Exynos 2600: Mobil-Raytracing erreicht neuen Meilenstein

Der Exynos 2600 mit Xclipse 960 erzielt beeindruckende 8.321 Punkte im Basemark‑Raytracing‑Test. Dieser Artikel erläutert Bedeutung, technische Ursachen, Praxisgrenzen, regionale Verfügbarkeit und Kaufempfehlungen auf Deutsch.

Tim Becker Tim Becker . Kommentare
Exynos 2600: Mobil-Raytracing erreicht neuen Meilenstein

8 Minuten

Einführung

Vor Kurzem rückte der vermeintliche Exynos 2600 von Samsung das Thema Mobil-Raytracing wieder in den Mittelpunkt der Diskussion. Benchmark-Ergebnisse schreiben der Xclipse 960 GPU des Chips beeindruckende 8.321 Punkte im Raytracing-Test von Basemark In Vitro 1.0 zu. Das ist keine Rundungsdifferenz: etwa 8 % Vorsprung vor der Adreno 840 im Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5 und rund 17 % Vorsprung gegenüber der Mali-G1 Ultra im MediaTek Dimensity 9500. Solche Zahlen deuten darauf hin, dass mobile Grafikhardware einen weiteren Schritt in Richtung Desktop‑ähnlicher Effekte macht — zumindest in synthetischen Tests.

Benchmark-Ergebnisse

Basemark In Vitro 1.0 im Detail

Basemark In Vitro testet Raytracing-Workloads, die Echtzeit-Beleuchtung, Reflexionen und Geometrie-Berechnungen simulieren. Das Resultat von 8.321 Punkten für die Xclipse 960 ist insofern bemerkenswert, als der Test speziell für die Bewertung von RT-Fähigkeiten konzipiert wurde. Basemark aggregiert verschiedene Szenarien und misst, wie effizient die GPU Strahlen verfolgt, Schnittpunkte berechnet und letztlich das gerenderte Bild aufbaut. Für Leser, die Benchmarks als Indikator nutzen: solche synthetischen Ergebnisse zeigen die theoretische Maximalleistung unter kontrollierten Bedingungen, nicht zwangsläufig die Erfahrung in einem Dauer-Gaming-Szenario auf einem realen Gerät.

Vergleich zu Adreno 840 und Mali-G1 Ultra

Der Abstand von rund 8 % gegenüber der Adreno 840 und 17 % gegenüber der Mali-G1 Ultra legt nahe, dass die Xclipse 960 in bestimmten Raytracing-Workloads effizienter ist. Adreno GPUs von Qualcomm haben traditionell starke Raster- und Compute‑Leistung bei niedrigen Latenzen gezeigt, während Mali-Lösungen von ARM bzw. verwandte Designs in einigen Szenarien mehr auf Energieeffizienz optimiert sind. Der Vorteil der Xclipse 960 in diesem Test kann mehrere Ursachen haben: unterschiedliche RT‑Hardwareblöcke, besser abgestimmte Shader-Pipelines oder einfach ein anderes Balancing zwischen Rohleistung und Energieverbrauch. Wichtig ist, solche Zahlen in Relation zu setzen: Benchmarks vergleichen Architekturansätze, nicht das komplette Nutzererlebnis.

Warum der Sprung?

Die Rolle von RDNA 4 und Xclipse 960

Ein großer Faktor hinter diesem Leistungssprung ist die Abstammung der Xclipse 960 von AMDs RDNA 4 Raytracing-Architektur. RDNA 4 bringt Hardware‑beschleunigung für Raytracing mit, optimierte Beschleuniger für Strahlenintersektion und eine effektivere BVH‑Traversal (Bounding Volume Hierarchy), was bei komplexen Szenen den Unterschied macht. Für mobile GPUs bedeutet die Integration solcher Technologien, dass sich rechenintensive Effekte wie weiche Schatten, genaue Spiegelungen und komplexe indirekte Beleuchtung überhaupt erst auf einem Smartphone realisieren lassen, ohne die GPU völlig zu überlasten.

