Samsung Wide Fold: Neues 4:3-Foldable für den Mainstream

Samsung plant ein „Wide Fold“ mit 4:3-Faltdisplay und etwa 1 Million Produktionsstückzahl. Der breitere Formfaktor zielt auf Multitasking, Medienbearbeitung und Mainstream-Akzeptanz im faltbaren Smartphone-Markt.

Sarah Hoffmann Sarah Hoffmann . Kommentare
Samsung Wide Fold: Neues 4:3-Foldable für den Mainstream

10 Minuten

Samsung bereitet still und leise einen neuen Vertreter seiner faltbaren Produktreihe vor: ein gemunkeltes „Wide Fold“ mit einem breiteren 4:3-Faltdisplay. Quellen aus der Lieferkette berichten, dass das Unternehmen plant, etwa 1 Million Einheiten zu fertigen, und das Gerät damit als ein mainstream-taugliches Galaxy-Modell statt als Nischen- oder Sonderedition positionieren möchte.

Warum ein breiteres Fold wichtig sein könnte

Das Wide Fold — ein vorläufiger Name — soll voraussichtlich zusammen mit dem Galaxy Z Fold8 und Z Flip8 später in diesem Jahr auf den Markt kommen. Anders als das höhere, buchähnliche Fold-Format verändert ein 4:3-Panel die Nutzungs­erfahrung: mehr nutzbare Fläche für Multitasking, ein quadratähnlicheres Seitenverhältnis für Medienwiedergabe und Fotobearbeitung sowie eine andere Herangehensweise an App-Layouts. Kurz gesagt: Es ist ein direkter Versuch, Nutzer anzusprechen, die einen tabletähnlichen Bildschirm wünschen, ohne ein separates Gerät mit sich zu führen.

Auch Apple wird nach Gerüchten ein ähnliches 4:3-Foldable mit einem eigenen iPhone Fold erkunden, sodass Samsungs Schritt teilweise defensiv wirkt: Sollte das breitere Fold populär werden, könnte es die Erwartungen daran verändern, wie künftige Foldables gestaltet und genutzt werden.

Insider, die mit dem Plan vertraut sind, sagen, Samsung behandele dieses Modell nicht als bloßes Experiment. Die Planung einer Produktion von rund einer Million Geräten signalisiert Vertrauen, dass das Wide Fold einen nennenswerten Beitrag zu den Galaxy-Foldable-Verkäufen leisten kann — und das Wachstum in einer Kategorie stützen könnte, die im Vorjahr etwa 6 Millionen Galaxy Z Fold7 verkauft hat.

Der Zeitplan scheint weiterhin für diesen Sommer vorgesehen zu sein, eingebettet in Samsungs übliches Startfenster für Flaggschiff-Foldables. Ob das Wide Fold das Millionen-Ziel erreicht, hängt von Preisgestaltung, Netzbetreiberunterstützung und davon ab, wie gut Entwickler ihre Apps an eine quadratischere, breitere Fläche anpassen. Aber vorerst scheint Samsung bereit, den faltbaren Markt zu verbreitern statt ihn eng zu halten.

Design und Display: Technische Hintergründe und Chancen

Ein 4:3-Panel in einem faltbaren Gerät bedeutet mehr als nur ein anderes Seitenverhältnis: Es erfordert eine Neudefinition der visuellen und ergonomischen Prioritäten. Typische Smartphone-Displays bewegen sich in schmaleren Seitenverhältnissen (z. B. 19,5:9 oder 20:9), die für Einhandbedienung und gestreckte Medienformate optimiert sind. Ein 4:3-Display ist näher an klassischen Tablet-Formaten wie 4:3 oder 3:2 und bietet einen größeren, symmetrischen Arbeitsbereich — ideal für produktives Arbeiten, Lesen, Bildbearbeitung und parallele App-Darstellung.

Vorteile für Multitasking und Produktivität

Auf einem breiteren Innenbildschirm lassen sich mehrere Anwendungen nebeneinander komfortabler anordnen. Zwei Apps im Split-Screen-Modus bekommen mehr horizontale und vertikale Fläche, und Dreifach- oder Floating-Fenster-Layouts wirken weniger gedrängt. Für Nutzer, die oft E-Mails schreiben, Tabellen prüfen oder Dokumente vergleichen, kann ein 4:3-Fold somit einen echten Produktivitätsgewinn darstellen.

Mediennutzung und kreative Arbeit

Auch bei Fotos und Videos spielt das Seitenverhältnis eine Rolle: Viele Kreativanwendungen und Fotos profitieren von einem quadratischeren oder weniger extremen Hochformat. Das größere Display erleichtert präzisere Bildbearbeitung, Retusche und Layout-Arbeiten. Für Content-Creator könnte das Wide Fold damit einen Kompromiss zwischen Smartphone- und Tablet-Erfahrung bieten.

