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Überblick
Denk an einen Handheld, der sich weigert, klein zu spielen. Der Ayaneo Next 2 kommt wie ein taschengroßer Gipfelstürmer – ehrgeizig, schwer und kaum zu übersehen.
Auf den ersten Blick wirkt das Gehäuse vertraut für Fans von Handheld-PCs. Wer genauer hinsieht, erkennt Hardware, die eher an ein abgespecktes Gaming‑Notebook erinnert. Das Topmodell Next 2 nutzt AMDs Strix Halo Ryzen AI Max+ 395, ein Zen‑5‑Design mit 16 CPU‑Kernen, gekoppelt mit einer Radeon 8060S GPU, die Ayaneo zufolge an die Leistung einer Laptop‑RTX 4060 herankommt. Kurzer Satz. Große Konsequenz.
Die Speicheroptionen bewegen sich in Bereichen, die sonst Desktop‑Systemen vorbehalten sind. Die höchste Konfiguration bietet 128 GB LPDDR5X mit 8000 MT/s, und das System kann bis zu 96 GB davon als GPU‑zugänglichen Speicher bereitstellen – nützlich für rechenintensive Workloads und anspruchsvolle Spiel‑Texturen gleichermaßen. Die interne Speicherung skaliert beim Flaggschiff bis zu 2 TB.

Design und Verarbeitung
Ayaneo setzt beim Next 2 auf ein bewusst massives Design: keine Kompromisse bei Materialstärke oder Kühlungsfläche. Das Gehäuse vermittelt Solidität und vermittelt den Eindruck einer mobilen Workstation, nicht nur eines Spielzeugs.
Größe und Gewicht
Ein auffälliges Merkmal ist die interne 116‑Wh‑Batterie, die viele Fluggesellschaften misstrauisch stimmt. Die meisten leistungsstarken Gaming‑Notebooks begrenzen Kapazitäten auf 99 Wh, um spezielle Genehmigungen für den Transport im Handgepäck zu vermeiden. Ayaneo entschied sich für Kapazität statt Bequemlichkeit – mehr Laufzeit, mehr thermischer und elektrischer Spielraum, aber eben auch ein Gewichtsnachteil. Der Next 2 wiegt etwa 1,4 Kilogramm, mehr als das Doppelte eines Steam Decks. Das Gerät wirkt dadurch substantiell; es ist nicht als simpler Begleiter für den schnellen Arbeitsweg gedacht.
Hardware und Leistung
Unter der Haube ordnet sich der Next 2 eher im Bereich kompakter Arbeitsstationen ein als im typischen Handheld‑Segment. Die Kombination aus AMD Strix Halo Ryzen AI Max+ 395 und Radeon 8060S zielt darauf ab, hohe Rechenleistung in eine mobile Form zu packen.
CPU und GPU
Der Ryzen AI Max+ 395 basiert auf der Zen‑5‑Architektur und bringt 16 CPU‑Kerne mit. Das ermöglicht multithreadintensive Anwendungen wie Video‑Encoding, 3D‑Rendering oder große Simulationen auf einem Gerät, das man noch in die Hand nehmen kann. Die Radeon 8060S ist als diskrete mobile GPU positioniert; Ayaneo behauptet, sie komme in einigen Szenarien an die Performance einer Laptop‑RTX 4060 heran. Das ist bedeutsam für Spieler und Profis, die Grafikleistung mit Mobilität kombinieren möchten.
Speicher und Speicherarchitektur
Die verfügbaren RAM‑Optionen drücken die Grenzen dessen aus, was man bisher in Handhelds gesehen hat. Bis zu 128 GB LPDDR5X mit 8000 MT/s sind verfügbar; bis zu 96 GB davon lassen sich als gemeinsamer, GPU‑zugänglicher Speicher darstellen. Für Content‑Creator, Entwickler und Anwender mit großen Datensätzen ist das ein klares Unterscheidungsmerkmal gegenüber typischen Handhelds, die meist 16–32 GB bieten.
