Criminal: UK – Die britische Antwort auf Mindhunter für Fans psychologischer Krimis

Criminal: UK – Die britische Antwort auf Mindhunter für Fans psychologischer Krimis

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Einführung: Ein neues Highlight für Liebhaber psychologischer Krimi-Serien

Nachdem Netflix' Mindhunter sein vorzeitiges Ende fand, blieben viele Fans mit dem Wunsch nach weiterer, tiefgründiger Krimikost zurück. Wer nach einer Serie sucht, die mit intensiven Verhören, moralischer Zwielichtigkeit und spannungsgeladenem Figurendrama punktet, sollte Criminal: UK unbedingt eine Chance geben. Diese unterschätzte, britische Polizeiserie, die von Kritikern hochgelobt wurde (etwa 85% auf Rotten Tomatoes), bietet als konzentrierte und stilvolle Alternative zum Genreklassiker von David Fincher ein bemerkenswert fokussiertes Fernseherlebnis.

Handlung: Alles spielt sich im Verhörraum ab

Criminal: UK setzt auf ein scheinbar schlichtes Konzept: Eine spezialisierte Einheit der Metropolitan Police versucht in abgeschlossenen Räumen die Wahrheit von Verdächtigen ans Licht zu bringen. Jede Folge widmet sich einem einzelnen Fall und inszeniert ein psychologisches Kräftemessen zwischen Ermittlern und der Person auf dem heißen Stuhl. Rasante Verfolgungsjagden oder ausgedehnte Polizeiarbeit sucht man hier vergeblich – vielmehr steht der langsame Aufbau über Dialog, Beichte und geschickte Manipulation im Fokus.

Aufbau der Episoden

Meistens beginnen die Episoden im Beobachtungsraum, wo Kollegen und weitere Beteiligte das laufende Verhör verfolgen. Der Perspektivwechsel zwischen Raum mit Glaswand und den Reaktionen des Teams erlaubt einen tiefen Einblick in Machtverhältnisse, ethische Kompromisse und das Feilschen um Gerechtigkeit im unmittelbaren Kontext. Daraus entsteht eine detailreiche Analyse menschlichen Verhaltens und der Dynamik eines Geständnisses.

Besetzung und Macher: Schauspielkunst im minimalistischen Raum

Getragen wird die Serie von einem Ensemble, das mit seinem starken Spiel überzeugt. Im Zentrum steht Katherine Kelly als Detective Chief Inspector Natalie Hobbs, die mit Geduld und Scharfsinn als glaubwürdige, präsente Verhörspezialistin heraussticht. Lee Ingleby verkörpert den überlegten Detective Inspector Tony Myerscough, während Mark Stanley dem Detective Constable Hugo Duffy vielschichtige Nuancen verleiht. Die Dynamik im Team, eher durch professionelle Reibungen als durch kollegiales Miteinander geprägt, treibt die Spannung maßgeblich voran.

Kreative Leitung und Regie

Die Schöpfer George Kay und Jim Field Smith entwickelten mit Criminal: UK ein übergeordnetes Franchise-Konzept, das auch Ableger in Frankreich, Deutschland und Spanien umfasst. Die Regie nutzt bevorzugt Nahaufnahmen und enge Bildausschnitte, um Klaustrophobie und Intensität zu erzeugen. Gleichzeitig setzen die Autoren auf eine stilisierte Kurzfilm-Struktur, bei der komprimierte Zeit und Raum die emotionale Dichte der Episoden verstärken.

Produktion: Atmosphäre durch Reduktion

Die Gestaltung der Schauplätze unterstreicht das Prinzip von Enge und Authentizität: Karg eingerichtete Verhörräume mit Einwegspiegeln, gedämpfter Beleuchtung und realistisch wirkenden Mikrofonen lenken die Aufmerksamkeit auf jede Pause und jede Betonung. Diese Konzentration auf das Wesentliche ermöglichte es der Produktion, Budget und Kreativität gezielt in Drehbuch, Darstellerleistung und Tonebene zu investieren – entscheidende Faktoren in einer dialoglastigen Polizeiserie.

