Micron 9650: PCIe 6.0 SSDs für KI- und Cloud-Workloads

Micron startet die Serienproduktion der 9650 PCIe 6.0-SSDs (E1.S/E3.S) mit bis zu 28 GB/s, bis zu 5,4 Mio. IOPS und Flüssigkeitskühlungsoptionen. Zielmarkt: Hyperscaler, KI-Training und Cloud-Storage.

Tim Becker Tim Becker . Kommentare
Micron 9650: PCIe 6.0 SSDs für KI- und Cloud-Workloads

10 Minuten

Einführung

Micron hat still und leise mit der Serienfertigung der 9650-Familie begonnen und markiert damit den ersten großangelegten Rollout von PCIe 6.0-SSDs. Die Schlagzahl ist unübersehbar: bis zu 28 Gigabyte pro Sekunde, also etwa die doppelte Durchsatzrate gegenüber aktuellen PCIe 5.0-Laufwerken.

Diese Laufwerke wurden mit einem klaren Ziel entwickelt: moderne KI- und Cloud-Workloads zu versorgen. Micron liefert die 9650 in den serverorientierten Formfaktoren E1.S und E3.S aus, um sich dichten Racks und speziell entwickelten Storage-Regalen anzupassen — denken Sie an Rechenzentren, nicht an Desktop-PCs.

Die 9650 gibt es in zwei Varianten, Pro und Max. Pro zielt auf reine Kapazität ab und bietet Optionen mit 7,68, 15,36 und 30,72 Terabyte. Max opfert etwas Kapazität zugunsten höherer Ausdauer und besserer Robustheit bei Mischlasten, mit SKUs von 6,4, 12,8 und 25,6 Terabyte, die auf anhaltend hohe Lese- und Schreibleistungen ausgelegt sind.

Die Leistungsangaben sind beeindruckend. Die Max-Modelle liefern unter gemischter Lese-/Schreiblast etwa 400.000 höhere IOPS im Vergleich zu Pro, und die zufällige Leseperformance kann in Spitzenbereichen nahe 5,4 Millionen IOPS liegen — ein echter Quantensprung für hochparallele Serveraufgaben und Inferenzpipelinen von Modellen.

Trotz der Verdoppelung des Rohdurchsatzes gegenüber PCIe 5.0 hält Micron die Spitzenschmelzleistung unter 25 Watt. Angesichts der Wärmeentwicklung in Serverracks hat Micron außerdem einen ungewöhnlichen Schritt unternommen und für die E1.S-Variante Unterstützung für Flüssigkeitskühlung zertifiziert, was Betreibern eine weitere Option gibt, thermische Grenzen zu steuern, ohne die Leistung zu drosseln.

Diese Technologie zielt eindeutig auf großskalige Einsätze. Micron rechnet damit, dass die 9650 das Training und die Inferenz großer Sprachmodelle beschleunigt, das schnelle Einspeisen von GPUs mit Daten verbessert und Cloud-Storage-Tiers unterstützt, in denen Bandbreite und IOPS am wichtigsten sind. Es wird kein Mainstream-Consumer-Produkt sein: Heim-Motherboards unterstützen heute größtenteils kein PCIe 6.0, und eine breite Desktop-Adoption ist in den nächsten Jahren unwahrscheinlich.

Unterdessen hat die Nachfrage von Hyperscalern und KI-Plattformanbietern bereits dazu geführt, dass fortgeschrittene Speicherbestände primär an Unternehmenskunden gehen, sodass die Verfügbarkeit im Einzelhandel begrenzt sein dürfte. Beobachten Sie, wie schnell Software- und Systemintegratoren reagieren — denn wenn Speicher mit der Rechenleistung gleichzieht, laufen reale KI-Workflows spürbar schneller.

