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Apple scheint kurz davor zu stehen, in den Markt für faltbare Smartphones einzusteigen. Jüngste Leaks deuten darauf hin, dass das erste iPhone Fold eine Form annehmen könnte, die an ein Samsung-Konzept aus der CES 2013 erinnert. Die Idee: ein breiterer, mehr tabletähnlicher Innenbildschirm, der Video‑Wiedergabe und Multitasking natürlicher erscheinen lässt.
Vom CES‑Konzept zu modernen Foldables
Geschichte und frühe Visionen
Schon 2013 zeigte Samsung in einer aufwendigen CES‑Werbung ein faltbares Telefon, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Die Sequenz war eher Marketing‑Fantasy als Produktvorschau, doch sie vermittelte eine klare Vision dafür, wie sich Smartphones entwickeln könnten, sobald flexible Displays technisch möglich sind. Diese frühen Konzepte haben die Erwartungshaltung von Industrie, Medien und Konsumenten geprägt und dienten als Design‑Impetus für spätere Entwicklungen.
Die Entwicklung moderner Foldables
Heute sind Foldables eine etablierte Geräteklasse: Samsung hat bereits mehrere Generationen auf den Markt gebracht und drei unterschiedliche Formfaktoren eingeführt — die Flip‑Modelle, die Fold‑Modelle und erste TriFold‑Prototypen. Während die ersten Geräte vor allem durch technische Limitationen wie Faltlinie, Scharniersysteme und Materialwahl geprägt waren, haben spätere Generationen deutliche Fortschritte bei Robustheit, Displayqualität und Softwareintegration gezeigt.
Formfaktoren, Displayverhältnisse und Nutzbarkeit
Ein zentraler Aspekt in der Evolution der Foldables ist das Seitenverhältnis der inneren, entfalteten Displays. Traditionell nutzten viele Foldables ein eher hohes, schmales Format, das sich an klassischen Smartphones orientiert. Das führt allerdings bei Anwendungen wie Videowiedergabe, Web‑Browsing oder Split‑Screen‑Multitasking zu deutlich eingeschränkter Nutzbarkeit. Ein breiteres, mehr tabletartiges Innenformat verbessert hier die Ergonomie: Videos füllen die Fläche besser, Webseiten wirken weniger gequetscht und geteilte Ansichten lassen sich effizienter nutzen.
Gerüchte deuten nun auf ein viertes Samsung‑Design hin, das intern angeblich als "Galaxy Wide Fold" bezeichnet wird und dessen inneres Display ein weiteres, breiteres Seitenverhältnis aufweist. Interessanterweise stimmen einige der durchgesickerten Proportionen dieses Wide Fold — sowie der angeblich geplanten Maße für Apples iPhone Fold — mit der Silhouette überein, die bereits in Samsungs 2013er Konzept zu sehen war. Dieses Wiederauftauchen alter Designideen zeigt eine bemerkenswerte Kontinuität in der Produktvision über mehr als ein Jahrzehnt.

Was das für Apple und den Markt bedeutet
Von der Idee zur Marktreife
Wenn Apple ein faltbares Gerät vorstellt, das Ideen aus Samsungs frühem Konzept aufgreift, erinnert das daran, dass Produktfantasie oft technischer Machbarkeit vorausgeht. Designintuitionen und Prototypgedanken können Jahre brauchen, bis die Materialien, Fertigungsprozesse und Software‑Ökosysteme wirklich ausgereift sind. Das erneute Aufgreifen eines Designmotivs ist kein Garant für ein fehlerfreies Gerät; frühe Foldables hatten mit Haltbarkeitsfragen, Softwareoptimierung und hohem Preis zu kämpfen.
Technische Herausforderungen: Haltbarkeit, Scharnier und Display
Zu den zentralen technischen Hürden gehören die Haltbarkeit des flexiblen Displays, das Scharnier‑Design und die langfristige Beständigkeit gegen Staub, Feuchtigkeit und mechanische Abnutzung. Moderne Lösungen kombinieren ultradünnes Glas, optimierte Polymer‑Schichten und robuste Scharniere mit Dichtungen, doch diese Technologien treiben die Produktionskosten in die Höhe. Apple wird wahrscheinlich eigenen Anspruch an Premium‑Fertigung und Qualitätskontrolle stellen, was Chancen für Innovation, aber auch Risiko durch höherpreisige Positionierung bedeutet.
Softwareseite: iOS, Apps und Multitasking
Ein funktionierendes faltbares Konzept erfordert weit mehr als ein neues Hardware‑Chassis: Software muss angepasst werden, um nahtlos zwischen geschlossenem und offenem Zustand zu wechseln, mehrere Fenster zu verwalten und Drittanbieter‑Apps für größere Displays zu optimieren. Apple hat bei iPadOS und iOS bereits Multitasking‑Funktionen etabliert, doch die Integration in ein faltbares iPhone erfordert zusätzliche Arbeit: Split‑View‑Layouts, adaptive UI‑Elemente und performantes Ressourcenmanagement sind Schlüsselfaktoren für eine positive Nutzererfahrung.
Preisgestaltung und Marktpositionierung
Die Preisfrage bleibt entscheidend. Foldables werden derzeit als High‑End‑Produkte positioniert, oft mit einem kräftigen Aufpreis gegenüber klassischen Smartphones. Apple könnte seine Markenstärke nutzen, um ein Premium‑Faltgerät zu einem hohen Preis zu lancieren, oder versuchen, eine größere Marktbreite anzusprechen. Beide Strategien haben Vor‑ und Nachteile: Eine Premium‑Positionierung schützt Margen und Markenkohärenz, während eine aggressivere Preisstrategie Marktanteile schneller verschieben kann.

