iPhone Fold: Polyimid statt PET für kratzfeste Faltgeräte

Apple prüft offenbar Polyimid statt PET als Schutzfolie für ein mögliches iPhone Fold. Der Artikel erläutert Materialunterschiede, Produktionsfolgen, Lieferkettenaspekte und was Käufer 2026 erwarten könnten.

Tim Becker Tim Becker . Kommentare
iPhone Fold: Polyimid statt PET für kratzfeste Faltgeräte

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Stellen Sie sich ein iPhone vor, das sich falten lässt, ohne dass Sie sich ständig um Kratzer sorgen müssen. Klingt das nach Wunschdenken? Nicht unbedingt, vorausgesetzt Apple setzt bei seinem mutmaßlichen faltbaren Gerät auf eine andere Schutzschicht. Eine Kombination aus technischem Feinschliff und Materialwahl könnte das Nutzererlebnis deutlich verändern — von der Haptik bis zur Langzeitoptik des Displays.

Berichte aus Südkorea deuten darauf hin, dass Apple Polyimid als Deckschicht über ultradünnem Glas für sein erstes faltbares iPhone in Erwägung zieht. Das wäre ein bemerkenswerter Bruch mit der Polyethylenterephthalat‑(PET‑)Folie, die Samsung derzeit bei seinen Galaxy Z Fold‑ und Z Flip‑Modellen einsetzt. Kurz gesagt: Polyimid ist härter und bietet eine bessere Kratzresistenz, geht aber mit höheren Material‑ und Herstellkosten einher. Für Apple wäre das eine bewusste Materialentscheidung mit Konsequenzen für Preis, Produktion und Positionierung des Produkts.

Warum könnte Apple bereit sein, mehr zu bezahlen? Dafür sprechen mindestens zwei nachvollziehbare Gründe. Erstens Haltbarkeit: Polyimid zeichnet sich durch eine höhere Oberflächenhärte aus, was sich in weniger sichtbaren Mikrokratzern nach alltäglicher Nutzung niederschlägt. Härtere Deckschichten führen in der Regel zu geringerer Abnutzung durch Schlüssel, Münzen oder abrasive Partikel in der Hosentasche. Zweitens Differenzierung: Wenn Apple möchte, dass sich ein iPhone Fold anders anfühlt und verhält als die faltbaren Geräte von Samsung, dann ist die Wahl einer robusteren Folie ein deutliches Signal an Käufer. Solch ein Materialwechsel lässt Raum für ein anderes Displaygefühl, andere optische Eigenschaften und eine andere Vermarktung — also nicht nur technische, sondern auch strategische Überlegungen.

Die Materialgeschichte hinter faltbaren Bildschirmen ist komplexer als ein einfacher Vergleich von Härtegraden. Polyimid bietet Vorteile in Temperaturstabilität, Dimensionsbeständigkeit und langfristiger Alterungsbeständigkeit unter bestimmten Bedingungen; es kann jedoch anfälliger für optische Einfärbungen sein, wenn die Rezeptur oder Fertigungsprozesse nicht optimiert sind. PET‑Folien sind günstiger, gut verarbeitbar und in großen Stückzahlen etabliert; sie haben jedoch geringere mechanische Widerstandswerte gegenüber Kratzern und können bei längerem Gebrauch stärker an Glanz verlieren. Hinzu kommen Schichten wie haftvermittelnde Kleber, Anti‑Fouling‑Beschichtungen (oleophobe Schichten), Antireflex‑Beschichtungen und eventuelle nanoskalige Härter — alle diese Komponenten beeinflussen das Endergebnis in Bezug auf Klarheit, Touch‑Reaktion, Fingerabdruckresistenz und optische Verzerrung beim Falten.

Die Entscheidung für ein bestimmtes Deckmaterial ist nicht nur eine Frage der Rohstoffkosten, sondern auch eine der Fertigungsprozesse und der Ausbeute. Polyimid erfordert oft präzisere Beschichtungs‑ und Laminationsverfahren, eventuell andere Aushärtungszyklen und engere Toleranzen bei der Verbindung mit ultradünnem Glas und der darunterliegenden OLED‑Schicht. Fertigungspartner müssen überzeugt werden, Produktionslinien anzupassen, und das kann initial die Stückkosten erhöhen. Apple hat historisch gesehen oft in marginalere, aber qualitativ relevante Modifikationen investiert, um ein eigenes Benutzererlebnis zu schaffen — von Displaykalibrierung über Haptik bis zur Integration von Sensorik. Die Frage ist also, ob der erwartete Mehrwert für den Endkunden die Mehrkosten rechtfertigt.