Software-Anpassung und Entwickler-Ökosystem

Der Erfolg eines neuen Formfaktors hängt maßgeblich von der Software- und Entwicklerunterstützung ab. Samsung hat in den letzten Jahren stark in die Anpassung von One UI für Foldables investiert, bietet Window-Management, Multi-Instance-Funktionen und Entwicklertools. Für ein 4:3-Display sind zusätzliche Optimierungen nötig:

  • Bessere native Unterstützung von 4:3-Layouts in System-Apps und Widgets.
  • Richtlinien und APIs für Entwickler, um responsive Layouts, adaptive Spalten und kontextsensitive UI-Elemente zu implementieren.
  • Vereinfachte Test- und Emulationswerkzeuge, damit Apps auf der quadratischeren Fläche sinnvoll dargestellt werden.

Entwickler, die frühzeitig angepasste Oberflächen liefern, könnten Vorteile sehen – etwa höhere Nutzerzufriedenheit und bessere App-Bewertungen auf dem neuen Formfaktor. Samsung wird sehr wahrscheinlich Anreize, dokumentierte Best Practices und technische Ressourcen zur Verfügung stellen, um diese Anpassungen zu beschleunigen.

Produktionspläne, Supply-Chain-Implikationen und Marktstrategie

Die Planungen für etwa 1 Million Einheiten sind ein starkes Signal: Es zeigt, dass Samsung das Wide Fold nicht als begrenzte Sonderauflage, sondern als ernstzunehmendes Produkt im Portfolio betrachtet. Aus Sicht der Lieferkette hat diese Entscheidung mehrere Implikationen:

  • Komponentenbeschaffung: Displays im 4:3-Format, spezielle Scharniere und Gehäusekomponenten müssen in größeren Stückzahlen gesichert werden.
  • Fertigungskapazität und Qualitätssicherung: Foldables benötigen Präzision in Montage und Testprozessen; eine Produktionsauflage von einer Million erzeugt Druck auf Kapazitäten und Qualitätsprozesse.
  • Verteilung und Logistik: Samsung muss Absatzkanäle, Carrier-Partnerschaften und globale Launch-Pläne abstimmen, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.

Die Entscheidung, das Gerät als Mainstream-Modell zu platzieren, deutet auf eine Strategie hin, den faltbaren Markt skalieren zu wollen: niedrigere Stückkosten durch höhere Volumina, breitere Händlerunterstützung und eine stärkere Präsenz in verschiedenen Preispunkten.

Risiken in der Lieferkette

Die Umstellung auf ein neues Displayformat kann anfängliche Engpässe erzeugen, besonders wenn Zulieferer für spezielle flexible OLED-Panels und Scharniere nicht schnell genug skaliert werden. Zudem können geopolitische Faktoren, Rohstoffpreisschwankungen und Logistikprobleme die Produktionskosten beeinflussen.

Preisgestaltung, Netzbetreiber und Vertrieb

Ob das Wide Fold das geplante Produktionsziel erfüllt, hängt stark vom Preis und der Unterstützung durch Mobilfunkanbieter ab. Netzbetreiber spielen eine große Rolle beim Absatz von Premiumgeräten durch Subventionen, Vertragsangebote und Marketingkooperationen.

  • Preisstrategie: Samsung muss ein Gleichgewicht finden zwischen Premium-Positionierung und attraktiver Preisgestaltung, um ein breiteres Publikum zu erreichen ohne die Marge zu stark zu schmälern.
  • Carrier-Partnerschaften: Exklusive Deals, Finanzierungsoptionen und Bundles können den Absatz ankurbeln, insbesondere in Schlüsselmärkten wie Europa, USA und Südkorea.
  • Verfügbarkeit: Eine zeitnahe und breite Verfügbarkeit in mehreren Regionen erhöht die Chance, schnell Marktanteile zu gewinnen.

Vergleich mit Apples möglichem iPhone Fold

Die Berichterstattung über Apples mögliche Tests an einem 4:3-Fold deutet darauf hin, dass auch Wettbewerber das Potenzial eines breiteren Formfaktors sehen. Ein direkter Vergleich zwischen Samsungs Wide Fold und einem hypothetischen iPhone Fold würde mehrere Dimensionen umfassen:

  1. Ökosystem und Softwareintegration — Apple könnte durch enge Hardware-Software-Integration Vorteile bieten, während Samsung auf sein umfangreiches Android- und Galaxy-Ökosystem setzt.
  2. App-Anpassungen — iOS-Apps und App-Entwickler reagieren unterschiedlich auf neue Formfaktoren; beide Hersteller müssten Entwicklerwerkzeuge und Richtlinien bereitstellen.
  3. Marktzugang und Nutzerpräferenzen — Apples Nutzerbasis lässt sich anders adressieren als Samsungs breite Produktpalette über verschiedene Preispunkte und Modelle.

Samsungs Vorstoß könnte somit sowohl als Innovation als auch als strategische Reaktion gewertet werden: Wenn Apple einen ähnlichen Kurs verfolgt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass 4:3-Foldables zu einem etablierten Formfaktor werden.

