Bitcoin fällt: Liquidationen und ETF-Abflüsse drücken

Bitcoin fällt auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten: Futures-Liquidationen, Abflüsse aus US-Spot-ETFs und veränderte Fed-Erwartungen belasten den Markt. Analyse zu Technik, ETF-Flüssen und Risikoindikatoren.

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Bitcoin fällt: Liquidationen und ETF-Abflüsse drücken

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Bitcoin stürzt ab, da Liquidationen und ETF-Rücknahmen zunehmen

Bitcoin fiel am Montag auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Monaten, belastet durch einen Anstieg von Futures-Liquidationen und erhebliche Abflüsse aus US-Spot-ETFs. Die weltweit größte Kryptowährung notierte zuletzt am 17. Nov. am Morgen in Asien in der Nähe von 95.000 und rutschte intraday bis auf 93.029 ab, der schwächste Wert seit dem 12. April.

In der vergangenen Woche verlor BTC mehr als 10 % und liegt damit rund 24,6 % unter dem bisherigen Jahreshoch von 126.000, das vor etwa einem Monat erreicht wurde. Die Derivatemärkte verzeichneten in den letzten 24 Stunden Liquidationen von rund 243 Millionen, wobei Long-Positionen etwa 136,6 Millionen dieses Volumens ausmachten. Solche erzwungenen Deleveraging-Effekte verstärken typischerweise den Abwärtsdruck und können Verkaufswellen auslösen, die Rückgänge beschleunigen.

Diese Liquidationen entstehen, wenn gehebelte Positionen aufgrund von Margin-Anforderungen oder automatischen Schließungen liquidiert werden. Bei hoher Volatilität führt das häufig zu Kaskadeneffekten: ein Preisrutsch löst Liquidationen aus, die wiederum weiteren Abwärtsdruck verursachen. Marktteilnehmer, insbesondere solche mit erhöhtem Leverage, sollten sich der Mechanik und der damit verbundenen Risiken bewusst sein.

Makroausblick und Erwartungen an Fed-Zinsentscheidungen

Der Verkaufsdruck wurde durch eine Verschiebung der Zinserwartungen noch verstärkt. Die Marktpreise für eine Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) um 25 Basispunkte im Dezember sind deutlich gesunken. Das CME FedWatch-Tool taxiert die Wahrscheinlichkeit auf etwa 43,9 %, während eine Polymarket-Prognose rund 46 % angibt — ein starker Rückgang gegenüber mehr als 80 % Anfang November. Geringere Hoffnungen auf eine zeitnahe geldpolitische Lockerung haben zu Risikoverkäufen in Aktien- und Kryptomärkten geführt und viele Händler dazu veranlasst, Positionen in Futures und auf Margin zu reduzieren.

Die Verbindung zwischen Zinswendeerwartungen und Kryptowährungen erklärt sich über die Risikobereitschaft der Anleger. Höhere oder erwartete längere Phasen höherer Zinsen machen risikoreiche Anlagen weniger attraktiv und erhöhen die Opportunitätskosten. In einem Umfeld mit weniger Wahrscheinlichkeit für eine baldige Zinssenkung tendieren institutionelle und private Anleger dazu, Risikoexpositionen zurückzufahren, was Druck auf volatile Assets wie Bitcoin ausübt.

Darüber hinaus beeinflussen makroökonomische Indikatoren wie Inflationsdaten, Arbeitsmarktzahlen und geopolitische Entwicklungen die Marktstimmung. Schwächere Daten in Kombination mit gedämpften Erwartungen an geldpolitische Erleichterungen können kurzfristig defensive Positionierungen verstärken.

Institutionelle Nachfrage schwächt sich ab: ETF-Flüsse und Folgen

Auch die institutionelle Nachfrage über Spot-Bitcoin-ETFs hat sich abgeschwächt. Daten von SoSoValue zeigen, dass die 12 US-Spot-Bitcoin-ETFs in den letzten zwei Wochen Nettoabflüsse von mehr als 2,3 Milliarden verzeichneten. Anhaltende Rücknahmen großer Inhaber deuten auf ein nachlassendes Vertrauen institutioneller Investoren hin und sind ein wesentlicher Treiber des jüngsten Preisdrucks.

