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Bolivien sucht bei El Salvador Inspiration für Krypto-Innovation
Bolivien sorgt aktuell in der internationalen Krypto-Community für Aufsehen, indem es eine bedeutende Partnerschaft mit El Salvador eingeht – dem Vorreiter Lateinamerikas bei der Einführung digitaler Vermögenswerte. Nur ein Jahr nach der Aufhebung des Krypto-Verbots kooperiert die bolivianische Regierung aktiv mit El Salvador, um eine solide politische und regulatorische Basis für Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu schaffen. Inmitten unterschiedlicher wirtschaftlicher Herausforderungen stellt diese Allianz einen wichtigen Schritt im digitalen Transformationsprozess Boliviens dar und signalisiert den Beginn verstärkter Blockchain-Adoption.
Ein strategisches Memorandum of Understanding
Ein aktuelles Schreiben der Zentralbank von Bolivien (BCB) bestätigt, dass beide Länder ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet haben. Mit sofortiger Wirkung und unbegrenzter Laufzeit soll dieses Abkommen die dauerhafte Zusammenarbeit in den Bereichen Krypto-Regulierung, -Strategie und Blockchain-Technologietransfer ermöglichen. Bolivien möchte vom praktischen Know-how El Salvadors rund um digitale Vermögenswerte profitieren.
Lernchancen aus El Salvadors Krypto-Pionierrolle
El Salvador sorgte 2021 international für Schlagzeilen, als das Land als erstes weltweit Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführte. Trotz kontroverser Debatten und regulatorischer Herausforderungen hat El Salvador mit dieser Strategie weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Die bolivianische Zentralbank will die Erfahrungen des Nachbarlands analysieren – sowohl die Erfolge als auch die Schwierigkeiten – um praxisnahe Kryptoregulierungen zu entwickeln, das Risikomanagement zu verbessern und Blockchain-Lösungen im eigenen Finanzsystem zu integrieren.
Das erklärte Hauptziel der BCB ist es laut ihrer offiziellen Mitteilung, „sichere und regulierte“ Rahmenbedingungen für digitale Assets zu schaffen, um Investoren anzuziehen und Familien sowie kleinen Unternehmen neue Chancen zu eröffnen. Hierbei unterstützt El Salvadors nationale Kommission für digitale Vermögenswerte (CNAD) als erfahrener Regulator, insbesondere bei technischen und operativen Herausforderungen im Bereich Kryptowährungen.
Warum jetzt? Boliviens notwendiger Schritt hin zu digitalen Assets
Boliviens Kurswechsel erfolgt in einer Zeit ernsthafter wirtschaftlicher Probleme. Nach der Aufhebung des jahrelangen Krypto-Verbots im Juni 2024 erhielten Finanzinstitute die Genehmigung, sowohl Bitcoin- als auch Stablecoin-Zahlungen abzuwickeln. Dieser regulatorische Wandel führte zu einem sprunghaften Anstieg beim Krypto-Handelsvolumen: Bis Mitte 2025 kletterten Kryptotransaktionen auf 294 Millionen US-Dollar – ein enormer Anstieg gegenüber 46,8 Millionen Dollar in den ersten Monaten nach der Gesetzesänderung.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind alarmierend: Boliviens Devisenreserven sind in den vergangenen zehn Jahren um 98 Prozent geschrumpft – von 12,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf nur noch 165 Millionen Dollar im April 2025. Angesichts der fortschreitenden Inflation und dem Wertverlust des Boliviano wechseln viele Bolivianer zu US-Dollar sowie zu wertstabilen Stablecoins wie Tether (USDT), um ihr Erspartes zu sichern.
Digitale Zahlungen gewinnen in Bolivien an Bedeutung
Digitale Währungen verändern bereits jetzt den Alltag vieler Bolivianer, besonders in den Städten. Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen – darunter Restaurants, Friseure und Kosmetikstudios – akzeptieren Bitcoin und USDT als Zahlungsmittel. Kunden begegnen zunehmend Speisekarten und Preisschildern, die in Stablecoins anstelle von Boliviano ausgezeichnet sind – ein deutlicher Hinweis auf den Einfluss von Kryptowährungen auf den lokalen Handel.
Tether-CEO Paolo Ardoino bezeichnete diese Entwicklung unlängst als leise, aber revolutionäre Bewegung. Fotos von Geschäften, die Warenpreise in USDT ausweisen, verdeutlichen dies. Der ehemalige Zentralbankpräsident Jose Gabriel Espinoza berichtete, dass sich das tägliche USDT-Transaktionsvolumen 2025 bereits auf über 600.000 US-Dollar belief – ein Beleg für das rasante Wachstum von Krypto-Zahlungen, auch wenn sie noch einen kleinen Anteil am gesamten Wirtschaftsgeschehen ausmachen.
Institutionen und Wirtschaft steigen ein
Auch Boliviens Bankenlandschaft reagiert auf den Wandel. Banco Bisa, eine der größten Banken des Landes, hat im Oktober vergangenen Jahres eine Verwahrungslösung für Tether USDT eingeführt – dies erleichtert es Privatpersonen und Unternehmen, digitale Vermögenswerte sicher zu speichern und zu verwenden. Der Trend setzt sich in staatlichen Unternehmen fort: Medienberichten zufolge bereitet YPFB, Boliviens staatlicher Erdölkonzern, den Einsatz von Kryptowährungen für Treibstoffimporte vor – ein weiterer Schritt zur Nutzung von Krypto für internationale Finanztransaktionen.
Ausblick: Krypto-Regulierung und finanzieller Wandel
Die Partnerschaft zwischen Bolivien und El Salvador ist ein bedeutendes Beispiel für aufstrebende Märkte, die Krypto-Regulierung und Blockchain-Akzeptanz vorantreiben wollen. Während Bolivien gemeinsam mit El Salvadors Experten eine „sichere und regulierte“ Infrastruktur für digitale Vermögenswerte entwickelt, unterstreichen beide Länder die zunehmende Bedeutung von Blockchain, Bitcoin und Stablecoins für wirtschaftlich unter Druck stehende Nationen. Angesichts der schnellen weltweiten Krypto-Adaption könnte Boliviens strategische Ausrichtung anderen Staaten als Vorbild für die wirtschaftliche Erneuerung und das Wachstum durch Blockchain-Technologie dienen.
Quelle: crypto
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