Samsung startet US-Kreditkarte: Konkurrenz für Apple

Samsung plant offenbar eine US-Kreditkarte mit Barclays und Visa, ergänzt durch Sparkonten und BNPL. Der Vorstoß zielt auf Konkurrenz zur Apple Card und eine stärkere Integration von Hardware, Software und Finanzdiensten.

Kommentare
Samsung startet US-Kreditkarte: Konkurrenz für Apple

8 Minuten

Berichten zufolge bereitet Samsung eine US-Kreditkarte sowie ein Bündel von Finanzdienstleistungen vor, um Apples wachsendes Zahlungsökosystem herauszufordern. Der Schritt, der in Partnerschaft mit Barclays geplant ist und das Visa-Netzwerk nutzen soll, signalisiert Samsungs Absicht, ein stärkerer Bestandteil des täglichen Zahlungsverkehrs zu werden — nicht nur ein Anbieter von Hardware.

Was das Wall Street Journal berichtet

Laut dem Wall Street Journal befinden sich Samsung und die britische Bank Barclays in "fortgeschrittenen Gesprächen", um eine Samsung-gebrandete Kreditkarte in den Vereinigten Staaten einzuführen. Die Karte soll über das Visa-Zahlungsnetzwerk laufen und ist deutlich als Konkurrenz zur Apple Card positioniert, die von Goldman Sachs unterstützt wird und im Mastercard-Netzwerk betrieben wird. Insider berichten, dass die Gespräche bereits länger andauern als erwartet, ein formeller Ankündigungstermin aber noch in diesem Jahr möglich sei.

Das Wall Street Journal gilt als eine der etablierten Quellen für Finanznachrichten, weshalb solche Berichte oft als glaubwürdig eingestuft werden. Allerdings sind Verhandlungen dieser Art komplex und beinhalten regulatorische, technische und kommerzielle Prüfungen, sodass der genaue Umfang der Vereinbarung bis zur offiziellen Bekanntgabe variieren kann.

Warum Samsung in Finanzdienstleistungen vorstößt

Auf den ersten Blick geht es darum, Samsungs Präsenz in den Wallets der Verbraucher auszuweiten — und darüber hinaus. Smartphones, Wearables und abonnementbasierte Dienste halten Nutzer bereits in Marken-Ökosystemen. Eine Kreditkarte eröffnet Samsung einen direkten Zugang zu alltäglichen Zahlungsgewohnheiten, wiederkehrenden Einnahmen und wertvollen Daten über Kaufverhalten, die zur Produktentwicklung, personalisierten Angeboten und Kundenbindung genutzt werden können.

Solch ein Schritt ist Teil einer langfristigen Strategie zur vertikalen Integration: Hardware, Software und Finanzdienste werden kombiniert, um Kunden mehrere Berührungspunkte zu geben. Ein erfolgreiches Finanzprodukt kann über Provisionen, Zinsen, Interchange-Gebühren und Zusatzdienstleistungen monetarisiert werden und so die Abhängigkeit von reinen Hardware-Margen verringern.

Für Barclays ist die mögliche Partnerschaft ein strategischer Vorstoß in den US-Markt. Die Bank hat seit Jahren Interesse gezeigt, ihre Präsenz in den Vereinigten Staaten auszubauen, und die Zusammenarbeit mit einem globalen Gerätehersteller bietet sofortige Reichweite sowie Zugang zu einer großen und aktiven Kundenbasis. Durch die Verbindung zu einem etablierten Technologieanbieter wie Samsung kann Barclays schneller skalieren als durch organisches Wachstum allein.

Darüber hinaus bietet eine solche Kooperation Vorteile bei der Risikoteilung: Banken bringen regulatorische Erfahrung, Kredit-Underwriting und Bilanzen ein, während Technologiepartner Zugang zu Plattformen, Nutzererfahrung und Marketingreichweite liefern. In Kombination lassen sich so Produkte gestalten, die sowohl finanztechnisch robust als auch nutzerfreundlich sind.

