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Einleitung
Stellen Sie sich ein Flaggschiff vor, das die Seele eines Faltgeräts übernimmt, sich aber weigert, sich zu falten. Kurz und mutig. Huawei überraschte die Smartphone-Welt mit dem ungewöhnlichen Seitenverhältnis 16:10 des Pura X bei seiner Markteinführung, und offenbar gefiel dem Unternehmen die Resonanz so gut, dass es den Ansatz in einer anderen Form erneut versucht.
Der Leaker Digital Chat Station auf Weibo berichtet, dass Huawei an einem klassischen, nicht faltbaren Candybar‑Handy arbeitet, das das breite Display des Pura X widerspiegeln soll — denken Sie an 16:9 oder 16:10 — jedoch ohne Scharnier. Es ist eine interessante Wende: ein Gerät mit Foldable-DNA, serviert als klassischer Slab. Dem Bericht zufolge befindet sich das Display bereits in Entwicklung.
Hintergrund und Kontext
Warum das Pura X Aufsehen erregte
Das Pura X sorgte für Aufsehen, weil es visuell aus dem gängigen Formfaktor herausstach. Während die meisten aktuellen Smartphones auf schmale, langgestreckte Proportionen wie 19:9 oder 20:9 setzen, bietet ein 16:10‑Display mehr Breite. Diese Breite verbessert die Videowiedergabe im nativen Format, erleichtert Multitasking mit geteiltem Bildschirm und verleiht dem Gerät ein eigenständiges Design-Statement. Huawei hat offensichtlich wahrgenommen, dass Produkte, die auffallen, auch besser verkauft werden — zumindest in bestimmten Käufersegmenten.
Der Trend zu experimentellen Formfaktoren
In den letzten Jahren haben Hersteller mit unterschiedlichen Formfaktoren experimentiert, um sich von der Masse abzuheben: faltbare Displays, Slider, drehbare Kameramodule und ungewöhnliche Display‑Seitenverhältnisse. Der vorgeschlagene Ansatz, die ungewöhnliche Breite eines Foldables in ein einfacheres, robustes Gehäuse zu übertragen, ist eine pragmatische Variante dieses Trends: Man übernimmt die visuelle Identität und die Vorteile des größeren Bildschirms, ohne die Produktionskosten und Zuverlässigkeitsfragen einer Scharniermechanik zu übernehmen.

Design‑ und technische Überlegungen
Display: Breites Seitenverhältnis ohne Falz
Ein 16:10 oder 16:9 Display in einem nicht faltbaren Gerät stellt technische wie ergonomische Herausforderungen. Hersteller müssen das Gehäuse so gestalten, dass das Display angenehm zu halten ist, die Bedienelemente gut erreichbar bleiben und das Gewicht gleichmäßig verteilt ist. Andererseits eröffnet die Breite Vorteile für Medienkonsum sowie produktives Arbeiten: mehr Platz für Splitscreen, breitere Layouts in webbasierten Anwendungen und ein imposanteres Erscheinungsbild bei Spielen oder Videos.
Materialwahl und Haltbarkeit
Ohne Scharnier kann Huawei auf eine robustere Bauweise setzen: ein Monocoque‑Rahmen, verstärkte Displaykanten und optimierte Dichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit. Die Abwesenheit beweglicher Teile reduziert potenzielle Fehlerquellen und könnte die Langlebigkeit erhöhen — ein Verkaufsargument gegenüber empfindlicheren Foldables.
Erwartete Display‑Technologien
Ob Huawei für dieses breite Panel OLED, LTPO oder eine andere OLED-Variante mit adaptiver Bildwiederholrate verwendet, ist noch offen. Wahrscheinlich sind jedoch folgende Optionen denkbar:
- OLED mit hoher Farbtreue und tiefem Schwarz für Multimedia
- LTPO‑Technik für adaptive Bildwiederholraten und bessere Energieeffizienz
- HDR‑Unterstützung (HDR10+/Dolby Vision) für dynamische Bildwiedergabe
Ein breiteres Display verlangt zudem nach angepasster Software: UI‑Elemente, Gestensteuerung und Multitasking‑Funktionen müssen skaliert und optimiert werden, um den zusätzlichen horizontalen Raum sinnvoll zu nutzen.