Architektur, Fertigung und Taktung

Neben der reinen Architektur spielen Fertigungsprozess, Taktraten und Speicher-Interface eine Rolle. Eine moderne GPU-Architektur kann ihre Vorteile nur ausspielen, wenn sie mit genügend Bandbreite versorgt wird und thermisch sinnvoll betrieben werden kann. Die Implementierung der Xclipse 960 im Exynos-SoC kombiniert vermutlich ein RDNA‑4‑basiertes Design mit mobiltypschen Anpassungen: effizientere CUs, dedizierte RT-Beschleuniger und ein Speicher-Subsystem, das Raytracing-Workloads besser bedient als ältere mobile GPUs. Diese Kombination erklärt, warum der Chip in einem Benchmark so gut abschneidet.

Einschränkungen in der Praxis

Thermik und Drosselung

Benchmarks werden häufig in kontrollierten Umgebungen durchgeführt: laborkühlung, kurze Lastspitzen und optimale Umgebungstemperaturen. Im Alltag sieht die Lage anders aus. Smartphones sind begrenzt in ihrer Kühlbarkeit; hohe GPU-Last über längere Zeit führt zu Temperaturanstieg und darauf folgender Drosselung (Thermal Throttling). Das Ergebnis kann sein, dass ein Gerät kurzfristig sehr hohe Raytracing-Werte erzielt, aber die durchschnittliche Framerate über eine längere Spielsitzung deutlich sinkt. Für Spieler ist nicht nur die Spitzenleistung entscheidend, sondern die Fähigkeit, diese Leistung nachhaltig aufrechtzuerhalten, ohne dass das Gerät zu heiß wird oder die Bildrate einbricht.

Treiber, APIs und Spiele‑Support

Raytracing ist nicht nur eine Frage der Hardware, sondern auch des Software-Ökosystems. Treiberoptimierungen, Vulkan‑Erweiterungen für Raytracing und die Bereitschaft der Spiele‑Engines, RT‑Features zu nutzen, bestimmen, wie gut die theoretische GPU-Leistung in echte Verbesserungen übersetzt wird. Entwicklern fehlt derzeit oft die Incentivierung, mobile Raytracing-Features breit zu integrieren: die Fragmentierung des Marktes, unterschiedliche SKUs und die begrenzte Verbreitung RT‑fähiger Geräte dämpfen die Motivation. Ohne robuste Treiber und Engine‑Optimierung bleiben beeindruckende Benchmarkwerte womöglich vorwiegend ein Argument für Marketing statt für ein spürbares Gamingerlebnis.

Akkulaufzeit und Energiehaushalt

Raytracing ist rechenintensiv und kann den Energieverbrauch deutlich anheben. Auf einem Smartphone zeigt sich das in schnell sinkender Akkulaufzeit und höheren Gehäusetemperaturen. Hersteller müssen deshalb Abwägungen zwischen maximaler Raytracing‑Qualität und akzeptabler Batterieentladung treffen. Adaptive Qualitätsstufen, dynamische Skalierung der RT-Resolution und hybride Rendermethoden (Raytracing ergänzt durch Screen-Space-Techniken) sind mögliche Lösungen, die Entwickler implementieren können, um die Balance zwischen Bildqualität und Energieverbrauch zu halten. Bis diese Ansätze verbreitet sind, bleibt Raytracing auf Mobilgeräten oft ein Feature für kürzere Demos oder spezielle Modi, nicht unbedingt für dauerhaftes Spielen.

Regionale Verfügbarkeit und Kaufberatung

Ein zusätzlicher, praxisrelevanter Punkt ist die regionale Verfügbarkeit. Erste Berichte deuten darauf hin, dass der Exynos 2600 in der Basisausstattung der Galaxy S26‑Modelle in bestimmten Märkten auftauchen könnte, während andere Regionen Snapdragon‑Varianten erhalten. Diese Aufteilung ist für Enthusiasten seit Jahren problematisch: identische Modellnamen, aber unterschiedliche Silicon‑Plattformen und damit unterschiedliche Leistungs- und Energieprofile. Wenn Mobil‑Raytracing für Sie ein Kaufkriterium ist, gewinnt die Wahl der regionalen SKU an Bedeutung. Käufer sollten sich vor dem Kauf informieren, welche SoC‑Variante in ihrer Region angeboten wird und wie diese in unabhängigen Tests abschneidet.

