NexPhone: Mobiltelefon, das Debian und Windows bereitstellt

Das NexPhone kombiniert Android, Debian Linux und eine ARM‑Version von Windows 11 in einem Midrange‑Smartphone. Es bietet Desktop‑Docking per USB‑C, Multi‑OS‑Flexibilität und richtet sich an Reisende, Entwickler und produktive Nutzer.

Sarah Hoffmann Sarah Hoffmann . Kommentare
NexPhone: Mobiltelefon, das Debian und Windows bereitstellt

8 Minuten

Stellen Sie sich vor, Sie tragen Telefon und Desktop in derselben Tasche. Das NexPhone will genau das ermöglichen: ein Android-Midranger, der zusätzlich Debian Linux und eine ARM-Version von Windows 11 starten kann und so bei Bedarf eine echte Desktop-Ersatzlösung bietet.

Ein Smartphone, das als einziger Computer gedacht ist

Nex Computer experimentiert seit Jahren mit produktivitätsorientierten Geräten, die vom Smartphone angetrieben werden, und das NexPhone ist ihr bisher mutigster Ansatz. Das Gerät läuft auf Android 16 und verwendet ein angepasstes NexOS, das es erlaubt, Linux als App innerhalb der Android-Umgebung zu starten oder komplett in eine ARM-basierte Windows-11-Variante zu wechseln. Diese Flexibilität bedeutet, dass Sie vertraute Android-Apps unterwegs weiterverwenden, in einen vollständigen Linux-Desktop für Entwicklungsarbeit wechseln oder Windows 11 für Legacy-Anwendungen und eine an Kacheloberflächen erinnernde Benutzeroberfläche booten können.

Durch die Möglichkeit, zwischen mehreren Betriebssystemen zu wechseln, adressiert NexPhone gezielt Nutzer, die sowohl mobile als auch klassische Desktop-Workflows benötigen. Entwickler können beispielsweise native Linux-Tools, Container und kompilierspezifische Workflows nutzen, während Anwender, die auf bestimmte x86-orientierte Anwendungen angewiesen sind, von der Windows-ARM-Option profitieren — soweit die Kompatibilität dies zulässt. NexOS dient dabei als Schicht zur Verwaltung der Multi-Boot-Optionen, Sitzungswechsel und der Ressourcenverteilung zwischen den Umgebungen.

Aus Sicht der Produktivität ist die Idee, ein einziges Gerät für Kommunikation, Web, Office, Entwicklung und gelegentliche Desktop-Aufgaben zu verwenden, attraktiv: weniger Gepäck, weniger Gerätepflege, zentralisierte Datensicherung. Gleichzeitig bringt ein solches Konzept technische Herausforderungen mit sich, etwa bei Treiberunterstützung, Gerätesicherheit, Boot-Management und Update-Strategien — Punkte, die Nex Computer adressieren muss, um eine verlässliche Nutzererfahrung zu liefern.

Desktop-Verbindungen und realistische Workflows

Schließen Sie das NexPhone per USB-C an einen externen Monitor an, und Sie erhalten ein echtes Desktop-Erlebnis. Wählen Sie Android Desktop Mode, Debian Linux oder Windows 11 und arbeiten Sie mit einer Tastatur und einer Maus wie an einem Laptop. Diese Konfiguration eignet sich besonders für Mobilreisende, Pendler und alle, die ein einzelnes Gerät für mobile und stationäre Arbeit bevorzugen.

Technisch setzt das Docking auf USB-C mit DisplayPort-Alt-Mode beziehungsweise den passenden Protokollen für Videoausgabe. In der Praxis bedeutet das: Mehrere Monitore, unterschiedliche Auflösungen und externe Peripherie sind möglich, solange die Software die Umschaltung und die Anpassung der Bildschirmausgabe sauber unterstützt. Für produktive Nutzung sind außerdem niedrige Latenzen bei Tastatur- und Maus-Eingaben sowie ein stabiles Power-Management erforderlich.

Ein realer Workflow könnte so aussehen: tagsüber E‑Mails und Office-Apps unter Android nutzen, abends per USB-C auf einen 24-Zoll-Monitor mit voller Tastatur wechseln und in Debian an Code, Containern oder VMs arbeiten. Für Anwender mit speziellen Windows-Only-Anwendungen bietet die ARM‑Windows-Option eine zusätzliche Brücke — auch wenn hier Emulation und Kompatibilitätsfragen eine Rolle spielen.

