WhatsApp unter Windows 11: Wechsel zu WebView2 erklärt

Meta ersetzt die native WhatsApp-App für Windows 11 durch eine WebView2-basierte Version. Das führt zu höherem RAM-Verbrauch, Performance-Einbußen und schwächerer Windows-Integration. Tipps und technische Hintergründe.

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WhatsApp unter Windows 11: Wechsel zu WebView2 erklärt

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WhatsApp für Windows 11 hat still und leise eine Richtungsänderung vorgenommen. Anstelle des nativen WinUI-Clients, auf den viele Anwender vertrauten, verteilt Meta nun eine WebView2-basierte Version, die praktisch die Webansicht innerhalb von Chromium lädt. Erste Tester berichten bereits von deutlichen Anstiegen beim Speicherverbrauch und von einer weniger nahtlosen Windows-Erfahrung.

What changed and why it matters

Das neue Update ersetzt die native Windows-11-App durch eine WebView-basierte Hülle, die auf web.whatsapp.com verweist. Praktisch bedeutet das, dass WhatsApp nicht mehr als native WinUI/UWP-Anwendung vorliegt, sondern als Chromium-gehostete Web-Build ausgeführt wird. Meta hat das Update über den Microsoft Store unter der Versionsnummer 2.2584.3.0 ausgeliefert.

Warum ist das relevant? Native Anwendungen integrieren sich in der Regel enger mit dem Betriebssystem: sie bieten flüssigere Animationen, zuverlässigere Benachrichtigungsverwaltung und einen geringeren Ressourcenverbrauch. Ein Web-Wrapper vereinfacht die Entwicklung, weil ein gemeinsamer Code für mehrere Plattformen genutzt werden kann, doch das geht oft zulasten von Leistung, Systemintegration und nativen UI-Elementen.

Aus Sicht der Produktstrategie ermöglicht dieser Wechsel Meta eine schnellere Bereitstellung von Funktionen über verschiedene Betriebssysteme hinweg. Für Benutzer hingegen kann die Entscheidung zu spürbaren Kompromissen bei Benutzerfreundlichkeit, Reaktionszeit und Energieeffizienz führen — insbesondere auf Geräten mit begrenztem Arbeitsspeicher oder älteren CPUs.

Users seeing big RAM increases and sluggish behavior

Erste Berichte deuten darauf hin, dass der neue WebView-Client deutlich mehr Arbeitsspeicher beansprucht. Auf dem Anmeldebildschirm kann der Speicherverbrauch gegen 300 MB liegen. Nach der Anmeldung steigt der RAM-Bedarf häufig über 1 GB und kann weiter zunehmen, wenn mehrere Chats geöffnet sind, Mediendateien geladen werden oder aktive Anrufe laufen.

Neben dem gesteigerten Speicherbedarf hat sich auch die allgemeine Performance verschlechtert. Unterhaltungen laden langsamer, Animationen reagieren träger, und Windows-11-spezifische Verhaltensweisen wie das Benachrichtigungscenter oder die 'Nicht stören'-Handhabung funktionieren nicht mehr so flüssig wie zuvor. Kurz gesagt: Die App fühlt sich weniger wie eine native Anwendung an und mehr wie ein angehefteter Browser-Tab auf dem Desktop.

Technisch liegt das daran, dass WebView2 eine Chromium-Instanz nutzt, die zusätzliche Prozesse und Bibliotheken laden muss. Chromium-basierte Prozesse laufen oft parallel und nehmen mehr Speicher als ein schlanker nativer Client in Anspruch. Außerdem entstehen höhere Overheads durch die Übersetzungs- und Rendering-Schichten, die nötig sind, um Webinhalte in eine Desktop-App einzubetten.

Auf Systemen mit bereits hoher Speicherbeanspruchung kann das dazu führen, dass Windows die Auslagerungsdatei stärker nutzt, was wiederum zu spürbaren Verzögerungen beim Wechsel zwischen Anwendungen und beim Öffnen von Chats führt. Nutzer berichten außerdem von sporadischen CPU-Spitzen, die sich besonders bei der Wiedergabe von Sprach- oder Videonachrichten bemerkbar machen.

What likely drove Meta's decision

Insider und Branchenbeobachter führen die Umstellung auf interne Umstrukturierungen bei Meta zurück. Die Pflege einer einzigen, webbasierten Codebasis reduziert den technischen Aufwand und beschleunigt die Verteilung von Updates über verschiedene Plattformen hinweg. Für ein Unternehmen mit globaler Reichweite kann das erhebliche Kostenvorteile bringen und die Entwicklung neuer Features vereinfachen.

Allerdings hat diese Effizienz ihren Preis: Die Priorisierung einer konsolidierten Web-Architektur kann dazu führen, dass spezialisierte Teams für native Desktop-Clients weniger Ressourcen erhalten oder ganz aufgelöst werden. In der Folge bleibt die Verantwortung für plattformspezifische Optimierungen auf der Strecke, was bei komplexeren Integrationen — etwa tiefe Windows-Integration, Benachrichtigungs-APIs oder Hardwarebeschleunigung — problematisch ist.

Aus technischer Sicht erlaubt die WebView-Strategie schnellere Iterationen, Cross-Platform-Kompatibilität und eine einheitlichere Codebasis (HTML, CSS, JavaScript/TypeScript). Gleichzeitig nimmt die Möglichkeit ab, spezifische Vorteile von WinUI, UWP oder Windows-spezifischen APIs auszunutzen, die für eine bessere Energieeffizienz, geringeren RAM-Verbrauch und native UX-Elemente sorgen würden.

Can you avoid the update?