Kauftipps für Interessierte

  • Prüfen Sie frühzeitig, welche SoC‑Version in Ihrem Zielmarkt angeboten wird.
  • Lesen Sie Langzeit‑Benchmarks, die nachhaltige Leistung und Drosselung behandeln, nicht nur kurze Spitzenwerte.
  • Achten Sie auf Spielelisten und Entwicklerankündigungen für Raytracing‑Support.
  • Berücksichtigen Sie Faktoren wie Akkulaufzeit, Wärmeentwicklung und Treiber‑Updates.

CPU vs GPU: Prioritäten abwägen

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Exynos 2600 scheint in GPU‑bezogenen Raytracing‑Tests zu glänzen, zeigt aber in einigen aktuellen Single‑Core‑CPU‑Benchmarks leichte Rückstände gegenüber Qualcomms neuester CPU‑Designs. Das hat konkrete Auswirkungen: Wenn Ihre Nutzung stark auf single‑threaded App‑Responsiveness setzt — etwa bei bestimmten Spielen, alltäglichen Apps oder bei Arbeiten mit hoher Priorität auf kurze CPU‑Spitzen — kann ein schnellerer Single‑Core‑CPU die subjektive Performance spürbar verbessern. Umgekehrt, wenn Grafikeffekte und GPU‑beschleunigte Anwendungen dominieren, kann eine führende GPU‑Leistung wichtiger sein.

Welche Leistung zählt für welchen Nutzer?

Die richtige Wahl hängt von Ihrem persönlichen Nutzungsprofil ab. Gamer, die Wert auf visuelle Qualität legen und die neuesten Effekte wünschen, profitieren mehr von einer starken GPU und gutem Raytracing‑Support. Nutzer, die flüssige Bedienung in Alltagsapps, schnelle App‑Starts und bessere Single‑Thread‑Performance benötigen, werden die Stärken eines kräftigeren CPU‑Kerns schätzen. Für die meisten Anwender ist eine ausgeglichene Plattform ideal; für Power‑User kann der Kompromiss je nach Priorität akzeptabel oder ausschlaggebend sein.

Fazit

Die Quintessenz ist klar: Exynos 2600 signalisiert echten GPU‑Fortschritt, doch reale Vorteile hängen von Thermik, regionaler Verfügbarkeit und Software‑Support ab.

Die Frage, ob die 8.321 Punkte die Art und Weise verändern, wie Smartphones aussehen und spielen werden, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Möglicherweise treiben solche Ergebnisse Entwickler und Hersteller dazu, Raytracing‑Features ernster zu nehmen und mehr Ressourcen in Treiber und Engine‑Optimierung zu investieren. Für Verbraucher ist entscheidend, ob diese Fortschritte in nachhaltige, alltagsrelevante Verbesserungen übersetzt werden: längere Sessions mit stabilen Framerates, akzeptable Wärmeentwicklung und praxisnahe Akkulaufzeiten.

Letzten Endes hängt die Antwort darauf, ob diese Benchmark‑Zahlen Ihre nächste Kaufentscheidung beeinflussen sollten, von Ihren Prioritäten ab: Wertschätzen Sie besonders visuelle Fidelity und experimentelle Effekte, oder sind Ihnen stabile Leistung, Akkulaufzeit und Single‑Thread‑Responsiveness wichtiger? Beides ist legitim — und beide Faktoren sollten in einer umfassenden Kaufentscheidung berücksichtigt werden.

Quelle: gsmarena

"Gaming und E-Sports sind mehr als nur ein Hobby für mich. Ich berichte live von den größten Turnieren und Hardware-Releases."

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