Warum das wichtig ist

Smartphones werden leistungsfähiger, und Software wie NexOS verwischt zunehmend die Grenze zwischen Mobil- und Desktop-Computing. Für Studierende, digitale Nomaden und Entwickler, die nicht mehrere Geräte mit sich herumtragen möchten, kann ein Multi-Boot‑Smartphone Leben erleichtern und Kosten senken. Gleichzeitig wirft es wichtige Fragen auf: Wie gut funktionieren bestehende Desktop‑Anwendungen auf ARM? Welche Peripherie wird unterstützt? Wie robust sind Treiber und Energieverwaltung?

Die Relevanz dieses Ansatzes liegt nicht nur in der Technik, sondern auch im veränderten Nutzungsverhalten: Viele Arbeitsaufgaben sind heute webbasiert oder plattformunabhängig, sodass die Hardwareanforderungen sinken. Ein Gerät wie das NexPhone kann diese Struktur verstärken, indem es nahtlose Übergänge zwischen Mobil- und Desktop‑Arbeit bietet und so die Produktivität erhöht. Allerdings müssen Update‑Politik, Sicherheits‑ und Datenschutzmaßnahmen sowie langfristige Softwareunterstützung stimmen, damit ein einzelnes Gerät tatsächlich als Ersatz für Laptop und Desktop fungieren kann.

Für Unternehmen eröffnet ein solches Konzept Möglichkeiten zur Zentralisierung von Geräten und Administrative Vereinfachung — bei gleichzeitig neuen Anforderungen an MDM (Mobile Device Management), Containerisierung und Nutzungsrichtlinien. Für Privatanwender ist die Kombination aus Mobilität und Desktop-Funktionalität besonders attraktiv, wenn Integrität und Stabilität der Multi-OS-Optionen gewährleistet sind.

Hardware, die mithält

Unter der Haube verwendet das NexPhone Qualcomms QCM6490‑Chipset — derselbe SoC, der auch im Fairphone 5 steckt — in Kombination mit 12 GB RAM und 256 GB internem Speicher, der sich per microSD erweitern lässt. Das 6,58‑Zoll‑IPS‑LCD liefert FHD+-Auflösung mit 120 Hz Bildwiederholrate und wird durch Gorilla Glass 3 geschützt.

Der QCM6490 ist ein moderates, aber effizientes SoC für Midrange-Geräte und bietet genug CPU‑ und GPU‑Leistung für viele Alltags‑ und Produktivaufgaben. In Mehrbetriebssystem‑Szenarien ist insbesondere die thermische Auslegung wichtig: dauerhafte CPU‑Lasten im Linux‑ oder Windows‑Betrieb erfordern ein effektives Wärmemanagement, damit Leistungseinbußen durch Throttling minimiert werden.

  • Akku: 5.000 mAh mit 18W kabelgebundener Ladung und Unterstützung für kabelloses Laden
  • Robustheit: IP69‑Zertifizierung für Wasser‑ und Staubschutz
  • Kameras: 64 MP Hauptkamera (IMX787), 13 MP Ultraweitwinkel (ISOCELL 3L6), 10,5 MP Selfie (Samsung 3J1)

Die Kombination aus 12 GB RAM und erweiterbarem Speicher ist für Multi‑OS‑Szenarien sinnvoll, da mehrere Umgebungen oder große Datenmengen Speicherplatz beanspruchen. Die 5.000‑mAh‑Batterie sollte in moderaten Nutzungsszenarien einen ganzen Arbeitstag durchhalten; bei intensiver Desktop‑Nutzung und externen Displays dürfte jedoch schneller nachgeladen werden müssen. Die Unterstützung für kabelloses Laden ist ein Komfortplus, das in Büroumgebungen und unterwegs Nutzen bringt.

Aus Fotografiesicht decken die Sensoren ein breites Spektrum ab: ein hochauflösender Hauptsensor für Detailaufnahmen, ein Ultraweitwinkel für Landschaften und eine brauchbare Frontkamera für Videokonferenzen — relevant, wenn das Telefon auch als primäres Kommunikationsgerät dient, während es als Desktop fungiert. Für professionelle Foto-Workflows bleiben die Sensorgröße und die Bildverarbeitung im Midrange‑Segment jedoch begrenzende Faktoren.

