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Metas jüngste Entlassungsrunde sagt viel darüber aus, wohin Big Tech die Zukunft wähnt. Das Unternehmen plant, etwa 10 % seiner Belegschaft zu kürzen, um die Effizienz zu steigern und die gewaltigen Kosten seiner KI-Ambitionen zu decken, berichtete Bloomberg. Schätzungsweise 8.000 Mitarbeitende dürften betroffen sein, während rund 6.000 offene Stellen einfach unbesetzt bleiben.
Das Timing ist nicht zu übersehen. Am selben Tag kündigte Microsoft Abfindungsangebote für 7 % seiner Belegschaft an, das erste Programm dieser Art in der 51-jährigen Unternehmensgeschichte. Unterschiedliche Firmen, dieselbe Botschaft: Die KI-Ära geht nicht mehr nur um neue Werkzeuge und schnellere Software. Sie bedeutet auch weniger Menschen.
Effizienz oder eher ein Machthebel?
Den bei Meta entlassenen Mitarbeitenden soll laut The Wall Street Journal am 20. Mai mitgeteilt werden. In einem Memo räumte Meta-Personalchefin Janelle Gale die Schwere der Entscheidung ein und sagte, dass es bedeute, sich von Menschen zu trennen, die bedeutende Beiträge zum Unternehmen geleistet hätten. Meta hat die gemeldeten Personalzahlen nicht öffentlich bestritten, kommentierte jedoch nicht ins Detail.
Das Memo von Microsoft zeichnete ein ähnliches Bild, wenn auch in milderer Sprache. Das Unternehmen bietet ein einmaliges Rentenprogramm für Mitarbeitende an, deren Alter und Dienstjahre zusammen mindestens 70 ergeben. Details sollen am 7. Mai bekanntgegeben werden, berichtete CNBC. Namentlich ist es keine Entlassung, doch die Wirkung ist dieselbe: weniger Beschäftigte auf der Lohnliste.
Das ist in der Technologiebranche zu einem vertrauten Drehbuch geworden. KI wird als Multiplikator verkauft, eine Technologie, mit der Unternehmen mehr mit weniger erreichen können. Das ist ein Teil der Geschichte. Der andere Teil sind die Kosten. Der Aufbau der Rechenzentren, Chips, Cloud-Infrastruktur und Software-Stacks, die für generative KI nötig sind, ist schmerzhaft teuer, und Unternehmen suchen nach Wegen, diese Rechnungen auszugleichen. Die Lohnkosten sind wenig überraschend der einfachste Bereich, um Einsparungen vorzunehmen.
Amazon scheint derselben Strategie zu folgen. Reuters berichtet, dass das Unternehmen in seinen Ring- und Blink-Sicherheitsbereichen Jobbezeichnungen streicht. Viele Mitarbeitende werden bald einfach „Erbauer“ genannt, während Manager zu „Lead-Erbauern“ werden. Die offizielle Erklärung ist sauber und einfach: flachere Hierarchien, weniger Bürokratie, weniger Managementebenen. Doch eine andere Logik wirkt mit. Wenn Titel verschwinden, lassen sich Gehaltsspannen oft leichter komprimieren.
Dieser Druck beschränkt sich nicht länger auf Lagerhallen oder Fabrikbänder. Jahrzehntelang veränderte Automatisierung vor allem manuelle, körperliche Arbeit radikaler als Bürojobs. Doch die Angestellten im weißen Kragen würden nicht ewig unberührt bleiben. Das Internet hat ganze Berufsbilder ausgelöscht, etwa Reisebüros, und generative KI dringt jetzt in Aufgaben vor, die früher sicher menschlich wirkten: das Verfassen, Zusammenfassen, Programmieren, Planen, Analysieren und sogar das Managen routinemäßiger Projekte.
Das Argument der Arbeitgeber ist pragmatisch: Wenn ein Chatbot einen Teil der Arbeit erledigen kann, warum sollte das Gehalt gleich bleiben?
Diese Frage hallt inzwischen durch die US-Unternehmenslandschaft. Es ist eine Sache, KI zur Produktivitätssteigerung einzusetzen. Etwas anderes ist, KI als stillen Verhandlungsvorteil gegenüber Beschäftigten zu nutzen. In einem Arbeitsmarkt, der von Automatisierung geprägt ist, bedeuten weniger Menschen weniger Konkurrenz um Jobs, aber auch schwächere Lohnverhandlungspositionen. Für Führungskräfte ist das eine verlockende Gleichung.
Und das investierte Geld ist enorm. Meta, Amazon, Microsoft und ihre Konkurrenten geben Milliarden aus, um die KI-Infrastruktur aufzubauen, die ihrer Ansicht nach das nächste Jahrzehnt prägen wird. Investoren haben diese Wette belohnt. Der Nasdaq und der S&P 500 erreichten diese Woche Rekordhöhen, obwohl neue Schlagzeilen zu Entlassungen mit ermüdender Regelmäßigkeit auftauchen.
Die Kluft ist schwer zu übersehen. Das Lohnwachstum hat sich seit 2022 verlangsamt, während die Inflation Haushalte weiter belastet. Oben bleibt die Stimmung jedoch ruhig, ja beinahe feierlich. Die Eigentümer sind wohlauf. Der Markt ist wohlauf. Die Beschäftigten weniger.
Gerade diese Kluft erklärt, warum die Versprechen rund um KI so großartig klingen. Elon Musk behauptete kürzlich, KI und Robotik würden alle reich machen, sogar scherzend, Menschen könnten Penthousewohnungen haben, wenn sie wollten. Das ist eine verführerische Vorstellung, die fast utopisch klingt, wenn man sie schnell ausspricht.
Die Geschichte läuft normalerweise nicht so. Wenn Unternehmen produktiver werden, teilen sie den Gewinn nicht eilig mit den Menschen, die diese Produktivität ermöglicht haben. Sie senken Lohnkosten. Sie konsolidieren Macht. Sie behalten die Gewinne.
Für den Moment kommt die KI-Revolution nicht als allgemeiner Geldsegen. Sie kommt als Umstrukturierung der Macht, und von den Beschäftigten wird erwartet, Platz zu machen.
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