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Einleitung
Wenn Sie dachten, Dreame stelle nur Saugroboter her, dürfte die jüngste Präsentation in Polen Ihre Meinung ändern. Neben einer Reihe von Haushaltsgeräten zog Dreame leise den Vorhang für drei neue Smartphones zurück — ein auffälliges Flaggschiff und zwei praktischere Geschwister — und deutete eine breitere Einführung in Europa an, ohne verbindliche Termine oder Preise zu nennen.
Die Ankündigung signalisiert einen klaren Strategiewechsel: Dreame nutzt seine bestehende Fertigungs- und Designkompetenz, um in den hart umkämpften Smartphone-Markt einzusteigen. Durch die Kombination bewährter Hardware mit markanten Design- und Batterie-Features versucht das Unternehmen, sich von etablierten Marken zu differenzieren und neue Käufergruppen zu erreichen.
Dreame RS1 — Das Flaggschiff
Der Aufmerksamkeitsmagnet der Vorstellung ist das Dreame RS1. Im direkten Vergleich wirkt es weniger wie eine völlig neue Form und mehr wie ein bekanntes Aggregat, das in Couture gesteckt wurde. Beobachter haben bereits aufgezeigt, wie eng die Spezifikationen dem Nubia Z80 Ultra ähneln, doch Dreame setzt auf Extravaganz: Goldplattierungen auf der Rückseite und künstliche Edelsteine als Ausstattungsoptionen sprechen Käufer an, die Technik auch als Schmuck betrachten möchten.

- Display: 6,85-Zoll AMOLED, 1,5K+-Auflösung, 144 Hz. Unter-Display-16-MP-Kamera. Ultraschall-Fingerabdrucksensor.
- Leistung & Akku: Snapdragon 8 Elite Gen 5. 7.200 mAh Si/C-Akku mit 90W kabelgebundener und bis zu 80W kabelloser Ladung.
- Kameras: 50 MP Haupt (35 mm), 64 MP Periskop (70 mm), 50 MP Ultraweitwinkel (18 mm). IP68/69-Schutzklasse.
Technisch ist das RS1 ambitioniert positioniert: Das große 6,85-Zoll-AMOLED bietet hohe Bildwiederholraten und eine feine Auflösung, was sich positiv auf Gaming und Multitasking auswirkt. Die unter dem Display platzierte 16-MP-Frontkamera widerspricht nicht der modernen Designästhetik, fordert aber von Herstellern eine präzise Abstimmung zwischen Transparenz und Displayqualität.
Der ungewöhnlich große 7.200-mAh-Akku kombiniert vermutlich Silicium-Kohlenstoff-Zellen (Si/C), die höhere Energiedichten und schnellere Ladezyklen ermöglichen sollen. Mit 90W kabelgebundener und bis zu 80W kabelloser Ladeleistung adressiert Dreame Nutzer, die extrem kurze Ladezeiten erwarten: In der Praxis hängt die tatsächliche Ladedauer jedoch von der Wärmeabfuhr, dem Ladeprotokoll und dem Ladegerät ab.
Die Kameraausstattung ist vielseitig: ein 50-MP-Hauptsensor mit klassischer Brennweite (35 mm) für Alltagsaufnahmen, ein 64-MP-Periskop-Tele mit 70 mm für starken optischen Zoom und ein 50-MP-Ultraweitwinkel für Landschaften und Gruppenaufnahmen. Die IP68/69-Zertifizierung deutet auf erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Staub, Wasser und sogar Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung hin — ein Pluspunkt für Nutzer mit aktiven Lebensstilen.
Designseitig setzt Dreame auf auffällige Optionen, die das Telefon vom rein funktionalen Gerät zum Statussymbol machen sollen. Solche Ausstattungen können Margen erhöhen, sind aber nur für einen limitierten Käuferkreis relevant. Unterm Strich ist das RS1 ein technisches Statement, das versucht, Leistung, Akkukapazität und extrovertiertes Design zu kombinieren.
Dreame E1 — Das preisbewusste Modell
Das Dreame E1 ist das preisbewusste Modell, das zuvor bereits in einem Servicehandbuch durchsickerte. Es richtet sich an Nutzer, die mit hohen Kameraauflösungen werben möchten, ohne ein Premium-Preisschild zu akzeptieren. Ein 6,67-Zoll-AMOLED mit 120 Hz sorgt für eine flüssige Nutzeroberfläche, während eine 108-MP-Hauptkamera detaillierte Aufnahmen verspricht. Abgerundet wird das Paket durch einen 5.000-mAh-Akku und eine traditionelle 3,5-mm-Kopfhörerbuchse — ein kleines, willkommenes Zeichen gegen die rein kabellose Ausrichtung vieler Hersteller.
