Galaxy Watch: One UI 8 (Wear OS 6) AOD-Bug erklärt

Das One UI 8 Watch-Update (Wear OS 6) verbessert die Optik, bringt aber einen AOD-Fehler: Drittanbieter-Zifferblätter zeigen Ghosting beim Aufwachen. Wir erklären Ursache, betroffene Modelle und praktikable Workarounds.

Lukas Schmidt Lukas Schmidt . Kommentare
Galaxy Watch: One UI 8 (Wear OS 6) AOD-Bug erklärt

7 Minuten

Das One UI 8 Watch-Update von Samsung (Wear OS 6) bringt visuelle Verfeinerungen und eine modernisierte Benutzeroberfläche — zugleich taucht jedoch ein ärgerlicher Fehler auf. Viele Besitzer einer Galaxy Watch berichten, dass Drittanbieter-Zifferblätter beim Übergang vom Always-On Display (AOD) in den aktiven Modus nicht sauber wechseln. Statt einer fließenden Animation sehen Nutzer teilweise „Geisterbilder“, überlappende UI-Elemente und ein unsauberes Aufwachen des Displays, was die Alltagstauglichkeit der Uhr beeinträchtigt.

Wenn AOD und aktiver Modus überlappen: Was Nutzer sehen

Bei verschiedenen Galaxy Watch-Modellen, beginnend mit der Watch 4 bis zur Watch 8, tritt beim Wecken der Uhr gelegentlich das Problem auf, dass die AOD-Ebene gleichzeitig mit dem aktiven Zifferblatt sichtbar bleibt. Anstatt einer gleichmäßigen Ausblendung der gedimmten AOD-Ansicht hin zur interaktiven Oberfläche bleibt das Display halb offen: gedimmte AOD-Elemente erscheinen weiterhin über der aktiven UI. Das führt zu Ghosting-Effekten, sichtbaren Artefakten und einem unruhigen, teils nur eingeschränkt nutzbaren Zifferblatt.

Praktisch äußert sich das Problem so, dass Uhrzeit, Zeiger oder Komplikationen doppelt oder partiell überlagert erscheinen, Texte schwer lesbar werden und Touch-Interaktionen verzögert oder unzuverlässig wirken. Für Anwender mit vielen Drittanbieter-Watchfaces, insbesondere solchen mit komplexen Ebenen, Transparenzen oder animierten Übergängen, kann das die tägliche Nutzung erheblich stören. Aus Sicht der Nutzererfahrung (UX) reduziert der Fehler die Klarheit beim Blick auf die Uhr und erzeugt den Eindruck eines Rendering- oder Kompositor-Problems.

Welche Uhren sind betroffen?

Die bislang gemeldeten Fälle betreffen eine breite Palette an Galaxy Watches, die One UI 8 Watch (auf Basis von Wear OS 6) nutzen — konkret wurden Probleme auf Galaxy Watch 4, 5, 6, 7 und 8 beobachtet. Wichtig ist: Der Fehler scheint überwiegend Drittanbieter-Zifferblätter zu betreffen; die vorinstallierten, offiziellen Samsung-Zifferblätter wechseln in den meisten Berichten korrekt und zeigen keine vergleichbaren Geistereffekte.

Das bedeutet nicht zwingend, dass jede Kombination aus Uhrenmodell, Firmware-Version und Drittanbieter-Design betroffen ist. Vielmehr entsteht offenbar eine Situation, in der bestimmte Rendering- oder Timing-Bedingungen mit speziell aufgebauten Watchfaces kollidieren. Nutzer, die viele personalisierte oder komplexere Zifferblätter verwenden, sind demnach wahrscheinlicher betroffen als Nutzer, die standardmäßige Samsung-Faces einsetzen.

Was verursacht den Fehler?

Technisch gesehen hängt das Problem offenbar mit der AOD-Opacity-Fade-Animation in Wear OS 6 zusammen. Diese Übergangsanimation blendet die AOD-Ebene beim Aufwachen der Uhr in das aktive Zifferblatt ein oder aus, indem sie die Deckkraft (Opacity) der AOD anpasst. Wenn diese Animation nicht vollständig abgeschlossen wird, bevor der Bildschirm in einen Stromsparmodus wechselt oder die Anzeige zurückgesetzt wird, kann die Render-Engine in einen inkonsistenten Zustand geraten und beide Ebenen gleichzeitig darstellen.

Aus Entwickler- und Systemperspektive lässt sich das als ein Timing- oder Race-Condition-Problem zwischen dem AOD-Fade, dem Compositor (Render-Schicht) und der Energiesparlogik der Uhr beschreiben. Mögliche Ursachen sind:

  • Eine unvollständig abgeschlossene Opacity-Animation aufgrund früherer Display-Suspend-Aktionen.
  • Ein Fehler im Z-Order-Handling des Compositors, sodass AOD-Elemente nicht korrekt hinter der aktiven UI abgelegt werden.
  • Probleme mit GPU/CPU-Synchronisation oder Frame-Cleanup beim Wechsel aus dem Ambient- in den aktiven Modus.

Entwickler und fortgeschrittene Nutzer vermuten, dass der Fehler auf Systemebene liegt, nicht in einzelnen Face-Designs. Das erklärt, warum Samsungs eigene Zifferblätter tendenziell korrekt arbeiten: Offizielle Faces können spezielle System-APIs oder optimierte Übergänge nutzen, die Drittanbieter nicht in gleicher Weise verwenden. Dennoch können manche Drittanbieter-Faces so konzipiert sein, dass sie weniger anfällig sind — die Variabilität hängt stark vom Design und von der Handhabung der Ambient-Callbacks ab.