Warum Huawei diesen Schritt wagen könnte
Marktstrategie und Nachfrage
Die Entscheidung erscheint strategisch: Huawei will offenbar die positive Resonanz des Pura X nutzen, ohne die Komplexität und potenzielle Kundenbedenken rund um Falztechnologie zu übernehmen. Ein nicht faltbares Flaggschiff im Pura‑Stil könnte preislich und marketingtechnisch attraktiver positioniert werden — niedrigerer Defekt‑ und Rückläuferanteil, einfachere Fertigung und möglicherweise größere Produktionsmengen.
Zielgruppe und Nutzungsfälle
Die Zielgruppe für ein breites, nicht faltbares Gerät sind Nutzer, die Wert auf Multimedia, Produktivität und ein auffälliges Design legen, ohne die Kompromisse eines faltbaren Geräts eingehen zu wollen. Dazu gehören:
- Medienkonsumenten, die Videos im Querformat bevorzugen
- Multitasking‑Nutzer, die Split‑Screen und mehrere Apps gleichzeitig verwenden
- Design‑bewusste Käufer, die ein einzigartiges Erscheinungsbild suchen
Timing und Markteinführung
Gerüchte zum Veröffentlichungsfenster
Den Gerüchten zufolge könnte das Gerät zwischen Oktober und Dezember 2026 erscheinen. Dieses Zeitfenster würde Huawei erlauben, die Aufmerksamkeit und den Schwung rund um das Pura X und ein mögliches Pura X2 auszunutzen und gleichzeitig das lukrative Weihnachtsquartal im Heimatmarkt China anzusteuern.
Produktplan und Portfolio‑Strategie
Ein zeitlich abgestimmter Launch erlaubt Huawei, eine Produktfamilie zu etablieren: Das faltbare Pura X adressiert Early Adopter und Technikinteressierte, während das nicht faltbare Pendant breitere Käuferschichten anspricht. Eine klare Positionierung innerhalb des Portfolios (z. B. Preis, Zubehör, Service‑Level) ist dabei entscheidend.
Konkrete Spezifikationen: Was wir erwarten können
Worüber die Quellen schweigen
Bislang sind die Spezifikationen über das Seitenverhältnis hinaus vage. Dennoch lassen sich auf Basis von Markttrends und Huaweis bisherigen Flaggschiffen einige fundierte Vermutungen anstellen:
- Prozessor: Ein leistungsfähiger Kirin‑SoC oder ein konkurrierender High‑End‑Chip mit 5G‑Support
- RAM & Speicher: Varianten mit 8–16 GB RAM und 128–512 GB UFS‑Speicher
- Kamera: Fortgeschrittene Kameramodule, möglicherweise mit einem 50–108 MP Hauptsensor und vielseitigen Tele‑/Ultraweitwinkel‑Linsen
- Akkukapazität: 4500–5500 mAh mit schnellem kabelgebundenem und kabellosem Laden
- Software: Angepasste EMUI/HarmonyOS‑Optimierungen für breitere Displays und Multitasking
Solche Spezifikationen würden die Positionierung als Flaggschiff untermauern und gleichzeitig die Vorteile des breiten Displays unterstützen.
Erwartungen an Konnektivität und Zubehör
Angesichts des Premium‑Anspruchs sind starke Konnektivitätsoptionen (Wi‑Fi 6/6E/7, Bluetooth LE Audio, umfassende 5G‑Bänder) und Zubehör wie erweiterte Hüllen, Ständer oder sogar kompatible Stylus‑Optionen denkbar. Auch spezielle Inhalte oder Partnerschaften für Streaming‑ und Multitasking‑Dienste könnten zum Start angeboten werden.
Design‑Philosophie und Software‑Integration
Visuelle Identität ohne Mechanik
Die Design‑Philosophie lautet offenbar: Behalte, was visuell funktionierte, streiche die mechanische Komplexität und biete eine mutige Alternative zu den dominierenden 19:9‑ oder 20:9‑Slabs. Für die Nutzer bedeutet das ein unverwechselbares Erscheinungsbild bei erhöhter Alltagstauglichkeit.
