Die Startup Fair 2026 brachte am 17. September mehr als 2.000 Gründer, Investoren, Akteure des Ökosystems und Technologieverantwortliche in der LITEXPO in Vilnius zusammen. Damit wurde der Veranstaltungsort zu einem der geschäftigsten Treffpunkte im baltischen Startup-Kalender. Zugleich wirkte die Veranstaltung in diesem Jahr bewusst weniger wie eine klassische Konferenz und stärker wie eine Plattform für persönliche Begegnungen.
Eine der auffälligsten Veränderungen gegenüber früheren Ausgaben war der stärkere Fokus auf Networking. Zusätzliche Flächen, mehr Infrastruktur für Meetings und weitere Gelegenheiten zum persönlichen Austausch prägten das Veranstaltungserlebnis. Das entsprach dem Anspruch der Organisatoren, sinnvolle Verbindungen und hochwertiges Matchmaking zu ermöglichen. Die Startup Fair bot eigene Networking- und Expo-Bereiche, eine Matchmaking-Plattform sowie strukturierte Möglichkeiten, Investoren und Akteure des Ökosystems zu treffen. Der Startup-Bereich war ausdrücklich darauf ausgelegt, aus bloßer Anwesenheit konkrete Meetings, Feedback und Geschäftschancen entstehen zu lassen.
Dieser Wandel war den ganzen Tag über spürbar. Panels und Keynotes blieben wichtig, doch ein Großteil der eigentlichen Aktivität spielte sich zwischen den Bühnen ab: Gründer präsentierten Produkte, Investoren eilten von einem angesetzten Termin zum nächsten, Startup-Teams sprachen mit potenziellen Partnern, und im gesamten Veranstaltungsort entstanden Dutzende kleinere Gespräche.
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Ein größerer Treffpunkt für das baltische Startup-Ökosystem
Die Startup Fair 2026 wurde von Startup Lithuania gemeinsam mit ROCKIT organisiert und stand unter dem Motto „Die Zukunft gehört den Machern.“ Offizielle Vorabzahlen nannten mehr als 2.000 Teilnehmende, über 450 Startups und mehr als 430 Investoren aus über 60 Ländern.
Das Programm verteilte sich auf mehrere Bereiche. Auf der Hauptbühne standen große Keynotes, Podiumsdiskussionen und Eröffnungssessions auf dem Plan, während das Podcast-Studio und die Gartenbühne fokussiertere oder informellere Formate ermöglichten. Ein separater Bereich für den Pitch-Wettbewerb entwickelte sich zu einer der zentralen Attraktionen: Startup-Teams warben dort den ganzen Tag über um die Aufmerksamkeit von Investoren und den Einzug ins Finale.
Wer zur Mittagszeit durch die LITEXPO ging, konnte das Ausmaß dieser Struktur unmittelbar erkennen. Die Veranstaltung war nicht länger darauf angewiesen, dass ein zentrales Podium das Publikum zusammenhielt. Besucher bewegten sich kontinuierlich zwischen Vorträgen, Startup-Ständen, Meetings und Networking-Flächen. Dadurch wirkte die Konferenz dezentraler – und vor allem nützlicher für Gäste, die in erster Linie Beziehungen aufbauen wollten.
Das spiegelte sich später auch in den von der Bühne verkündeten Zahlen wider. Während die Jury des Pitch-Wettbewerbs beriet, teilten die Moderatorinnen mit, dass mehr als 2.000 Menschen die Startup Fair besucht hätten und über die Brella-Plattform an diesem Tag nahezu 1.000 Kontakte oder Meetings zustande gekommen seien.
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Die Hauptbühne lieferte den Kontext
Die Hauptbühne blieb das inhaltliche Zentrum der Konferenz. Hier kamen Gründer, Investoren, Führungskräfte und Vertreter des Ökosystems zusammen, um über die Kräfte zu sprechen, die Technologieunternehmen in Europa prägen.
Die Startup Fair richtete ihr Programm 2026 an den Machern aus, nicht am bloßen Hype. Auf der Agenda standen Unternehmensaufbau, Marktexpansion, Investments, künstliche Intelligenz, Regulierung, Europas Wettbewerbsfähigkeit und die praktischen Herausforderungen beim Skalieren von Technologieunternehmen.
Zu den zuvor angekündigten Rednern zählten der ehemalige WIRED-UK-Redakteur David Rowan, die Technologiechefin der Financial Times, Elaine Moore, Cast-AI-Mitgründer Einaras von Gravrock und Oxylabs-CEO Vytautas Savickas. Hinzu kamen Gründer und Führungskräfte aus dem litauischen und europäischen Technologie-Ökosystem.
So entstand ein Tag, an dem sich Inhalte und Networking gegenseitig verstärkten. Eine Diskussion auf der Bühne konnte wenige Minuten später auf dem Flur, an einem Startup-Stand oder in einem vereinbarten Investorengespräch fortgesetzt werden.

