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Berichten zufolge prüft Apple eine engere Zusammenarbeit mit Intel zur Fertigung einiger künftiger Chips. Dieser Schritt könnte die Lieferkette für iPhone und Mac neu ordnen, während TSMC weiterhin im Zentrum der Chip-Produktion bleibt.
Warum Apple mit Intel verhandelt
Die Gespräche begannen Anfang Dezember und kamen erneut in die Öffentlichkeit nach einer neuen Research-Notiz des Analysten Jeff Pu von GF Securities. Laut Pu will Apple seine Fertigungspartner diversifizieren, um die alleinige Abhängigkeit von TSMC zu verringern. Die Verteilung des Risikos über mehrere Foundries hinweg kann Engpässe bei der Kapazität abmildern, geopolitische Unsicherheiten reduzieren und langfristige Resilienz stärken.
Apple hat in den vergangenen Jahren eng mit TSMC zusammengearbeitet und damit eine extrem leistungsfähige, aber konzentrierte Lieferkette aufgebaut. Eine zusätzliche Partnerschaft mit Intel würde diese Konzentration aufbrechen und Apple mehr Flexibilität bei Kapazitäts- und Node-Übergängen geben. Solche strategischen Schritte sind typisch für Unternehmen, die das Risiko einer single-source-Fertigung minimieren wollen — besonders in einer Industrie, in der Nachfragezyklen, Fertigungsnodes und geopolitische Spannungen großen Einfluss auf Verfügbarkeit und Preise haben.
Darüber hinaus spielt die Standortdiversifizierung eine zunehmende Rolle: Regierungen und Unternehmen achten verstärkt auf regionale Produktion, um Lieferketten resilienter gegen Handelsbeschränkungen oder politische Spannungen zu machen. Für Apple, dessen Produkte weltweit verkauft werden, wäre ein zweiter großer Fertigungspartner ein Mittel, um diese geopolitischen Risiken besser zu managen.
Was Intel konkret übernehmen würde
Jeff Pu prognostiziert, dass Intel einen Teil von Apples A21- und A22-Chips fertigen würde und zwar mit Intels kommendem 14A-Prozess, den Intel für eine Massenproduktion im Jahr 2028 anstrebt. Ein wichtiger Punkt: Intel würde in diesem Szenario lediglich als Fertiger (Foundry) auftreten, nicht als Chip-Designer. Apple würde weiterhin das Design und die geistigen Eigentumsrechte (IP) behalten, während Intel die physische Fertigung übernimmt.
Technisch gesehen impliziert das eine enge Abstimmung zwischen Apples Chip-Design-Teams und Intels Fertigungsingenieuren: Anpassungen im Layout, IP-Block-Integration, DRC/LVS-Verifikation und Testprogramme müssten gemeinsam abgestimmt werden. Außerdem sind Übergänge auf einen neuen Prozessknoten — wie der angeblich geplante 14A — mit Validierungszyklen, Optimierungen für Yield (Ausschussquoten) und Testläufen verbunden, bevor sie für Hochvolumenproduktion geeignet sind.
Intel hat in den letzten Jahren verstärkt in seine Foundry-Fähigkeiten investiert und bietet neben traditioneller Wafer-Fertigung auch Advanced Packaging-Lösungen an, etwa 3D-Stacking und Chiplet-Integration. Diese Technologien könnten für Apple interessant sein, da sie Designflexibilität und Leistungsdichte erhöhen können, ohne allein auf den kleinsten Node zu setzen.
Wichtig ist auch die Frage nach Tools und Prozesskompatibilität: Apple-Designs sind stark auf energieeffiziente System-on-Chip-Architekturen (SoC) optimiert. Intel müsste sicherstellen, dass sein 14A-Prozess die gewünschten Leistungs- und Energiekennwerte erreicht und dass die Backend- und Packaging-Prozesse mit Apples Anforderungen an thermisches Design, Signalintegrität und Testbarkeit übereinstimmen.

Und die Macs und iPads?
Der Analyst Ming-Chi Kuo ergänzt, dass Intel auch für die Fertigung von Einstiegsvarianten der M-Serie in Frage kommen könnte, mit einer möglichen Produktion schon ab Mitte 2027. Das würde bedeuten, dass Intels Rolle über iPhone-Silicon hinausreichen und auch günstige Mac- und iPad-SKUs betreffen könnte.
Für Macs und iPads wären vor allem Produktionsvolumen, Kosteneffizienz und Integration von Packaging-Lösungen relevant. Niedrigere M-Serie-Modelle verwenden oft weniger komplexe Varianten des SoC-Designs und eignen sich daher eher für die Aufteilung der Fertigung auf mehrere Foundries. Gleichzeitig erfordert die Skalierung in den Mac- und iPad-Linien konsistente Qualitäts- und Yield-Standards, da Abweichungen in der Fertigung direkt die Endgeräteperformance und Ausfallraten beeinflussen können.
