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GMs neue Small-Block-Familie soll angeblich mit 5,7L- und 6,6L-Optionen kommen
General Motors bereitet offenbar eine sechste Generation seiner Small-Block-V8-Motoren vor, die im Modelljahr 2027 debütieren soll. Frühe Berichte nennen zwei Haupthubräume: eine 5,7-Liter-Variante, die auf Effizienz ausgelegt ist, und eine 6,6-Liter-Ausführung mit sportlicher Orientierung. Die neuen Aggregaten werden voraussichtlich zuerst in leichtgewichtigen Pick-ups und in der C8-Generation der Corvette eingesetzt, während GM seine V8-Palette modernisiert und gleichzeitig Anforderungen an Verbrauch und Emissionen in den Blick nimmt.
Wo die 5,7L-Variante eingeordnet wird
Das kleinere Mitglied dieser angeblichen Motorfamilie würde das derzeitige 5,3-Liter-Aggregat ersetzen und statt des älteren Systems „Active Fuel Management“ (AFM) die modernere Dynamic Fuel Management (DFM) nutzen. Laut Quellen soll der Fertigungsauftragscode dieses Triebwerks L84 lauten, was seinen Fokus auf verbesserte Kraftstoffeffizienz bei gleichzeitig typischem V8-Charakter reflektiert. Der Hubraum von 5,7 Litern ist für GM kein Neuland: Er erinnert an den klassischen 350-cubic-inch Small Block sowie an frühe LS-Motoren wie den LS1 und LS6, die bei Enthusiasten für ihr ausgewogenes Verhältnis von Leistung und Alltagstauglichkeit bekannt sind.
In technischer Hinsicht würde die Einführung von DFM bedeuten, dass sich das System feinfühliger und situationsgerechter an unterschiedliche Lastzustände anpassen lässt. DFM ermöglicht eine variablere Zylinderabschaltung und Steuerung einzelner Brennkammern als frühere Systeme, was bei längeren Autobahnfahrten oder gleichmäßigem Stadtverkehr spürbar Kraftstoff spart, ohne das typische V8-Soundbild oder die Anfahr-Performance übermäßig zu kompromittieren. Zudem könnten moderne Fertigungs- und Materialtechniken — beispielsweise leichtere Aluminiumblöcke mit verstärkten Laufbuchsen und optimierte Kolbenringe — dazu beitragen, Verbrauch und Reibung weiter zu senken.
Berichte deuten zudem an, dass GM bei der 5,7-Liter-Variante auf eine ausgewogene Kombination aus Effizienz und Drehmoment setzt: ausreichend Durchzugskraft für schwere Anhängelasten in Pick-ups, aber gleichzeitig optimiert für niedrige Verbrauchswerte in der Praxis. Denkbar sind außerdem Ergänzungen wie Direkteinspritzung, variabler Ventiltrieb und abgestimmte Getriebeübersetzungen, um die Effizienzkurve zu glätten — wobei all das bislang nicht offiziell bestätigt ist.

6,6L: Performance-Absicht und mögliche Grand-Sport-Aufgaben
Im leistungsorientierten Bereich deuten mehrere, bislang nicht verifizierte Berichte darauf hin, dass GM vom aktuellen 6,2-Liter-Triebwerk auf einen 6,6-Liter-V8 umsteuern könnte. Diese größere Hubraumgröße wäre prädestiniert für Hochleistungsvarianten: höhere Spitzenleistungen, mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich sowie größere Reserven für Tuningeinsätze. Insider spekulieren, dass ein solcher 6,6-Liter-Motor die Basis für ein wiederaufgelegtes Corvette Grand Sport-Modell bilden könnte und möglicherweise sogar den aktuell in Stingray- und E-Ray-Modellen eingesetzten LT2-Motor ersetzen würde.
Die Umstellung auf 6,6 Liter würde GM erlauben, verschiedene Abstufungen desselben Grundmotors anzubieten — angefangen bei einer robusten, langlebigen Version für schwere Einsatzzwecke bis hin zu einer performance-orientierten Ausführung mit aggressiver Nockenwellenabstimmung, optimierten Ansaug- und Abgassystemen sowie spezifischer Kalibrierung für Getriebe und Kühlsystem. Dort, wo bereits ein 6,6-Liter-Block in schweren Nutzfahrzeugen eingesetzt wird, zeigt sich das Potenzial dieses Architekturansatzes: Durch Anpassungen an Kolben, Pleuel und Kurbeltrieb lassen sich Varianten mit unterschiedlichen Drehmoment- und Leistungsmerkmalen realisieren, ohne die grundlegende Blockgeometrie neu entwickeln zu müssen.