Technische Aspekte: Hinge-Design, Display-Technologie und Akku

Ein neuer Formfaktor bringt technische Herausforderungen mit sich. Für das Wide Fold sind besonders relevant:

Hinge-Mechanik und Haltbarkeit

Das Scharnier muss bei einer breiteren Fläche gleichbleibende Stabilität und Langlebigkeit bieten, ohne das Gesamtgewicht unnötig zu steigern. Samsung hat in den letzten Generationen Fortschritte im Hinge-Design erzielt; beim Wide Fold wird erwartet, dass diese Mechanik weiter optimiert wird.

Display: Material und Flexibilität

Flexible OLED-Panels mit 4:3-Seitenverhältnis müssen sowohl eine hohe Bildqualität als auch klare Faltfestigkeit liefern. Besondere Herausforderungen sind Farbkonstanz über die Fläche, Helligkeit und Reflexionskontrolle, insbesondere bei größeren, weniger hohen Panels, die eher wie ein Tablet wirken.

Akkulaufzeit und thermisches Management

Ein größeres Display kann mehr Energie benötigen. Samsung muss Akkugröße, Energieeffizienz und thermisches Management ausbalancieren, um eine akzeptable Laufzeit zu gewährleisten. Adaptive Bildwiederholraten, energieeffiziente SoCs und optimierte Software können helfen, den Verbrauch zu reduzieren.

Marktreaktion, Zielgruppe und Anwendungsfälle

Wer könnte das Wide Fold bevorzugen? Mögliche Zielgruppen sind:

  • Berufstätige und Vielnutzer, die Multitasking und mobile Produktivität benötigen.
  • Content-Creator, Fotografen und Designer, die ein größeres Display für Bearbeitung und Vorschau schätzen.
  • Wechsler von Tablet zu Smartphone, die ein Gerät bevorzugen, das beides kombiniert.

Typische Anwendungsfälle umfassen E-Mail- und Dokumentenbearbeitung, Präsentationen unterwegs, Fotobearbeitung und der Konsum von Medieninhalten in einem formatgerechteren Seitenverhältnis.

Wirtschaftliche Bedeutung für den faltbaren Markt

Wenn Samsung das Wide Fold tatsächlich als Mainstream-Produkt aufsetzt, könnte das mehrere Effekte haben:

  • Skaleneffekte in der Produktion, die Stückkosten senken und Foldables für mehr Käufer zugänglich machen.
  • Mehr Wettbewerb in unterschiedlichen Formfaktoren, was Innovation und Preisvielfalt antreibt.
  • Ein klareres Ökosystem für Entwickler, die sich auf mehrere, aber standardisierte Formate einstellen können.

Insgesamt könnte ein erfolgreiches Wide Fold dazu beitragen, dass faltbare Geräte aus der Nische in den Massenmarkt übergehen.

Herausforderungen und offene Fragen

Trotz des Potenzials bleiben mehrere Unsicherheiten:

  • Preis: Wird Samsung ein aggressives Preismodell wählen, um Volumen zu erreichen, oder bleibt das Wide Fold premiumpreisig?
  • App-Adaption: Wie schnell werden Top-Apps und Drittanbieter ihre Interfaces anpassen?
  • Akzeptanz: Werden Verbraucher das breitere Format gegenüber traditionellen Foldables oder Tablets bevorzugen?

Die Antworten auf diese Fragen werden stark darüber entscheiden, ob das Wide Fold ein langfristiger Erfolg wird oder ein spezialisierteres Angebot bleibt.

Ausblick und Fazit

Samsungs Pläne für ein 4:3-Wide Fold zeigen die nächste Entwicklungsstufe im Bereich klappbarer Smartphones. Mit einer geplanten Produktion von etwa einer Million Einheiten signalisiert Samsung, dass das Unternehmen den Formfaktor ernsthaft skalieren möchte. Erfolg hängt jedoch von Preisgestaltung, Netzbetreiberunterstützung, Entwickleranpassungen und der generellen Marktakzeptanz ab.

Unabhängig vom Ausgang ist die Bewegung hin zu variableren Formfaktoren ein positives Zeichen für Innovation im Mobilmarkt: Nutzer erhalten mehr Wahlmöglichkeiten — vom klassischen Smartphone über Foldables bis hin zu Geräten, die Tablet-ähnliche Erfahrungen in einem kompakten, zusammenklappbaren Paket anbieten. Für Verbraucher könnte das bedeuten, dass faltbare Geräte in den kommenden Jahren ebenso viel Gestaltungsraum bieten wie die traditionellen Kategorien Mobiltelefon und Tablet.

Kurzfristig bleibt abzuwarten, ob Samsung das Wide Fold pünktlich zum Sommer-Launch veröffentlichen wird und ob das Gerät die Erwartungen erfüllt. Langfristig könnte ein erfolgreiches 4:3-Foldable jedoch die Wahrnehmung und Nutzung faltbarer Geräte deutlich verändern und den Markt für klappbare Displays breiter öffnen.

Quelle: gsmarena

"Nachhaltige Technologie ist die Zukunft. Ich schreibe über Green-Tech und wie Digitalisierung dem Planeten helfen kann."

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