Kevin Costner und das schwierige Erbe von Horizon: An American Saga

Kevin Costner und das schwierige Erbe von Horizon: An American Saga

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Überblick

Kevin Costner gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Gestalten Hollywoods. Nach Durchbruchserfolgen in Filmen wie Die Unbestechlichen und Feld der Träume sowie seinem Oscar-prämierten Regiedebüt Der mit dem Wolf tanzt, zog Costner in jüngerer Vergangenheit mit der Erfolgsserie Yellowstone erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Im Anschluss widmete er sich voller Leidenschaft einem ambitionierten Herzensprojekt: Horizon: An American Saga. Die mehrteilige Western-Saga nimmt sich vor, eine epische Geschichte der amerikanischen Grenze zu erzählen. Was jedoch eine triumphale Fortsetzung seiner Laufbahn darstellen sollte, entwickelte sich stattdessen zu einem Lehrstück über die Risiken heutigen Filmfinanzierens, veränderte Distributionswege und die Zerbrechlichkeit großer Film-Franchises.

Handlungszusammenfassung

Horizon: An American Saga ist als vierteilige Erzählung angelegt, in der eine feste Gruppe von Figuren über Dekaden hinweg begleitet wird. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Familie, Besitz, Gewalt und der Preis des Fortschritts auf dem amerikanischen Kontinent. Das erste Kapitel führte die zentrale Besetzung ein, bereitete das Feld für moralische Konflikte, komplexe Beziehungen und spektakuläre Western-Szenenbilder. Kapitel 2 sollte die Geschichten nahtlos aufnehmen, Charakterentwicklungen vertiefen, Konflikte zuspitzen und die erzählerische Weite, wie Costner sie sich erträumt hatte, fortsetzen. Zuschauer, die bereits das Tempo und die detailreiche Atmosphäre des ersten Teils schätzten, erwarteten eine Ausweitung der Welt mit emotional zugespitzten Wendungen in der Fortsetzung.

Besetzung und Produktionsteam

Zentrale Mitwirkende

Bei Horizon übernimmt Costner gleich mehrere zentrale Funktionen: Er agiert nicht nur als Hauptdarsteller, sondern ist auch für Regie und Produktion verantwortlich. Die Schauspielerriege vereint sowohl etablierte Namen als auch neue Talente, die dem Epos durch nuancierte Darstellungen Tiefe verleihen. Hinter den Kulissen brachte Costner vertraute Köpfe für Kameraarbeit, Szenenbild und Kostüme zusammen, um die Weite und Atmosphäre der Grenze authentisch einzufangen. Ihr gemeinsames Ziel: Dem Geist der klassischen Western zu huldigen und dabei moderne, charakterorientierte Dramatik und Bildgewalt zu bieten.

Probleme bei Produktion und Veröffentlichung

Back-to-back-Dreh und ein gescheiterter Start

Die ersten beiden Kapitel entstanden direkt hintereinander – eine Methode, die Kreativität und Kostenkontrolle sichert. Im September 2024 feierte Kapitel 2 beim Filmfestival in Venedig Premiere, was zunächst für großes Interesse in der Fachwelt sorgte. Allerdings fand weder eine breite Kinoveröffentlichung noch ein Streaming-Start über die Festspielpräsentation hinaus statt. Der ursprünglich geplante Starttermin am 16. August 2024 verstrich ereignislos und wirkt ein Jahr später wie ein Mahnmal für das Stocken der Reihe.

Budget, Marketing und Verleih

Letztlich scheinen finanzielle Schwierigkeiten im Mittelpunkt der Verzögerungen zu stehen. Die Produktionskosten von Horizon bewegten sich laut Berichten im mittleren zweistelligen Millionenbereich, doch realistisch betrachtet kletterte die Gewinnschwelle deutlich höher, sobald Marketing und Vertrieb berücksichtigt wurden. Das Einspielergebnis von Teil 1 blieb deutlich hinter den Erwartungen und Investitionen zurück. Daraus folgte, dass der Vertrieb zurückhaltend blieb, weiteres Geld für Werbung von Kapitel 2 freizugeben und die Veröffentlichung ausbremste.

Kritik und Kinoergebnis

Die Reaktionen der Kritiker auf Teil 1 wie auf die Venedig-Vorführung von Teil 2 reichten von verhalten positiver Resonanz bis zu ausgewogenem Lob für Ausstattung und Ambition, wobei die langsam erzählte Handlung und der Zugang zum Stoff durchaus kritisiert wurden. Doch auch überschwängliches Festival-Feedback hilft wenig, wenn der wirtschaftliche Erfolg am Box Office ausbleibt. Das schwache Kinoergebnis von Teil 1 schmälerte das Vertrauen der Verleiher, und ohne Aussicht auf Profit wollten Warner Bros. und andere Partner kein globales Kinorelease ansetzen und keine Marketingoffensive wagen.

Folgen für die Filmreihe

Eigentlich sollte Horizon eine vierteilige Entwicklung der Figuren über verschiedene Lebensphasen hinweg nachzeichnen. Durch die ungeklärte Lage bezüglich Kapitel 2 und die schwankenden Finanzen erscheint dieser Plan inzwischen äußerst wacklig. Am wahrscheinlichsten sind nun eine limitierte Kinoaufführung von Part 2, ein stiller Streaming-Start, oder eine Verwertung auf digitalen Plattformen zur Schadensbegrenzung. Jede dieser Alternativen würde das Schwungmomentum der Reihe spürbar bremsen und die Finanzierung zukünftiger Teile erschweren.

Persönliche Einschätzung und Resümee

Für Costner-Fans und Freunde des modernen Western-Kinos ist der 16. August längst mehr als ein Tag im Kalender – er steht symbolisch für eine unerfüllte Vision. Hoffnung gibt es dennoch: Die Premiere in Venedig beweist, dass das kreative Herzstück des Projekts noch lebt. Doch das heutige Filmbusiness ist gnadenlos. Ohne das nötige Investment einer Vertriebsfirma droht Horizon: An American Saga als eindrucksvolles, aber unvollendetes Experiment in die Filmgeschichte einzugehen – als Denkmal eines künstlerischen Traums, der an nüchternen Verkaufszahlen und Vertriebshürden gescheitert ist. Die Saga bleibt damit zunächst eine faszinierende Idee mit ungeklärter Zukunft, und jeder weitere verpasste Veröffentlichungstermin verstärkt das Gefühl, was für Costner und das Western-Genre hätte sein können.

Quelle: screenrant

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