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Einführung
Nicht jede Kamera, die auf dem Papier beeindruckend aussieht, landet automatisch im Gewinnerfeld. Kurz gesagt: Das Xiaomi 17 Pro Max liefert herausragende Standbilder, verfehlt aber dort, wo es zählt, die Spitze von DXOMARK.
DXOMARK-Bewertung und Kontext
DXOMARK vergab für das Smartphone einen Camera-Score von 159 und platzierte es damit auf Rang 13, hinter etablierten Konkurrenten wie Huawei, Vivo, Oppo, Apple, Google, Honor und sogar Motorola. Die Aufschlüsselung zeigt eine Fotowertung von 165 und eine Videowertung von 146. Zahlen lügen nicht, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.
Diese Bewertung ordnet das Gerät klar ein: es ist ein Foto-orientiertes Smartphone mit Spitzenfähigkeiten bei Stills, während es in der Videodisziplin noch Schwächen aufweist. Für Käufer, die Wert auf DXOMARK-Platzierungen legen, ist das eine relevante Einordnung. Für Anwender hingegen zählt oft das reale Verhalten im Alltag.
Hardware und Kamerakonfiguration
Die Hardware ist eindeutig ambitioniert. Das System besteht aus drei 50-Megapixel-Sensoren, die für Detailtiefe und Vielseitigkeit ausgelegt sind:
- Hauptsensor: 50 MP auf einem 1/1,28-Zoll-Sensor hinter einem 23 mm f/1.67-Objektiv mit Dual-Pixel-PDAF und optischer Bildstabilisierung (OIS).
- Ultraweitwinkel: 50 MP bei 17 mm f/2.4 für weite Szenen und Architekturfotografie.
- Periskop-Teleobjektiv: 50 MP mit einer äquivalenten Brennweite von ungefähr 115 mm und Stabilisierungsfunktionen für entfernte Motive.
Diese Kombination liefert die Grundlage für ein vielseitiges Kamerasystem, das sowohl hohe Auflösung als auch optische Vorteile wie OIS und Periskop-Zoom vereint. Technisch gesehen sitzt Xiaomi damit in der Oberklasse der Smartphone-Fotografie, denn Sensorgrößen, Lichtstärke und Stabilisierung sind wichtige Kriterien für Detailreichtum und Low-Light-Performance.

Alltagstauglichkeit: Fotoqualität
Im täglichen Einsatz überzeugt das Gerät häufig. Die Hauptkamera trifft in vielen Situationen Weißabgleich und Farbwiedergabe sehr gut; Farben wirken natürlich, ohne zu übersättigen. Detailwiedergabe und Rauschunterdrückung sind insgesamt gut austariert, was zu scharfen, sauber wirkenden Bildern führt.
DXOMARKs Use-Case-Scores bestätigen diese Eindrücke: 172 Punkte für Außenaufnahmen bei Tageslicht und 161 Punkte für Innenaufnahmen. Porträts sind eine weitere Stärke — Hauttöne wirken realistisch, und die Gesichtsdetails bleiben erhalten, was die Portraitbewertung von 155 Punkten erklärt.
Stärken bei Fotos
- Präziser Weißabgleich in gemischten Lichtverhältnissen.
- Gute Balance zwischen Details und Rauschunterdrückung.
- Gute Detailwiedergabe bei Tageslicht und Porträts mit natürlicher Hauttönung.
Praktische Hinweise für bessere Fotoergebnisse
- Nutzt die Hauptkamera für mittlere Entfernungen: sie bietet meist die beste Kombination aus Detail und Dynamikumfang.
- Bei Portraits empfiehlt sich die Aktivierung des natürlichen Hauttonmodus (falls vorhanden) und das Vermeiden von übertriebenen Beauty-Filtern.
- Im Innenbereich lohnt ein Blick auf die Belichtungs- und HDR-Einstellungen, um gelegentliche Belichtungsschwankungen zu kompensieren.