Technische Grundlagen von PCIe 6.0 und Relevanz für SSDs

PCIe 6.0 bringt mehrere technische Neuerungen, die SSD-Hardware fundamental beeinflussen. Neben einer Verdoppelung der Datenrate gegenüber PCIe 5.0 nutzt PCIe 6.0 PAM-4-Signalgebung kombiniert mit Forward Error Correction (FEC), um die Signalintegrität bei höheren Datenraten zu gewährleisten. Für NVMe-SSDs bedeutet das potenziell deutlich höhere Durchsatzkapazitäten und eine bessere Skalierbarkeit in dicht bestückten Serverumgebungen.

Für Betreiber von Rechenzentren und Anbieter von KI-Infrastruktur sind diese Verbesserungen aus mehreren Gründen relevant:

  • Höherer Rohdurchsatz: Mehr Daten pro Sekunde zwischen Host und Speicher reduziert Engpässe beim Laden großer Modelle und Datensätze.
  • Verbesserte Parallelität: Höhere IOPS-Raten unterstützen tausende gleichzeitige Threads und bestimmen die Latenz für Inferenzaufgaben.
  • Effizientere GPU-Datenversorgung: NVMe-over-PCIe mit größeren Bandbreiten erleichtert das Streaming von Daten zu GPU-Arrays.

Microns 9650 nutzt diese Grundlagen, um die Grenze dessen zu verschieben, was serverorientierter Flash-Speicher leisten kann — mit besonderem Fokus auf latenzkritische und I/O-intensive KI-Workloads.

Formfaktoren: E1.S und E3.S — Warum sie wichtig sind

Micron liefert die 9650 in E1.S- und E3.S-Formaten aus, beide Teil der EDSFF-(Enterprise and Data Center SSD Form Factor)-Familie. Diese Formfaktoren wurden speziell für hohe Dichte, einfache Wartung und optimierte Kühloptionen in Rechenzentren entwickelt.

E1.S

Der E1.S-Formfaktor ist schlank und eignet sich gut für dichte Server-Frontplatten und modulare Storage-Shelves. Seine Kühlbarkeit und Mechanik sind für hohe Leistungsdichten optimiert. Die Zertifizierung der 9650 E1.S für Flüssigkeitskühlung ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Flüssigkeitskühlung ermöglicht gleichbleibend hohe Performance in Umgebungen, in denen Luftkühlung an ihre Grenzen stößt.

E3.S

Der E3.S-Formfaktor bietet mehr Platz für Kapazität bei gleichzeitig guter Wärmeableitung und ist oft in Systemen zu finden, die einen Kompromiss zwischen Dichte und Kühlfläche suchen. Beide Formate zielen auf Rechenzentren und Hyperscaler-Infrastrukturen ab, nicht auf Desktop-Anwender.

Modelle und Konfigurationen: Pro vs. Max

Die 9650-Familie teilt sich in zwei Hauptlinien mit klaren Zielsetzungen:

  • Pro: Fokus auf maximale Kapazität. Verfügbare Größen: 7,68 TB, 15,36 TB, 30,72 TB. Geeignet für große, cost-optimierte Speicherpools in Cloud-Umgebungen.
  • Max: Fokus auf Ausdauer und Performance bei Mischlasten. Verfügbare Größen: 6,4 TB, 12,8 TB, 25,6 TB. Diese SKUs sind für sustained heavy reads/writes ausgelegt und eignen sich besonders für datenintensive Anwendungen mit hoher Schreiblast und intensiver Parallelität.

Die Unterscheidung folgt einer etablierten Strategie: Pro-Modelle maximieren nutzbaren Kapazitätsplatz bei einem gegebenen Kostenpunkt, während Max-Modelle technische Reserven für Langlebigkeit, Schreibausdauer (TBW) und konsistente Leistung behalten.