Wenn Sie noch den alten nativen Client installiert haben, könnten Sie das Update kurzfristig vermeiden, indem Sie automatische Updates deaktivieren oder das Update im Microsoft Store nicht installieren. Allerdings deuten Berichte darauf hin, dass Meta irgendwann einen erzwungenen Logout durchführen wird und alle Nutzer auf die neue WebView-Version umgestellt werden müssen. Solch eine erzwungene Migration würde die Verzögerung bestenfalls temporär machen.

Praktisch gesehen ist das Vermeiden des Updates nur eine Übergangslösung. Selbst wenn Sie die ältere native App weiter nutzen können, riskieren Sie, dass Sicherheitsupdates, neue Funktionen oder notwendige Backend-Änderungen später inkompatibel werden. Darüber hinaus kann die ältere App ohne aktiven Support Schwachstellen aufweisen, die nicht mehr gepatcht werden.

Eine weitere Option besteht darin, lokale Backups oder Virtualisierungslösungen zu nutzen — zum Beispiel ein abgesichertes System-Image oder eine virtuelle Maschine mit einer älteren Windows-Installation — doch das ist für die meisten Anwender zu aufwändig. Für Unternehmen könnte ein kontrolliertes Rollout mit internen Tests sinnvoll sein, um mögliche Auswirkungen auf Nutzerarbeitsplätze zu bewerten, bevor eine breit angelegte Umstellung erfolgt.

Practical tips for Windows users

  • Monitor RAM: Halten Sie den Task-Manager bereit, um zu beobachten, wie viel Arbeitsspeicher WhatsApp verbraucht, besonders wenn Sie auf Geräten mit wenig RAM arbeiten. Achten Sie auf langfristige Trends und auf plötzliche Anstiege, die auf Speicherlecks oder ineffiziente Prozesse hinweisen können.
  • Use the web client directly: Wenn Sie eine klarere Trennung bevorzugen, öffnen Sie web.whatsapp.com in einem dedizierten Chromium-Browserprofil statt in der Store-App. Ein eigenes Browserprofil ermöglicht bessere Kontrolle über Erweiterungen, Cache und Prozesszuordnung.
  • Limit background tabs and apps: Reduzieren Sie andere Chromium-basierte Prozesse und Tabs, um den Gesamt-RAM-Druck zu verringern. Schließen Sie unnötige Hintergrundanwendungen, deaktivieren Sie Browser-Erweiterungen mit hohem Ressourcenbedarf und nutzen Sie gegebenenfalls Edge- oder Chrome-Task-Manager, um problematische Tabs zu identifizieren.
  • Watch for updates: Meta könnte die WebView-Version iterativ verbessern oder native Funktionen nach und nach wieder integrieren. Installieren Sie Updates, sobald sie Leistungs- oder Benachrichtigungsprobleme adressieren, und prüfen Sie die Update-Notizen im Microsoft Store oder in offiziellen Meta-Ankündigungen.

Zusätzlich zu diesen Punkten sollten Power-User erwägen, die Entwickleroptionen ihres Browsers zu nutzen, um die Ressourcennutzung feiner zu analysieren. Tools wie Leistungsprofile, Speichersnapshots und Netzwerk-Monitoring können helfen, Flaschenhälse zu identifizieren und zu verstehen, welche Aktionen besonders ressourcenintensiv sind.

Für Unternehmen und IT-Abteilungen empfiehlt sich ein Monitoring der Desktop-Flotte: Sammeln Sie Telemetriedaten zum Speicherverbrauch, CPU-Last und zu Benachrichtigungsfehlern, um Auswirkungen auf Produktivität und Systemstabilität zu quantifizieren. Überlegen Sie auch Richtlinien für Updates, Testcycles und Kommunikationspläne, damit Mitarbeiter über bevorstehende Änderungen informiert sind und notwendige Anpassungen problemlos vorgenommen werden können.

Wer beruflich stark auf WhatsApp angewiesen ist — etwa für Kundenkommunikation, Support oder Teamkoordination — sollte mögliche Alternativen prüfen. Dazu gehören native Messaging-Clients mit besserer Windows-Integration, browserbasierte Workflows mit speziellen Profilen oder Unternehmenslösungen, die auf sichere, effiziente Desktop-Clients setzen.

Langfristig steht hinter diesem Schritt ein größerer Trend: Plattformbetreiber und große Softwarefirmen tendieren zunehmend zu webzentrierten, einheitlichen Codebasen, um Entwicklungskosten zu senken und Funktionen schneller auszurollen. Für Endnutzer bedeutet das aber oft eine Verwischung der Grenze zwischen nativer Desktop-Software und Webanwendungen, mit den bekannten Vor- und Nachteilen.

Wenn Sie trotz der Einschränkungen bei der nativen Experience bleiben möchten, prüfen Sie folgende zusätzliche Maßnahmen: Speichern Sie wichtige Chats regelmäßig extern, minimieren Sie die Anzahl synchronisierter Medien auf dem Desktop, und deaktivieren Sie optionale Features, die unnötig Speicher belegen. Achten Sie auch auf offizielle Support-Kanäle von Meta, um über Sicherheitsupdates und Performance-Patches informiert zu bleiben.

Insgesamt ist der Wechsel von einer nativen WinUI-App hin zu einer WebView2-Lösung ein strategischer Kompromiss zwischen Entwicklungsaufwand und Benutzererlebnis. Die unmittelbaren Folgen für die Performance und Systemintegration sind spürbar, doch es besteht die Chance, dass Meta in den kommenden Updates Optimierungen vornimmt, um den RAM-Verbrauch und die Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Bis dahin bleibt es für viele Anwender sinnvoll, die genannten Gegenmaßnahmen und Monitoring-Strategien anzuwenden.

Quelle: gizmochina

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