Low-Light-Performance
Low-Light ist ein Bereich, in dem das Xiaomi 17 Pro Max durchaus positiv auffällt. Gegenüber vielen Mitbewerbern hält das Gerät mehr Detail und bändigt das Rauschen besser — sowohl bei Standardaufnahmen als auch bei Portrait- und Teleaufnahmen. Das ist ein Hinweis auf eine effektive Kombination aus Sensorleistung, OIS und Rauschverarbeitungs-Algorithmen.
Gleichzeitig ist die Low-Light-Performance nicht völlig frei von Kompromissen. Die Konsistenz kann variieren: Belichtungswerte schwanken mitunter zwischen aufeinanderfolgenden Aufnahmen, und warme Kunstlichtquellen führen gelegentlich zu einem orangefarbenen Farbstich. Solche Inkonsistenzen sind nicht dramatisch, aber in einem engen Wettbewerbsumfeld relevant.
Tipps für Low-Light-Aufnahmen
- Nutze Nacht- oder Langzeitbelichtungsmodi, wenn verfügbar, um mehr Details in Schatten zu retten.
- Halte das Gerät ruhig oder verwende ein Stativ, um von OIS und längeren Belichtungszeiten zu profitieren.
- Bei warmem Kunstlicht kann eine manuelle Weißabgleichskorrektur oder das spätere Farbgrading helfen.
Zoom, Periskop und mittlere Brennweiten
Das 5x optische Periskop ist eine klare Stärke für entfernte Motive: bei längerem Reach liefert es saubere Ergebnisse mit guter Detailwiedergabe. Das Periskop ist besonders nützlich für Landschaftsdetails aus der Ferne, Reiseaufnahmen oder Szenen, in denen ein optischer Zoom echte Vorteile bietet.
Die mittlere Zoom-Performance ist jedoch gemischt. Anstatt häufiger auf einen dedizierten Mid-Tele-Sensor umzuschalten, croppt das System manchmal von der Hauptkamera, was zu einem Detailverlust gegenüber Konkurrenten führt, die früher zwischen Sensoren wechseln. Bei höherer Vergrößerung greift aggressive KI-Verarbeitung ein, die zwar Kontraste erhöht, aber gelegentlich Texturen künstlich wirken lässt.
Empfehlungen für Zoom-Aufnahmen
- Für mittlere Distanzen testen, ob der händische Wechsel zum entsprechenden Zoom-Level bessere Ergebnisse liefert.
- Bei kritischen Detailaufnahmen auf das Periskop für 5x setzen; es bleibt optisch sauberer als digitaler Crop.
- Wenn Texturen zu synthetisch wirken, reduziert die Nachbearbeitung Schärfe/Struktur, um natürlicheres Ergebnis zu erzielen.
Video: Schwächen und Auswirkungen
Das Video ist allerdings die Achillesferse. Bei Tageslicht profitieren Clips zwar von solider Belichtung und weitem Dynamikumfang, doch die Stabilisierung bleibt hinter den Erwartungen für ein Flaggschiff zurück. Sichtbare Wackler treten selbst in einfachen, freihändigen Aufnahmesituationen auf. Das ist ein wesentlicher Grund, warum die Videowertung (146) deutlich hinter der Fotowertung liegt.
Weitere Probleme sind sichtbare Wechsel im Weißabgleich während Übergängen sowie störendes Rauschen bei Aufnahmen in schwachem Licht. Bei schnellen Schwenks können Weißabgleich und Belichtung spürbar nachziehen, was die Videowiedergabe unruhig erscheinen lässt.
Warum Video-Punkte niedriger ausfallen
- Unzuverlässige Stabilisierung: selbst bei ruhiger Hand sind Mikrowackler erkennbar.
- Weißabgleichs-Sprünge bei Lichtwechseln beeinträchtigen den visuellen Fluss.
- Low-Light-Video leidet unter sichtbarem Rauschen und Detailverlust.
Tipps zur Verbesserung von Videoaufnahmen
- Verwendet elektronischen Gimbal oder Hardware-Stabilisator bei bewegten Aufnahmen.
- Wählt manuelle Belichtungs- und Weißabgleichseinstellungen, wenn verfügbar, um Übergänge zu glätten.