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Pitch-Wettbewerb: Von Dutzenden Startups zu acht Finalisten
War Networking die prägende Struktur der Startup Fair 2026, bildete der Pitch-Wettbewerb ihren kompetitiven Höhepunkt.
Der Wettbewerb lud Dutzende Startups ein, tagsüber vor Investoren zu pitchen. Ursprünglich hatte die Startup Fair geplant, bis zu 40 Teams auf die Bühne zu bringen. Bewertet wurden die Größe des Problems, Qualität und Skalierbarkeit der Lösung, Traction, Team und die Qualität des Pitches selbst.
Am späten Nachmittag war das Teilnehmerfeld auf acht Finalisten geschrumpft.
Das Format war in seiner Schlichtheit gnadenlos: Jedes Team hatte nur wenige Minuten, um zu erklären, woran es arbeitet, weshalb das Problem relevant ist, warum die Lösung skalierbar ist und weshalb Investoren genauer hinschauen sollten.
Das Transkript des Finales bestätigt die Struktur mit acht Teams: Zur Mitte des Finales kündigte die Moderatorin an, dass noch vier Startups ausstünden. Es folgten BeBright, PulpTronics als sechstes Startup, TrueMarket und schließlich Vuberitas.
Smarti verfolgte den späteren Teil des Finales genau. Dabei fiel die Vielfalt der Unternehmen auf: EdTech, nachhaltige Elektronik, Agrarhandelsfinanzierung, Healthtech und Raumfahrtantriebe warben allesamt um dasselbe – das Vertrauen der Investoren.

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BeBright will Lernlücken erkennen, die Lehrkräfte nicht immer sehen
BeBright, präsentiert von Mitgründer und CEO Mantas Vičius, nahm sich eines bekannten Problems aus datengetriebener Perspektive an: Schülerinnen und Schüler haben in Mathematik oft nicht wegen des aktuellen Stoffs Schwierigkeiten, sondern aufgrund von Lücken, die Monate oder sogar Jahre zuvor entstanden sind.
Die Plattform soll solche fehlenden Grundlagen diagnostizieren und personalisierte Lerninhalte empfehlen, darunter Übungen und Videos.
Vičius zufolge hat BeBright im vergangenen Jahr bereits 40.000 zahlende Schülerinnen und Schüler erreicht, was etwa einem Drittel der litauischen Schulen entspricht. Das Angebot kostet 25 € pro Schüler und Schuljahr; zu den Kunden zählen Schulen und Kommunen.
Nun blickt das Unternehmen über Litauen hinaus. BeBright sammelt 1,5 Mio. € ein, um nach Mittel- und Osteuropa zu expandieren. Polen wurde als nächster Zielmarkt identifiziert.
Der Pitch hob sich ab, weil er ein leicht verständliches Bildungsproblem mit nachweisbarer Akzeptanz verband. Es handelte sich nicht bloß um ein Konzept auf der Suche nach seiner ersten Klasse.

PulpTronics will Metall aus Milliarden von Einweg-RFID-Tags entfernen
PulpTronics betrat die Bühne mit einem ganz anderen Ansatz: Elektronik aus Papier.
RFID-Tags kommen im Einzelhandel und in der Logistik zum Einsatz – von der Bestandsverwaltung bis zum automatisierten Checkout. Laut Mitgründerin und CEO Chloe werden jährlich mehr als 45 Milliarden dieser Einweg-Tags produziert.
Das Problem steckt in den Bestandteilen der vermeintlich einfachen Tags. Herkömmliche RFID-Produkte kombinieren Chips, Klebstoffe und Metallantennen. So entsteht Abfall durch ein Produkt, das oft nur kurz genutzt und schnell entsorgt wird.
PulpTronics zufolge kann seine patentierte laserbasierte Technologie bereits im Papier enthaltenen Kohlenstoff in ein leitfähiges Material umwandeln. Dadurch könne das Unternehmen einen recycelbaren RFID-Tag ohne Metallantenne herstellen.
Laut Pitch könnte die Lösung die Kosten um 30 Prozent und die CO2-Emissionen um 60 Prozent senken. Das Unternehmen hat acht Absichtserklärungen erhalten, vier globale Marken als Partner ausgewählt und kürzlich 2 Mio. £ eingesammelt, um die Produktion weiter zu automatisieren.
Die Ambitionen reichen über RFID hinaus. Das Team betrachtet die zugrunde liegende Technologie als Plattform für weitere Formen von Wegwerfelektronik.