Während einige Performance-Enthusiasten über mögliche Aufladungsstrategien (z. B. Kompressor oder Turbo) spekulieren, gibt es bislang keine belastbaren Hinweise, dass GM unmittelbar einen gezwungen aufgeladenen 6,6-Liter plant. Vielmehr erscheint wahrscheinlich, dass sowohl natürlich-ansaugende Hochleistungsvarianten als auch stärker abgestimmte, möglicherweise von Werk aus hochgezüchtete Versionen angeboten werden könnten. Das eröffnet auch Potenzial für werkseitige Leistungsstufen und limitierte Sondermodelle mit spezifischer Kühlluftzufuhr, Bremsunterstützung und Fahrwerksabstimmung.
Wie sich das zu bestehenden V8s verhält
GM verwendet den 6,6-Liter-Hubraum bereits in schweren Lkw-Anwendungen, zum Beispiel in Form des L8T in den Silverado- und Sierra-HD-Pick-ups. Zusätzlich existiert ein Performance-Crate-Engine-Angebot (L8P), das mit aggressiverer Nockenwellencharakteristik und höherem Ausgangsleistungspotenzial aufwartet. Der Vergleich zwischen dem schweren Lkw-Tuning und einer Performance-Crate-Version macht deutlich, wie flexibel eine 6,6-Liter-Architektur skaliert werden kann: Die crate-basierte Performance-Variante kann sowohl in Bezug auf PS als auch auf Drehmoment deutlich über den HD-Truck-Parametern liegen, was die Anpassungsfähigkeit der Plattform unterstreicht.
Architektur-technisch sprechen Hersteller von modularen Blockdesigns, die durch unterschiedliche Zylinderkopfkombinationen, Kolbenringe, Pleuel und Kurbelwellen an verschiedene Einsatzzwecke angepasst werden können. Für die Praxis bedeutet das: Ein gemeinsamer Grundblock reduziert Produktionskosten und Komplexität, während spezifische Komponenten die Bandbreite an Einsatzprofilen (Alltag, Trailering, Motorsport) bedienen. Zudem ermöglichen moderne Fertigungsprozesse, verstärkte Gussqualitäten und anschließende Bearbeitungen, die Haltbarkeit auch bei höheren Lasten zu sichern.
Für die Corvette-Community ist die mögliche Einführung eines 6,6-Liter-Motors besonders spannend, weil sich damit die Balance zwischen klassischem Saugmotor-Feeling und zeitgemäßer Performance neu definieren ließe. Gleichzeitig würde ein moderner 6,6-Liter in leistungsgesteigerten Varianten das Tuning-Potenzial erhöhen, etwa durch optimierte Ansaugsysteme, Sportabgasanlagen oder ECU-Remaps, die deutliche Zuwächse bei Leistung und Drehmoment erlauben könnten.
Produktion, Investitionen und Qualitätsaspekte
GM hat bereits beträchtliche Investitionen angekündigt, um die Produktion der nächsten Small-Block-Generation vorzubereiten. Rund 854 Millionen US-Dollar sollen in die Umrüstung von US-amerikanischen Werken fließen, um Fertigungsprozesse, Montagelinien und Qualitätssicherung auf die neuen Anforderungen auszurichten. Trotz dieser Mittel hat der Hersteller bislang keine offiziellen technischen Daten oder eine bestätigte Hubraumaufstellung veröffentlicht, daher sind die vorliegenden Berichte mit Vorsicht zu genießen.
Unabhängige Quellen haben jedoch in mehreren Fällen ähnliche Hubraumangaben (5,7L und 6,6L) genannt, und jüngste Sichtungen von breiter gebauten C8-Testmule-Fahrzeugen mit abgedeckten Motorabdeckungen verstärken die Spekulationen. Solche laufenden Tests könnten nicht nur Leistungsvarianten überprüfen, sondern auch Aspekte wie NVH (Noise, Vibration, Harshness), thermisches Management, Emissionsverhalten und Haltbarkeit im Rahmen realer Fahrprofile evaluieren.
Ein zentrales Thema bleibt die Fertigungsqualität: Nach den öffentlich gewordenen Problemen mit dem 6,2-Liter-L87 bestand offenbar Handlungsbedarf bei Zulieferern und interner Kontrolle. Entsprechend könnte GM Teile der Produktion, etwa Motorenmontage oder spezifische Fräs- und Schmiedeprozesse, in andere Werke verlagern — Kentucky wurde in Berichten als möglicher Standort genannt —, um Engpässe zu begegnen und eine engere Kontrolle der Bauteilqualität sicherzustellen. Solche strategischen Verlagerungen wären mit zusätzlichen Investitionen in Ausbildung, Messtechnik und Lieferkettenmanagement verbunden.

