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Ethena ist in den letzten Wochen stark gefallen und verlor innerhalb eines zweiwöchigen Zeitraums fast 40 %, wobei allein in den vergangenen sieben Tagen ein Rückgang von rund 20 % zu verzeichnen war. Der Markt beobachtet die Entwicklung nun besonders aufmerksam: On‑Chain‑Token‑Unlocks und großvolumige Verkäufe durch Wale belasten Liquidität und Kurs, während technische Indikatoren auf eine zunehmende Baisse‑Konstellation hindeuten — konkret droht ein tägliches Death Cross. Diese Kombination aus fundamentalen Frei‑Gaben, konzentrierter Token‑Verteilung und technischer Schwäche erhöht die Volatilität und das Abwärtsrisiko für die Kryptowährung.
Recent price action and fundamentals
Zum Zeitpunkt der Niederschrift notiert Ethena bei rund 0,31 USD, nachdem die Marktkapitalisierung von einem Hoch von etwa 3,7 Milliarden USD auf rund 2,3 Milliarden USD gefallen ist. Ein kurzfristiger Kursschub am 6. November infolge einer Robinhood‑Listungsankündigung war nur von kurzer Dauer, da bereits am Vortag eine größere Token‑Freigabe in den Markt gelangte. Solche katalytischen Ereignisse zeigen, wie sensibel der Markt auf abgestimmte Nachrichten und zeitgleiche Angebotsveränderungen reagiert.
Die Token‑Verteilung ist entscheidend für das Angebots‑Nachfrage‑Verhältnis: Eine Unlock‑Tranche von 171,88 Millionen Tokens — das entspricht grob 54,88 Millionen USD zum damaligen Kurs — wurde unmittelbar vor der Robinhood‑Mitteilung freigegeben, nach einer vorhergehenden Freigabe im Umfang von rund 15,7 Millionen USD am 2. November. Diese zeitlich abgestimmten Unlocks erhöhen das zirkulierende Angebot, reduzieren die Knappheit und üben bei schwacher Nachfrage zusätzlichen Abwärtsdruck auf Altcoins aus. Aktuell sind etwa 7,42 Milliarden Ethena‑Tokens im Umlauf, wobei rund 70 % weiterhin in Händen von frühen Investoren und Team‑Wallets liegen; diese Konzentration erhöht die Wahrscheinlichkeit weiteren Gewinnmitnehmens und damit kurzfristigen Verkaufsdrucks.
Aus fundamentaler Perspektive ist daher nicht nur die reine Zahl der freigegebenen Tokens relevant, sondern auch die Kumulierung von Unlocks, die Haltedauer der Empfänger und die Liquidität der Börsen, auf denen diese Verkäufe stattfinden. Wenn große Mengen auf zentralisierten Börsen landen, kann das Orderbuch dünner werden und bereits moderate Verkaufsaufträge starke Kursbewegungen auslösen. Umgekehrt dämpft ein hoher Anteil an langfristig gehaltenen Tokens (sog. HODLer) kurzfristige Volatilität — in diesem Fall ist jedoch die Konzentration bei frühen Adressen ein Warnsignal.
On‑chain snapshot
On‑Chain‑Daten liefern einen detaillierten Einblick in die Adressverteilungen und das Verhalten großer Wallets. Daten von Nansen zeigen signifikante Aktivität großer Adressen: Das Gesamtsaldo an Ethena, das von großen Adressen gehalten wird, fiel von 65,24 Millionen am 31. Oktober auf 43,06 Millionen zum Zeitpunkt der Berichterstattung. Dieser Rückgang deutet auf substanzielle Verkaufsvolumina durch Wale hin. Historisch können solche Whale‑Sell‑Offs Panikverkäufe bei Privatanlegern auslösen und die Abwärtsdynamik über das Orderbuch verstärken.
Wichtig ist außerdem, neben den absoluten Zahlen auch die Liquiditätsquellen zu prüfen: Wurden die Token auf CEXs (zentrale Börsen) transferiert, sind sie kurzfristig leichter liquidierbar; Transfers auf OTC‑Konten oder zu langfristigen Cold‑Wallets signalisieren dagegen unterschiedliche Absichten. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf Wechsel‑Metriken wie Netflow‑Analysen, die zeigen, ob mehr Tokens in die Börsen fließen als abfließen — ein positiver Netflow auf Seiten der Börsen korreliert häufig mit kurzfristig steigendem Verkaufsdruck.