Leistungsmerkmale und Messwerte

Microns veröffentlichte Leistungszahlen heben einige Schlüsselmetriken hervor, die bei modernen Server-Workloads besonders ins Gewicht fallen:

  • Maximaler sequentieller Durchsatz: bis zu 28 GB/s — etwa das Doppelte von PCIe 5.0-SSDs.
  • Zufällige Lese-IOPS: Spitzenwerte nahe 5,4 Millionen IOPS, was vor allem für datenbank- und Inferenz-Workloads mit hohem Parallelitätsgrad relevant ist.
  • IOPS-Vergleich Max vs. Pro: Max-Varianten liefern unter gemischter Last etwa 400.000 höhere IOPS als Pro-Varianten.
  • Maximale Leistungsaufnahme: Spitzen unter 25 W, trotz des höheren Datendurchsatzes.

Diese Kennzahlen zeigen, dass die 9650 nicht nur in Rohbandbreite punktet, sondern auch in realitätsnahen Mixed-Workload-Szenarien eine deutlich höhere Antwortstärke bieten soll. Für Dienste, die auf niedrige Latenzen und hohe Parallelität angewiesen sind — etwa Inferenzdienste für große Sprachmodelle — können solche Verbesserungen direkte Nutzererlebnisse und Kosteneffizienz beeinflussen.

Energieeffizienz und Kühlungsoptionen

Eine der technischen Herausforderungen bei schnellerem Speicher ist die Wärmeabfuhr. Micron adressiert dies durch Designoptimierungen, sodass die Spitzenleistung unter 25 Watt bleibt — ein entscheidender Faktor in denselben dichten Rack-Umgebungen, die generell thermische Probleme erzeugen.

Besonders erwähnenswert ist die offizielle Zertifizierung der E1.S-Variante für Flüssigkeitskühlung. Flüssigkeitskühlung bietet in modernen Rechenzentren folgende Vorteile:

  • Konstante Temperaturführung bei hoher Leistungsdichte.
  • Reduzierte thermische Drosselung, was die durchschnittliche und die nachhaltige Performance verbessert.
  • Potenzial zur Energieeinsparung durch effizientere Wärmeabführung im Vergleich zu reiner Luftkühlung.

Für Betreiber, die höchste Dichte und dauerhaft hohe I/O-Anforderungen haben, ist diese Option ein Wettbewerbsfaktor, da sie erlaubt, maximale Durchsätze ohne frühzeitige Drosselung zu realisieren.

Einsatzszenarien: Wo die 9650 am meisten bringt

Micron positioniert die 9650 klar für großskalige, praxisorientierte Workloads. Nennenswerte Einsatzbereiche umfassen:

  • Training großer Sprachmodelle: Schneller Datentransfer von Trainingsdaten und Checkpoints reduziert Total Time-to-Train.
  • Inferenz-Pipelines: Hohe IOPS und niedrige Latenzen verbessern Durchsatz und Nutzererlebnis bei echtzeitkritischen KI-Anfragen.
  • GPU-Datenversorgung: Bandbreite und parallele I/O-Performance erleichtern das Streaming großer Datensätze zu GPU-Clustern.
  • Cloud-Speichertiers: Leistungsstarke Tiered-Storage-Strategien, bei denen Bandbreite und IOPS priorisiert werden, profitieren von PCIe 6.0-SSDs.
  • Datenbank- und Virtualisierungsumgebungen: Höhere Parallelität reduziert Latenzen bei transactionalen Workloads.

In Summe zielen die 9650-Modelle auf Kunden, die skalierbare Leistung mit robuster Langzeitstabilität in produktiven Rechenzentrumsumgebungen benötigen.

Verfügbarkeit, Markt und Integrationsaspekte

Micron erwartet, dass die Erstlieferungen primär an Hyperscaler, Cloud-Anbieter und große Enterprise-Kunden gehen. Das hat zwei unmittelbare Folgen:

  1. Retail-Verfügbarkeit wird anfangs eingeschränkt sein, da fortgeschrittene Bestände für Großkunden priorisiert werden.
  2. Die Adoption auf Desktops wird langsam verlaufen, da Endkunden-Motherboards und viele Server-Plattformen erst nach und nach PCIe 6.0-Support bieten.