Workarounds für Nutzer und Entwickler

Bis Samsung und Google einen systemweiten Fix bereitstellen, helfen mehrere pragmatische Maßnahmen, die Funktionsstörung zu mildern oder zu umgehen. Die Optionen unterscheiden sich je nachdem, ob Sie regulärer Nutzer oder Entwickler sind:

  • Vorübergehend ein offizielles Samsung-Zifferblatt verwenden — Die einfachste Maßnahme für Endnutzer: Wechseln Sie auf ein serienmäßiges Samsung-Face. Offizielle Zifferblätter zeigen in den meisten Fällen keine Geistereffekte, da sie eng an die System-Animationen angepasst sind und bekannte AOD-Szenarien berücksichtigen. Dieser Wechsel ist schnell durchgeführt und stellt die zuverlässige Anzeige wieder her.
  • Als Entwickler die AOD-Übergangszeit auf null setzen — Watchface-Entwickler können in der XML-Konfiguration des Zifferblatts die AOD-Transition deaktivieren oder die Dauer auf null setzen, zum Beispiel mit duration='0' im entsprechenden Transition-Element, um das Fade zu überspringen. Dadurch entfällt die problematische Opacity-Animation, und der Wechsel wird sofort vollzogen. Beachten Sie jedoch, dass diese Lösung die visuelle Qualität des Übergangs verändert und sich auf die Energieeffizienz auswirken kann, da ein harter Wechsel statt einer sanften Animation erfolgt.
  • Uhr und Software aktuell halten sowie offiziellen Patch-Verlauf beobachten — Samsung hat den Fehler bereits bestätigt und auf das Verhalten von Wear OS 6 als Ursache hingewiesen. Daraus folgt, dass eine koordinierte Lösung seitens Samsung und Google nötig sein könnte. Nutzer sollten Firmware-Updates, App-Updates (z. B. Samsung Watch Plugin, Galaxy Wearable) und Ankündigungen in der Samsung Members App genau verfolgen.

Weitere praktische Hinweise für Nutzer: Deaktivieren Sie testweise das Always-On Display in den Einstellungen, um den Fehler zu umgehen, wenn Sie häufiger betroffen sind; prüfen Sie alternative Drittanbieter-Faces, die weniger Layer/Transparenzen nutzen; oder setzen Sie nach Möglichkeit ein Face mit einfachen, statischen Elementen ein. Für Entwickler gilt: Testen Sie das Watchface intensiv unter verschiedenen Energiezuständen, sowohl mit aktiviertem als auch deaktiviertem AOD, und instrumentieren Sie die App mit Logs, um Timeline-Probleme zu identifizieren.

Entwickler sollten außerdem die Android/Wear-APIs für Ambient-Mode-Callbacks korrekt nutzen (z. B. onAmbientEnter/onAmbientExit oder entsprechende Lifecycle-Methoden in der Wearable-API), redundante Rendering-Pfade vermeiden und sicherstellen, dass bei einem schnellen Wechsel in den Stromsparmodus keine offenen Animations-Handles verbleiben. Ein zuverlässiges Fallback-Verhalten beim Unterbrechen von Animationen erhöht die Robustheit des Faces gegenüber Systemzuständen.

Aus Anwendersicht ist die einfachste kurzfristige Entlastung das Umschalten auf ein Standard-Zifferblatt oder das temporäre Deaktivieren des AOD. Fortgeschrittene Nutzer können zusätzlich Cache und App-Daten der Wearables-Komponenten löschen, die Uhr neu starten oder gegebenenfalls einen Werksreset durchführen, wenn mehrere Anzeichen für Systeminkonsistenzen auftreten. Vor solchen Eingriffen empfiehlt es sich, wichtige Daten zu sichern und die offiziellen Support-Dokumente zu konsultieren.

Mehrere Berichte über das Problem erschienen bereits in Medien wie PiunikaWeb, und in Nutzerforen wird über mögliche Fix-Termine spekuliert. Einige Anwender hofften auf einen Fix bereits zum 12. Januar 2025; solche Termine sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden, da es sich um externe Spekulationen handeln kann. Generell ist damit zu rechnen, dass ein stabiler Fix sowohl Änderungen in der Wear OS-Basis (Google) als auch in Samsungs One UI betrifft — ein koordiniertes Update oder eine Folgeversion wäre der wahrscheinlichste Weg zur endgültigen Behebung.

Abschließend: Wer von dem Fehler betroffen ist, hat kurzfristig praktikable Optionen — Wechsel auf offizielle Faces, Deaktivierung von AOD oder XML-Anpassungen als Entwickler — bis eine dauerhafte Systemlösung bereitsteht. Langfristig sollten Nutzer und Entwickler die Release-Notes beobachteten und, falls möglich, Fehlerberichte über offizielle Kanäle (Samsung Members, Google Issue Tracker für Wear OS, Entwicklerforen) einreichen, um Priorität und Umfang einer Korrektur zu erhöhen.

Quelle: sammobile

"Als Technik-Journalist analysiere ich seit über 10 Jahren die neuesten Hardware-Trends. Mein Fokus liegt auf objektiven Tests und Daten."

Kommentar hinterlassen

Kommentare