Thermik und Leistungssteuerung
Um diese hohe Leistungsdichte zu managen, braucht es eine effektive Kühlung und eine flexible TDP‑Steuerung. Ayaneo kombiniere laut Hersteller eine größere Wärmeabfuhr mit einer konservativen, konfigurierbaren Leistungssteuerung, sodass Anwender zwischen Performance‑Modi wechseln können. Das Ergebnis ist ein Gerät, das unter Last sicherlich wärmer und lauter wird als leichte Handhelds, dafür aber auch deutlich mehr Rechenarbeit leistet.
Display
Das Display macht keine Kompromisse: ein 9,06‑Zoll‑OLED‑Panel mit 2400 × 1504 Pixeln, 165 Hz Bildwiederholrate, vollständiger DCI‑P3‑Abdeckung und einer angegebenen Spitzenhelligkeit von 1.155 Nits. Farben. Kontrast. Flüssige Bewegungen. Für Content‑Creator und kompetitive Spieler, die sowohl Bildtreue als auch Framerate benötigen, erfüllt dieses Panel mehrere Anforderungen.
Farbdarstellung und Eignung für Kreative
Mit voller DCI‑P3‑Abdeckung spricht das Panel Nutzer an, die sich auf eine konsistente Farbwiedergabe verlassen müssen — etwa Videoproduzenten oder Fotografen, die unterwegs an Projekten arbeiten. Die hohe Spitzenhelligkeit ist zudem praktisch bei sonnigen Lichtverhältnissen oder für HDR‑Inhalte.
Gaming‑Performance des Displays
Eine Bildwiederholrate von 165 Hz in Kombination mit der OLED‑Technologie sorgt für niedrige Reaktionszeiten und ein scharfes Bewegungsbild. Das ist besonders relevant für wettbewerbsorientierte Titel, bei denen Eingabelatenzen und flüssige Darstellung einen messbaren Unterschied machen.
Batterie und Mobilität
Die große 116‑Wh‑Batterie ist ein zentrales Design‑Statement. Sie erlaubt längere Sessions ohne Steckdose, bietet aber gleichzeitig Platz für eine großzügigere thermische Auslegung.
Vorteile und Nachteile
- Längere Laufzeiten möglich bei moderater Nutzung und sparsamen Profilen.
- Mehr thermischer Spielraum für CPU/GPU‑Boosts.
- Gewichts‑ und Transportnachteile – 1,4 kg sind für viele Pendler zu schwer.
- Mögliche Einschränkungen beim Flugverkehr aufgrund der Kapazität über 99 Wh.
Ayaneo tauscht hier also Reisekomfort gegen Leistung und Ausdauer – ein bewusstes Design‑Dilemma, das den Next 2 als mobile Power‑Box positioniert, nicht als ultraleichtes Mobilgerät.
Steuerung und Anschlüsse
Die Ergonomie und die Anschlussausstattung sind auf Vielseitigkeit ausgelegt. Zwei Touchpads flankieren das Display, vier programmierbare Tasten sitzen unter den Handflächen, und Dual‑USB4‑Type‑C‑Anschlüsse übernehmen sowohl Stromversorgung als auch externe Monitore. Die Trigger sind lineare Hall‑Effekt‑Einheiten mit einer zweistufigen Verriegelung und einstellbarer Spannung. Kleine Details, doch sie unterstreichen das Ziel, das Gerät gleichermaßen als Handheld und kompakte Workstation zu positionieren.
Peripherie und Erweiterbarkeit
Mit USB4‑Unterstützung lässt sich der Next 2 an externe Displays, Docking‑Stationen oder schnelle NVMe‑Enclosures anbinden. Für Anwender, die unterwegs mit mehreren Bildschirmen oder anspruchsvoller Peripherie arbeiten möchten, ist diese Anschlussvielfalt ein großer Pluspunkt.