Spot-ETFs hatten zuvor als stabilisierender Faktor und dauerhafte Nachfragequelle fungiert: Kapitalzuflüsse in solche Produkte können die Nachfrage nach dem Basiswert direkt steigern. Andersherum bedeutet persistenter Kapitalabfluss, dass diese stabile Nachfragequelle wegfällt, wodurch BTC anfälliger für Preisbewegungen wird, insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit.

Langfristig kann die Verlagerung institutioneller Allokationen Auswirkungen auf Marktliquidität, Spreads und die Preisbildungsdynamik haben. Große Verkäufe oder Umstrukturierungen innerhalb institutioneller Portfolios erzeugen nicht nur kurzfristigen Druck, sondern können auch das Marktgefüge verändern: geringere Tiefe in Orderbüchern, höhere Volatilität und stärkere Reaktionen auf makroökonomische Nachrichten.

Für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Family Offices und Hedgefonds sind Fragen der Kustodie, regulatorische Entwicklungen und Reporting-Anforderungen weiterhin wichtige Entscheidungsfaktoren. Veränderungen in diesen Bereichen können die künftige Nachfrage nach Spot-Bitcoin-ETFs beeinflussen und damit mittel- bis langfristig den Preis beeinflussen.

Technisches Bild: Death Cross und gleitende Durchschnitte

Auf technischer Ebene hat Bitcoin auf dem Tageschart ein Death Cross bestätigt — ein bärisches Muster, das entsteht, wenn der 50-Tage-Simple-Moving-Average (SMA) unter den 200-Tage-SMA fällt. Historisch gesehen gab es nach solchen Kreuzungen oft längere Abwärtsphasen, wobei die Ausprägung je nach Zyklus variiert. Zudem schloss BTC in der vergangenen Woche seine Wochenkerze erstmals seit August 2023 unter dem 50-Tage-Exponential Moving Average (EMA), was darauf hindeutet, dass das Momentum zugunsten der Verkäufer kippen könnte.

Der Death Cross ist kein sicherer Indikator für kurzfristige Bewegungen, liefert aber ein nützliches kontextuelles Signal für das übergeordnete Sentiment. Händler verwenden ihn häufig in Kombination mit Volumenprofilen, On-Chain-Daten und anderen Indikatoren wie RSI, MACD oder Bollinger-Bändern, um robustere Handelsentscheidungen zu treffen.

Einige technische Analysten beobachten auch die 100-Tage- und 200-Tage-EMAs sowie das Verhalten an wichtigen gleitenden Durchschnitts-Zonen. Überschneidungen mehrerer Indikatoren erhöhen die Aussagekraft von Unterstützungs- oder Widerstandsleveln. Wichtig ist zudem die Rate, mit der sich der 50-Tage-SMA dem 200-Tage-SMA nähert oder entfernt: ein schneller Abfall deutet auf abruptes Momentum hin, während ein allmähliches Kreuzen oft einem längerfristigen Trendwechsel entspricht.

Bitcoin-Preis hat auf dem Tageschart ein Death Cross bestätigt — 17. Nov.

Die Aroon-Indikatoren verstärkten den bärischen Eindruck. Der Aroon Up lag bei 92,86 %, während der Aroon Down bei 0 % registriert wurde, was darauf hindeutet, dass kurzfristig die Abwärtsdynamik dominiert. Der Aroon-Indikator misst die Stärke eines Trends und hilft zu erkennen, ob eine Aufwärts- oder Abwärtsbewegung vorherrscht.

Eine Aroon-Konstellation mit hohem Aroon Up und gleichzeitig niedrigem Aroon Down ist normalerweise bullisch, doch in diesem Fall signalisiert das Zusammenspiel der Indikatoren zusammen mit gleitenden Durchschnitten und Volumensignalen derzeit Verkäuferdominanz. Trader sollten außerdem divergierende Signale beachten: etwa ein fallender Preis bei gleichzeitig steigendem Volumen, was die Stärke des Abwärtstrends bestätigte.