Eine kleine, aber aufschlussreiche Beobachtung: An einem fotografierten Testmule fielen Buick-Tri-Shield-Radkappen in der Mitte auf — ein Hinweis darauf, dass GM möglicherweise ein Grand-Sport-ähnliches Modell innerhalb der Corvette-Familie positionieren könnte. Zusätzlich hat ein bekannter Corvette-Social-Media-Autor berichtet, dass Händler auf eine Wiederkehr des Grand Sport hingewiesen wurden und dass die Motorenproduktion infolge der Qualitätsprobleme mit dem 6,2-Liter-L87 partiell nach Kentucky verlagert werden könnte. Solche Indizien sind zwar nicht gleichbedeutend mit einer offiziellen Bestätigung, liefern aber Kontext, wie GM Produktpositionierung und Fertigungsentscheidungen abwägt.
Rückruf und regulatorischer Hintergrund
Die Entscheidung, die Produktion neu zu gestalten, steht vermutlich auch im Zusammenhang mit einem größeren Rückruf und verstärkter regulatorischer Prüfung. GM rief nahezu 600.000 leichtgewichtige Trucks und SUVs mit dem 6,2-Liter-L87 zurück, nachdem Probleme mit fehlerhaft hergestellten Pleueln und Kurbelwellen festgestellt wurden, die von Drittanbietern stammten. Solche Bauteilprobleme können zu schwerwiegenden Motorenschäden führen und erfordern in der Regel umfassende Prüf- und Nachbesserungsmaßnahmen.
Parallel dazu führt die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine ingenieurtechnische Analyse der mit L87 ausgestatteten Fahrzeuge der Modelljahre 2019–2024 durch. Diese Untersuchung erweitert die Prüfung über den reinen Rückruf hinaus und kann sowohl zu zusätzlichen Serviceaktionen als auch zu strengeren Vorgaben für Testprotokolle und Zuliefereraudits führen. Für Hersteller bedeutet das in der Praxis erhöhte Anforderungen an Validierungstests, verstärkte Rückverfolgbarkeit von Bauteilen und gegebenenfalls Anpassungen in der Lieferkette, um zukünftige Vorfälle zu vermeiden.
Auf strategischer Ebene kontrollieren Automobilhersteller nach solchen Ereignissen häufig kritische Fertigungsschritte enger, verlagern sensible Prozesse teilweise wieder ins eigene Haus oder wählen strengere Zuliefererqualifikationen. Zusätzlich spielen regulatorische Tests zur Beständigkeit, etwa Langzeittests unter hoher thermischer Belastung, eine größere Rolle, wenn neue Motoren eingeführt werden, um ähnliche Rückrufrisiken zu minimieren.

- Mögliche Vorteile: Verbesserter Kraftstoffverbrauch durch Dynamic Fuel Management auf der 5,7L-Variante
- Performance-Ziel: Der 6,6L könnte auf höhere Leistung in Grand-Sport- oder ähnlichen Varianten abgestimmt werden
- Produktion: Große Investitionen in US-Werke und Berichte über Verlagerung der Motorenmontage nach Kentucky
Bis GM offizielle Details bestätigt, müssen Enthusiasten, Flottenbetreiber und Medien auf diese geleakten Hinweise, Augenzeugenberichte und Erprobungsfahrten vertrauen. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, könnte die neue Small-Block-Generation eine flexible Architektur bieten, die von effizienten Truck-Motoren bis zu hochleistungsfähigen Corvette-Antrieben reicht. Damit bliebe die klassische V8-DNA erhalten, zugleich werden moderne Effizienz-, Emissions- und Produktionsanforderungen berücksichtigt.
Aus Sicht von Flottenbetreibern wären besonders die Verbrauchswerte, Wartungsintervalle und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen relevant — Faktoren, die den Total Cost of Ownership (TCO) maßgeblich beeinflussen. Für die Motorsport- und Tuning-Community hingegen eröffnen modular aufgebaute Motoren neue Möglichkeiten für Leistungssteigerungen und kundenspezifische Anwendungen. Insgesamt hängt der Erfolg der neuen Generation stark von der Balance zwischen Robustheit, Effizienz und Skalierbarkeit der Fertigung ab. Eine klare, transparente Kommunikation seitens GM über technische Daten, Produktionsstandorte und Qualitätsmaßnahmen wird entscheidend sein, um Vertrauen bei Kunden und Behörden wiederherzustellen und auszubauen.
Quelle: autoevolution
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