8 Minuten
HBO und DC Studios planen neue V for Vendetta TV-Adaption
HBO und DC Studios haben still und leise mit der Entwicklung einer Live-Action-Fernsehserie basierend auf der wegweisenden Graphic Novel V for Vendetta von Alan Moore und David Lloyd begonnen. Laut einem exklusiven Bericht von Variety wurde der Drehbuchautor Pete Jackson verpflichtet, die Scripts zu verfassen, während DC-Studios-Co-Chefs James Gunn und Peter Safran als Executive Producer fungieren sollen. Produzenten wie Ben Stevenson (Poison Pen) und Lian Klein (Wall to Wall Media) sind ebenfalls an Bord, und Warner Bros. Television unterstützt das Projekt.
Obwohl die Ankündigung von HBO und DC noch nicht offiziell bestätigt wurde, könnte es sich um eine der prominentesten Kooperationen zwischen DC und HBO seit The Penguin handeln. Diese Serie, ein Spin-off aus Matt Reeves’ The Batman mit Colin Farrell und Cristin Milioti, entwickelte sich zu einem großen Streaming-Erfolg für HBO und gewann mehrere Emmy-Auszeichnungen. Die geplante V for Vendetta-Adaption reiht sich in HBOs jüngeres Interesse an reifen, auteur-geprägten Comic-Adaptionen ein, zu denen auch Watchmen gehört, das Alan Moores visionäres Werk mit einem mutigen, politisch aufgeladenen Ansatz neu interpretierte.

Vom Comic zur Streaming-Ära
V for Vendetta hatte seinen ersten Auftritt 1982 in dem britischen Magazin Warrior, bevor DC Comics die Geschichte 1988 in Sammelbänden veröffentlichte. Die Handlung spielt in einem dystopischen, autoritären Großbritannien, das von der faschistischen Partei Norsefire regiert wird. Im Zentrum steht der maskierte Freiheitskämpfer V — erkennbar an seiner Guy-Fawkes-Maske — der die schüchterne, aber mutige Evey Hammond rekrutiert, um das Regime zu stürzen. Die Themen politischer Widerstand, persönliche Freiheit und die moralischen Kosten von Revolution machen den Comic zu einem provokanten und nachhaltigen Werk der Popkultur.
Seit seiner Veröffentlichung hat sich die Erzählung als außerordentlich wandlungsfähig erwiesen: James McTeigues Film von 2005, mit einem Drehbuch der Wachowskis und den Hauptdarstellern Hugo Weaving und Natalie Portman, führte V for Vendetta einem weltweiten Publikum wieder vor und spielte über 130 Millionen US-Dollar ein. Warner Bros. plant zudem eine begrenzte Kinowiederaufführung im November 2026 zur zwanzigsten Jubiläumsfeier des Films — ein Hinweis auf die andauernde Relevanz der Vorlage in Film und Streaming.
Was von der Serie zu erwarten ist — Ton, Umfang und Kontinuität
Sollte die Serie realisiert werden, ist davon auszugehen, dass HBO eine stärker serialisierte, charakterzentrierte Erforschung der politischen Themen der Graphic Novel anstrebt. HBOs jüngste Comic-Adaptionen neigen zu komplexen moralischen Schauplätzen und hohen Produktionswerten, was gut mit dem ursprünglichen Ton von Moore und Lloyd harmoniert. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass es sich um eine eigenständige Neuinterpretation handelt und nicht um ein eins-zu-eins-Remake der Graphic Novel oder des Films von 2005. Die Serienstaffel könnte Raum bieten, Nebenfiguren ausführlicher zu beleuchten, politische Kontexte zu vertiefen und die gesellschaftlichen Mechanismen einer dystopischen Welt episodisch zu untersuchen.