- Display & Biometrie: 6,67-Zoll AMOLED, 120 Hz. 50-MP-Frontkamera. In-Display-Fingerabdruckscanner.
- Kamera: 108 MP Haupt, 2 MP Makro, 2 MP Tiefensensor.
- Akkuleistung & Robustheit: 5.000 mAh Akku, 33W kabelgebundenes Laden, IP64-Schutz, 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.
Das E1 verfolgt eine klare Strategie: hohe Nominalwerte (z. B. 108 MP) zur Verkaufsförderung kombinieren mit solider Alltagsleistung. Allerdings entscheidet oft nicht nur die Megapixel-Zahl über die Bildqualität, sondern auch Sensorgröße, Pixel-Binning, Bildsignalverarbeitung (ISP) und Software‑Optimierung. Dreame muss hier besonders an der Software arbeiten, um aus den Zahlen auch sichtbare Bildvorteile zu machen.
Die IP64-Schutzklasse bietet grundlegenden Schutz gegen Spritzwasser und Staub, ist aber deutlich schwächer als IP68/69 beim RS1. Für viele Alltagsnutzer ist IP64 jedoch ausreichend. Die Rückkehr zur 3,5‑mm-Buchse ist bemerkenswert: Sie spricht audiophile Anwender und Besitzer älterer Kopfhörer an, die keine Adapter wünschen.
Für das Budgetsegment ist auch die Ladeleistung relevant: 33W lässt schnelle, aber keine rekordverdächtigen Ladezeiten erwarten. In Kombination mit dem 5.000-mAh-Akku dürfte das Telefon dennoch eine solide Tageslaufzeit liefern, je nach Nutzungsszenario oft auch deutlich länger.
Dreame Air1 — Ultraleicht und portabel
Beim Dreame Air1 steht Gewichtsreduktion im Fokus. Mit nur 5,9 mm Bauhöhe und rund 172 Gramm ist es ein Gerät, das man schnell vergisst, bis man es benötigt. Trotz des schlanken Profils hat Dreame nicht an der Optik gespart: Eine 108-MP-Hauptkamera und eine 32-MP-Selfie-Kamera sitzen auf gegenüberliegenden Seiten eines Telefons, das Mobilität priorisiert.

- Größe & Gewicht: 5,9 mm dünn, 172 Gramm.
- Kamera & Akku: 108-MP-Hauptkamera, 32-MP-Selfie-Kamera. 5.000 mAh Akku mit 45W kabelgebundenem Laden.
Das Air1 zielt auf Nutzer, die ein möglichst leichtes, elegantes Gerät suchen, ohne auf eine hohe Kameraauflösung verzichten zu wollen. Die Herausforderung liegt in der Integration leistungsfähiger Kameras und ausreichender Akkulaufzeit in ein sehr dünnes Gehäuse: Wärmeentwicklung beim Laden und bei intensiver Nutzung, Antennenperformance und strukturelle Stabilität müssen sorgfältig balanciert werden.
Mit 45W-Laden liegt das Air1 in der Mittelklasse bei der Ladegeschwindigkeit und kann in Kombination mit einem 5.000-mAh-Akku trotzdem gute Laufzeiten erzielen. Die 32-MP-Frontkamera ist für hohe Selfie-Ansprüche ausgelegt, während die 108-MP-Hauptkamera in guter Lichtumgebung besonders feine Details liefern dürfte. Bei wenig Licht hängt die Performance jedoch stark von Sensorgröße und Software‑Rauschunterdrückung ab.
Gemeinsame Merkmale und strategische Ausrichtung
Was die drei Modelle eint, ist Dreames offensichtliche Absicht: bewährte Hardware zu nehmen, Design und Funktionen zu modifizieren, um in verschiedenen Preis- und Nutzungskategorien Präsenz zu zeigen, und zunächst in Europa zu testen. Eine europaweite Einführung wird angedeutet, es fehlen jedoch verbindliche Zeitpläne und Preisangaben.
Erwarten Sie vertraute Hardware, eingepackt in auffälligeres Design und aggressive Batterie-Technik.
Dreame setzt offensichtlich auf drei Hebel:
- Differenzierung durch Design (z. B. Goldakzente, Ziersteine beim RS1).
- Starke Akku- und Ladewerte für Nutzer, die lange Laufzeiten und schnelle Wiederaufladung wünschen.
- Segmentierte Produktlinien, die von Budget bis Flaggschiff reichen, um unterschiedliche Käufergruppen anzusprechen.
