Als Sam Altman erfuhr, dass Apple OpenAI verklagt hatte, reagierte er fast persönlich. „Ich bin wirklich ein großer Apple-Fan“, sagte er dem Tech-Journalisten Alex Heath. Die Nachricht habe ihn getroffen. Knapp formuliert, aber offenbar aufrichtig.
In der im Juli eingereichten Klage wirft Apple OpenAI vor, koordiniert gehandelt zu haben, um an Geschäftsgeheimnisse des Konzerns zu gelangen. OpenAI wies die Vorwürfe umgehend zurück. Sie seien unvereinbar mit Apples Anspruch, selbst auf kleinste Details zu achten, erklärte das Unternehmen und betonte, kein Interesse an vertraulichen Unterlagen anderer Firmen zu haben.
OpenAI betont, kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen zu haben.
Altman räumte ein, zunächst etwas Schwerwiegendes befürchtet zu haben – einen Verstoß, der Schlagzeilen macht und Sondersitzungen nach sich zieht. In der 40-seitigen Klageschrift wird er jedoch kaum erwähnt. Stattdessen nennt Apple zwei frühere Mitarbeiter, Chang Liu und Tang Tang, als zentrale Beklagte mit Verbindungen zu OpenAI. Sie sollen sensible Dateien mitgenommen oder aufbewahrt und aktuelle Apple-Mitarbeiter zu unveröffentlichten Produkten befragt haben.

Die Anschuldigungen wirken wie eine überraschende Wendung. Nur ein Jahr zuvor hatte Altman in Apples Büros gestanden, um eine bedeutende Partnerschaft anzukündigen: Apple sollte prüfen, ChatGPT in seine Produkte zu integrieren. Wie konnte aus einem Handschlag so schnell ein Rechtsstreit werden? Die Antwort liegt zum Teil im Ausmaß der Ambitionen. OpenAI drängt zunehmend in die Consumer-Hardware – ein Feld, das Apple seit Jahrzehnten eifersüchtig verteidigt. Wo Zusammenarbeit einst nahelag, verschärft der Wettbewerb nun die Fronten.
Die Beziehungen kühlten weiter ab, nachdem Altman und Jony Ive offenlegten, dass sie jahrelang zusammengearbeitet hatten und OpenAI plante, Ives Start-up IO für rund 6,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Wenige Züge auf dem Schachbrett können alles verändern. Eben noch geht es um Integrationen, im nächsten Moment prüfen Anwaltsteams Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs).
Altmans Vorliebe für Apple ist nicht neu. Er stand bereits 2008 auf der Bühne der Apple Worldwide Developers Conference, um Loopt vorzustellen – eine ortsbasierte Social-App, die er mitgegründet hatte. Seinen Auftritt auf der WWDC, der damals mit Zustimmung von Steve Jobs zustande kam, bezeichnete er als einen Höhepunkt seiner Karriere. Dieses Bild wirkt heute fehl am Platz neben der Klage, in der zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter wegen des unsachgemäßen Umgangs mit vertraulichen Informationen beschuldigt werden.
Worum geht es also? Um einen Vertragsstreit mit eng gefassten Vorwürfen? Oder um die erste Schlacht einer größeren Rivalität zwischen einem etablierten Hardware-Giganten und einem schnell agierenden KI-Newcomer? So oder so ist es ein seltener, unerquicklich verlaufender Zusammenstoß von Bewunderung, Ehrgeiz und den rechtlichen Grenzen des Vertrauens.



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