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Im November 2025 geriet ein zwei Monate altes Samsung Galaxy S25+ während des Ladevorgangs in Brand, als es eingesteckt war. Die Familie des Geräts erlitt Rauchinhalation und Sachschäden. Nach einer zweimonatigen Untersuchung hat Samsung die Verantwortung anerkannt – viele Betroffene und Beobachter halten die Reaktion des Unternehmens jedoch für unzureichend.
Plötzliches thermisches Durchgehen während des normalen Ladevorgangs
Der Besitzer berichtet, das S25+ habe über Nacht mit einem originalen Samsung-Ladegerät und -Kabel geladen. Während des Ladevorgangs kam es offenbar zu einem thermischen Durchgehen (thermal runaway) – einem unkontrollierten Versagen einer Lithium-Ionen-Zelle, bei dem sich Wärme sehr schnell aufbaut und im schlimmsten Fall zu Flammen und explosionsartigem Verhalten führen kann. Feuerwehrkräfte, die das verkohlte Gerät untersuchten, kamen zu dem gleichen Schluss; Behörden protokollierten sichtbare Brandspuren am Teppich sowie an angrenzenden Oberflächen.
Technisch gesehen bezeichnet "thermisches Durchgehen" einen Zustand, bei dem chemische Reaktionen innerhalb einer Zelle die Temperatur so weit erhöhen, dass diese Reaktionen noch weiter beschleunigt werden. Ursachen können Produktionsfehler in der Zellfertigung, Mikrolöcher, interne Kurzschlüsse, Fremdpartikel in der Elektrodenbeschichtung oder mechanische Beschädigungen sein. Bei Lithium-Ionen-Akkus können zudem fehlerhafte Separatoren, Überladung trotz vorhandener Schutzschaltungen oder ungewöhnliche thermische Belastungen zum Durchgehen führen.
In diesem konkreten Fall stellte der Einsatzbericht der Feuerwehr neben dem eindeutig zerstörten Smartphone auch identifizierbare Spuren von Ruß, Schmorgeruch und verschmorten Kunststoffen fest. Solche Rückstände sind wichtig für forensische Untersuchungen, weil sie Rückschlüsse auf den Ort des Brennens innerhalb des Geräts, die Ausbreitung und die Abfolge der Ereignisse ermöglichen. Auch die Anwesenheit von toxischen Verbrennungsprodukten wie Kohlenmonoxid (CO), fluoridhaltigen Verbindungen (bei Materialien mit Fluorverbindungen) oder anderen flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) wurde in Berichten als potenzielles Gesundheitsrisiko genannt.
Die betroffenen Familienmitglieder suchten wegen Atembeschwerden medizinische Hilfe auf. Auch wenn akute Symptome in vielen Fällen nach Behandlung abklingen, sind langfristige Folgen durch wiederholte oder intensive Exposition gegenüber Batterieabgasen nicht vollständig auszuschließen. Diese medizinischen Aspekte trugen zur Entscheidung der Behörden bei, den Vorfall genau zu dokumentieren und dem Hersteller Material zur Untersuchung zu übergeben.

Was Samsung anbietet — und warum viele unzufrieden sind
Laut Berichten hat Samsungs Versicherungsbereich (Fire & Marine Insurance) angeboten, die Kosten für den Austausch des beschädigten Galaxy S25+ zu übernehmen, Gebühren für Reinigung und Wiederherstellung zu bezahlen und medizinische Rechnungen im Zusammenhang mit dem Vorfall zu erstatten. Zudem wurde eine pauschale Zahlung von 500 US-Dollar pro betroffener Person für „Schmerz und Leid" genannt.
Diese Angebote decken einige der unmittelbaren direkten Kosten ab, schaffen jedoch offenbar Unmut. Viele Nutzer, Verbraucherschützer und Technikinteressierte argumentieren, dass rein monetäre Ausgleichszahlungen nicht das psychische Trauma, die Angst vor zukünftigen gesundheitlichen Folgen oder den Vertrauensverlust in die Produktsicherheit aufwiegen. Kritiker bemängeln außerdem, dass die angebotenen Beträge und Leistungen zu begrenzt seien und die Schwere eines Akkubrands innerhalb einer Wohnung nicht angemessen berücksichtigen.
