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DJIs kompakte Kameraserie hat gerade ein ernsthaftes Upgrade erhalten, doch für amerikanische Creator kommt das neueste Modell mit einem frustrierenden Sternchen. Die Osmo Pocket 4 ist jetzt offiziell, und auf dem Papier wirkt sie wie die ehrgeizigste Taschenkamera, die DJI je gebaut hat. In den Vereinigten Staaten sieht die Sache jedoch ganz anders aus.
Das neue Modell hebt die Videoaufnahme auf 4K bei 240 fps an, ein großer Sprung gegenüber der Pocket 3. DJI behielt den vertrauten 1-Zoll-CMOS-Sensor und das f/2.0-Objektiv, doch der Rest der Spezifikationen wurde an den richtigen Stellen nachgeschärft. Der Dynamikumfang erreicht nun 14 Blendenstufen, und die 10-Bit-D-Log-Aufzeichnung gibt Creatorinnen und Creatorn mehr Spielraum beim Color Grading, ohne dass das Material auseinanderfällt.
Der Speicher ist mit 107 GB integriert, und die Übertragungsgeschwindigkeit soll bis zu 800 MB/s erreichen. Einen microSD-Kartensteckplatz gibt es diesmal nicht, was bedeutet: Was drin ist, ist drin. Der Vorteil? Die Kamera wurde von 179 auf 116 Gramm reduziert, wirkt dadurch spürbar leichter und bleibt dem taschentauglichen Design treu, das die Serie so beliebt gemacht hat.
Kleines Gehäuse, größere Ambitionen
DJI hat auch die Bedienelemente überarbeitet, sodass sich die Pocket 4 in der Hand schneller und intuitiver anfühlen sollte. Ein dedizierter Zoom-Wippschalter, eine programmierbare Shortcut-Taste und ein 5D-Joystick deuten alle auf ein Gerät hin, das sich mehr wie ein ernsthaftes Kreativwerkzeug verhalten will als wie ein einfacher Point-and-Shoot-Apparat.
Auch das Tracking wurde verbessert. ActiveTrack 7.0 ist an Bord für ein gleichmäßigeres Verfolgen von Motiven, und die Kamera bietet jetzt 4-Kanal-Audioaufnahme. Die Akkulaufzeit erhält ebenfalls einen praktischen Schub: Der 1.545-mAh-Akku soll in nur 18 Minuten 80 Prozent Ladung erreichen. So ein schnelles Aufladen ist wichtig, wenn man unterwegs filmt.
Das Problem ist nicht die Kamera. Es ist die Grenze.
Warum die Pocket 4 in den USA ausfällt
DJI bestätigte gegenüber The Verge, dass die Osmo Pocket 4 in den Vereinigten Staaten nicht auf den Markt kommen wird, weil ihre Zulassung noch aussteht. Das Problem geht auf Dezember 2025 zurück, als die FCC DJI gemäß dem National Defense Authorization Act auf ihre Covered List setzte. Als das geschah, waren alle DJI-Produkte, die die Prüfungsfrist am 22. Dezember verpasst hatten, faktisch vom offiziellen US-Verkauf ausgeschlossen.
Die Pocket 4 verpasste diese Frist. DJI reichte im Februar 2026 später Klage gegen die FCC ein, doch der Fall ist noch ungeklärt und lässt das Unternehmen in regulatorischer Schwebe. Deshalb gelangte die Osmo Action 6 in die US-Regale, während die Pocket 4 nicht dazu kam. Die eine bestand die Prüfung rechtzeitig. Die andere nicht.
Für Käufer außerhalb der USA beginnt der Verkauf am 22. April, wobei das Standard-Combo für 499 € angeboten wird. Das Creator-Combo kostet 619 € und enthält einen DJI Mic 3-Sender, eine magnetische Aufhellleuchte, ein Weitwinkelobjektiv und ein Mini-Stativ. Es ist ein solides Paket für Mobile-Creator, Vlogger und alle, die eine winzige Kamera wollen, die deutlich mehr leistet, als man ihr zutraut.
In den USA bleibt als realistischer Weg möglicherweise nur der Graumarktimport von europäischen Händlern, was die üblichen Kompromisse mit sich bringt: Garantieunsicherheit, Supportprobleme und einiges an Aufwand. Vorläufig bleibt das Pocket 3 Creator Combo die sicherste offizielle Option für amerikanische Käufer.
Es gibt auch Gerüchte über eine Pocket 4 Pro mit Doppelobjektiv, die angeblich im Mai oder Juni erscheinen soll. Diese Version scheint jedoch noch weniger wahrscheinlich in die USA zu kommen, da sie derzeit überhaupt keine FCC-Registrierung hat. Wenn das so bleibt, ist das Muster deutlich: DJI treibt die Hardware voran, während die amerikanische Verfügbarkeit weiterhin hinterherhinkt.
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