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Samsung ändert leise die Strategie für seine Faltgeräte
Samsung schreibt offenbar still und leise seine Strategie für die Foldable-Produktlinie um. Laut Insidern, die von Ice Universe zitiert werden, plant das Unternehmen in diesem Jahr etwa 3,5 Millionen Einheiten des Galaxy Z Fold8 zu produzieren, während es für das Galaxy Z Flip8 rund 2,5–3 Millionen Einheiten erwartet. Sollte sich diese Planung bewahrheiten, wäre es das erste Mal, dass ein Fold-Modell seinen Flip-Bruder in Stückzahlen übertrifft.
Warum die Verschiebung?
Weshalb dieser Richtungswechsel? Man kann es als Experiment mit Leitprodukten ("ladders") und Halo-Effekten bezeichnen. Das Fold ist Samsungs Schaufenster für Produktivität und Premium-Hardware – denken Sie an größere Displays, S Pen-Unterstützung und ein Multitasking-Erlebnis, das eher an einen Desktop erinnert. Das Flip hingegen war traditionell das preisgünstigere, designorientierte Modell, das sich schneller verkauft hat. Mehr Fold8-Units in die Produktion zu geben, signalisiert die Zuversicht, dass Kundinnen und Kunden bereit sind, mehr für ein größeres, leistungsfähigeres Gerät auszugeben.
Das erweiterte Portfolio: Mehr als nur Fold vs. Flip
Zum Gesamtbild gehören weitere Puzzleteile. Das angeblich geplante Galaxy Wide Fold, ein Modell für mittlere Volumina, zielt angeblich auf etwa 1 Million Einheiten, und das experimentelle Galaxy Z TriFold bleibt ein Nischen-Halo-Produkt mit sehr begrenzten Produktionsserien. Diese Ergänzungen deuten darauf hin, dass Samsung ein breiteres Falt-Portfolio anstrebt, das verschiedene Preispunkte und Anwendungsfälle abdeckt – und nicht nur ein Duett aus zwei Smartphones bleibt.

Zwischen Produktion und Nachfrage: Zahlen sind nur Prognosen
Zahlen allein sind jedoch nur so viel wert wie die Nachfrage dahinter. Produktionsziele sind nicht automatisch Verkaufszahlen. Marktverhalten, Mobilfunkanbieter-Promotions und der Zeitpunkt der Markteinführung entscheiden, welche Modelle tatsächlich bei den Endkunden ankommen. Samsungs jüngstes Vorgehen bei der Galaxy S26-Familie zeigt, wie die Produktion zugunsten von Premium-Modellen verschoben werden kann – dem Vernehmen nach ging das S26 Ultra früher in die Massenfertigung als S26 und S26+, und diese Zeitplanung beeinflusste wahrscheinlich die Produktionsverhältnisse.
Timing, Marketing und Wettbewerbsreaktionen
Timing ist ein zentraler Faktor. Die S26-Familie soll Ende des Monats vorgestellt werden, während die neuen Foldables voraussichtlich später, etwa im Juli, folgen. Diese gestaffelte Markteinführung gibt Samsung Spielraum, Lagerbestände und Marketingmaßnahmen zu kalibrieren. Gleichzeitig verschafft sie Wettbewerbern Zeit, zu reagieren – jede Überraschung bei Preisgestaltung oder Ausstattung könnte die prognostizierten Millionen an Einheiten in eine andere Richtung lenken.
Marketing- und Vertriebskanäle
Wie Samsung seine Vertriebskanäle einsetzt, wird entscheidend sein. Carrier-Deals, Trade-In-Angebote, Bündelaktionen mit Wearables oder Rabatte bei Vertragsbindung können die Nachfrage deutlich verändern. Insbesondere in Märkten mit starker Carrier-Dominanz können subventionierte Preise das Kaufverhalten stark beeinflussen. Auch regionale Unterschiede im Kaufverhalten, etwa zwischen Europa, Nordamerika und Asien, spielen eine Rolle bei der finalen Verteilung der produzierten Einheiten.
Technische und produktstrategische Gründe für ein Fold-first-Modell
Die Entscheidung, mehr Fold8s zu produzieren als Flip8s, ist nicht nur eine Frage der Marge. Sie ist auch eng mit der Produktpositionierung verknüpft. Samsung hat das Fold über die letzten Generationen als Produktivitäts- und Kreativwerkzeug aufgebaut: größere innere Displays, Unterstützung für den S Pen, erweiterte Multitasking-Funktionen und eine stärkere Betonung von Leistung und Akkulaufzeit. Das Fold spricht damit Nutzer an, die ihr Smartphone teilweise als Laptop-Ersatz verwenden.
S Pen und Produktivität
Die Integration des S Pen und optimierter Software für Multitasking stärkt die Position des Fold als Arbeitsgerät. Für Nutzer, die häufig Notizen machen, skizzieren oder umfangreiche Dokumente bearbeiten, bietet das Fold8 potenziell einen deutlich höheren Nutzwert als ein klassisches Candybar-Smartphone oder ein kompaktes Flip-Modell. Solche Differenzierungsmerkmale können als Verkaufsargumente dienen, die den höheren Einstiegspreis rechtfertigen.
Hardware und Premium-Positionierung
Darüber hinaus kann das Fold als technologisches Aushängeschild dienen. Premium-Materialien, größere Akkus, fortschrittliche Kühlung und bessere Kamerasysteme signalisieren Käuferinnen und Käufern den technologischen Vorsprung. Bei vielen Herstellern dienen solche Modelle als "Halo-Produkte", die die Wahrnehmung der gesamten Marke verbessern und den Absatz anderer Produkte unterstützen.
