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Weshalb Platonic Staffel 2 mehr Aufmerksamkeit verdient
Mit dem Start von Platonic auf Apple TV+ präsentierte sich eine jener seltenen Serien, die messerscharfe Dialoge, einen emotionalen Kern und präzise getakteten Humor miteinander verweben. Unter der Federführung von Nicholas Stoller und Francesca Delbanco lotet die Serie eine Thematik aus, die im Fernsehen bislang kaum differenziert behandelt wurde: die echte, unverklärte Freundschaft zwischen einer heterosexuellen Frau und einem Mann. Bereits die erste Staffel bewies leise, dass eine Sitcom Klugheit und echte Komik miteinander verbinden kann. In der zweiten Staffel werden die Figuren facettenreicher, das Ton-Repertoire erweitert und es entstehen Szenen, die nachhallen – insbesondere ein überaus unangenehmes Abendessen, das sowohl die Showrunner als auch die Schauspieler als zutiefst authentisch empfanden.

Von Uni-Freunden zu ambivalenten Erwachsenen
Im Mittelpunkt stehen Will (Seth Rogen) und Sylvia (Rose Byrne), die sich als beste Freunde seit Studienzeiten nach Jahren der Funkstille wieder annähern. Inzwischen lebt Sylvia ein konventionell gesichertes Leben – mit ihrem Ehemann Charlie (Luke Macfarlane) und Kindern. Will hingegen führt ein lockeres Leben als Bierbrauer, kämpft mit Beziehungsproblemen und verspürt die Unruhe der Lebensmitte. Zwar wirkt das Ausgangsszenario zunächst nicht außergewöhnlich, doch die von Delbanco mit Lebensnähe gefüllten Drehbücher und die filmische Handschrift Stollers verleihen der Chemie zwischen den Hauptfiguren eine unverwechselbare Authentizität. Zwischen Will und Sylvia wechseln sich Chaos und Mitgefühl beinahe unaufhörlich ab; der Humor entsteht aus der Zärtlichkeit, und die Zärtlichkeit wiederum aus dem Spaß.

Das Abendessen: Fremdscham auf höchstem Niveau
Eine Szene der zweiten Staffel schlug insbesondere Wellen: Bei einem gemeinsamen Abendessen von Will, Sylvia, Jenna und Charlie steigen die Spannungen von höflicher Reserviertheit rasch zu spürbarem Unbehagen. Rose Byrne nennt das Essen „überaus peinlich“, und Seth Rogen sieht darin Parallelen zu unzähligen realen Dinnern, bei denen Konflikte förmlich unterschwellig mitschwingen. Dank des großen Vertrauens der Darsteller in das Skript und in ihre Spielpartner glaubt man jede Nuance: minimale Gesten, sprechende Pausen und kleinste Veränderungen in der Stimme schrauben die Spannung, bis das Publikum regelrecht auf die emotionale Eskalation wartet.

Darum wirkt die Szene
Hier handelt es sich nicht um Schenkelklopfer-Humor, sondern um ein gesellschaftlich feinfühliges Kammerspiel. Die Belohnung liegt im Erkennen von Alltagswahrheiten. Wer Formate wie Fleabag oder Catastrophe mag, wird die kreative Stilistik sofort wiedererkennen: eine intime Komödie, die mit Unbehagen Charaktertiefe offenbart. Platonic macht aus der Peinlichkeit kein Spektakel, sondern gibt ihr Raum, sodass einer der markantesten Momente von Staffel 2 entsteht.
Rose Byrne: Die unterschätzte Meisterin des physischen Humors
Rose Byrnes Sylvia ist energiegeladen, oft hektisch und körperlich ständig am Limit. Byrne, die vorher für dramatische Leistungen wie in Damages gelobt wurde, zeigt hier ihr beachtliches komödiantisches Talent. Ihr Spiel mit dem Timing, den Gesichtsausdrücken und hastigen Ausflüchten zeugt von sicherem Gespür für Slapstick. Byrne bemerkte einmal, dass sie privat weniger quirlig ist als Sylvia; das unterstreicht nur die Überzeugungskraft ihrer Darbietung. Das Drehbuch baut gezielt auf ihren Stärken auf, indem es ihr Situationen zuspielt, die körperliche Komik auf die Spitze treiben: halbherzige Antworten, ausweichende Gestik, kontrolliertes nervöses Agieren.