Technische Einordnung und Marktvergleich
Ein paar technische Punkte verdienen besondere Beachtung:
- Snapdragon 8 Elite Gen 5: Diese Plattform bietet Spitzenleistung auf CPU- und GPU-Ebene und ist für anspruchsvolle Anwendungen, KI-Features und Gaming optimiert. Wärmeentwicklung und Drosselung (Throttling) sind bei solchen SoCs zentrale Gestaltungsfragen—insbesondere in dünnen Geräten.
- Si/C-Akku (7.200 mAh im RS1): Silicium-Kohlenstoff-Zellen sind für höhere Energiedichten und schnellere Ladekurven ausgelegt. In Kombination mit sehr hoher Ladeleistung ist ein robustes thermisches Management nötig, damit Akkulebensdauer und Sicherheit nicht leiden.
- Kamera-Setups: Die Kombination aus hochauflösenden Hauptsensoren, Periskop-Tele und Ultraweitwinkel ist mittlerweile Standard, unterscheidet sich aber in Qualität durch Sensorgröße, Bildstabilisierung (OIS), optische Elemente und die Software‑Bildverarbeitung.
- IP-Zertifizierungen: Während IP68/69 beim RS1 auch professionelle Einsatzszenarien abdeckt, ist IP64 beim E1 eher für den Alltag ausreichend. Die Wahl beeinflusst die Materialwahl und das Dichtungsdesign.
Im Vergleich zu Mitbewerbern wie Nubia oder etablierten Marken muss Dreame Glaubwürdigkeit in Software-Optimierung, Update-Politik und Kundendienst aufbauen. Hardware alleine reicht selten für nachhaltigen Erfolg auf dem Smartphone-Markt.
Praktische Hinweise für potenzielle Käufer
Wenn Sie eines der Dreame‑Modelle in Erwägung ziehen, beachten Sie folgende Punkte:
- Warten Sie auf unabhängige Testberichte: Labortests zu Akkulaufzeit, Displayhelligkeit, Kameraqualität bei Tag und Nacht sowie thermisches Verhalten sind entscheidend.
- Prüfen Sie die Update‑ und Servicepolitik: Ein Herstellerneueinsteiger muss verlässlichere Software‑Updates und Kundendienstprozesse bereitstellen, um Vertrauen zu gewinnen.
- Überlegen Sie, welches Modell zu Ihrem Nutzungsverhalten passt: RS1 für Power‑User und Personen, die ein Luxusdesign suchen; E1 für Preisbewusste mit gutem Kameraangebot; Air1 für Nutzer, die Wert auf Gewicht und Formfaktor legen.
- Vergleichen Sie Akkutechnik und Ladegeschwindigkeiten: Angabe in Watt ist hilfreich, doch realistische Ladezeiten hängen von der Ladeelektronik und thermischen Management ab.
Marktchancen und Risiken
Dreames Eintritt in den Smartphone-Markt bringt Chancen und Risiken mit sich. Chancen bestehen in der Differenzierung durch Design, in der Nutzung vorhandener Produktionsnetzwerke und in der steigenden Nachfrage nach Geräten mit langer Akkulaufzeit und spektakulärem Design. Risiken umfassen die Notwendigkeit einer robusten Software‑ und Service‑Infrastruktur, die Etablierung der Marke im Smartphone‑Ökosystem und die hohe Wettbewerbssituation mit etablierten Herstellern.
Besonders relevant ist, ob Dreame seine Stärken aus dem Bereich Haushaltsgeräte — effiziente Logistik, Markenbekanntheit in Nischenmärkten und Fertigungs-Kompetenz — auf Smartphones übertragen kann. Der Erfolg wird maßgeblich von langfristigen Entscheidungen hinsichtlich Software‑Updates, Garantie und Verfügbarkeit in europäischen Vertriebskanälen abhängen.
Fazit
Dreames Schritt in den Smartphone-Markt ist ambitioniert und technisch gut ausgestattet: Das RS1 positioniert sich als auffälliges High-End-Gerät, das E1 als preisbewusste Alternative und das Air1 als leichtes, portables Modell. Ohne konkrete Preise und Marktstartdaten bleibt jedoch vieles spekulativ. Beobachter sollten die bald zu erwartenden Hands‑on‑Tests, Benchmarks und Kamera‑Vergleiche abwarten, um die tatsächliche Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis zu beurteilen.
Bleiben Sie aufmerksam bei Review‑Berichten und regionalen Ankündigungen: Die nächsten Monate werden zeigen, ob Dreame seine Reputation aus dem Bereich Haushaltsgeräte in eine ernstzunehmende Smartphone‑Produktlinie transferieren kann.
Neugierig, wie sich die Geräte in der Praxis schlagen? Beobachten Sie Testportale und unabhängige Reviews — dort offenbart sich die Balance zwischen Design‑Ambitionen und Alltagsnutzen.
Quelle: gsmarena
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