BMW Z4: Abschied nach 23 Jahren – Geschichte und Technik

BMW beendet die Produktion des Z4 nach 23 Jahren und verabschiedet den Roadster mit einer limitierten Final Edition. Ein Überblick über Geschichte, Technik, Baureihen (E85/E86, E89, G29), Produktion und Marktgründe.

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BMW Z4: Abschied nach 23 Jahren – Geschichte und Technik

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BMW zieht den Stecker beim Z4 — das letzte Kapitel

BMW hat das Ende der Produktionszeit des Z4 nach 23 Jahren bestätigt und verabschiedet den zweitürigen Roadster mit einer speziellen Final Edition. Für Fahrenthusiasten, die mit offenem Verdeck und kernigen Reihensechszylindern groß geworden sind, war der Z4 mehr als ein Nischenmodell — er war ein kompakter Sportwagen, der den Wind-im-Haar-Geist bewahrte, während Crossover und SUVs zunehmend die Ausstellungsräume dominierten.

Wie alles begann: die erste Generation Z4 (E85/E86)

2002 eingeführt als geistiger Nachfolger des Z3, stellte die erste Z4-Generation BMWs Kompetenz im Segment der kleinen Roadster wieder her. Kompakt, leicht und fahrerorientiert, legten E85/E86 den Fokus auf Handling und Fahrspaß: tiefe Sitzposition, kräftige Kotflügel, kurze Überhänge und eine geschwungene Silhouette signalisierten puristische Sportwagen-DNA.

Die Maße waren überschaubar — rund 4.090 mm Länge, 1.780 mm Breite und 1.300 mm Höhe — etwa in der Größenordnung eines Kompaktkombis, aber mit deutlich mehr sportlichem Anspruch. Das Interieur folgte BMWs bewährtem fahrerzentriertem Layout; selbst die Basismodelle boten Leder-Sportlenkräder und stark konturierte Sitze. Die Technik war bewusst einfach und zweckmäßig — die Kassettenära war vorbei, CD-Player und weniger, dafür intuitivere Bedienelemente dominierten.

Motorenseitig reichte die Bandbreite vom 2,0-Liter-Vierzylinder bis hin zu Reihensechszylindern in den sportlicheren Ausführungen. Getriebeoptionen umfassten Fünf- und Sechsgang-Schaltgetriebe, konventionelle Automatikgetriebe sowie BMWs frühe SMG-Automatik mit automatisiertem Schaltvorgang. Die frühen Verkaufszahlen bestätigten BMWs Wette: Fast 23.000 Z4 verkaufte sich allein in Europa im ersten Jahr, und in den USA gingen aus Spartanburg mehr als 20.000 Einheiten im ersten vollen Jahr über den Ladentisch — beachtlich für einen spezialisierten Roadster.

Ergänzend zur Serienfertigung entstanden zahlreiche Sondermodelle und Ausstattungspakete, die nicht nur optische, sondern auch fahrdynamische Akzente setzten. Diese Vielfalt trug dazu bei, dass der Z4 schnell eine eigene Fangemeinde fand — bei Kunden, die ein agiles Leichtgewicht und einen charakterstarken Klang suchten.

Der Coupé-Einzug und das Ende des ersten Kapitels

Mitte der 2000er Jahre ergänzte BMW die Baureihe um eine Coupé-Variante — eine Reaktion auf Nachfrage nach einer wetterfesteren, verfeinerten Alternative. Die erste Generation lief im August 2008 aus, mit knapp 198.000 weltweit ausgelieferten Z4 (etwa 181.000 Roadster und 17.000 Coupés). Die Gestaltung des Modells entwickelte sich unter mehreren prominenten Designern, und obwohl die Meinungen zu Design-Details variierten, behielt der Z4 stets seinen sportlichen Charakter.

Das Coupé brachte in technischer Hinsicht oft eine etwas andere Abstimmung bei Fahrwerk und Karosseriesteifigkeit mit sich, was die Modellpalette insgesamt abrundete. Ebenso wichtig war die Marktwirkung: Mit dem Coupé konnte BMW Kunden ansprechen, die ein sportliches, aber zugleich alltagstauglicheres Fahrzeug suchten — ein Trend, den viele Hersteller in diesem Segment beobachteten.