Starkes Zusammenspiel
Egal ob es um eine mühselige Ausrede oder einen übertriebenen Versuch, eine Lüge zu kaschieren geht: Byrnes körperbetonte Darstellung macht aus gewöhnlichen Dialogen unvergessliche Comedy-Momente. Für alle, die die Entwicklung der TV-Komödie beobachten, ist das ein erneuter Beweis, dass erstklassiges komödiantisches Spiel auf perfektem Timing und mutigem Körpereinsatz basiert.
Seth Rogens modisches Experiment: Der Look von Will
Eine bemerkenswerte, erzählerisch clevere Neuerung in Staffel 2 steckt in Wills Garderobe. Dank Kostümdesignerin Kameron Lennox und Seth Rogens eigenen Ideen tauscht Will den Standardlook eines Brauers (Cordhose plus Sweatshirt) gegen eine Serie von auffälligen, modisch gewagten Outfits. Rogen beschreibt das Konzept so: Will möchte wie jemand wirken, der in den Zwanzigern ist, um damit die Jugend und Anziehungskraft noch einmal einzufangen – mitten in der Umbruchphase seines Lebens.
Inspiration boten Popkultur-Größen mit ausgefallenem Stil – unter anderem diente Rogens Freund, Musikproduzent Benny Blanco, als Vorlage – und so wechseln sich in Wills Looks spielerisch japanisch inspirierte Schnitte und kimonohafte Layerings ab. Fans und Kritiker nehmen die Mode als stillen Ausdruck von Wills Sehnsüchten wahr, die seine Worte allein nicht vermitteln könnten.
Im Kontext: Wie Platonic in die heutige Comedy-Landschaft passt
Platonic fügt sich ein in die neue Generation erwachsener Comedyserien, die Wert auf Detailreichtum bei den Figuren und emotionale Tiefe legen – etwa wie Fleabag, Ted Lasso oder Paar-Komödien wie Catastrophe. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Shows geht es hier weniger um romantische Eskalation, sondern vielmehr um die Freundschaft als eine robuste, manchmal chaotische Form von Liebe. Damit setzt sich Platonic bewusst ab von Formaten, die die Beziehung zwischen Mann und Frau einzig als Frage des „Kommen sie zusammen?“ inszenieren.
Stollers frühere Werke, etwa Bad Neighbors und Nie wieder Sex mit der Ex, beweisen sein Talent, Herz und derbe Komik zu vereinen, und genau diese Balance gelingt Platonic auch über die Episoden hinweg. Mit Delbancos durch die eigene Lebensrealität gestützter Schreibe – etwa zu Elternschaft oder der Rückkehr in den Beruf – erhält die Serie eine spezielle, erwachsene Note, die sie bei Streaming-Fans besonders beliebt macht.
Blick hinter die Kulissen: Wissenswertes und Fan-Feedback
- Kameron Lennox, die bereits für periodisch-authentische wie moderne Modeentscheidungen bekannt ist, setzte darauf, Outfits als humoristische Stilmittel einzusetzen. Besonders Wills Kleidung sorgt online für begeisterte Diskussionen.
- Rose Byrnes eigener TV-Hintergrund – insbesondere ihre ernsten Auftritte in Damages – beeinflusst, wie sie in Platonic zwischen Zurückhaltung und Ausbruch wechselt; nie wirkte das facettenreicher als hier.
- Für die Abendessenszene wurde besonders viel geprobt: Ziel war es, jede kleine Regung und Pause exakt herauszuarbeiten, damit das Unbehagen echt und nicht geskriptet erscheint. Die zweite Staffel wurde von Fans dafür gelobt, die Wärme der ersten Staffel zu bewahren und mutigere, spitzere Comedy-Elemente einzubringen.