- Für Nachtaufnahmen externe Lichtquellen oder spezielle Videomodi nutzen, die Rauschunterdrückung priorisieren.
Vergleich mit der Konkurrenz
In DXOMARKs Toplisten rangieren Geräte von Huawei, Vivo, Oppo, Apple und Google häufig sehr hoch — das liegt an einer Kombination aus konsistenter Foto- und Videoleistung, ausgefeilter Softwareverarbeitung und oft noch besser abgestimmter Videostabilisierung. Das Xiaomi 17 Pro Max schlägt sich in puncto Fotoqualität gut, doch im direkten Vergleich fehlen ihm die stabilen Videoeigenschaften und die konstante Mid-Zoom-Strategie einiger Konkurrenten.
Kurzvergleichspunkte:
- Huawei/Google/Apple: oft ausgewogener zwischen Foto- und Videoperformance.
- Vivo/Oppo: starke Zoom-Strategien und potenziell bessere Konsistenz bei mittleren Brennweiten.
- Honor/Motorola: in einigen Fällen überraschend gute Video- oder Preis-Performance, die das Ranking durcheinanderbringen kann.
Für wen ist das Xiaomi 17 Pro Max geeignet?
Das Xiaomi 17 Pro Max ist eine Foto-Macht, die stolpert, sobald die Szene in Bewegung gerät. Wenn Sie primär Fotos aufnehmen – Porträts, Landschaften, Tageslichtszenen – finden Sie viel, was gefällt: exzellente Details, natürliche Farben und ein starkes Hauptmodul. Wenn Ihr Workflow allerdings stark auf stabilisierte, schwachlichttaugliche Videos oder nahtlose mittlere Zoom-Stufen angelegt ist, bieten Rivalen oft die bessere Wahl.
Praktische Profile:
- Empfohlen für: Fotografen, Reiseblogger, Portrait-Fans, Nutzer, die viel mit Standbildern arbeiten.
- Weniger geeignet für: Videofilmer, Content Creator mit viel bewegter Bildsprache, Anwender, die eine durchgängig ruhige Handheld-Performance erwarten.
Technische Details, Software und mögliche Verbesserungen
Ein großer Teil der Kameraleistung wird durch die Software bestimmt: Bildverarbeitungs-Pipelines, HDR-Implementierung, Weißabgleich-Algorithmen und Stabilisierungspipelines beeinflussen das Ergebnis maßgeblich. Xiaomi könnte durch Firmware-Updates in mehreren Punkten noch Verbesserungen erzielen:
- Feintuning der Videostabilisierung und Bewegungsanalyse für weichere Übergänge.
- Verbesserte Sensorfusion beim mittleren Zoom, damit das Gerät früher auf einen optimalen Sensor wechselt.
- Stabilere Belichtungsalgorithmen zur Vermeidung von Flackern zwischen aufeinanderfolgenden Aufnahmen.
Solche Software-Optimierungen sind bei vielen Herstellern ein gängiger Weg, um die Leistung nach dem Marktstart deutlich zu verbessern — ohne Hardware-Modifikationen.
Fazit
Zusammengefasst bietet das Xiaomi 17 Pro Max exzellente Fotofähigkeiten dank starker Hardwarekonfiguration, gutem Weißabgleich und überzeugender Detailwiedergabe. Allerdings halten inkonsistente Belichtungen, gelegliche Farbstiche bei Kunstlicht, mittlere Zoomkompromisse und vor allem eine unterdurchschnittliche Videostabilisierung das Gerät davon ab, in DXOMARKs Elite zu gelangen.
Für Nutzer, die überwiegend Fotos machen und großen Wert auf Bildqualität bei Standbildern legen, ist das Xiaomi 17 Pro Max eine sehr starke Option. Wer jedoch häufig Videos aufnimmt oder nahtlose Zoom-Übergänge benötigt, sollte die Konkurrenz im Blick behalten oder auf Software-Updates hoffen, die die vorhandenen Schwächen mindern.
Welche Seite ist für Sie entscheidend: Spitzenfotos oder starke Video-Performance?
Quelle: gizmochina
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