5 Minuten
Xiaomi baut seine Forschung und Entwicklung deutlich aus und erhöht sowohl Budgets als auch Teamgrößen, um in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter und Integration vernetzter Geräte führend zu werden. Diese strategische Anpassung markiert einen Übergang vom schnellen Nachzieher im Smartphone-Markt hin zu einem technologiegetriebenen Unternehmen mit Fokus auf tiefgreifende Ingenieurskompetenz und systemische Lösungen für Nutzer und Partner.
Bigger bets, bigger budgets: the numbers that matter
Auf der Human Car Home Ecosystem Partner Conference 2025 am 17. Dezember hat Xiaomi Group President Lu Weibing einen ehrgeizigen F&E-Plan vorgestellt: 200 Milliarden Yuan (etwa 28,4 Milliarden US-Dollar) in den nächsten fünf Jahren. Diese Zusage beschreibt eine deutliche Steigerung der jährlichen Investitionen — Xiaomi rechnet mit 32–33 Milliarden Yuan (~4,5–4,7 Mrd. USD) in diesem Jahr und zielt auf rund 40 Milliarden Yuan (~5,7 Mrd. USD) für 2026 ab. In diesen Zahlen spiegeln sich Prioritäten wie Forschung zu On‑Device‑KI, Edge‑Computing, speziell entwickelte SoCs (System-on-Chip) und die stärkere Verzahnung von Smartphone- und IoT‑Produkten wider.
Zum Vergleich: Zwischen 2021 und 2025 investierte Xiaomi nach eigenen Angaben rund 105 Milliarden Yuan (~14,9 Milliarden USD). Die neue Verpflichtung verdoppelt damit im Wesentlichen die bisherigen Aufwendungen und signalisiert eine langfristige Ausrichtung auf Forschung und Entwicklung (Forschung & Entwicklung, R&D). Diese Mittel sind geplant, um Kompetenzen intern aufzubauen — von Algorithmen und Software bis hin zu Chipdesign, Fertigungsanbindung und Systemintegration — und reduzieren die Abhängigkeit von externen Technologiepartnern.
Quick snapshot
- Five-year R&D pledge: 200 billion yuan (~$28.4B)
- R&D 2025 forecast: 32–33 billion yuan (~$4.5–4.7B)
- R&D 2026 target: ~40 billion yuan (~$5.7B)
- R&D headcount: 24,871 employees (as of Q3)

From MiMo to Xring: what Xiaomi is building
Die zusätzlichen Mittel zeigen bereits konkrete Ergebnisse. Xiaomi stellte MiMo vor, ein internes Foundation‑Model, das für effiziente On‑Device‑ und Edge‑Inference optimiert ist und auf Smartphones, Smart‑Home‑Geräten und Fahrzeugen laufen soll. MiMo ist leichter und für lokale Rechenszenarien ausgelegt als große Cloud‑Modelle: Ziel ist eine Balance aus Modellgröße, Latenz, Energieverbrauch und praktischer Verwendbarkeit im Alltag. Typische Optimierungen umfassen Modellquantisierung, distillation, sparsity‑Techniken und hardwarebewusste Anpassungen, die niedrige Latenzen und geringeren Stromverbrauch ermöglichen — zentrale Faktoren für On‑Device‑KI, die Datenschutz, Offline‑Fähigkeiten und Benutzererlebnis verbessert.
Im Halbleiterbereich hat Xiaomi über 13,5 Milliarden Yuan (~1,9 Mrd. USD) in sein Xring‑Chipprojekt investiert. Das Xring‑Team besteht inzwischen aus mehr als 2.500 Ingenieuren und arbeitet an der Skalierung der Massenproduktion des nächsten Xring O2‑Chips. Das Design zielt auf eine enge Verzahnung von dedizierten KI‑Beschleunigern, effizienten CPU‑/GPU‑Blöcken und Energieverwaltung, um sowohl mobile Endgeräte als auch IoT‑Knoten und In‑Car‑Systems zu bedienen. Aufgrund US‑Restriktionen auf fortschrittliche Chipfertigungsanlagen bleibt die Fertigung des Chips jedoch offenbar auf einem 3‑Nanometer‑Prozessknoten angesiedelt, anstatt auf den weiter verkleinerten 2‑nm‑Standard zu wechseln. Diese Einschränkung beeinflusst mögliche Leistungs‑ und Effizienzgewinne, ist aber kein Ausschlusskriterium für marktfähige, sehr leistungsfähige SoCs — viele Designentscheidungen können durch Architekturoptimierung, spezialisierte Beschleuniger und Systemintegration kompensiert werden.