Ein weiterer Punkt ist die Software- und Systemintegration. Um den vollen Nutzen von PCIe 6.0-SSDs zu ziehen, müssen Plattformen und Orchestrierungsschichten I/O-Parallelen, NVMe-Tuning und QoS berücksichtigen. Systemintegratoren, OS-Hersteller und Hypervisor-Anbieter spielen daher eine wichtige Rolle, damit die Hardware-Leistung in reale, reproduzierbare Anwendungsvorteile umgesetzt wird.

Sicherheits- und Zuverlässigkeitsüberlegungen

Enterprise-SSDs wie die Micron 9650 kommen typischerweise mit erweiterten Feature-Sets für Datensicherheit und Zuverlässigkeit, darunter:

  • End-to-End-Datenintegrität
  • Enterprise-Grade-Fehlerkorrektur
  • Erweiterte Überwachung und Telemetrie für Predictive Maintenance

Solche Funktionen sind essenziell, um die langfristige Betriebssicherheit in Umgebungen zu gewährleisten, in denen Ausfallzeiten oder Datenverluste erhebliche Kosten verursachen würden.

Wirtschaftliche Überlegungen und Wettbewerbsposition

Aus wirtschaftlicher Sicht müssen Betreiber die Anschaffungs- und Betriebskosten (TCO) gegen den Performancegewinn abwägen. PCIe 6.0-SSDs bieten zwar einen höheren Preis je Einheit, aber die Effizienzgewinne bei Trainingszeiten, Inferenz-Latenzen und Workload-Dichte können die Gesamtkosten reduzieren.

Im Wettbewerbsvergleich unterscheiden sich Anbieter vor allem entlang dieser Achsen:

  • Performance pro Watt
  • Kapazität pro Formfaktor
  • Kühlungs- und Integrationsoptionen
  • Langzeitverfügbarkeit und Support

Microns frühe Skalierung der 9650-Familie gibt dem Unternehmen potenziell einen Vorteil bei der Versorgung großer Cloudkunden und Hyperscaler, die aggressive Zeitpläne und große Volumina haben.

Integrationsempfehlungen für Betreiber

Für Teams, die die 9650 planen einzusetzen, empfehlen sich folgende Schritte:

  1. Bewertung der Plattformkompatibilität: Prüfen, ob Server-Plattform, BIOS/UEFI und Betriebssystem PCIe 6.0 unterstützen bzw. Firmware-Updates verfügbar sind.
  2. Thermische Planung: Entscheiden, ob Luft- oder Flüssigkühlung benötigt wird; die E1.S-Fluid-Kühlung ist ein differentielles Feature.
  3. Workload-Profilerstellung: Bestimmen, welche Workloads am meisten von höheren IOPS und Bandbreite profitieren.
  4. QoS- und Monitoring-Strategie implementieren, um konsistente Latenzen und Auslastung sichtbar zu machen.

Fazit

Microns 9650-Familie repräsentiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Enterprise-Flashspeichern: Mit PCIe 6.0, hohen IOPS-Werten, spezifizierten Formen für Rechenzentren und der Option auf Flüssigkeitskühlung adressiert Micron genau die Anforderungen von Hyperscalern und KI-Infrastruktur-Betreibern. Obwohl Desktop-Anwender in den nächsten Jahren kaum davon profitieren werden, könnten Betreiber großer Rechenzentren und KI-Plattformen durch den Einsatz der 9650 erhebliche Verbesserungen bei Trainingszeiten, Inferenzdurchsatz und Gesamtdichte erreichen.

Die Marktdurchdringung hängt nun davon ab, wie schnell Systemintegratoren, Softwarehersteller und Hardwareplattformen PCIe 6.0 in ihren Stacks unterstützen. Wenn Speicher und Rechenleistung im Gleichschritt wachsen, werden reale KI-Workflows spürbar effizienter — und Microns 9650 könnte dabei eine zentrale Rolle spielen.

Quelle: smarti

"Gaming und E-Sports sind mehr als nur ein Hobby für mich. Ich berichte live von den größten Turnieren und Hardware-Releases."

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