Eine Fertigung ausgewählter M-Serie-Varianten bei Intel könnte Apple erlauben, Produktionsspitzen besser abzufedern und Preis- oder Lieferflexibilität im Einstiegssegment zu erhöhen. Zudem eröffnet die Zusammenarbeit Potenzial für neue Packaging-Strategien, etwa spezielle Multi-Chip-Module oder angepasste Stromversorgungs-Topologien, die für Notebooks und Tablets relevant sind.
Warum das für Apple, Intel und TSMC wichtig ist
- Lieferkettendiversifizierung: Die Aufteilung der Produktion auf mehrere Foundries reduziert das Single-Point-Risiko.
- Kapazität und Timing: TSMC bleibt Apples Hauptpartner, doch Nachfragespitzen oder Node-Übergänge können ergänzende Kapazitäten attraktiv machen.
- Wettbewerbsdynamik: Wenn Intel beweist, dass es Apples Qualitäts- und Yield-Standards erfüllen kann, wird Intel ein ernstzunehmenderer Wettbewerber im High-End-Foundry-Geschäft.
- Designkontrolle bleibt bei Apple: Die Auslagerung der Fertigung ändert nichts an Apples Designführung oder am Besitz der IP.
Im Detail bedeutet das Folgendes: Eine Diversifizierung der Fertigungspartner stärkt Apples Verhandlungsposition und vermindert das Risiko, das aus einer Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter resultiert. TSMC ist zwar technologisch führend, doch hohe Nachfrage, Kapazitätsengpässe oder geopolitische Ereignisse könnten die Verfügbarkeit kurzfristig einschränken. Ein zweiter großer Fertiger wie Intel kann kurzfristig zusätzlichen Wafer-Support bieten.
Für Intel selbst wäre ein erfolgreicher Einstieg in Apples Lieferkette ein bedeutsamer Vertrauensbeweis: Apple gilt als extrem anspruchsvoll in Bezug auf Performance, Energieeffizienz und Produktionsqualität. Ein Vertragsabschluss würde Intel nicht nur Umsatz, sondern auch Reputation im Foundry-Markt bringen und Intel gegenüber anderen Auftragsfertigern (wie Samsung Foundry oder GlobalFoundries) stärken.
TSMC steht in diesem Szenario nicht unbedingt als Verlierer da: Das Unternehmen bleibt wegen seiner führenden Node-Technologie und seiner großen Kapazitätsbasis Apples wichtigste Fertigungspartner. Allerdings erhöht Konkurrenzdruck durch Intel oder andere Foundries langfristig den Druck auf TSMC, Produktionskapazitäten auszubauen, Prozesse zu optimieren und Preiseffizienz zu halten.
Für die Halbleiterindustrie insgesamt könnte ein solcher Schritt die Marktstruktur verändern: Er fördert verstärkt das Modell, bei dem Design- und Fertigungsfunktionen strikt getrennt sind, während Advanced Packaging und Co-Engineering zu kritischen Differenzierungsfaktoren werden. Außerdem könnte er Investitionen in regionale Fertigung und Reshoring-Initiativen anregen, da große Auftraggeber ihre Lieferketten regional diversifizieren möchten.
Dennoch sind diese Berichte vorläufig. Viele Details — Vertragsumfang, konkrete Volumina, Validierungszeiten und finanzielle Konditionen — sind noch unbestätigt. Analystennotizen wie die von Jeff Pu und Ming-Chi Kuo sind Indikatoren, aber keine Garantie, dass ein bindender Vertrag zustande kommt. Entscheidend wird sein, ob Intel seine Roadmap (insbesondere den 14A-Prozess) termingerecht mit konkurrenzfähigen Yield-Raten und Produktionsvolumina erreichen kann.
Für Apple bedeutet die Option, Fertigungskapazität breit zu streuen, eine strategische Absicherung: Selbst wenn TSMC weiterhin die meisten High-End-SoCs herstellt, schafft die Option auf zusätzliche Fertiger Flexibilität bei Node-Transitions, Preisdruck und geopolitischen Unsicherheiten. Für Konsumenten könnte das langfristig stabilere Lieferzeiten und möglicherweise mehr Wettbewerb in Komponentenpreisen bedeuten.
Für Intel wäre die Zusammenarbeit eine Chance, seine Foundry-Services zu demonstrieren und seine Technologieplattform — einschließlich Fertigungsprozesse, Packaging-Techniken und Testinfrastruktur — auf die Anforderungen eines der anspruchsvollsten Kunden der Branche abzustimmen. Gelingt dieser Schritt, stärkt das Intels Position im wachsenden Markt für Auftragsfertigung und Advanced Packaging.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Situation bis 2027/2028 entwickelt: Die Validierung neuer Prozessknoten, die Abstimmung von Design-Ökosystemen (Toolchains, IP-Pakete, Testflows) und die Erreichung hoher Yield-Raten sind komplexe Aufgaben, die Zeit und enge Kooperation erfordern. Analysten, Branchenbeobachter und Investoren werden besonders auf Benchmarks, Pilotproduktionen und erste Massenfertigungsberichte achten, um die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Wechselns oder einer dauerhaften Ergänzung zu bewerten.
Quelle: gsmarena
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