Alle vier Criminal-Serien wurden zeitgleich auf Netflix veröffentlicht und folgen demselben Grundmuster, sind aber sprachlich und kulturell angepasst. Die britische Variante durfte als einzige in eine zweite Staffel gehen – vermutlich wegen des großen internationalen Zuspruchs für Figuren und Stil.

Rezensionen: Leise Begeisterung und starke Kritiken

Kritiker lobten Criminal: UK insbesondere für die dichten Szenen, das prägnante Drehbuch und die überzeugenden Darstellerleistungen. Häufig wurde die Serie im Vergleich zu Mindhunter für ihre psychologische Tiefe gewürdigt, obwohl sie sich in Umfang und Inszenierung unterscheiden. Während Mindhunter auf die Ursprünge der FBI-Profiler und die Geschichte der Kriminalpsychologie eingeht, verdichtet Criminal: UK diese Themen auf das Duell am Verhörtisch – was auch durch die hohe 85%-Bewertung auf Rotten Tomatoes bestätigt wird.

Darum ist Criminal: UK die ideale Wahl für Mindhunter-Fans

Beide Serien kreisen stark um Motivation, Persönlichkeit und die Kunst, Geständnisse ans Licht zu bringen. Mindhunter entführt die Zuschauer in das Feld, in die Köpfe berüchtigter Serienmörder und die Strukturen des FBI. Criminal: UK hingegen konzentriert sich ganz auf das Geschehen am Verhörtisch, wobei jede Episode wie ein unter Hochdruck stehender, psychologischer Schlagabtausch wirkt.

Wer die nüchterne Neugier von Mindhunter auf kriminelle Abgründe schätzte, findet auch bei Criminal: UK intellektuelle Befriedigung – Strategie, Moral und das Konstruieren von Narrativen werden hier zur Kunst, um Geständnisse zu entlocken oder Lügen aufzudecken.

Anthologie-Ansatz: Vier Länder, eine Idee

Criminal: UK ist Teil einer internationalen Anthologie mit Ablegern in Frankreich, Deutschland und Spanien – jeweils mit drei kompakten Folgen, während die britische Serie in Staffel zwei auf vier Episoden erweiterte. Dieses Format ermöglicht es Zuschauern, unterschiedliche Verhörstile und nationale Kriminalkulturen kennenzulernen und dennoch ein einheitliches, ästhetisch ansprechendes Konzept in allen Episoden zu erleben.

Laufzeit und Verfügbarkeit: Kurz, prägnant und bestens binge-tauglich

Mit drei Episoden in Staffel eins und vier in Staffel zwei eignet sich Criminal: UK ideal für einen schnellen Serienmarathon. Die Kürze der Serie ist ein Vorteil: An einem Wochenende lässt sich das kompakte, fast schon theaterhafte Drama entspannt durchschauen. Ähnlich wie Mindhunter verzichtet sie auf ausufernde Erzählstränge und passt damit exakt zu modernen Sehgewohnheiten beim Streaming.

Fazit: Absolute Empfehlung für Krimi-Liebhaber

Ist Criminal: UK ein vollwertiger Mindhunter-Ersatz? Nicht ganz – doch was ihr an filmischer Breite fehlt, macht sie durch psychologische Intensität und inszenatorischen Fokus locker wett. Wer die langen, spannungsvollen Verhörszenen aus Finchers Werk vermisst, findet hier den wohl klügsten und befriedigendsten Ersatz auf Netflix. Auch diese Serie zeigt: Großartige Krimikunst braucht weder zahlreiche Staffeln noch aufwendige Kulissen – manchmal reichen ein Raum, exzellente Schauspieler und ein raffiniertes Drehbuch, damit der Zuschauer beim Spiel um die Wahrheit mitfiebert.

Ob Sie eine neue, psychologische Thriller-Serie suchen, ein packendes Polizeidrama oder einfach ein kompaktes Format mit starken Darstellern und cleveren Dialogen – Criminal: UK sollte auf jeder Watchlist landen.

Quelle: screenrant

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