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Frankreich bereitet sich darauf vor, etwas zu tun, das einst in einer modernen europäischen Regierung undenkbar schien: sich von Windows zu verabschieden und seine öffentliche Verwaltung stattdessen um europäische Technologie herum aufzubauen. Bei dem Schritt geht es nicht nur um die Wahl der Software. Es geht um Kontrolle, Unabhängigkeit und eine wachsende Besorgnis darüber, wie stark die digitale Infrastruktur des Kontinents weiterhin von amerikanischen Anbietern abhängt.
Was in Lyon als lokaler Wechsel begann, ist inzwischen zum nationalen Signal geworden. Die französische Stadt hatte bereits damit begonnen, Windows und Microsoft Office durch Linux und andere freie sowie Open-Source-Alternativen zu ersetzen. Nun folgt Paris einem ähnlichen Weg, jedoch in deutlich größerem Maßstab, wobei staatliche Stellen vereinbart haben, die Abhängigkeit von dem, was Beamte als „außereuropäische“ Technologien bezeichnen, zu verringern.
Eine leisere Abkehr von den großen Tech-Konzernen
Berichten zufolge haben sich Anfang dieser Woche mehrere französische Regierungsstellen getroffen und hinter einer breiteren Strategie versammelt, die Werkzeuge bevorzugt, die innerhalb der Europäischen Union entwickelt wurden. Das bedeutet, dass künftige Beschaffungsentscheidungen vermehrt lokale oder regionale Anbieter gegenüber Software und Hardware mit Verbindung zu den Vereinigten Staaten priorisieren werden.
Die Direction interministérielle du Numérique (DINUM) hat den ersten wichtigen Schritt bereits skizziert: die Behörden-PCs von Windows weg und auf Linux-basierte Betriebssysteme umzustellen. Eine einzelne Distribution wurde noch nicht benannt, doch die Richtung ist unverkennbar. Frankreich plant außerdem, seine Gesundheitsdatenplattform bis zum Jahresende auf das umzuziehen, was man als „vertrauenswürdige Lösung“ bezeichnet.
Die Umstellung endet nicht bei Desktop-Computern. Jedes Ministerium muss bis zum Herbst einen eigenen Migrationsplan vorlegen, und diese Pläne sollen Kollaborationstools, Antivirensoftware, Datenbanksysteme, KI-Dienste und Netzwerkausrüstung abdecken. Mit anderen Worten: Dies ist keine symbolische Geste. Es handelt sich um eine vollständige Bestandsaufnahme, wie tief ausländische Technologie im Staat verwurzelt ist.
Der Minister für öffentliche Aktion und Haushaltsfragen, David Amiel, brachte es deutlich auf den Punkt: Der Staat kann seine Abhängigkeit nicht länger nur anerkennen. Er muss sich davon lösen. Er sagte, Frankreich müsse seine Abhängigkeit von amerikanischen Werkzeugen reduzieren und die Kontrolle über seine digitale Zukunft zurückgewinnen und warnte davor, dass Daten, Infrastruktur und strategische Entscheidungen nicht in die Hände externer Unternehmen gegeben werden sollten, deren Regeln und Preise die Regierung nicht kontrollieren kann.
Digitale Souveränität ist aus Sicht Frankreichs kein politischer Slogan mehr. Sie ist eine praktische Notwendigkeit.
Dies ist Teil eines breiteren europäischen Musters. Dänemark kündigte im vergangenen Jahr an, sich von Windows und Microsoft Office zu lösen, während die deutsche Stadt München nach jahrelanger Linux-Nutzung bekanntlich in die entgegengesetzte Richtung ging. Der Kontrast sagt viel über den aktuellen Zustand der IT im öffentlichen Sektor in Europa: Es gibt kein einheitliches Rezept, sondern nur eine wachsende Dringlichkeit, Abhängigkeiten zu verringern und mehr Kontrolle im eigenen Land zu behalten.
Für Frankreich ist die Botschaft klar. Die Ära, Kernsoftware der Verwaltung als neutrale Bequemlichkeit zu behandeln, geht zu Ende. Was als Nächstes kommt, wird langsamer, unordentlicher und wahrscheinlich teuer sein. Doch für die Verantwortlichen in Paris ist das der Preis für digitale Unabhängigkeit.
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