Two-in-one: zweite Generation (E89) und das versenkbare Hardtop

2009 leitete der E89 eine neue Richtung ein: ein Karosseriegrundriss, zwei Charaktere. BMW verzichtete auf die getrennte Coupé/Roadster-Philosophie und führte ein versenkbares Hardtop mit einer leichten zweiteiligen Aluminiumkonstruktion ein, das sich in etwa 20 Sekunden falten ließ. Der E89 wuchs in Länge und Breite leicht, was Platzangebot und Komfort steigerte, ohne die Hinterradantrieb-Dynamik zu kompromittieren.

Motorenseitig reichte das Angebot von Saugmotoren bis zu aufgeladenen Reihensechszylindern, die in stärkeren Ausführungen bis zu rund 306 PS (ca. 225 kW) leisteten. Die Getriebepalette wurde erweitert: Neben klassischen Automatik- und Schaltgetrieben kamen Siebengang-Automaten, später Achtgang-ZF-Automaten und Doppelkupplungsgetriebe von Getrag zum Einsatz, um eine bessere Mischung aus Fahrleistung und Komfort zu bieten. Die Produktion verlagerte sich für diese Generation zurück nach Regensburg, Deutschland.

Das versenkbare Hardtop war technisch anspruchsvoll und erhöhte die Alltagstauglichkeit, führte jedoch auch zu einem deutlichen Gewichtszuwachs im Vergleich zum Stoffverdeck. Das wirkt sich direkt auf Handling und Verbrauch aus — ein klassischer Zielkonflikt bei der Entwicklung von Roadstern mit hohem Komfortanspruch.

G29: moderne Wiederbelebung mit Stoffverdeck und geteilter DNA

Auf dem Pebble Beach Concours 2018 vorgestellt, interpretierte die aktuelle dritte Generation G29 das Konzept neu: leichtere Konstruktion, nahezu 50:50-Gewichtsverteilung und Rückkehr zum textilen Verdeck — schneller und leichter als ein faltbares Hardtop, schließt es in rund zehn Sekunden. Unter der Leitung von Designer Calvin Luk legt der G29 bewusst Wert auf Agilität und reduzierte Komplexität.

Unter der Haube konnten Käufer zwischen einem kraftvollen 2,0-Liter-Turbovierzylinder und einem 3,0-Liter-Turbosechszylinder wählen; Getriebeoptionen umfassten ein Sechsgang-Schaltgetriebe für Puristen und eine Achtgang-Automatik. Der G29 teilt Plattform und Triebwerke mit der Toyota GR Supra (J29) — ein Ergebnis der technischen Zusammenarbeit zwischen BMW und Toyota. Die Fertigung erfolgte bei Magna Steyr in Graz, Österreich, wo sowohl Z4 als auch Supra montiert wurden.

Verkaufs-, Produktions- und Vermächtnishighlights

  • Erstes Jahr Verkaufszahlen Europa (frühe 2000er): ~22.973 Einheiten.
  • US-Absatz erstes volles Jahr aus Spartanburg: ~20.169 Einheiten.
  • Insgesamt produzierte Z4 der ersten Generation: ~197.950 Einheiten.
  • Produktionsstandorte im Zeitverlauf: Spartanburg (USA) → Regensburg (Deutschland) → Magna Steyr (Österreich).

Neben den reinen Verkaufszahlen prägten die technischen Entscheidungen und die Zusammenarbeit mit Toyota das Profil des G29. Die Plattformteilteilung ist ein gutes Beispiel für moderne Kosten- und Technologiekooperationen in der Branche: Sie erlaubte eine effiziente Entwicklung und reduzierte die Stückkosten, brachte aber auch Diskussionen über Markenidentität und Differenzierung mit sich.

Die Final Edition: ein würdiger Abschied

Zum Abschied des Z4 hat BMW die Final Edition vorgestellt — ein limitiertes Ausstattungspaket, das den Roadster mit exklusiven Details versieht. Die Final Edition bietet eine Lackvariante Frozen Matte Black, ein M Shadowline Hochglanzpaket, M Sport-Bremszangen und gestaffelte M-Felgen (19- oder 20-Zoll). Mechanisch wird sie überwiegend als M40i angeboten, wahlweise mit Achtgang-Automatik oder dem von Enthusiasten geschätzten Sechsgang-Schaltgetriebe. Der Einstiegspreis liegt bei rund 77.500 US-Dollar.

