Eine Legende verlässt die Garage: Der 1989er Porsche 911 Speedster auf der Straße

Eine Legende verlässt die Garage: Der 1989er Porsche 911 Speedster auf der Straße

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Einleitung: Die Garagenkönigin sieht endlich Asphalt

Dieser makellose Porsche 911 Speedster aus dem Jahr 1989 – ein Paradebeispiel für eine "Garagenkönigin" – wurde über mehr als 36 Jahre hinweg vor Witterung und Straßenbeanspruchung geschützt und hat lediglich 2.600 Meilen auf dem Tacho. Nun kommt der begeisterte Autofreund und Nachbar Jay Leno in den Genuss, dem Speedster ein paar kostbare Kilometer zu schenken und das Fahrzeug auf eine temperamentvolle Fahrt durch Südkalifornien zu entführen. Rino Romano, Schauspieler und Synchronsprecher, besitzt den Wagen seit nunmehr 15 Jahren und fasste kürzlich den Entschluss, diesem Klassiker unter den 911ern endlich mehr Sonne und Asphalt zu gönnen.

Historie und Herkunft: Die Geschichte des Speedster

Der Name Speedster ist fest mit der Geschichte von Porsche verbunden und reicht zurück bis in die 1950er Jahre. Damals überredete der österreichische Importeur Max Hoffmann den Sportwagenhersteller, einen leichteren, preisgünstigeren Roadster zu bauen, der besonders amerikanische Kunden ansprechen sollte – vor allem die aus Kalifornien. 1954 kam der Speedster als puristisches, aufs Fahren fokussiertes Derivat der frühen 356- und 911-Modelle auf den Markt, versehen mit einer stark geneigten, niedrigen Frontscheibe, Sportsitzen und einem einfachen Notverdeck aus Stoff. Hierbei standen Gewichts- und Kosteneinsparungen im Vordergrund, was bedeutete, dass Komfortausstattungen wie Klimaanlage oder viel Zierrat außen vor blieben und über Sicherheitssysteme wie Airbags noch niemand sprach.

Das Konzept ging auf: Der Speedster wurde schnell zum Kultobjekt und zog zahlreiche Stars und Rennfahrer an. Auch James Dean entschied sich 1955 für einen Super Speedster und tauschte seinen MG gegen den puristischen Zweisitzer ein.

Exterieur und Design: Turbo-Optik mit klassischen Linien

Der 1989er Speedster von Rino Romano präsentiert sich noch weitgehend im Originalzustand, samt Werkslackierung und mit unverändertem Zierrat. Gleichzeitig besitzt er die auffällige, modern wirkende "Turbo Look"-Breitbauoptik mit ausgestellten Radhäusern, breiteren Felgen und zeittypischen Turbo-Stoßfängern, die ihm eine stämmigere Erscheinung verleihen, aber die klassische 911-Silhouette mit langem Bug und kurzem Heck bewahren. Die gekürzte Frontscheibe sorgt weiterhin für das unverkennbare Speedster-Feeling, indem sie ein Fahrgefühl von direkter Nähe zur Straße und Wind vermittelt – genau das, wofür dieses Modell geschaffen wurde.

Interieur und Ergonomie

Im Innenraum ist die Erhaltung ebenfalls bemerkenswert: Die tiefe Sitzposition, stark konturierte Sitze, ein auf das Wesentliche reduziertes Armaturenbrett und analoge Instrumente rücken den Fahrer in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Fokus liegt auf maximalem Fahrspaß, nicht auf luxuriöser Ausstattung – so blieb zum Beispiel eine leistungsfähige Klimaanlage oder moderne Infotainmentsysteme bewusst außen vor.

Fahrleistungen und Technik

Unter dem Heckdeckel arbeitet der frei saugende, luftgekühlte Sechszylinder-Boxermotor mit 3,2 Litern Hubraum – ein Herzstück der Marke, das insbesondere unter Markentraditionalisten großen Respekt genießt. In der US-Version leistet das Aggregat 217 PS, während die europäischen Ausführungen mit etwa 231 PS angegeben sind. Die Kraftübertragung übernimmt ein handgeschaltetes Fünfgang-Getriebe, das ausschließlich die Hinterräder antreibt – für ein unmittelbar mechanisches Fahrerlebnis, wie es nur wenige Autos bieten.