Mehr als nur eine Karte: ein mini Fintech-Stack

Quellen deuten darauf hin, dass Samsung sich nicht auf eine einzelne Kreditkarte beschränken will. Stattdessen plant das Unternehmen offenbar, ein Bündel von Finanzprodukten anzubieten, das mehrere Bedürfnisse abdeckt und so die Kundenbindung erhöht. Zu den genannten Optionen gehören:

  • Hochverzinsliche Sparkonten
  • Digitale Prepaid-Konten
  • Buy-now-pay-later (BNPL)-Angebote

Die Erwartung ist, dass Barclays mindestens einige dieser Dienstleistungen unterstützen wird, womit der Launch eher einem kleinen Bank-Ökosystem als einer einzelnen Plastikkarte gleicht. Ein integriertes Angebot könnte es Nutzern ermöglichen, größere Geräte direkt beim Checkout über Samsung zu finanzieren, mit nahtloser Integration in die Geräteverwaltung, Garantieverlängerungen und Zubehörangebote.

Technisch gesehen würde ein so gestalteter Fintech-Stack mehrere Komponenten umfassen: Schnittstellen zu Zahlungsnetzwerken (wie Visa), Backend-Systeme für Kreditprüfung und Risikomanagement, Know-Your-Customer- (KYC) und Anti-Geldwäsche- (AML) Verfahren, sowie nutzerzentrierte Frontends in der Samsung Wallet oder als integrierte Funktion in mobilen Geräten. Zusätzlich könnten APIs für Drittanbieter und Händler-Integrationen vorgesehen werden, um Akzeptanz im Handel zu fördern.

Produktseitig wäre eine Kombination aus Sparkonten, Prepaid-Optionen und BNPL strategisch sinnvoll: Sparkonten bieten eine Basis zur Kapitalbindung und Renditemöglichkeit für Kunden, während Prepaid-Konten flexible Zahlungsoptionen für Nutzer ohne klassische Bankbeziehung bereitstellen. BNPL ergänzt das Portfolio mit kurzfristiger Finanzierung, die vor allem bei höheren Warenkörben reizvoll ist. Gemeinsam schaffen diese Bausteine mehrere Monetarisierungsströme — z. B. durch Zinsmargen, Gebühren für vorzeitige Rückzahlung, Transaktionsgebühren und Partnerschaftsprovisionen mit Händlern.

Wichtig ist auch die Nutzererfahrung: Samsung könnte devicezentrierte Vorteile bieten, wie spezielle Cashback-Angebote beim Kauf von Samsung-Hardware, verlängerter Geräteschutz, automatisches Einlösen von Trade-in-Werten oder besondere Finanzierungskonditionen für Premiumgeräte. Solche Anreize verbinden Produktverkauf direkt mit Finanzdienstleistungen und können die Conversion bei Kaufentscheidungen erhöhen.

Wie sich das gegenüber der Apple Card positioniert

Die Apple Card profitiert von einer tiefen Integration in iOS und der Apple Wallet, sowie von der prominenten Unterstützung durch Goldman Sachs und der Nutzung des Mastercard-Netzwerks. Diese tiefe Systemintegration bietet Apple Vorteile bei der Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit (z. B. durch biometrische Authentifizierung) und der Verknüpfung mit weiteren Apple-Diensten.

Allerdings hat die Apple Card in der Vergangenheit regulatorische und operative Herausforderungen erlebt, und Berichte deuteten darauf hin, dass Goldman Sachs seine Konsumentenfinanzierungspolitik überdenkt. Sollte Goldman Sachs die Rolle bei solchen Verbraucherkarten reduzieren, könnte das Window of Opportunity für Wettbewerber wie Samsung größer werden.

Samsung kann auf mehrere Differenzierungsfaktoren setzen: die große Android-Verbreitung, Partnerschaften mit etablierten Banken wie Barclays, und ein breiteres Produktpaket, das Sparkonten, Prepaid-Optionen und BNPL kombiniert. Durch die Nutzung von Visa statt Mastercard entstehen zudem andere Konditionen bei Händlergebühren und Netzwerkintegration, die sich auf Akzeptanz und Margen auswirken können.

Ein weiteres mögliches Unterscheidungsmerkmal ist die Cross-Platform-Strategie: Während Apple primär iOS-Nutzer adressiert, könnte Samsung über Partnerschaften und Webservices auch Nutzer mit anderen Gerätemarken erreichen, sofern die Dienste plattformoffen gestaltet werden. Dennoch bleibt die Frage, ob Nutzer die Wechselkosten und das Ecosystem-Lock-in überwinden, um zu einem neuen Finanzanbieter zu wechseln — insbesondere, wenn bereits Karten mit attraktiven Rewards und tiefer Systemintegration vorhanden sind.

