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Ein bisher unbekanntes HMD-Gerät mit dem Codenamen „Pearl“ ist in Geekbench-Einträgen aufgetaucht. Es läuft mit Android 15 und zeigt eine ungewöhnliche Unisoc-Konfiguration. Dieser Leak wirft mehrere Fragen auf: Könnte es sich um das gemunkelte HMD Pulse 2 Pro handeln — und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für RAM-Optionen, Leistung und künftige Android-Updates?
Was Geekbench tatsächlich zeigt
Der Geekbench 6.2.2-Eintrag listet ein Gerät namens Pearl, das Android 15 verwendet und für den Test nur 4 GB RAM ausweist. Die dargestellte CPU-Topologie — zwei Kerne mit etwa 1,82 GHz und sechs Kerne mit rund 1,61 GHz — deutet auf einen Unisoc T7250 hin. Während die Motherboard-Zeichenfolge im Listing auf ältere T6xx-Familienkennungen verweist, sprechen die höheren Taktraten eher für das Verhalten eines T7250 als für die T606-/T615-/T616-Varianten.
Im Kontext ist wichtig: HMDs frühere Pulse-Modelle nutzten den Unisoc T606. Auf Geekbench erzielte der T606 ungefähr 392 Punkte im Single-Core- und rund 1.385 Punkte im Multi-Core-Test; die höher getaktete T7250-Variante dürfte in synthetischen Benchmarks einen leichten Vorsprung bieten, ohne jedoch einen dramatischen Unterschied zu erzeugen. Solche synthetischen Tests sind nützlich zur Einordnung der SoC-Fähigkeiten, sagen aber nicht alles über die reale Nutzererfahrung bei Apps, Kameraverarbeitung oder Energieeffizienz aus.
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Pulse 2 Pro: Shop-Eintrag vs. Benchmark-Leak
Ein kürzlich aufgetauchtes Einzelhandelsangebot für das HMD Pulse 2 Pro nannte einen T615-Chipsatz und eine Variante mit 6 GB RAM. Dieses Shop-Listing steht nicht zwangsläufig im Widerspruch zum Geekbench-Fund: Es könnte sich um eine Verwechslung zwischen T615 und T7250 handeln, oder HMD plant verschiedene SKUs für unterschiedliche Märkte. Das ursprüngliche Pulse wurde in 4-GB- und 6-GB-Versionen ausgeliefert, sodass ein Zweigstellenmodell für das neue Gerät durchaus in die Produktstrategie von HMD passen würde.
Aus Sicht der Produktpositionierung wäre ein Angebot mit mehreren Speicherkonfigurationen sinnvoll: Ein 4-GB-Basismodell kann preisbewusste Käufer ansprechen, während eine 6-GB-Version Kunden erreicht, die bessere Multitasking-Fähigkeiten und längere Software-Unterstützung erwarten. Händlerlisten sind allerdings anfällig für Fehler; CHIP-Bezeichnungen werden in Datenbanken oft falsch eingegeben, und Retail-Einträge tauchen je nach Region mit unterschiedlichen Spezifikationen auf. Deshalb ist die offizielle Spezifikationsbestätigung seitens HMD der endgültige Indikator.
Warum die RAM-Größe heute wichtiger ist denn je
Der RAM ist nicht nur ein Verkaufsargument — er kann künftig zum Entscheidungskriterium für Betriebssystem-Updates werden. Berichte und Gerüchte deuten darauf hin, dass Android 16 als vollwertiges (non-Go) System möglicherweise Geräte mit mindestens 6 GB RAM voraussetzt, um die vollständige Erfahrung zu erhalten. Sollte Google diese Art von Mindestanforderung formal einführen, hätte das direkte Auswirkungen auf Geräte wie die im Geekbench gelistete Pearl mit 4 GB RAM. Ein 4-GB-Gerät könnte beim Upgrade von Android 15 auf Android 16 womöglich nur die abgespeckte „Go Edition“ erhalten, selbst wenn es ursprünglich mit der Standard-Edition ausgeliefert wurde.
Die Unterscheidung zwischen regulärer Android-Edition und Android Go ist nicht bloß Marketing: Die Go-Edition ist für Geräte mit begrenztem Arbeitsspeicher optimiert und bringt bestimmte Limits bei Hintergrundprozessen, Speicherverwaltung und teilweise bei der App-Performance mit sich. Nutzer bemerken das in Form von restriktiverem Multitasking, aggressiverem RAM-Management und gegebenenfalls reduzierten Animationen oder Hintergrundaktivitäten. Für Kunden bedeutet das: Die Wahl der RAM-SKU könnte künftig nicht nur die aktuelle Performance, sondern auch die langfristige Nutzererfahrung und die Verfügbarkeit von Android-Funktionen beeinflussen.

Gleichzeitig bleibt diese Regelung noch offen und veränderlich. Marktkräfte — etwa ein kürzlich beobachteter Preisanstieg für Arbeitsspeicher-Bausteine — könnten Hersteller dazu treiben, wieder häufiger 4-GB-Varianten anzubieten, um die Endpreise niedrig zu halten. In einem solchen Szenario müsste Google möglicherweise seine Upgrade-Strategie anpassen, um eine weitreichende Fragmentierung zu vermeiden. Kurz gesagt: Ob Besitzer eines „Pearl“-Geräts dieselbe Android-16-Erfahrung erhalten wie Käufer einer 6-GB-Variante, hängt davon ab, welche RAM-SKUs HMD tatsächlich ausliefert und wie Google die Upgrade-Anforderungen final festlegt.