Aus Sicht von Verbrauchern sind mehrere Aspekte relevant: Erstens die vollständige Transparenz darüber, warum das Gerät versagte; zweitens belastbare Garantien und präventive Maßnahmen, damit vergleichbare Fälle künftig vermieden werden; drittens unabhängige Gutachten, die nachvollziehbar machen, ob ein systemischer Fehler oder ein Einzelfall vorliegt. Fehlen solche Elemente, erscheint ein begrenztes Entschädigungsangebot oft als Versuch, ein problematisches Ereignis schnell und kostengünstig abzuwickeln, statt die Ursachen umfassend zu beheben.
Rechtlich könnten Betroffene in einigen Regionen zudem andere Wege verfolgen: Produkthaftungsansprüche, Anzeige bei Verbraucherschutzorganisationen oder die Einleitung einer Untersuchung durch staatliche Prüfinstanzen. In manchen Ländern sind Hersteller verpflichtet, schwerwiegende Produktsicherheitsmängel zu melden; in anderen kann auch ein Rückrufverfahren auf Druck der Behörden hin erzwungen werden. Solche Schritte würden über eine individuelle Entschädigung hinausgehen und zielen auf Prävention und Systemkorrektur ab.
Deutet das auf ein größeres Batterieproblem beim S25 hin?
Der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Nutzerberichte von Überhitzung oder Brandfällen bei Galaxy S25-Modellen. Solche Meldungen tauchen in Foren, sozialen Medien und Verbraucherportalen auf, sind aber in ihrer Häufigkeit und Qualität unterschiedlich dokumentiert. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen vereinzelten, gut belegten Vorfällen und einer statistisch signifikanten Häufung, die auf ein serienweites Problem hindeutet.
Samsung betont seit Jahren, dass die eigenen Flaggschiff-Modelle umfangreichen Batterieprüfungen und Sicherheitsprotokollen unterzogen werden. Dazu gehören interne Tests zur Temperaturstabilität, Prüfungen gemäß internationalen Normen (etwa IEC-Standards), Schock- und Vibrationsprüfungen sowie Kontrollen der Ladeelektronik und der Batterie-Management-Systeme (BMS). Dennoch können Fehler auf verschiedenen Ebenen auftreten: in der Zellfertigung, bei der Integration der Zelle ins Gerät, durch Probleme mit Zulieferern oder durch seltene Serienstörungen.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat Samsung keine flächendeckende öffentliche Stellungnahme veröffentlicht, die von einem systemischen Defekt in der S25-Reihe ausgeht. Die Reaktion des Unternehmens scheint sich derzeit auf den konkreten Einzelfall zu konzentrieren. Das wirft für Besitzende aber Fragen auf: Handelt es sich um einen einzelnen Fertigungsfehler, eine fehlerhafte Charge, um ein Problem mit einem bestimmten Zelllieferanten oder um eine Kombination aus ungünstigen Umständen (z. B. physische Beschädigung kombiniert mit Ladebedingungen)?
Aus technischer Sicht sind mehrere Szenarien denkbar. Eine inhomogene Schichtdicke in der Elektrodenbeschichtung, ein winziges Fremdkörperpartikel beim Wickelprozess oder eine Unterbrechung im Separatormaterial können interne Kurzschlüsse begünstigen. Ebenfalls möglich sind Software- oder Elektronikfehler, die Schutzmechanismen umgehen oder nicht korrekt reagieren, wenn eine Zelle abrutscht oder atypisch altert. In jedem Fall sind genaue Laboruntersuchungen der defekten Zelle und der Ladeelektronik nötig, um verlässliche Ursachenanalysen zu liefern.
Regulierungsbehörden und unabhängige Prüflabore spielen hier eine wichtige Rolle, weil Herstellerinterne Untersuchungen allein mit Vorbehalt betrachtet werden können. Wenn sich mehrere unabhängige Analysen zu ähnlichen Fehlerbildern verdichten, erhöht das den Druck für flächendeckendere Maßnahmen wie Software-Updates, erweiterte Garantiebedingungen oder im Extremfall einen offiziellen Rückruf.
