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Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine vertraute Silhouette zum zweiten Hinsehen verleitet. Der RG55G1 steckt in einem horizontalen Gehäuse, das an die Switch Lite erinnert und sich für alle, die bereits einen Nintendo-Handheld in der Hand hatten, sofort vertraut anfühlen dürfte. Das Design ist bewusst gewählt. Die Technik im Inneren markiert jedoch einen klaren Kurswechsel für Anbernic.
Nach Jahren mit Unisoc- und Rockchip-Chips setzt das Unternehmen nun auf Snapdragon. Der RG55G1 wird von Qualcomms Snapdragon G1 Gen 2 angetrieben, der im 4-nm-Verfahren gefertigt wird und über eine Kryo-Konfiguration mit sechs und zwei Kernen sowie eine Adreno-A12-GPU verfügt. Das verspricht eine bessere Single-Thread-Leistung, höhere GPU-Effizienz und – besonders wichtig für Emulationsfans – Zugang zu einer völlig neuen Treiberlandschaft.

Als Display kommt ein voll laminiertes 5,5-Zoll-IPS-Panel im 16:9-Format mit 1080p-Auflösung zum Einsatz. Es schließt bündig mit dem Frontglas ab und liefert ein schärferes Bild als die in dieser Preisklasse üblichen 720p-Displays. Ein einfaches Upgrade mit großer Wirkung.
Auch die Bedienelemente sind auf Langlebigkeit ausgelegt. Sowohl die Analogsticks als auch die Schultertasten setzen auf Hall-Effekt-Sensoren, um Drift zu vermeiden – ein Feature, das sonst eher bei teureren Handhelds zu finden ist und sich im Alltag über Monate hinweg bezahlt machen dürfte. Die Sticks verfügen zudem über anpassbare RGB-Ringe, während Steuerkreuz und ABXY-Tasten im Double-Shot-Verfahren gefertigt sind, um eine hohe Haltbarkeit zu gewährleisten. Mit 339 Gramm hält der RG55G1 die Balance zwischen solidem Gefühl und guter Portabilität.

Wärmeentwicklung ist ein echtes Thema, wenn mobile Chips unter Last stehen. Anbernic begegnet dem mit aktiver Kühlung: Ein kompakter Lüfter arbeitet mit einer Heatpipe zusammen, um den G1-Chip auch bei intensiven Sessions im Zaum zu halten. Beim Arbeitsspeicher und internen Speicher gibt es zwei Varianten: 4 GB RAM mit 64 GB Speicher oder 8 GB RAM mit 128 GB Speicher. Per microSD lässt sich der Speicher um bis zu 2 TB erweitern.
Auch bei der Software will Anbernic mehr bieten als nur Spezifikationen. Das Gerät wird mit Android 14 und der hauseigenen Oberfläche RG Home ausgeliefert. Sie organisiert Spiele und bietet ein Screen-Mapping-Tool, mit dem sich reine Touch-Android-Titel über physische Tasten steuern lassen. Für Emulator-Tüftler gibt es zudem einen praktischen Treiberumschalter: Damit kann zwischen Qualcomms nativen Treibern und den Open-Source-Turnip-Vulkan-Treibern gewechselt werden – sinnvoll, wenn Kompatibilität und Leistung je nach Titel unterschiedlich ausfallen.

Anbernic belässt es nicht bei den Treibern. Ein per Wischgeste aufrufbares Menü bündelt mehrere schlanke KI-Funktionen, darunter Echtzeitübersetzung und durchsuchbare Textanleitungen für Spiele. Revolutionär sind sie nicht, aber genau solche kleinen Komfortfunktionen summieren sich – etwa bei der Fehlersuche in einem einstellungsintensiven Emulator oder wenn schnell ein Hinweis im Spiel übersetzt werden soll.
Der 6.000-mAh-Akku unterstützt 18W-Laden, und Anbernic gibt bei typischer Nutzung eine Laufzeit von bis zu acht Stunden an. Die tatsächliche Laufzeit hängt von Titel und Einstellungen ab, doch die Kapazität sollte für lange Pendelstrecken oder mehrere kurze Sessions zwischen zwei Ladevorgängen reichen. Auch bei den Anschlüssen ist alles Wichtige an Bord: Wi‑Fi 5, Bluetooth 5.0, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, USB-C zum Laden und ein großzügig dimensionierter microSD-Steckplatz.

Preislich und bei der Verfügbarkeit positioniert sich das Gerät konkurrenzfähig. Der RG55G1 erscheint in Schwarz, Retro Grau und Indigo. Zum Marktstart beginnt der Preis bei 139,99 $ für das 4GB/64GB-Modell (regulär 149,99 $) und bei 164,99 $ für das 8GB/128GB-Modell (regulär 174,99 $). Bundles mit microSD-Karten richten sich an Nutzer, die direkt mit zusätzlichem Speicher loslegen möchten.
Für Käufer, die noch abwägen, ist der RG55G1 eine klare Option, wenn eine bessere Kompatibilität mit Android-Emulatoren und ein breiteres SoC-Ökosystem gefragt sind, ohne gleich in die Premium-Preisklasse vorzustoßen. Das Gerät revolutioniert das Handheld-Gaming nicht. Indem Anbernic jedoch Snapdragon-Silizium mit durchdachten Hardware-Entscheidungen wie Hall-Effekt-Steuerung, aktiver Kühlung und flexiblen Treibern kombiniert, liefert das Unternehmen einen pragmatischen, konkurrenzfähigen Einstieg, der den Markt für tragbare Geräte in eine neue Richtung lenken könnte.





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