Technische Einordnung: Unisoc T7250 vs. T6xx-Serie
Ein genauerer Blick auf die SoC-Familien hilft, die Bedeutung der Geekbench-Angaben einzuordnen. Unisoc positioniert seine T6xx-Linie typischerweise in der Einsteiger- bis unteren Mittelklasse. Unterschiede zwischen T606, T615, T616 und dem T7250 liegen häufig in CPU-Taktraten, GPU-Leistung, Fertigungsprozess und Energiemanagement. Die CPU-Topologie mit 2 + 6 Kernen, wie sie im Pearl-Eintrag erscheint, ist in dieser Klasse üblich: leistungsstärkere Big-Kerne für Single-Thread-Aufgaben kombiniert mit effizienten kleinen Kernen für Hintergrundlasten.
Der T606 ist ein bewährter Einsteigerchip, der in vielen kostengünstigen Geräten gute Alltagstauglichkeit bietet. Sein Multi-Core-Score auf Geekbench wurde im Bereich von etwa 1.300–1.400 Punkten verortet. Ein T7250 mit leicht höheren Kerntaktraten profitiert in synthetischen Tests von höheren Frequenzen und kann somit bei bestimmten Benchmarks besser abschneiden. In der Praxis sind Leistungsunterschiede jedoch stark nutzenabhängig: Bei Apps, die von mehreren Kernen profitieren, kann der Vorteil sichtbar werden; bei Einzelkern-intensiven oder GPU-lastigen Aufgaben hängt die Nutzererfahrung zusätzlich von der GPU-Konfiguration und Wärmeentwicklung ab.
Darüber hinaus spielen weitere Faktoren eine Rolle: RAM-Timing und -Bandbreite, Speicher-Controller-Implementierung, thermische Drosselung durch Gehäusedesign und die Softwareoptimierung des Herstellers. Ein identischer SoC kann in zwei verschiedenen Geräten sehr unterschiedliche Performance-Profile zeigen, weil Systemintegration und Firmware-Optimierungen unterschiedlich sind.
Marktstrategie und Produktvarianten
HMD hat bei früheren Pulse-Modellen die Strategie verfolgt, mehrere Speicher- und Preisoptionen anzubieten. Diese Herangehensweise erlaubt es, verschiedene Marktsegmente zu adressieren: budgetorientierte Käufer, Carrier-spezifische SKUs und Märkte mit unterschiedlichen Preiserwartungen. Wenn HMD das Pulse 2 Pro oder eine „Pearl“-Variante in mehreren Konfigurationen anbietet, kann das die Marktakzeptanz erhöhen — bringt aber zugleich Verwirrung bei Verbrauchern hinsichtlich Updates und Leistungsversprechen.
Ein transparentes SKU-Management und klare Kommunikation zu Software-Updates sind in diesem Zusammenhang entscheidend. Hersteller sollten angeben, welche Modelle welche Android-Versionsgarantien erhalten und ob RAM- oder SoC-Unterschiede Einfluss auf die Update-Berechtigung haben. Solche Angaben stärken das Vertrauen der Käufer und reduzieren Supportanfragen nach dem Verkauf.
Was als Nächstes zu beobachten ist
- Offizielle HMD-Spezifikationen: Eine direkte Bestätigung von HMD zu Chipsatz und RAM-Optionen würde die Verwirrung um T615 vs. T7250 beseitigen und Aufschluss über geplante SKUs geben.
- Einträge in Händler- und Zertifizierungsdatenbanken: Retail-Listings, Zertifizierungen (z. B. FCC, IMEI-Datenbanken) und lokale Angebotsseiten zeigen häufig die realen SKU-Aufteilungen (4 GB vs. 6 GB) und regionale Varianten.
- Googles Android-16-Rollout-Regeln: Jede endgültige Festlegung zu Mindest-RAM-Anforderungen oder zu Unterscheidungen zwischen Normal- und Go-Editionen hat unmittelbare Auswirkungen auf Upgrade-Pfade für Geräte mit geringerem Speicher.
- Hands-on- und Testberichte: Erste Reviews und Langzeittests geben bessere Einsichten in die reale Performance, thermisches Verhalten und den Einfluss der RAM-Größe auf Multitasking und App-Performance.
- Preisentwicklung von Komponenten: Falls RAM-Preise wieder ansteigen, könnten Hersteller die Konfigurationen anpassen — das wiederum könnte Plattformbesitzer vor neue Upgrade-Unsicherheiten stellen.
Diese Indikatoren zusammen liefern ein umfassendes Bild: Der Geekbench-Eintrag „Pearl" legt nahe, dass ein Unisoc T7250 zum Einsatz kommt und Android 15 als Betriebssystem installiert ist. Ob es sich dabei um das Pulse 2 Pro oder um ein nahe verwandtes Modell handelt, bleibt offen, bis HMD offizielle Details kommuniziert. Der kritischste Aspekt für potenzielle Käufer ist die RAM-Ausstattung: Werden sowohl 4-GB- als auch 6-GB-Varianten angeboten, könnten Besitzer der kleineren Versionen einen anderen Update-Pfad erleben als Käufer der größeren Konfiguration, insbesondere wenn Google Mindestanforderungen für Android 16 festschreibt.
Abschließend lässt sich festhalten: Geekbench-Leaks sind wertvolle Indizien, liefern aber kein vollständiges Bild. Für fundierte Kauf- oder Upgrade-Entscheidungen sollten Konsumenten offizielle Spezifikationen, unabhängige Tests und die finalen Android-Upgrade-Regeln abwarten. Bis dahin bleibt „Pearl" ein interessantes Puzzleteil in der Produktstrategie von HMD, das sowohl Chancen für preisbewusste Käufer als auch Fragen zur langfristigen Software-Unterstützung aufwirft.
Quelle: gsmarena


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