Branchenblick: Warum subtiler Humor gefragt ist
Streaminganbieter sind zunehmend auf der Suche nach Formaten, die über mehrere Staffeln ein treues Publikum binden. Charakterorientierte Komödien wie Platonic bieten hohe Bindung und sind deutlich kostengünstiger als aufwendige Actionproduktionen. Sie generieren Gesprächsstoff, virale Szenen und positive Kritiken. Apple TV+ setzt gezielt auf durchdachte, von Machern geprägte Produktionen, wozu Platonic bestens passt: markante Autorenstimmen, charismatische Hauptfiguren und eine Serie, die sowohl Comedyfans als auch Publikum mit Anspruch auf emotionaler Ebene anspricht.
„Der Erfolg zeigt, wie groß der Hunger nach klugen Erwachsenengeschichten ist, die nicht in Kitsch abgleiten“, urteilt die Filmkritikerin Anna Kovacs. „Das Wechselspiel aus Peinlichkeit und Empathie fängt einen Trend der Gegenwart auf, bei dem Verwundbarkeit fast wichtiger ist als klassische Pointen.“
Kritikpunkte – und wo nachgebessert werden könnte
Keine Serie ist frei von Schwächen. Manche Zuschauer empfinden einzelne Comedy-Momente als ungleichmäßig – die Linie zwischen absichtlich peinlicher Pause und tatsächlichem Leerlauf ist schmal. Gelegentlich wird der Balanceakt zur platonischen Intimität zu stark betont, was das eigentliche Anliegen missverständlich erscheinen lässt. Dennoch überwiegt das Positive: Staffel 2 baut souverän auf den Qualitäten des Vorgängers auf und schärft den Ton weiter.
Fazit: Das leistet Staffel 2
Platonic vertieft die Welt von Will und Sylvia mit schärfer gezeichneten Kanten und mutigen Comedy-Einfällen. Die Staffel entwirft ein Porträt von erwachsener Freundschaft, Selbsterneuerung mitten im Leben sowie den ungeschriebenen Regeln familiärer und gesellschaftlicher Rituale. Prägnante Szenen – vom Modeskandal bis zum legendären Essen – bezeugen das wachsende Selbstbewusstsein der Serie.
„Für mich als Filmhistoriker ist Platonic deshalb spannend, weil es das erzählerische Potenzial erwachsener Freundschaft ernst nimmt, statt sich auf Romanzen zu versteifen“, sagt Marko Jensen. „Die platonische Liebe wird endlich als handlungstragende Kraft anerkannt – ein frischer Impuls für moderne TV-Stoffe.“
Worauf sich Fans freuen dürfen
Die zweite Staffel von Platonic läuft auf Apple TV+ und erscheint wöchentlich mit neuen Folgen. Freuen darf man sich auf noch mehr Tonvielfalt, charmante Mode-Momente und ein überzeugendes Ensemble. Wer intelligente, von Figuren getragene Comedy liebt, die zwischen Peinlichkeit und Herzlichkeit pendelt, kommt an Platonic in dieser TV-Saison kaum vorbei.
Schlusswort: Freundschaft – Comedy neu gedacht
Platonic Staffel 2 ist weit mehr als mediale Aufmacher – etwa die Benny-Blanco-inspirierten Outfits, das berüchtigte Abendessen oder das Zusammenspiel des Casts. Die Serie ist ein Beweis dafür, dass neuzeitliche TV-Komödie gleichermaßen mutig wie menschlich sein kann. Zwischen Byrnes beeindruckender Körperlichkeit, Rogens überraschenden Modeschlenkern und den präzisen Dialogen von Stoller und Delbanco beweist Platonic, dass Freundschaften mehr als Nebenhandlungsstränge sind. Wer nach klugen, erwachsen ausgerichteten Komödien mit Herz sucht, findet hier Humor, der genau deshalb berührt, weil er Wirklichkeit zeigt.
Egal, ob es die Pointen, die Mode oder die treffenden Wahrheitssplitter sind – Platonic demonstriert weiterhin, dass es sinnvoll und lohnenswert ist, platonische Beziehungen ins Rampenlicht zu rücken. Die zweite Staffel setzt neue Maßstäbe. Es bleibt spannend, wie sich die Serie weiterentwickelt.
Quelle: collider
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