Bitcoin Aroon-Chart — 17. Nov.

Wesentliche Unterstützungsniveaus und Marktausblick

Die unmittelbare technische Unterstützung liegt in der Zone zwischen 93.770 und 94.000. Ein entscheidender Bruch unterhalb dieses Bereichs könnte den Weg in Richtung der psychologischen Marke von 90.000 oder darunter öffnen, insbesondere wenn Liquidationskaskaden zunehmen und ETF-Abflüsse anhalten. Händler sollten Open Interest und Funding-Raten an den Futures-Märkten sowie tägliche ETF-Flow-Berichte genau beobachten, um das Potenzial für weitere Abwärtsbewegungen oder eine Stabilisierung der Nachfrage zu beurteilen.

Open Interest dient als Indikator für das Gesamtengagement im Markt: sinkendes Open Interest bei fallendem Preis weist oft auf Liquidationen und Positionenschließungen hin, während steigendes Open Interest in Verbindung mit fallenden Preisen auf neue Shorts oder erhöhtes Engagement hindeuten kann. Funding-Raten spiegeln die Kosten für gehebelte Positionen wider und können kurzfristige Long- oder Short-Verspannungen anzeigen.

In einem Markt mit restriktiverer Liquidität sind größere Preisbewegungen wahrscheinlicher. Wenn Liquidität schnell zurückgeht, können größere Orders größere Preisverschiebungen verursachen. Daher ist das Monitoring von Markt-Tiefe, Orderbuch-Spreads und Handelsvolumen essentiell, um mögliche Wendepunkte zu erkennen.

Für Trader bleibt ein diszipliniertes Risikomanagement entscheidend: Hebel sollten konservativ eingesetzt, Stop-Loss-Level regelmäßig überprüft und Positionsgrößen an die aktuelle Volatilität angepasst werden. Langfristige Investoren könnten die Schwäche hingegen als Gelegenheit für schrittweise Nachkäufe (Dollar-Cost-Averaging) betrachten, abhängig von der persönlichen Risikotoleranz, Diversifikation und der Allokationsstrategie.

Worauf es als Nächstes zu achten gilt

Wichtige Variablen, die die Bitcoin-Preisbewegung in den kommenden Tagen und Wochen prägen dürften, sind Änderungen der Fed-Zinserwartungen, anhaltende ETF-Flussdaten, Liquidationen am Futures-Markt und die Stimmung an den breiteren Aktienmärkten. Sollte die makroökonomische Risikobereitschaft zurückkehren und sich die ETF-Flüsse stabilisieren, könnte BTC verlorenen Boden wieder gutmachen. Bleiben die Abflüsse jedoch bestehen und vertiefen sich die Liquidationen, ist weiterer Abwärtsdruck bis in den Bereich um 90.000 möglich.

Darüber hinaus können unerwartete Nachrichten — etwa regulatorische Entscheidungen, große institutionelle Käufe oder Verkäufe, oder signifikante On-Chain-Bewegungen wie Wallet-Transfers großer Inhaber (Whales) — kurzfristig starke Reaktionen auslösen. Daher ist es sinnvoll, neben technischen Signalen auch On-Chain-Metriken wie Exchange-Bestände, Net Position Changes und Wallet-Aktivität zu beobachten.

Insgesamt haben eine Kombination aus makroökonomischen Gegenwinden, dem Deleveraging gehebelter Positionen und nachlassender institutioneller Nachfrage Bitcoin unter Druck gesetzt. Trader und Investoren sollten wachsam bleiben, Liquidität und Marktstruktur beobachten und in diesem volatilen Umfeld robustes Risikomanagement priorisieren.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass kurzfristige Preisbewegungen in Krypto oft übertrieben erscheinen können, während mittel- bis langfristige Trends von fundamentalen Faktoren, regulatorischen Rahmenbedingungen und der weiteren Adoptionsdynamik abhängen. Eine gut informierte Strategie, die technische Analyse, On-Chain-Daten und makroökonomische Einschätzungen kombiniert, bietet die beste Chance, Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Quelle: crypto

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