TrueMarket macht Agrarhandel zu einem investierbaren Asset
TrueMarket-CEO und Mitgründerin Chiara baute ihren Pitch um einen fiktiven kleinen Mangobauern namens Pepe auf.
Die Geschichte veranschaulichte ein sehr reales Finanzierungsproblem: Kleine Agrarproduzenten können zwar seriöse Käufer im Ausland haben, erhalten aber dennoch nur schwer kurzfristiges Working Capital. Käufer verzögern Zahlungen, um sich gegen Betrug oder Lieferausfälle abzusichern, während traditionelle Kreditgeber möglicherweise nicht bereit sind, die Produzenten zu finanzieren.
TrueMarket will diese Lücke mit einer KI-gestützten Infrastruktur für den Agrarhandel schließen.
Verträge werden über die Plattform erstellt, Parteien und Transaktionen erhalten ein KI-gestütztes Kreditprofil, und Investoren oder Finanzinstitute können Kapital für den Handel bereitstellen. Die Mittel werden freigegeben, sobald vordefinierte Meilensteine erreicht sind.
Nach Angaben des Unternehmens hat es Transaktionen im Wert von mehr als 20 Mio. $ abgewickelt, im vergangenen Jahr 700.000 $ Umsatz erzielt und strebt für dieses Jahr 1 Mio. $ Umsatz an.
TrueMarket sammelt derzeit eine Finanzierungsrunde über 1 Mio. $ ein. Laut Pitch waren davon bereits 55 Prozent gesichert, sodass noch rund 450.000 $ verfügbar waren.
Es war einer der finanziell reiferen Pitches im Finale, gestützt durch Transaktionsvolumen und Umsatz.

Von Xenon zu Bismut: UVIRESO will Antriebe für Kleinsatelliten verändern
Der letzte Pitch führte den Wettbewerb ins All.
Vincentas, der UVIRESO vertrat, präsentierte ein elektrisches Antriebssystem für Kleinsatelliten. Es nutzt Bismut als metallischen Treibstoff anstelle des in bestehenden Systemen üblichen Xenons.
Das Argument ist teils wirtschaftlicher, teils technischer Natur. Xenon ist teuer, nur begrenzt verfügbar und erfordert vergleichsweise große Speichersysteme. UVIRESO ist überzeugt, dass Bismut eine günstigere und kompaktere Alternative sein kann.
Das Team erklärte, sein Triebwerk werde voraussichtlich rund 210.000 € kosten und könne gegenüber konkurrierenden Systemen etwa 140.000 € einsparen. NanoAvionics ist bereits als erster Kunde des Unternehmens beteiligt.
Zudem verwies das Team auf Fortschritte bei der Senkung der für den Einsatz von Bismut nötigen Temperaturen. Während konkurrierende Forschungsansätze Temperaturen von rund 800 Grad Celsius erfordern könnten, soll die UVIRESO-Technologie bei etwa 450 Grad arbeiten.
Zum Zeitpunkt des Pitches suchte das Unternehmen Investitionen in Höhe von 360.000 € bei einem größeren Finanzierungsbedarf von 1,3 Mio. €. Parallel bereitete es den Start eines weiteren Prototypenprojekts in einer Vakuumkammer vor.
Wenige Minuten später sollte UVIRESO aus einem ganz anderen Grund auf die Bühne zurückkehren.

Halide Energy, 3P-DEFENCE und UVIRESO sind die Hauptgewinner
Nach dem letzten Pitch zog sich die Jury zur Beratung zurück.
Die Moderatorinnen bezifferten den auf der Bühne verfügbaren Investmentpool zunächst knapp auf mehr als 1 Mio. €.
Die abschließende Bekanntgabe ging jedoch deutlich darüber hinaus.
Die Startup Fair bestätigte anschließend Halide Energy, 3P-DEFENCE und UVIRESO als die drei Hauptgewinner des Pitch-Wettbewerbs. Die Unternehmen wurden eingeladen, Verhandlungen über potenzielle Investments von mehr als 5 Mio. € aufzunehmen. Beteiligt sein könnten Aneli Capital, BSV Ventures, FIRSTPICK, LitBAN, EstBAN, das Latvian Business Angels Network und Coinvest Capital.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Die Summe steht für mögliche Investitionsverhandlungen, nicht dafür, dass 5 Mio. € automatisch auf die drei Unternehmen verteilt werden.
Die drei Gewinner spiegelten zudem die breite Investorenattraktivität der Veranstaltung wider.
Halide Energy entwickelt Technologien zur Energiespeicherung, 3P-DEFENCE ist im Bereich Verteidigungstechnologie tätig, und UVIRESO arbeitet an elektrischen Antrieben für Kleinsatelliten. Damit rückten Energie-, Verteidigungs- und Raumfahrttechnologie an die Spitze des diesjährigen Wettbewerbs.