„Der Z4 stand immer für kompakte, fahrerorientierte Erlebnisse — ein Zeichen dafür, dass nicht jeder BMW ein SUV sein muss.“

Die Final Edition ist nicht nur optisch aufgewertet: Sonderausstattungen betreffen auch Komfort- und Sicherheitsfeatures sowie optionale Performance-Upgrades. Solche letzten Sonderauflagen haben oft eine doppelte Funktion — sie bieten Kunden eine letzte Kaufgelegenheit und steigern gleichzeitig das Sammlerinteresse, was langfristig den Restwert bestimmter Modelle stabilisieren kann.

Warum BMW den Z4 einstellt

Die Entscheidung, ein emotionales Modell mit treuer Fangemeinde einzustellen, folgt übergeordneten Markttrends. Cabriolets und zweitürige Roadster belegen einen schrumpfenden Anteil am Gesamtmarkt, während Elektrifizierung, Plattform-Konsolidierung und volumenstarke Segmente (Crossover, SUVs) die Investitionsprioritäten der Hersteller bestimmen. Niedrigvolumige Spezialfahrzeuge sind teuer in der Weiterentwicklung, um heutigen Sicherheits-, Emissions- und Elektrifizierungsstandards gerecht zu werden. Daher rationalisieren Automobilhersteller häufig ihr Portfolio.

Hinzu kommen regulatorische Anforderungen und steigende Entwicklungskosten für alternative Antriebstechniken: Die Umrüstung eines bestens abgestimmten Benziner-Roadsters auf Hybrid- oder Elektroantriebe würde tiefgreifende Änderungen an Karosserie, Chassis und Gewichtsverteilung erfordern — und damit den Charakter verändern, für den viele Käufer den Z4 schätzten.

Trotz dieser Gründe bleibt der Z4 in Erinnerung: Leichtbau, Hinterradantrieb und die Möglichkeit eines Handschaltgetriebes sichern dem Modell einen festen Platz bei Puristen und Sammlern.

Letzte Gedanken: der Platz des Z4 in der BMW-Geschichte

Vom frischen Ansatz des E85 über das clevere versenkbare Hardtop des E89 bis zur modernen, leichten Interpretation des G29 hat sich der Z4 über Dekaden hinweg angepasst, ohne seine Grundversprechen zu verraten: packender, kompakter Sportwagenfahrspaß. Die Final Edition ist sowohl Feier als auch Abschied — eine letzte Gelegenheit, einen modernen BMW-Roadster mit Handschaltung zu erwerben.

Für Enthusiasten lebt das Vermächtnis des Z4 in flotten Wochenendfahrten, sammelwürdigen Final-Edition-Modellen und der geteilten Technik-DNA mit Performance-Partnern wie der Toyota Supra weiter. Selbst wenn Marktkräfte die Hersteller verstärkt zur Elektrifizierung und zu größeren Fahrzeugen drängen, bleibt die Erinnerung an die reine, offene Fahrfreude des Z4 ein Maßstab für BMWs Kompetenz im Segment kleiner Sportwagen.

Schnelle Übersicht

  • Generationen: E85/E86 (2002), E89 (2009), G29 (2018).
  • Wesentliche Merkmale: Hinterradantrieb, verfügbare Handschaltungen, Stoffverdeck beim G29, M40i-Performance-Option.
  • Final Edition: Frozen Matte Black, M Shadowline, M Sport-Bremsen, gestaffelte 19/20-Zoll-Felgen, Einstieg ab ca. 77.500 $.

Ob man den Z4 für sein Design, sein Motorklangbild oder sein präzises Fahrwerk schätzte — der zweisitzige BMW hinterlässt ein klares Erbe: In der Autokultur wird immer Platz sein für kleine, fahrerorientierte Cabrios — auch wenn ihre Fertigungsperioden irgendwann enden.

Quelle: autoevolution

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