Die Rolle neuer Formfaktoren: Wide Fold und TriFold
Die Berichte über ein Galaxy Wide Fold und das experimentelle Galaxy Z TriFold zeigen Samsungs Bestreben, verschiedene Formfaktoren zu testen. Ein Wide Fold würde vermutlich ein breiteres, weniger hochkantiges Innen-Display bieten, das eher an ein kleines Tablet erinnert – ideal für Medienkonsum, produktive Anwendungen und Multitasking im Querformat. Das TriFold hingegen bleibt ein Nischenprodukt: technisch faszinierend, aber mit hoher Komplexität und begrenzter Serienproduktion, um technische Machbarkeit und Marktreaktion zu prüfen.
Produktions- und Logistikherausforderungen
Mehr Modelle bedeuten zugleich erhöhte Komplexität in der Lieferkette. Verschiedene Displaytypen, Scharniersysteme, Batteriegrößen und Gehäusevarianten erfordern angepasste Fertigungsprozesse und Qualitätskontrollen. Eine gestaffelte Produktion kann helfen, Engpässe zu vermeiden, gleichzeitig aber den Bedarf an flexiblen Produktionslinien erhöhen. Zulieferer-Kapazitäten, etwa für flexible OLED-Panels oder spezielle Scharniere, sind begrenzt und können die endgültigen Produktionszahlen beeinflussen.
Worauf Käufer und Beobachter achten sollten
Welche Indikatoren deuten darauf hin, dass Samsungs Fold-first-Strategie erfolgreich ist? Hier einige konkrete Punkte, die man beobachten sollte:
- Bestätigende Leaks oder offizielle Produktionsupdates von Samsung zu Stückzahlen und Fertigungsstätten.
- Erste Hands-on-Tests und Reviews: Kann das Fold8 seinen höheren Preis mit echten Verbesserungen rechtfertigen (Displayqualität, Performance, Akkulaufzeit, Software-Optimierungen)?
- Preisgestaltung und Carrier-Angebote: Oft sind es Promotionen und Vertragsangebote, die die Nachfrage kurzfristig stark beeinflussen.
- Verfügbarkeit in wichtigen Märkten: Engpässe oder schnelle Ausverkäufe sind ein Indiz für starke Nachfrage.
- Kundensegmente: Sprechen die Marketingmaßnahmen vor allem Early Adopters, Business-Nutzer oder kreative Profis an?
Wettbewerbslandschaft: Reaktionen anderer Hersteller
Samsung kann mit einer gezielten Fold-Strategie den Markt beeinflussen. Wettbewerber wie Google, Oppo, Xiaomi oder Huawei beobachten solche Verschiebungen genau. Jede Überraschung in Preis oder Ausstattung kann Konsumenten dazu bewegen, Modelle anderer Hersteller zu wählen. Insbesondere wenn Wettbewerber günstigere Alternativen mit ähnlichen Kernfunktionen anbieten, muss Samsung die Differenzierungsmerkmale klar kommunizieren und monetarisieren.
Marktanteile und langfristige Chancen
Falls das Fold8 tatsächlich stärker nachgefragt wird, könnte das Segment der Premium-Foldables wachsen und mehr Entwickler zu optimierten Apps für große, faltbare Displays motivieren. Langfristig würde das die Plattform stärken und ein Ökosystem begünstigen, das über Hardware hinaus Mehrwert bietet – etwa durch Productivity-Apps, erweiterte Stift-Unterstützung und spezielle Multitasking-Features.
Risiken und Unsicherheiten
Trotz der positiven Signale gibt es Risiken. Produktionsziele können durch Lieferkettenprobleme, Qualitätskontrollen oder sinkende Nachfrage verworfen werden. Zudem besteht die Gefahr, dass eine zu starke Fokussierung auf Premium-Modelle Volumenverluste in günstigeren Segmenten nach sich zieht, die für Markenbekanntheit und Marktanteile wichtig sind. Schließlich spielen auch makroökonomische Faktoren wie Verbrauchervertrauen und Wechselkurse eine Rolle.
Fazit: Eine Wette auf Premium und Vielfalt
Samsungs Strategie, das Fold8 in größeren Stückzahlen zu produzieren als das Flip8, ist eine klare Wette auf Premium-Funktionen, Produktivität und die Bereitschaft der Kundschaft, mehr für Mehrwert zu bezahlen. Mit zusätzlichen Modellen wie dem Wide Fold und dem TriFold testet das Unternehmen, wie breit das Marktsegment für faltbare Geräte sein kann. Ob diese Wette aufgeht, hängt von vielen Variablen ab: tatsächliche Verkaufszahlen, Preisstrategien, Carrier-Aktionen, die Reaktion der Konkurrenz und letztlich die Wahrnehmung der Verbraucher.
Leserinnen und Leser sollten insbesondere auf bestätigende Informationen aus zuverlässigen Quellen, erste Erfahrungsberichte sowie Preis- und Verfügbarkeitsdaten achten. Nur so wird klar, ob Samsung mit einer Fold-first-Strategie den Markt nachhaltig prägen kann – oder ob sich die Nachfrage weiterhin zugunsten kompakterer, günstigerer Faltmodelle wie dem Flip entwickelt.
Quelle: gsmarena
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