Software: Multitasking und App‑Anpassungen
Damit die Breite des Displays nicht nur ein ästhetisches Merkmal bleibt, muss die Software angepasst werden. Huawei könnte folgende Software‑Strategien verfolgen:
- Verbesserte Split‑Screen‑Erfahrung mit traffic‑optimierten App‑Fenstern
- Task‑Switcher und Floating‑Windows für produktives Arbeiten
- Entwickler‑APIs, um Apps an breitere Layouts anzupassen
- Medienplayer‑Optimierungen für native 16:10/16:9 Inhalte
Solche Anpassungen würden den praktischen Nutzen des Bildschirmformats erhöhen und Entwicklern Anreize geben, ihre Apps zu optimieren.
Markt‑ und Wettbewerbsanalyse
Wettbewerbspositionierung
Ein breites, nicht faltbares Pura‑Design würde Huawei eine differenzierte Position gegenüber anderen Herstellern ermöglichen, die weiterhin auf schlanke, hohe Formfaktoren setzen. Wettbewerber müssten entscheiden, ob sie ähnliche Design‑Experimente wagen oder weiterhin auf bewährte Proportionen setzen.
Risiken und Chancen
Zu den Chancen zählen erhöhte Markenwahrnehmung, Differenzierung und potenziell starke Inlandsverkäufe in China. Risiken beinhalten die Möglichkeit, dass das Format zu speziell bleibt, Kompatibilitätsprobleme mit Apps auftreten oder Verbraucher das Format als modisches Gimmick statt als echten Mehrwert ansehen.
Fertigung, Lieferkette und Preisgestaltung
Produktionserfordernisse
Ohne Scharnier sinkt die Komplexität der Fertigung, doch ein breitformatiges Display in hoher Qualität erfordert dennoch spezielle Produktionslinien und Zulieferer. Huawei muss Displays in großen Mengen sichern und gleichzeitig Komponenten wie Gehäuse, Akku und Kameramodule anpassen, um das Design harmonisch umzusetzen.
Preispositionierung
Die Preisstrategie dürfte zwischen dem faltbaren Pura X und anderen Flaggschiffen angesiedelt werden: teuer genug, um als Premiumprodukt wahrgenommen zu werden, aber preislich niedriger als komplizierte Foldables, um eine breitere Käuferschicht anzuziehen. Huawei könnte zudem verschiedene Speichervarianten und Bundles anbieten, um unterschiedliche Preispunkte abzudecken.
Auswirkungen auf den Markt
Paradigmenwechsel bei Bildschirmproportionen?
Falls Huawei erfolgreich ein nicht faltbares Gerät mit breitem Seitenverhältnis etabliert, könnte das die Branche dazu bringen, Screen‑Proportionen neu zu denken. Hersteller, Entwickler und Inhalteanbieter müssten überlegen, wie sie Layouts, Inhalte und Werbung an breitere Displays anpassen.
Kurzfristige Reaktionen der Konkurrenz
Auch wenn es nur eine Nische bleibt, werden Rivalen die Entwicklung beobachten und möglicherweise ähnliche Varianten testen. Ein breiteres Standardsortiment könnte entstehen — etwa spezielle Varianten für Multimedia‑Enthusiasten oder Business‑Kunden.
Fazit und Ausblick
Huawei wagt mit dem möglichen nicht faltbaren Pura X‑Nachfolger einen interessanten Praktiker‑Schritt: die visuelle Identität eines Foldables übernehmen, die mechanischen Komplexitäten aber vermeiden. Wenn das Gerät zwischen Oktober und Dezember 2026 lanciert wird, könnte es die Produktpalette sinnvoll ergänzen und das Weihnachtsquartal im Heimatmarkt stärken.
Ob dieser Ansatz eine neue Designwelle auslöst oder am Ende als kuriose Randerscheinung in die Historie eingeht, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Huawei zwingt die Konkurrenz, genauer hinzusehen — und das ist bereits ein strategischer Erfolg.
Voraussichtliches Veröffentlichungsfenster: Oktober–Dezember 2026. Behalten Sie die Entwicklung im Blick; weitere Leaks und Details dürften im Laufe des Jahres auftauchen.
Quelle: gsmarena
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