Ein Blick in die Vergangenheit liefert Kontext: Samsung begann beim originalen Galaxy Fold 2019 mit Polyimid als Deckschicht und wechselte im folgenden Jahr zu PET. Dieser Wechsel war vermutlich pragmatisch motiviert — Kosten, Fertigungsvereinfachung und Skalierbarkeit spielten eine große Rolle. Die Umstellung öffnete zugleich Raum für weitere Materialinnovationen und zeigte, wie eng technische Entscheidungen mit wirtschaftlichen Zwängen verwoben sind. Apple könnte nun, mit dem Vorteil späteren Markteintritts und größerer Verhandlungsmacht über Zulieferer, einen anderen Weg wählen und retour zu einer härteren Folie gehen, um die optische und haptische Qualität seines Falt‑iPhones zu optimieren.

Materialwahl beeinflusst nicht zwangsläufig die Struktur der Lieferkette oder die wirtschaftlichen Gewinner in dieser Lieferkette. Branchenkreise nennen weiterhin Samsung Display als wahrscheinlichen Lieferanten der faltbaren OLED‑Panels für Apple. In einfachen Worten: Selbst wenn Apple Polyimid verwendet, könnte Samsung Display die Panels liefern und damit Umsätze aus dem Verkauf der Komponenten erzielen. Solche Beziehungen sind typisch für die Displayindustrie, in der spezialisierte Hersteller die OLED‑Substrate und Fertigungsprozesse liefern, während Gerätehersteller die finale Integration und Qualitätskontrolle übernehmen. Apple hat zwar häufig versucht, mehrere Zulieferer zur Diversifizierung einzubinden, doch beim komplexen Fertigungsprozess von faltbaren Displays sind etablierte Partner mit hoher Ausbeute ein entscheidender Faktor.

Für potenzielle Käufer stellen sich praktische Fragen: Was wäre anders, wenn Apple tatsächlich Polyimid statt PET einsetzt? Erwartbar ist zunächst ein «Premium‑Gefühl» — eine festere, weniger anfällige Oberfläche, die nach Monaten in der Tasche weniger Mikro‑Kratzer zeigt. Das kann das subjektive Nutzungserlebnis deutlich erhöhen, insbesondere bei Nutzern, die ihr Gerät intensiv im Alltag beanspruchen. Gleichzeitig ist mit einem höheren Verkaufspreis zu rechnen, da aufwendigere Materialien und Fertigungsprozesse in die Kalkulation eingehen. Serviceaspekte sind ebenfalls relevant: Reparaturen oder Displaywechsel könnten teurer werden, und der Markt für Ersatzfolien und Aftermarket‑Schutzlösungen müsste sich an die neue Materialbasis anpassen. Zubehörhersteller könnten spezielle Schutzfolien, Hüllen und Reinigungssets anbieten, die auf die Eigenschaften von Polyimid abgestimmt sind.

Abschließend bleibt der zeitliche Horizont: Gerüchte verorten das iPhone Fold irgendwann 2026, doch Apple hat bisher keine offizielle Bestätigung gegeben. Bis das Unternehmen spricht, bleibt die Debatte um Materialien ein gutes Beispiel dafür, dass faltbare Geräte weniger von Schlagzeilen über Pixelzahlen oder Prozessorgeschwindigkeiten leben als von komplexen technischen Kompromissen. Displaymaterialien, Scharniermechaniken, Härtungsprozesse und Produktionsausbeuten müssen in Einklang gebracht werden — und jede Materialwahl hat Folgen für Preis, Haltbarkeit, Reparaturfreundlichkeit und Marketing. Für Nutzer und Beobachter heißt das: Die Entscheidung für Polyimid könnte ein echtes Unterscheidungsmerkmal sein, das Apple ermöglicht, ein faltbares iPhone nicht nur als eine weitere faltbare Option, sondern als ein Gerät mit eigener technischer Identität zu positionieren.

Quelle: sammobile

"Gaming und E-Sports sind mehr als nur ein Hobby für mich. Ich berichte live von den größten Turnieren und Hardware-Releases."

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