Mark Jenkin kehrt mit Rose of Nevada nach Cornwall zurück

Mark Jenkin kehrt mit Rose of Nevada nach Cornwall zurück

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Mark Jenkin kehrt mit einer taktilen, geheimnisvollen Reise nach Cornwall zurück

Mark Jenkin, der cornische Auteur, bekannt für seinen analogen, körnigen Filmstil, hat erneut ein eingespieltes Team für Rose of Nevada um sich versammelt — ein Film, der in der Orizzonti-Sektion von Venedig Premiere feierte und sich sofort als einer der eigenständigsten Beiträge des Festivals hervorhob. Unter der Leitung von George MacKay und Callum Turner ist Jenkins neuestes Werk eine maritime Fabel, die Folk-Horror, elegische Poesie und die harte Arbeit des Küstenlebens vereint.

Story und Schauspiel: ein kleiner Cast, große Gezeiten

In einem vergessenen Fischerdorf angesiedelt, dreht sich Rose of Nevada um ein geisterhaftes Boot, das dreißig Jahre nach seinem Verschwinden mit der gesamten Besatzung wieder in den Hafen zurückkehrt. MacKay spielt Nick, einen Vater, der an Bord arbeitet, um seine Familie zu ernähren. Turner ist Liam, ein Neuzugang, der einen Ausweg sucht. Nach einem kurzen Ausflug auf See kehren die Männer zurück und müssen feststellen, dass die Zeit entankert scheint: Das Dorf behandelt sie, als wären sie die ursprüngliche Besatzung des Schiffes. Die Prämisse ist einfach, doch der Film entfaltet sich als Stimmungsstück — klaustrophobisch, unheimlich und leise erschütternd.

MacKay und Turner über Kunst und Einsatz

Beide Schauspieler loben Jenkins kompromisslose Arbeitsweise. Laut Turner fühlte sich das Drehbuch 'wie ein Gemälde, das auf ein Gedicht trifft' an und rief körperliche Empfindungen ebenso hervor wie Handlung. MacKay hob die Grenzlage des Projekts hervor und beschrieb das Drehbuch als 'karg, aber poetisch.' Ihre Auftritte sind geprägt von der mechanischen Disziplin von Jenkins Prozess: kurze Takes, präzise Körperlichkeit und eine strenge Nachbearbeitung des Tons.

Wie Rose of Nevada entstand: Bolex, 16mm und das Rauschen der Wellen

Jenkin drehte den Film auf 16mm mit einer handaufgezogenen Bolex, eine charakteristische Wahl, die texturreiche, taktile Bilder erzeugt, wie sie digital kaum zu reproduzieren sind. Die Grenzen der Kamera wurden bewusst akzeptiert: Jeder Take dauerte etwa 27 Sekunden, bevor die Kamera wieder aufgezogen werden musste. Diese Einschränkung erzeugte eine besondere Präzision. Die Bolex zeichnet außerdem keinen synchronen Ton auf, das heißt jeder Schritt, jedes Stöhnen und jeder Windstoß im fertigen Film wurde in ADR nachgebildet — oft von Jenkin selbst, der viele der Foleyelemente aufnahm.

Echte Boote, echte Fischer

Die Produktion nutzte ein echtes Fischerboot und setzte stark auf lokales Know-how. Die Schauspieler übten mit Lee Carter, dessen Schiff im Film zu sehen ist; MacKay erinnert sich daran, wie ihm die Narben harter Arbeit auf See und die nüchterne Zähigkeit realer Crews gezeigt wurden. Viele der Haspel- und Netzszenen wurden so live wie möglich gespielt, was zur Authentizität beitrug, die die übernatürlichen Ränder des Films erdet.

Wie Rose of Nevada in Jenkins Werk und dem zeitgenössischen Kino steht

Rose of Nevada fühlt sich wie eine Fortsetzung von Jenkins ästhetischem Bogen von Bait bis Enys Men an — Filme, die folkloristische Unruhe mit analogen Texturen verbinden. Während Bait wirtschaftliche Verdrängung untersuchte und Enys Men Isolation mythologisierte, bewegt sich Rose of Nevada stärker in Richtung maritimer Mythologie und des langsamen, sich steigernden Horrors. Festivalkuratoren und Kritiker verglichen seine schleichende Beklemmung atmosphärisch mit Kubricks The Shining, während praktische Sequenzen an größere Seefilme wie The Perfect Storm erinnern — doch Jenkins Film bleibt deutlich klein, intim und formal streng.

Es gibt zudem eine wachsende Debatte im internationalen Kino über die Rückkehr zur Analogie: Regisseure, die auf Filmmaterial und mechanische Kameras setzen, um Textur und Unvorhersehbarkeit zurückzugewinnen. Jenkins Hingabe an 16mm und an manuelle Tonarbeit stellt ihn in den Mittelpunkt dieses Trends und zieht Cinephile an, die Materialität genauso schätzen wie Erzählung.

Kritische Perspektive und Festivalweg

Rose of Nevada ist Jenkins ambitionierteste Produktion bisher: Er verbindet komplexe Sequenzen unter harten Bedingungen und weigert sich, ein eindeutiges Ende vorzugeben. Diese Mehrdeutigkeit ist Absicht. Turner sagt, Jenkin 'mag keine Enden' und ziehe es vor, Zuschauer mit einer 'spirituellen Reise' zurückzulassen statt mit einer ordentlichen Erklärung. Die Venedig-Premiere ist erst der Anfang: Der Film wird nach Toronto, New York und London reisen, und Protagonist Pictures übernimmt den Vertrieb.

Fachmeinung

'Jenkins Filme fordern das Publikum auf, langsamer zu werden und die Textur des Kinos selbst zu fühlen', sagt die Filmhistorikerin Elena Márquez. 'Rose of Nevada setzt sein Experiment fort, Form bedeuten zu lassen: Die Beschränkungen der Kamera werden zu narrativen Mitteln, und Stille sowie Klang sind Entscheidungen, die unser Zeiterleben prägen.'

Trivia, Einflüsse und abschließende Gedanken

Hinter den Kulissen: Die Takes waren kurz, der ADR-Prozess erschöpfend, und Jenkin trug persönlich viele Foleysounds des Films bei. Der Regisseur soll Robert Bressons sparsame Moralauffassung neben Seeeepen wie The Perfect Storm als tonale Orientierung herangezogen haben, wobei sein Ansatz eigensinnig statt nachahmend bleibt.

Für Zuschauer, die auteurgetriebenes Festival-Kino verfolgen, wird Rose of Nevada wie eine Rückkehr und zugleich ein Schritt nach vorn wirken — vertraut in der Methode, aber fremder in seiner maritimen Mythologisierung. Sein offenes Ende wird die Meinungen spalten, was genau beabsichtigt ist.

Fazit

Rose of Nevada ist ein Film, der Geduld und genaues Hinsehen belohnt: ein taktiles 16mm-Erlebnis, in dem der Ton im Studio geformt wird, die Darbietungen durch mechanische Grenzen gebremst sind und Cornwalls Küstenwelt zum Schauplatz des Unheimlichen wird. Für Fans analogen Handwerks, langsam erzählten Horrorfilmen und Werke, die dem Publikum zutrauen, die Bedeutung zu vollenden, ist Jenkins aktueller Film ein Muss.

Quelle: deadline

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