Staffel 3 Finale von The Gilded Age: Eine Ehe vor dem Abgrund

Staffel 3 Finale von The Gilded Age: Eine Ehe vor dem Abgrund

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Staffel 3 Abschluss: Eine Ehe am Rande des Zerbrechens

Das Finale der dritten Staffel von The Gilded Age mit dem Titel "Mein Entschluss steht fest" endet mit einer überraschenden und einschneidenden Trennung: George Russell (Morgan Spector) teilt seiner Frau Bertha (Carrie Coon) mit, dass er sie verlässt. Diese Offenbarung erfolgt am Morgen nach Berthas größtem gesellschaftlichen Erfolg, als sie ihren Stand an der Spitze der New Yorker Gesellschaft festigt – ein Moment, der eigentlich glorreich hätte sein sollen, stattdessen jedoch einen schmerzlich Abwärtsstrudel einleitet. Die Ereignisse werden noch komplizierter durch ein Attentat auf George, das ihn dazu zwingt, sich mit seiner eigenen Sterblichkeit und alten, nicht verarbeiteten Schuldgefühlen auseinanderzusetzen. Dazu zählt auch die Frage, welche Rolle er und Bertha bei der arrangierten Ehe ihrer Tochter Gladys (Taissa Farmiga) mit Hector, dem Duke of Buckingham (Ben Lamb), gespielt haben.

Carrie Coon über George und Bertha: Zwei Facetten einer komplexen Beziehung

In einem Interview mit der Los Angeles Times äußerte sich Carrie Coon zum Staffelfinale und mied einfache Prognosen für die Zukunft des Ehepaars Russell. Sie beschrieb Bertha als unbeirrbar und nicht bereit, das Gesellschaftsfeld freiwillig zu räumen, während George nach seiner Nahtod-Erfahrung in einen seltenen Zustand der Selbstreflexion gerät. Coon betonte die moralische und emotionale Komplexität der Trennung: Obwohl George und Bertha stets als mächtiges, vertrautes Team galten – loyal, politisch geschickt und mit echter Zuneigung füreinander – bringt die dritte Staffel nun lang schwelende Spannungen an die Oberfläche.

Berthas blinder Fleck und die Kraft der dramatischen Ironie

Coon unterstrich, dass George' Wutausbruch für Bertha scheinbar aus dem Nichts kommt. Für das Publikum hingegen war der Verfall der Beziehung absehbar: Berthas unermüdlicher sozialer Aufstieg, ihre manipulativen – manche würden sagen, zwangsartigen – Methoden und ihr Unvermögen, die Folgen ihres Handelns wirklich zu reflektieren, deuteten bereits auf diesen Bruch hin. Die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Figuren und der der Zuschauer erschafft eine starke dramatische Ironie, die dem Staffelfinale zusätzliche Spannung verleiht.

Dramatische Auswirkungen: Bedeutung für Staffel 4

Vor der dritten Staffel galten George und Bertha aufgrund ihrer Einigkeit in geschäftlichen wie gesellschaftlichen Belangen als das stabilste Paar der Serie. Georges plötzlicher Abschied droht nicht nur diese Wahrnehmung zu zerstören, sondern stellt Bertha gerade in dem Moment in Frage, als sie Mrs. Astor (Donna Murphy) als oberste Instanz der Etikette abgelöst hat. Ohne den Rückhalt ihres Ehemanns könnten Berthas Einfluss und ihre politische wie gesellschaftliche Macht schwinden, wodurch die Kräfteverhältnisse im Hause Russell neu verteilt werden dürften.

Droht die Scheidung?

In dieser Season wurde auch das Thema Scheidung konkret angesprochen; was lange wie eine emotionale Trennung wirkte, könnte durchaus ein juristisches Ende finden. Sollte sich die Serie in Staffel 4 einer Scheidung widmen, ginge es um weit mehr als bloße Schockeffekte: Themen wie Geschlechterrollen, Ansehen und Selbstbestimmung im Zeitalter der Gilded Age stünden im Mittelpunkt. Bertha könnte entweder dabei helfen, das Stigma der geschiedenen Frau zu verändern – oder sie zahlt einen hohen Preis.

Cast, Kreativteam und Produktion

Kreiert und exekutiv produziert von Julian Fellowes, setzt The Gilded Age weiterhin auf opulente Inszenierung dank HBO. Auch in Staffel 3 bleiben Detailverliebtheit und Authentizität das Markenzeichen: aufwendige Kostüme, die gesellschaftliche Ambitionen abbilden, Sets, die den Glanz des New York der Gilded Age entstehen lassen, und ein herausragendes Ensemble rund um Carrie Coon, Morgan Spector, Taissa Farmiga, Ben Lamb, Donna Murphy, Harry Richardson und Louisa Jacobson. Kameraarbeit und Kostümdesign spielen zentrale Rollen und spiegeln häufig ohne Worte innere Wandlungen und gesellschaftliche Konflikte wider.

Kritiken und Resonanz des Publikums

Kritiker lobten die aktuelle Staffel insbesondere dafür, dass sie die persönlichen Konflikte stärker gewichtet, ohne das gewohnte gesellschaftliche Machtspiel aus den Augen zu verlieren. Das Finale stach durch emotional gewagte Entwicklungen hervor: Verunsicherung in der Ehe, Morddrohungen sowie Reue und Skandal setzten neue Akzente. Bei den Zuschauern sorgt die Entwicklung für geteilte Meinungen – viele bedauern das mögliche Ende einer der eindrucksvollsten TV-Partnerschaften, andere schätzen die Entscheidung der Autoren, Erwartungen zu unterlaufen und historische Themen wie arrangierte Ehen oder die begrenzten Perspektiven von Frauen der Epoche mutig zu beleuchten.

Persönliches Fazit: Warum die Trennung dramaturgisch überzeugt

Als Fan und Kritiker empfinde ich die Trennung der Russells als mutigen, aber notwendigen Schritt. Sie legt die wahren Kosten gesellschaftlichen Aufstiegs offen – ein zentrales Motiv der Serie. Berthas Intelligenz und Durchsetzungsvermögen machen sie zu einer spannenden Hauptfigur; ihre Konfrontation mit den Konsequenzen eigener Entscheidungen sorgt für neue, menschliche Facetten. Umgekehrt gestattet Georges tiefgreifende Krise nach dem Attentatsversuch eine Erweiterung seiner Figur, die Staffel 4 mit noch mehr moralischer Tiefe ausstatten könnte.

Vorausschau: Darauf kommt es in Staffel 4 an

HBO hat eine vierte Staffel von The Gilded Age in Auftrag gegeben, wodurch vielfältige Entwicklungen möglich bleiben: eine Versöhnung, ein öffentlichkeitswirksamer Rosenkrieg oder auch eine Revolution der Machtverhältnisse in New York. Weiterhin spannend dürften Gladys' und die Ehe mit dem Herzog werden, ebenso wie das mögliche Liebesglück von Larry Russell (Harry Richardson) und Marian Brook (Louisa Jacobson). Im Zentrum bleiben jedoch vermutlich George und Bertha – zwei Menschen, geformt von Ehrgeiz, Privileg und Reue – und die Bereitschaft der Serie, die wahren Kosten dieser Eigenschaften kritisch zu hinterfragen.

Für Freunde historischer Dramen, großer Ensembleproduktionen und charakterorientierter Geschichten ist dieses Finale ein Beweis: The Gilded Age ist mehr als schöne Kulissen – hier werden Figuren wie Publikum immer wieder moralisch herausgefordert.

Quelle: screenrant

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