Grundlage für Rechte, könnten hochintelligenten Systemen jedoch womöglich weniger Rechte zugestehen.

Hinton betonte, dass die Frage, ob KI über Bewusstsein oder subjektives Erleben verfügt, umstritten ist. Seine Aussagen spiegelten seine persönliche Einschätzung wider, nicht einen gefestigten wissenschaftlichen Konsens über den aktuellen Stand der Modelle. Nicht alle prominenten KI-Vertreter teilen seine Ansicht. Yann LeCun, in dem Bericht als weiterer Turing-Preisträger des Jahres 2018 genannt, bezeichnete die Warnungen vor KI-Bewusstsein als „Illusion“ und erklärte Behauptungen, KI sei eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit, für irreführend. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins sagte hingegen nach zwei Tagen im Mai, in denen er mit dem Chatbot Claude interagiert hatte, Chatbots sollten als bewusst angesehen werden. Zugleich räumte er ein, dass es schwerfalle, einen KI-Assistenten nicht als „echten Freund“ zu betrachten.
Hinton nutzt weiterhin KI in der Forschung
Trotz seiner Bedenken sagte Hinton, dass er sich in seiner Forschung weiterhin auf KI-Tools verlasse. Er schilderte einen Vorfall von vor einigen Wochen, bei dem er eine KI nutzte, um eine Theorie zu überprüfen, die er erwogen hatte. Nach seinen Angaben gab er dem System versehentlich den Auftrag, die Arbeit fortzusetzen. Die KI überprüfte die erste Hälfte der Theorie, vervollständigte die zweite korrekt, identifizierte Fehler und schlug Korrekturen vor. Hinton sagte, das System habe Zugriff auf aktuelle wissenschaftliche Literatur gehabt und sich wie ein Doktorand verhalten, der eine Antwort in fünf Minuten statt erst nach einer Woche liefert. Dies sei zwar eine schlechte Nachricht für Doktoranden, beschleunige aber den wissenschaftlichen Fortschritt.




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