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Sonderpreise erweitern die Anerkennung
Die drei Hauptgewinner waren nicht die einzigen Startups, die die Startup Fair mit neuen Chancen verließen.
Auch eine Reihe von Partnerpreisen wurde vergeben:
- Cornea Sense erhielt den Life Sciences Baltics-Preis.
- UVIRESO erhielt den Plug and Play-Preis.
- Cornea Sense erhielt außerdem den Sorainen-Preis.
- Callsy AI erhielt den Copla-Preis.
- 3P-DEFENCE erhielt den Talent Hub-Preis.
- Halide Energy erhielt den Google Cloud-Preis.
- Alongwave erhielt den Freshmango-Preis.
- Vocali erhielt den TRINITI-Preis.
Startup Lithuania kündigte zudem an, dass ausgewählte Startups Tickets für den Web Summit erhalten würden. Damit eröffnen sich weitere Möglichkeiten, internationale Kontakte über Vilnius hinaus auszubauen.
Die Bedeutung dieser zusätzlichen Auszeichnungen sollte nicht unterschätzt werden. Startup-Wettbewerbe werden oft auf die Höhe möglicher Investments reduziert. Doch Zugang zu Acceleratoren, Cloud-Infrastruktur, juristischer Expertise, Recruiting-Unterstützung, Medienpräsenz und internationalen Veranstaltungen kann für junge Unternehmen ebenso wertvoll sein.
Die Startup Fair selbst erklärt, dass Alumni des Pitch-Wettbewerbs aus den Jahren 2024 und 2025 bereits mehr als 22 Mio. € eingesammelt haben. Das deutet darauf hin, dass sich der Wert des Wettbewerbs oft erst Monate nach dem Erlöschen der Bühnenlichter zeigt – und nicht zwingend am Veranstaltungstag selbst.

Die Startup Fair wird zunehmend zum Netzwerk statt nur zur Veranstaltung
Die Startup Fair 2026 bot auf der Bühne vieles, was einen Besuch rechtfertigte: prominente Redner, Investorendiskussionen, ambitionierte Gründer und einen Pitch-Wettbewerb, der in potenziellen Verhandlungen über mehr als 5 Mio. € mündete.
Die bemerkenswerteste Entwicklung des Jahres dürfte jedoch abseits der Mikrofone stattgefunden haben.
Im Vergleich zu früheren Ausgaben widmete die Konferenz sichtbar mehr Aufmerksamkeit der Frage, wie Menschen tatsächlich zusammenkommen können. Mehr Networking-Flächen, dedizierte Meeting-Infrastruktur, Matchmaking über Brella, der ausgebaute Startup-Bereich und ein Programm, das Investoren, Gründer und Partner zwischen den Gesprächen in Bewegung hielt, veränderten den Rhythmus der Veranstaltung.
Diese Ausrichtung entsprach der Positionierung der Startup Fair. Die Organisatoren beschrieben die Konferenz wiederholt als Ort für sinnvolle Verbindungen und Matchmaking. Startups wurden dazu ermutigt, Networking als zentralen Teil der Veranstaltung zu betrachten – nicht als Aktivität, die zwischen zwei Panels gequetscht wird.
Und am Ende des Tages schien diese Strategie mit mehr als 2.000 Teilnehmenden und nahezu 1.000 von der Bühne gemeldeten Meetings oder Kontakten aufgegangen zu sein.
Die Startup Fair 2026 fühlte sich daher weniger wie eine Sammlung von Vorträgen mit angehängtem Startup-Wettbewerb an, sondern eher wie ein aktiver Marktplatz für Ideen, Kapital und Beziehungen.
Der Pitch-Wettbewerb kürte seine Gewinner. Die Panels lieferten ihre Diskussionsimpulse. Für viele Menschen in der LITEXPO war das wertvollste Ergebnis aber womöglich deutlich einfacher: zur richtigen Zeit die richtige Person zu treffen.
Und genau darum scheint es bei der Startup Fair zunehmend zu gehen.


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