Marktdynamik und Wettbewerbsfaktoren
Wer setzt Standards?
Die Wettbewerbssituation im Foldable‑Segment ist ein Wettlauf um Ausführung, Ökosystemintegration und Lieferkettenstärke. Samsung hat Vorteile durch frühe Markteinführung, Erfahrung mit Scharnieren und enge Beziehungen zu Display‑Zulieferern. Apple bringt hingegen ein starkes Entwickler‑Ökosystem, hohe Softwarekompetenz und enorme Marketing‑Kapazitäten mit. Welcher Akteur Standards setzt, hängt weniger davon ab, wer die Idee zuerst hatte, sondern wer sie zuverlässig und konsumentenorientiert umsetzt.
Ökosysteme und App‑Optimierung
Ein unterschätzter Faktor ist die Unterstützung durch Drittanbieter‑Apps: Nur wenn populäre Anwendungen wie Browser, Office‑Suits, Streaming‑Apps und kreative Tools das größere Display sinnvoll nutzen, entsteht echter Mehrwert. Apple kann hier mit klaren Richtlinien, Entwickler‑Tools und möglicherweise zusätzlichen APIs punkten, damit Entwickler responsive Layouts, Multi‑Window‑Support und besondere Interaktionsmuster für Foldables bereitstellen.
Lieferkette, Produktion und Skalierung
Die Fähigkeit, Foldables in großer Stückzahl zu fertigen, ist kein Selbstläufer. Flexible Displays, präzise Scharniere und anspruchsvolle Montageprozesse erfordern spezialisierte Zulieferer. Apple könnte durch Investitionen in Fertigungspartner und langfristige Komponentenverträge seine Versorgung stabilisieren, gleichzeitig aber auch höhere Vorlaufkosten tragen. Produktionsqualität, Ausbeutequoten und Ersatzteilversorgung werden direkten Einfluss auf Preis und Verfügbarkeit haben.
Anwendungsfälle, Ergonomie und Alltagstauglichkeit
Multimedia, Produktivität und neue Nutzungsmuster
Ein breiteres Innenformat verändert, wie Menschen Geräte nutzen: Videoinhalte lassen sich nativer im 16:10‑ oder 4:3‑Bereich darstellen, Web‑Seiten benötigen weniger horizontales Scrollen, und geteilte Bildschirme werden praktikabler. Für Produktivnutzer eröffnen sich Vorteile bei der Bearbeitung von Dokumenten, Tabellen und Präsentationen unterwegs — besonders wenn zusätzliche Funktionen wie ein erweitertes Multitasking‑Dock oder Stiftunterstützung angeboten werden.
Ergonomische Überlegungen
Die Ergonomie bleibt ein kritischer Punkt: Gewicht, Dicke und Balance im gefalteten und entfalteten Zustand entscheiden darüber, ob ein Gerät als komfortabel wahrgenommen wird. Ein zu schweres oder ungünstig ausbalanciertes Foldable erschwert einhändige Nutzung und kann bei längerer Verwendung ermüden. Hersteller müssen daher Kompromisse zwischen Materialstärke, Akkukapazität und Haptik finden.
Reparaturfähigkeit und Nachhaltigkeit
Reparaturbarkeit gewinnt in der Öffentlichkeit an Bedeutung. Faltbare Geräte sind komplexer zu reparieren als herkömmliche Smartphones, was Kosten und Umweltauswirkungen erhöht. Apple könnte hier durch modulare Designs, Reparaturservices und Recycling‑Programme punkten — oder kritisiert werden, falls Geräte stark verklebt und schwer zu warten sind. Nachhaltigkeit wird zunehmend Teil der Kaufentscheidung technikaffiner Nutzer.
Fazit und Ausblick
Ob man es als Weitblick oder kreative Ambition bezeichnet: Der 2013er Clip zeigt, dass Hersteller schon früh über die Ergonomie eines größeren, besser nutzbaren Innenbildschirms nachdachten. Heute sind die Technologien näher an der Umsetzung jener Vision als jemals zuvor. Die entscheidende Frage ist weniger, wer die Idee zuerst hatte, als wer sie am zuverlässigsten und nutzerfreundlichsten umsetzt.
Für Leser, die die nächste Welle mobiler Geräte verfolgen: Achten Sie auf offizielle Spezifikationen, Hands‑on‑Berichte und unabhängige Dauertests. Leaks und Konzeptvideos sind spannend, doch die wirkliche Bewertung eines Foldables ergibt sich aus Alltagserfahrungen: Stabilität, Softwareintegration, Akkulaufzeit, Reparaturbarkeit und das Preis‑/Leistungs‑Verhältnis.
Kurzfristig sollten potenzielle Käufer folgende Punkte beobachten:
- Offizielle Maße und Seitenverhältnisse des Innenbildschirms
- Materialwahl und Qualität des Scharniers
- Softwarefunktionen für Multitasking und App‑Optimierung
- Garantie, Reparaturoptionen und Verfügbarkeit von Ersatzteilen
- Preispositionierung gegenüber etablierten Foldables
Langfristig wird der Erfolg von Foldables davon abhängen, wie gut Hersteller Alltagsprobleme lösen: echte Nutzwert‑Verbesserungen gegenüber klassischen Smartphones zu liefern, bezahlbare Preise anzubieten und ein robustes Ökosystem aufzubauen. Wenn Apple tatsächlich einen iPhone Fold mit einem breiteren, tabletähnlichen Innenbildschirm bringt, könnte das den Markt weiter formen — vorausgesetzt, die Umsetzung erfüllt die hohen Erwartungen an Hardware‑Qualität und Software‑Erlebnis.
Quelle: sammobile
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