Technical picture: descending channel and death cross
Auf technischer Ebene befindet sich Ethena seit Anfang September in einem absteigenden parallelen Kanal, ein Chartmuster, das anhaltenden bärischen Momentum widerspiegelt. Dieses Muster entsteht, wenn aufeinanderfolgende niedrigere Hochs und niedrigere Tiefs gebildet werden und kann bei Ausbruch nach unten Beschleunigung in die Abwärtsbewegung bringen. In Kombination mit weiteren technischen Signalen verstärkt sich die negative Einschätzung: Der Supertrend‑Indikator ist auf rot umgeschlagen und signalisiert einen kurzfristigen Trendwechsel nach unten.
Darüber hinaus droht ein klassisches Death Cross auf dem Tageschart: Der 50‑Tage einfache gleitende Durchschnitt (SMA) steht kurz davor, unter den 200‑Tage‑SMA zu fallen. Ein solcher Schnitt gilt als langfristiges bärisches Signal, das in vielen Märkten traditionell mit erhöhtem Abwärtsrisiko und einem möglichen Trendwechsel von bullisch zu bärisch assoziiert wird. Trader und Analysten beobachten diese Kreuzung häufig als Bestätigung dafür, dass mittelfristige Stärke nachlässt und Verkäufer die Oberhand gewinnen.
Technische Indikatoren liefern kontextuelle Information, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden: Das Volumenprofil, Volatilitätsmaße (z. B. ATR) und Markttiefe ergänzen den Blickwinkel. Ein Death Cross bei schwachem Volumen kann weniger aussagekräftig sein als eine Kreuzung, die von erhöhtem Handelsvolumen und signifikanter On‑Chain‑Aktivität begleitet wird. Trotzdem erhöht die Kombination aus absteigendem Kanal, Supertrend‑Flip und drohendem Death Cross die Wahrscheinlichkeit eines ausgeprägteren Abwärtstrends, sofern keine starken Käuferinterventionen oder fundamentalen positiven Überraschungen eintreten.

Der Ethena‑Kurs nähert sich einem Death Cross auf dem Tageschart — 7. Nov.
Momentum and support levels
Der Relative‑Strength‑Index (RSI) bewegt sich derzeit in der Nähe von 32 und nähert sich damit dem überverkauften Bereich. Ein RSI nahe oder unter 30 wird traditionell als Indikator für kurzfristige Überverkauftheit gesehen und kann auf eine mögliche technische Gegenreaktion hinweisen. Allerdings bleibt die übergeordnete Tendenz bärisch, solange der Kurs innerhalb des absteigenden Kanals notiert.
Analysten sehen ein Abwärtsrisiko in Richtung 0,197 USD — etwa 36 % unter dem aktuellen Niveau — eine Unterstützungszone, die zuletzt im September 2024 beobachtet wurde. Diese Zielregion ergibt sich aus einer Kombination aus historischen Pivotpunkten, Volumenprofilen und der Struktur des jüngsten Abwärtsmoves. Ein Durchbruch unter dieses Niveau würde die Wahrscheinlichkeit weiterer Abgaben erhöhen, während ein stabiler Halt dort als potenzielle Basis für eine Konsolidierung dienen könnte.
Zur Validierung von Support‑Zonen empfiehlt sich die Prüfung mehrerer Zeitrahmen und Indikatoren: Volume‑by‑Price, On‑Chain‑Hodl‑Analysen (wie UTXO‑Aging für andere Assets), sowie das Verhalten von Marktteilnehmern nach früheren Tests dieser Zonen. Ebenfalls relevant ist das Risiko‑Reward‑Profil für mögliche Trading‑Strategien: Stop‑Loss‑Platzierung, Positionsgröße und Time‑in‑Market sollten an Volatilität und Liquidität angepasst werden.

Ethena Supertrend‑ und RSI‑Chart — 7. Nov.