Samsungs frühere Fintech-Experimente

Dies ist nicht Samsungs erster Vorstoß ins Zahlungs- und Finanzgeschäft. Das Unternehmen hat in mehreren Märkten mit digitalen und physischen Karten experimentiert und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt:

  • Die Samsung Pay Card wurde 2020 in Südkorea auf dem Mastercard-Netzwerk eingeführt.
  • Eine digitale Samsung Pay Card wurde ebenfalls 2020 im Vereinigten Königreich eingeführt.
  • 2022 startete Samsung India eine Co-Brand-Kreditkarte in Kooperation mit Axis Bank.

Diese regionalen Produkte lieferten Samsung eine Blaupause: Partnerschaften mit etablierten Banken eingehen, auf vorhandene Kartennetzwerke zurückgreifen und gerätebezogene Vorteile als Differenzierungsmerkmal auflegen. Aus operativer Sicht lernt Samsung dabei, wie Integration mit Wallet-Apps, Sicherheitsprotokollen (Tokenisierung, EMV), sowie Marketingstrategien für unterschiedliche Kundenprofile umgesetzt werden können.

Ein weiterer Lernpunkt: regulatorische Anforderungen variieren stark zwischen Märkten. Während in einigen Ländern schnelle Produktinnovationen möglich sind, erfordern andere strengere Compliance-, Datenschutz- und Kapitalanforderungen. Diese Erfahrung hilft Samsung dabei, ein Modulsystem zu entwickeln, das regionale Anpassungen erlaubt, aber gleichzeitig eine globale Produktlogik aufrechterhält.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Wichtige Indikatoren für den weiteren Verlauf der Gespräche sind:

  • Ob Samsung und Barclays einen verbindlichen Zeitplan für die Einführung festlegen.
  • Ob Goldman Sachs weiterhin die Apple Card unterstützt oder seine Strategie ändert.
  • Wie die neuen Samsung-Angebote preislich gestaltet und belohnt werden — etwa durch Cashback, Zinsen oder besondere BNPL-Konditionen.

Die Preisgestaltung, Belohnungsstruktur und technische Integration werden maßgeblich bestimmen, wie viele Verbraucher das Angebot annehmen. Entscheidend sind dabei neben attraktiven Zinssätzen auch Faktoren wie die Akzeptanz bei Händlern, die Transparenz von Gebühren, sowie die Einfachheit von Antrag und Identitätsprüfung.

Für Samsung ist zudem die Frage relevant, wie tief die Integration mit bestehenden Diensten erfolgt: Wird die Kreditkarte direkt in die Samsung Wallet eingebettet? Können Nutzer Kreditlimits, Ratenzahlungen und Sparkonten zentral in der Geräteverwaltung einsehen? Solche UX-Details beeinflussen die Nutzerzufriedenheit und damit die langfristige Kundenbindung.

Auf regulatorischer Ebene ist zu beobachten, ob US-Behörden oder Verbraucherschutzorganisationen spezifische Bedenken äußern, etwa in Bezug auf Datenschutz, faire Kreditvergabe oder Gebührenstrukturen. Auch Wettbewerber wie Google, traditionelle Banken und spezialisierte Fintechs könnten mit eigenen Gegenangeboten reagieren, was den Markt dynamisch gestaltet.

Kurzfristig ist mit weiteren Berichten zu rechnen, während die Gespräche zwischen Samsung und Barclays andauern. Sollte eine formelle Ankündigung erfolgen, könnten US-Verbraucher bald ein neues Angebot sehen, das Hardware, Software und Finanzdienstleistungen verbindet — ein Muster, das den allgemeinen Technologietrend zur vertikalen Integration widerspiegelt.

Langfristig bleibt zu prüfen, ob ein solches Angebot ausreicht, um das Verhalten von Nutzern nachhaltig zu verändern. Für Samsung wäre ein erfolgreicher Markteintritt bei Finanzdienstleistungen nicht nur ein Wachstumsfeld, sondern auch ein strategischer Schritt, um intensivere Beziehungen zu Kunden aufzubauen und zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.

Abschließend ist wichtig zu betonen, dass Verhandlungen dieser Größenordnung oft stufenweise erfolgen: Pilotprogramme, begrenzte Markteinführungen und iteratives Produktdesign sind wahrscheinliche Zwischenschritte, bevor ein vollumfängliches Angebot landesweit ausgerollt wird. Beobachter sollten daher Änderungen in regulatorischer Freigabe, Partneraufstellung und Produktspezifikationen aufmerksam verfolgen.

Quelle: gsmarena

Kommentar hinterlassen

Kommentare