Why this matters for users
Die Investitionen sind nicht nur eine Unternehmensmeldung, sondern haben praktische Auswirkungen für Endnutzer: Verbesserungen bei Kamera‑Algorithmen und Bildverarbeitung (Computational Photography), schnellere Ladezyklen und intelligenteres Batteriemanagement (Fast‑Charging + Energieoptimierung), robusterer On‑Device‑Sprachassistenten und eine engere Integration innerhalb des Human Car Home‑Ökosystems. Nutzer können schlankere, datensparsamere Dienste erwarten, die weniger auf Cloud‑Rechenleistung angewiesen sind — das erhöht die Privatsphäre, reduziert Latenz und senkt Netzlast.
Konkrete Anwendungsfälle sind beispielsweise ein nahtloses Handover zwischen Smartphone, Fahrzeug und Smart‑Home‑Zentrale: das Telefon erkennt Autofahrt‑Kontext, synchronisiert Medien und Navigation mit dem Infotainment‑System, steuert Smart‑Home‑Szenarien beim Annähern und nutzt lokale KI‑Modelle zur Echtzeitanalyse von Sensordaten. Auch die Kameraleistung profitiert: On‑device‑KI ermöglicht Echtzeit‑Rauschunterdrückung, bessere Low‑Light‑Aufnahmen und intelligente Szenenerkennung ohne permanente Cloudübertragung. Insgesamt steigt die Produktdifferenzierung, wenn Hardware, Software und Dienste eng integriert sind.
People power: a growing R&D workforce
Die R&D‑Mannschaft von Xiaomi wächst deutlich: Im Q3 meldete das Unternehmen einen neuen Rekordwert von 24.871 F&E‑Mitarbeitern. Diese Personalaufstockung spiegelt strategische Prioritäten wider — von Forschung in maschinellem Lernen, Signalverarbeitung und Computer Vision bis hin zu Chip‑Design, Embedded‑Software, Systemintegration und Produkttests. Ein größeres, diversifiziertes Talentportfolio erlaubt es Xiaomi, komplette Wertschöpfungsketten intern zu steuern: Algorithmen, Firmware, Betriebssystemanpassungen, Hardwarearchitektur und Fertigungsqualitätskontrolle.
Die Entscheidung, Kompetenzen intern aufzubauen, zielt darauf ab, Innovationszyklen zu beschleunigen und proprietäre Technologie zu entwickeln, die als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb dient. Gleichzeitig erhöht sich die strategische Resilienz gegenüber Lieferketten‑ und Regulierungsrisiken. Dennoch bleiben Herausforderungen: Der Markt für KI‑Fachkräfte und Halbleiter‑Ingenieure ist global stark umkämpft, Forschungserfolge benötigen Zeit und die Umsetzung in massentaugliche Produkte verlangt erhebliche Koordination zwischen Design, Test und Fertigungspartnern. Beobachter der Branche werden daher genau verfolgen, wie schnell und effektiv Xiaomi seine Investitionen in konkrete Produkte und Alleinstellungsmerkmale überführt.
Aus Sicht der Unternehmensstrategie stellt die Verlagerung von einem volumenorientierten Smartphone‑Anbieter hin zu einem ingenieurszentrierten Technologieunternehmen eine Neuausrichtung dar, die langfristig höhere Margen durch proprietäre Technologien ermöglichen kann. Wettbewerbsanalyse zeigt zudem, dass ähnliche Tendenzen bei etablierten Playern zu beobachten sind: Unternehmen investieren in eigene KI‑Stacks und Chips, um Kontrolle über Kernfunktionen zu gewinnen und Plattform‑Services zu stärken. Für Xiaomi bedeutet das, dass erfolgreiche Integration von MiMo, Xring und einem wachsenden Entwickler‑Ökosystem die Grundlage für nachhaltiges Wachstum im Smartphone‑, Automotive‑ und Smart‑Home‑Markt legen kann.
Quelle: gizmochina
Kommentar hinterlassen