Scenarios to watch
Bärisches Szenario: Wenn Wale weiterhin in großem Stil verkaufen und geplante Unlock‑Tranches systematisch auf den Markt gelangen, könnte Ethena in Richtung des 0,197‑USD‑Supports fallen. Der Abschluss des Death Cross auf Tagesbasis und eine Abkühlung der allgemeinen Kryptomarkt‑Stimmung würden dieses Szenario weiter verstärken. In einem solchen Umfeld könnten Privatanleger schwächer reagieren und in Panik veräußern, was den Abwärtstrend beschleunigen und Liquidität aus dem Orderbuch ziehen würde. Zusätzlich könnten erhöhte Leverage‑Liquidationen bei gehebelten Produkten kurzfristig starke, schnelle Rückgänge auslösen.
Bullisches Szenario: Ein klarer Ausbruch über den 200‑Tage‑SMA bei etwa 0,47 USD — der gleichzeitig mit dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Retracement vom jüngsten Hoch übereinstimmt — würde das bärische Narrativ in Frage stellen. Ein solcher Durchbruch könnte Short‑Positionen zur Eindeckung zwingen (Short Squeeze) und neues Kaufinteresse anziehen, wodurch sich eine technische Erholung etablieren kann. Entscheidend ist, dass der Kurs nicht nur temporär über den gleitenden Durchschnitt springt, sondern den Ausbruch Volumen‑gestützt bestätigt und den absteigenden Kanal nachhaltig verlässt.
Neutraler Zwischenpfad: Es ist ebenso möglich, dass Ethena in einer seitwärts gerichteten Konsolidierung verbleibt, während Marktteilnehmer die Auswirkungen der Unlocks und die längerfristige Token‑Distribution verarbeiten. In diesem Fall könnten volatile, aber begrenzte Bewegungen zwischen Schlüsselbereichen beobachtet werden, was Arbitrage‑ und kurzfristigen Trading‑Strategien Raum gibt, aber keine klare Trendrichtung etabliert.
What traders should consider
Risikomanagement ist in diesem Umfeld unerlässlich: Positionsgrößen sollten angemessen skaliert werden, um potenzielle Drawdowns zu begrenzen, und Stop‑Loss‑Levels sollten unter Berücksichtigung der aktuellen Volatilität platziert werden. Beobachten Sie On‑Chain‑Flows, insbesondere Transfers großer Wallets zu zentralen Börsen, sowie veröffentlichte Unlock‑Zeitpläne, die das Angebot kurzfristig erhöhen können. Solche Daten sind oft Frühindikatoren für nachfolgenden Verkaufsdruck.
Technische Signale wie die Bestätigung eines Death Cross, Supertrend‑Flips und RSI‑Divergenzen können als Timing‑Hilfsmittel dienen, sollten aber mit Volumen‑ und On‑Chain‑Metriken kombiniert werden, um die Aussagekraft zu erhöhen. Händler, die auf eine Erholung setzen, könnten auf eine Rückeroberung des 200‑Tage‑SMA oder sichtbare Trendwenden mit erhöhtem Volumen warten, während Short‑Positionen Nutzen aus klaren bärischen Bestätigungen ziehen könnten.
Zudem ist Diversifizierung wichtig: Vermeiden Sie es, übermäßig auf eine einzige volatile Altcoin wie Ethena zu setzen, insbesondere wenn ein hoher Anteil des Umlaufs von wenigen Adressen kontrolliert wird. Leverage sollte konservativ eingesetzt werden, da gehebelte Positionen bei schnellen Richtungswechseln zu Zwangsliquidationen führen können. Für längerfristig ausgerichtete Investoren lohnt sich eine Prüfung der ökonomischen Grundlagen des Projekts, der Tokenomics, Governance‑Struktur und der Produktentwicklung, um zu beurteilen, ob aktuelle Kursrückgänge eine Buying‑Opportunity oder Ausdruck struktureller Schwächen sind.
Schließlich ist das Zusammenspiel mit Makro‑ und Krypto‑Breitmarktfaktoren nicht zu vernachlässigen: Zinspolitik, Risikoappetit, regulatorische Nachrichten und Liquiditätsbedingungen in den traditionellen Märkten beeinflussen auch die Nachfrage nach riskanteren Krypto‑Assets. Trader sollten daher sowohl on‑chain‑spezifische als auch makroökonomische Indikatoren in ihre Analyse einbeziehen.
Quelle: crypto
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