Weitere Hardware-Details, die für Power‑User interessant sind: Art des internen Speichers (UFS‑Version), unterstützte microSD‑Geschwindigkeitsklassen, Audioausgabe‑Optionen bei Docking, sowie die konkrete Implementierung von USB‑Controller und Videoausgabe. Diese Punkte beeinflussen die wahrgenommene Desktop‑Erfahrung stark.

Preis, Reservierung und Zeitplan

Das NexPhone wird zu einem UVP von 549 US‑Dollar angeboten, und interessierte Käufer können ein Gerät mit einer Anzahlung von 199 US‑Dollar reservieren. Die offiziellen Lieferungen sind für das dritte Quartal 2026 geplant. Dieser Preis positioniert das Gerät klar im Midrange‑Segment, bietet aber ein einzigartiges Verkaufsargument: echte Multi‑OS‑Unterstützung und Desktop‑Docking‑Fähigkeit.

Der Vorbestellungsmechanismus mit einer Anzahlung ist üblich bei kleineren Herstellern, die Produktionsläufe und Logistik vorfinanzieren müssen. Käufer sollten in diesem Zusammenhang die Rückerstattungsbedingungen, Gewährleistungsdauer und den Support für Software‑Updates prüfen. Insbesondere bei einem Gerät, das mehrere Betriebssysteme unterstützt, ist die Frage nach langfristigen Sicherheitsupdates und Treiberpflege zentral.

Preislich konkurriert das NexPhone mit anderen Midrange‑Smartphones, bietet aber durch die Multi‑OS‑Funktion einen klaren Differenzierungspunkt. Für potenzielle Käufer lohnt sich ein Vergleich mit Alternativen wie purpose‑built Pocket‑PCs, Chromebooks mit Android‑Integration oder spezialisierten UMPCs (Ultra Mobile PCs), je nachdem, ob der Schwerpunkt auf Mobilität, native Desktop‑Leistung oder App‑Ökosystem liegt.

Wer sollte das im Blick behalten?

Wenn Sie häufig unterwegs sind, zwischen verschiedenen Betriebssystemen arbeiten oder einfach die Idee mögen, Geräte zu konsolidieren, ist das NexPhone ein interessantes Projekt. Es wird nicht sofort jeden Laptop ersetzen — rechenintensive Aufgaben und umfassende Softwarekompatibilität sprechen weiterhin für traditionelle PCs — doch es ist ein bedeutender Schritt in Richtung flexiblerer, portabler Computerlösungen.

Für Entwickler, Systemadministratoren und Technik‑Early‑Adopters bietet ein Multi‑Boot‑Smartphone spannende Möglichkeiten: native Entwicklung direkt auf dem Gerät, Testen von ARM‑basierten Builds und die Prüfung von Peripherie‑Support in realen Einsatzszenarien. Für Studenten und Vielreisende ist das Konzept insofern attraktiv, als dass mit geringem Platz- und Gewichtsaufwand eine breite Palette an Arbeitsmodi abgedeckt werden kann.

Wichtig bleibt, die Erwartungen realistisch zu halten: Legacy‑x86‑Software, die auf Emulation oder Rosetta‑ähnlichen Lösungen beruht, wird nicht immer die gleiche Performance liefern wie native Ausführungen. Ebenso ist die periphere Kompatibilität — Drucker, spezielle Audio‑Interfaces, Externe GPUs — ein Bereich, in dem mobile Hardware naturgemäß limitiert sein kann. Nex Computer muss hier klare Angaben machen, welche Peripheriegeräte offiziell unterstützt werden und welche möglicherweise experimentellen Charakter haben.

Erwarten Sie weitere Details zu Software‑Kompatibilität, Peripherie‑Support und realer Performance, während Nex Computer der Auslieferung näherkommt. Aktuelle Tests, Entwicklerdokumentation und Nutzerberichte werden entscheidend sein, um die tatsächliche Einsatzbreite des NexPhone zu bewerten. Für den Moment ist das NexPhone ein markantes Beispiel dafür, wohin mobile Hardware führen kann: ein Telefon, das sich nicht nur mit Ihrem Desktop verbindet, sondern selbst zum Desktop werden kann.

Quelle: nexphone

"Nachhaltige Technologie ist die Zukunft. Ich schreibe über Green-Tech und wie Digitalisierung dem Planeten helfen kann."

Kommentar hinterlassen

Kommentare