Preisgestaltung und Verfügbarkeit
Interessiert an den Kosten? Ayaneo startete Vorbestellungen über Indiegogo mit gestaffelten Preisen, die schnell ansteigen. Early‑Bird‑Angebote liegen unter dem späteren Einzelhandelspreis, aber selbst die rabattierten Zahlen bewegen sich im Premiumsegment:
- Ryzen AI Max 385 / 32GB / 1TB — Indiegogo: $1,799 | Einzelhandel: $1,999
- Ryzen AI Max+ 395 / 64GB / 1TB — Indiegogo: $2,299 | Einzelhandel: $2,699
- Ryzen AI Max+ 395 / 128GB / 2TB — Indiegogo: $3,499 | Einzelhandel: $4,299
Die Auslieferungen sollen im Juni 2026 beginnen. Die Preisgestaltung signalisiert deutlich, dass Ayaneo einen Markt anvisiert, der bereit ist, für mobile High‑End‑Leistung tief in die Tasche zu greifen — ähnlich wie bei spezialisierten Ultrabooks oder mobilen Workstations, nur in einem anderen Formfaktor.
Für wen ist das Gerät geeignet?
Der Next 2 ist kein universeller Ersatz für ultraleichte Laptops oder stationäre Konsolen. Er richtet sich an eine klar abgegrenzte Nutzergruppe:
- Power‑User, die maximale Rechenleistung in einem tragbaren Gerät benötigen.
- Content‑Creator und Entwickler, die unterwegs anspruchsvolle Aufgaben erledigen wollen.
- Enthusiasten, die die höchste mobile Performance suchen und Gewicht, Lautstärke sowie Temperatur in Kauf nehmen.
Wenn Ihr Arbeitsablauf rohe Rechenleistung in mobiler Form verlangt — und Sie damit leben können, etwas zu tragen, das eher einem kleinen Ziegelstein gleicht als einem leichten Handheld — bietet der Next 2 einen einzigartigen Kompromiss: Desktop‑Klasse‑Leistung in einem handlichen Fußabdruck.
Wettbewerbspositionierung und technische Einordnung
Im Vergleich zu anderen Handhelds positioniert sich der Next 2 am oberen Ende der Leistungsskala. Während Geräte wie das Steam Deck oder andere ARM‑basierte Handhelds auf Effizienz und niedriges Gewicht setzen, zielt Ayaneo auf rohe Rechenleistung und Flexibilität. Die Kombination aus Zen‑5‑CPU, einer vergleichsweise leistungsfähigen mobilen GPU und ungewöhnlich viel LPDDR5X‑RAM hebt das Gerät aus dem üblichen Handheld‑Segment heraus.
Das heißt nicht, dass der Next 2 in jedem Anwendungsfall überlegen ist. Für lange Reisen, Flugkomfort oder reine Mobilität sind leichtere, energieeffizientere Geräte geeigneter. Für Aufgaben, bei denen CPU‑Threads, großer Speicher und GPU‑Zugriff auf mehr RAM den Unterschied machen, spielt der Next 2 seine Stärken aus.
Fazit
Ayaneo bietet mit dem Next 2 eine kompromisslose Option: schwer, heiß, laut und leistungsfähig. Man wähle seine Adjektive — und seine Prioritäten. Für die richtige Zielgruppe stellt der Next 2 eine attraktive Alternative dar: eine tragbare Maschine, die Desktop‑ähnliche Leistung liefert.
Für Anwender, die maximale mobile Performance benötigen und bereit sind, dafür Gewicht und einige praktische Einschränkungen in Kauf zu nehmen, ist der Next 2 ein klares Statement. Für alle anderen bleibt er ein interessantes, aber spezialisiertes Produkt in einem wachsenden Markt für leistungsfähige Handheld‑PCs.

Quelle: smarti
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