Kernwerte im Überblick:

  • Motor: 3,2-Liter luftgekühlter Boxersechszylinder
  • Leistung: 217 PS (USA) / ca. 231 PS (Europa)
  • Getriebe: 5-Gang-Handschaltung
  • 0–60 mph: ca. 5,7 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 150 mph
  • Gewicht: Turbo Look ca. 1.247 kg, Schmalbau ca. 1.200 kg
  • Produktion: Insgesamt 2.104 Speedster; davon etwa 800 als italienische "Turbo Look"-Variante

Durch das geringe Gewicht in Kombination mit dem reaktionsschnellen Motor war der Speedster seinerzeit besonders agil unterwegs. Auch wenn er nach heutigen Maßstäben nicht mit modernen Performance-Fahrzeugen konkurriert, bietet er doch ein unmittelbares, faszinierendes Fahrgefühl, das von heutigen, schweren SUVs und Crossovers mit ihrer Technologie kaum mehr erreicht wird.

Fahreindrücke: Jay Lenos Erlebnis

Jay Leno beschreibt das Fahrgefühl im Speedster als "großartigen Spaß" und stellt fest, dass sich das Fahrzeug "wie neu" anfühle – ein Beweis für die sorgfältige Pflege durch Rino Romano. Die tiefe Sitzposition, die lange Motorhaube vor sich, der einzigartige Klang des Boxermotors im Rücken – all dies vermittelt unverfälschtes Porsche-Feeling. Trotz der deutlich niedrigen Frontscheibe bleibt der Luftstrom angenehm und der Gesamteindruck sportlich und fokussiert.

Marktstellung und Sammlerwert

Der Porsche 911 Speedster aus dem Jahr 1989 nimmt unter Liebhabern und Sammlern eine außergewöhnliche Stellung ein. Die geringen Produktionszahlen, der traditionsreiche Name Speedster sowie der puristische, luftgekühlte 3,2-Liter-Motor steigern die Attraktivität für Kenner nochmals. Die Breitbau-Versionen im Turbo Look genießen besonderes Ansehen, nicht nur wegen ihres markanten Auftritts, sondern auch aufgrund ihrer etwas dynamischeren Fahrcharakteristik.

Verglichen mit aktuellen Porsche-Modellen wie etwa dem Cayenne oder dem Macan stellt der 1989er Speedster einen völligen Gegenpol zu modernen Luxus-SUVs dar: Er ist leichter, reduzierter, analog und kompromisslos auf den Fahrer ausgerichtet. Top-gepflegte Exemplare mit nachweisbarer Historie und geringer Laufleistung – wie das von Romano – erzielen heute entsprechend hohe Sammlerwerte.

Vergleich mit anderen Klassikern

  • Im Vergleich zu klassischen 911 Carrera und Targa ist der Speedster seltener und konsequenter aufs Fahrvergnügen ausgelegt, mit flacherer Frontscheibe und noch reduziertem Konzept.
  • Gegenüber heutigen 911er-Baureihen verfügen diese über weit mehr Leistung, Sicherheits- und Komforttechnik, dennoch fehlt ihnen oft das rohe, unverfälschte analoge Fahrgefühl des Speedster von 1989.
  • Im Vergleich zu klassischen Roadstern anderer Marken punktet der Speedster durch seinen charakteristischen Heckmotor und den einzigartigen Klang des Boxersechsers – Eigenschaften, die ihn von frontmotorigen britischen oder italienischen Roadstern unterscheiden.

Fazit: Ein Auto zum Fahren, nicht zum Verstecken

Rino Romanos Entschluss, seinen Speedster häufiger auf die Straße zu bringen, führt uns vor Augen, wofür diese Fahrzeuge gebaut wurden: zum Fahren und Erleben. Jay Leno, der mit Begeisterung weitere Kilometer sammelt, unterstreicht das – Sportwagen wie der Speedster entfalten ihren wahren Reiz erst beim aktiven Einsatz. Für Enthusiasten, die echten Porsche-Charakter schätzen, verbindet der 1989er Speedster historische Bedeutung, packende Performance und hohen Sammlerwert auf ideale Weise.

Ob Sie nun als Kaufinteressent den Markt für klassische Porsche sondieren, selbst eine Garagenkönigin zum Leben erwecken möchten oder sich einfach für Automobilgeschichte begeistern: Dieses Speedster-Exemplar steht beispielhaft dafür, warum Fahrzeuge wie dieses bis heute Kultstatus bei Liebhabern authentischer Fahrerlebnisse genießen.

Quelle: autoevolution

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