Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA hat vorgeschlagen, Apple dazu zu verpflichten, die NFC-Technologie des iPhone für Drittanbieter zu öffnen und wirtschaftlich tragfähige, deutlich niedrigere Gebühren sicherzustellen.
Nach Angaben der CMA haben britische Unternehmen darauf hingewiesen, dass „Apples Gebühren und Regeln britische FinTechs und andere Firmen daran hindern, innovativ zu sein und zu wachsen“.
Die Aufsichtsbehörde schlug zwei wesentliche Änderungen vor. Erstens müsste Apple den Zugang über beide internationalen Standards für kontaktloses Bezahlen ermöglichen: das Secure Element (SE), bei dem Daten auf dem Gerät gespeichert werden, und Host-based Card Emulation (HCE), bei der die Daten außerhalb des Geräts liegen. Apple bietet in Großbritannien derzeit nur SE an.
Die CMA erklärte, die vorliegenden Belege deuteten darauf hin, dass keiner der beiden Standards für sich genommen Sicherheitsbedenken aufwerfe. Die Unterstützung beider Standards würde britischen Unternehmen zudem ermöglichen, Zahlungsdienste anzubieten, die in der EU bereits verfügbar sind.
Zweitens müsse der Zugang wirtschaftlich tragfähig sein, so die CMA. Die Aufsichtsbehörde werde die Preise nicht selbst festlegen, habe jedoch Grundsätze für die Gebührenfestsetzung vorgeschlagen. Sie erwartet, dass die daraus resultierenden Entgelte „deutlich niedriger“ ausfallen würden als die aktuellen Apple-Gebühren, während das Unternehmen weiterhin angemessen vergütet werde.

Die Änderungen könnten laut CMA Anwendungen ermöglichen, die über Zahlungs-Apps hinausgehen – etwa digitale Ausweise und Tools zur Altersverifikation, digitale Schlüssel für Autos, Hotels und Arbeitsstätten, Tickets und Fahrkarten sowie Treueprogramme.
Die Aufsichtsbehörde verwies auf die EU: Sechs Monate nachdem Apple der NFC-Nutzung für Zahlungen zugestimmt hatte, startete Vipps die erste alternative Zahlungs-App. Es folgten PayPal, Klarna, Curve und BBVA. In Großbritannien habe dagegen „kein einziges Unternehmen ein Wallet-ähnliches Produkt auf den Markt gebracht, das mit dem von Apple konkurriert“, so die CMA.
Kontaktlose Zahlungen machten inzwischen 39 % aller Zahlungen im Vereinigten Königreich aus, gegenüber 3 % vor einem Jahrzehnt, stellte die CMA fest. Mehr als 60 % der Erwachsenen nutzten ein digitales Wallet, wobei Apple Wallet am beliebtesten sei.
Apple erklärte über einen Sprecher gegenüber Reuters: „Wir glauben nicht, dass die CMA Apple dazu verpflichten sollte, einen Ansatz mit geringeren Datenschutz- und Sicherheitsstandards zu verfolgen.“ Das Unternehmen werde „weiter konstruktiv zusammenarbeiten, um ein Ergebnis zu erreichen, das im besten Interesse unserer Nutzer liegt“.
Die Konsultation der CMA endet am 17. November. Der Vorschlag ist eine Verhaltensanforderung nach dem britischen Gesetz über digitale Märkte, Wettbewerb und Verbraucher von 2024. Er gilt für Apple, weil das Unternehmen für seine mobile Plattform als strategisch marktbestimmend eingestuft wurde.




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