Was Besitzende jetzt tun sollten
- Wenn Sie ein S25‑Modell besitzen und während des Ladevorgangs ungewöhnliche Hitze, Wölbungen des Gehäuses, Raucherzeugung oder fremde Gerüche bemerken, stellen Sie die Nutzung sofort ein, trennen Sie das Gerät vom Stromnetz und bringen Sie es in eine gut belüftete, nicht brennbare Umgebung.
- Verwenden Sie möglichst ausschließlich Originalzubehör (offizielle Samsung-Ladegeräte und -Kabel) oder zertifizierte Ladegeräte von renommierten Herstellern. Vermeiden Sie Ladungen über Nacht in engen, schlecht belüfteten oder leicht entflammbaren Bereichen wie betten, Polstermöbeln oder Papierstapeln.
- Sichern Sie regelmäßig Ihre Daten und führen Sie Backups durch. Sollte das Gerät zur Untersuchung eingesendet oder ausgetauscht werden, ist ein Datenverlust nicht ausgeschlossen; rechtzeitig erstellte Sicherungen reduzieren den Schaden.
- Dokumentieren Sie Vorfälle sorgfältig: Fotos vom beschädigten Gerät, der Ladeumgebung, Rechnungen, ärztliche Berichte und Zeitangaben erleichtern spätere Ermittlungen und die mögliche Abwicklung mit Versicherungen oder dem Hersteller. Notieren Sie außerdem die Seriennummer (IMEI) und Kaufbeleg, sofern vorhanden.
- Kontaktieren Sie den Samsung Support und melden Sie das Ereignis formell. Lassen Sie sich Vorgangsnummern geben und fordern Sie eine schriftliche Bestätigung der Meldung an. Wenn möglich, bestehen Sie auf einem unabhängigen Gutachten oder einer klaren Transparenz bezüglich der Untersuchungsergebnisse.
- Informieren Sie gegebenenfalls Ihre Hausratversicherung oder andere zuständige Versicherungen, um Ansprüche für Sachschäden oder Gesundheitskosten zu prüfen. Bei gesundheitlichen Beschwerden suchen Sie medizinische Hilfe und bewahren Sie ärztliche Unterlagen zur Dokumentation auf.
Darüber hinaus lohnt es sich, Verbraucherorganisationen und technische Foren im Blick zu behalten, um über vergleichbare Fälle, offizielle Warnungen oder mögliche Software‑Updates informiert zu sein. In einigen Fällen veröffentlichen Hersteller Diagnose‑Tools oder Sicherheitshinweise, die helfen können, potenziell betroffene Geräte zu identifizieren.
Für viele S25‑Besitzende steht nun die Frage im Raum: Wird Samsung seine Untersuchung ausweiten, klare Hinweise und Sicherheitsanweisungen veröffentlichen oder gar einen Rückruf einleiten? Solche Maßnahmen würden nicht nur den betroffenen Haushalten helfen, sondern auch das Vertrauen in die Produkt- und Akkusicherheit wieder stärken. Bis dahin werden betroffene Verbraucher, Branchenbeobachter und Sicherheitsbehörden das Thema aufmerksam weiterverfolgen und auf transparente, nachvollziehbare Resultate und Konsequenzen drängen.
Insgesamt zeigt dieser Vorfall die Bedeutung robuster Akkusicherheit, unabhängiger Prüfprozesse und klarer Kommunikation zwischen Herstellern, Verbrauchern und Regulierungsbehörden. Die Integration technischer Details zur Batteriechemie, zur Rolle von Batterie-Management-Systemen (BMS) und zu internationalen Prüfstandards (wie IEC‑Normen) in öffentliche Untersuchungen würde dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen wieder aufzubauen. Solange die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind, bleibt die Empfehlung: wachsam sein, sichere Ladepraktiken einhalten und Vorfälle dokumentieren.
Quelle: gizmochina
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