Ein wichtiger Aspekt bei jeder Adaption dieses Materials ist die Balance zwischen Treue zur Vorlage und der notwendigen kreativen Freiheit, um die Erzählung für ein zeitgenössisches Publikum relevant zu machen. Dies umfasst Entscheidungen zu Erzähltempo, Altersfreigabe, visueller Ästhetik und der Frage, welche Elemente der politischen Allegorie stärker betont werden sollen — etwa die staatliche Überwachung, Propaganda, die Rolle der Medien oder die Bedingungen für zivilen Ungehorsam. Eine serielle Umsetzung bietet mehr Platz als ein Spielfilm, erlaubt komplexere Handlungsbögen und die Entwicklung moralisch ambivalenter Figuren — Aspekte, die für ein Prestigeprojekt im HBO-Stil typisch sind und die Kernmotive der Graphic Novel herausarbeiten können.
Pete Jacksons bisherige Fernseharbeit — darunter das BAFTA-nominierte Somewhere Boy und die Sky-Atlantic-Adaption The Death of Bunny Munro — deutet auf einen Autor hin, der mit intimem, figurenzentriertem Drama vertraut ist. Die Beteiligung von James Gunn und Peter Safran könnte die Serie in eine breitere DC-Strategie für HBO einbinden, parallel zu anderen Projekten wie Lanterns, das sich um die Green Lanterns Hal Jordan und John Stewart dreht und für Anfang 2026 anvisiert ist. Dennoch bleibt offen, wie eng solche Projekte miteinander verknüpft werden; mögliche Crossovers oder geteilte Kontinuitäten müssen mit Blick auf kreativen Anspruch und Marke sorgfältig abgewogen werden.

Branchentrends und Reaktionen der Fangemeinde
Die Entwicklung dieser Serie ist Teil eines größeren Branchentrends: Prestige-Streaming-Plattformen durchsuchen zunehmend klassische Comicvorlagen nach Stoff für reife, auteur-geprägte Serien. HBOs Watchmen hat gezeigt, dass es ein Publikum für Adaptionen gibt, die Ursprungsmaterial in einen neuen politischen Kontext stellen und dabei eigenständige erzählerische Wege gehen. Solche Projekte sprechen Zuschauer an, die komplexe Handlungsstränge, moralische Vieldeutigkeit und hohe Produktionsstandards erwarten, und sie eröffnen ein Gespräch zwischen Popkultur und Zeitgeschehen.
Die Reaktionen der Fangemeinde werden wahrscheinlich gemischt, aber leidenschaftlich sein. V for Vendetta hat eine treue Anhängerschaft, die Alan Moores ursprüngliche Intentionen und die ikonografische Bildsprache sehr schätzt; zugleich gibt es ein breiteres Publikum, das eine vertiefte, episodische Behandlung der Figuren und Themen begrüßt. Ein weiterer Konfliktpunkt ist Alan Moores bekannte Zurückhaltung gegenüber Medienadaptionen seiner Werke: Moore hat sich wiederholt öffentlich von Verfilmungen distanziert, was die Debatten um künstlerische Kontrolle und Autorschaft bei Adaptionen zusätzlich befeuert. Produzenten und Kreativteams stehen daher vor der Herausforderung, sowohl dem Respekt vor der Quelle gerecht zu werden als auch autonome künstlerische Entscheidungen zu treffen.
Kurioses und Hintergrund: Channel 4 hat früher einmal ein eigenes TV-Projekt zu V for Vendetta erwogen, das jedoch ins Stocken geriet. Pennyworth, ein anderes TV-Prequel im Batman-Umfeld, das von einigen als lose Verbindung zu V vermutet wurde, wurde nach drei Staffeln eingestellt und entwickelte sich nicht zu einer direkten Vorgeschichte. Solche gescheiterten Versuche unterstreichen, wie komplex und riskant die Umsetzung ikonischer Comic-Stoffe im Fernsehen sein kann.
Der Filmhistoriker Marko Jensen fasst die Möglichkeiten pointiert zusammen: "V for Vendetta bietet fruchtbaren Boden für serialisiertes Fernsehen — die Mischung aus politischem Thriller, persönlichem Drama und symbolisch aufgeladenen Bildern lädt zu einer langen, reflektierten Adaption ein. Wenn HBO und DC sich auf die moralische Komplexität des Buchs einlassen und nicht nur ein actionorientiertes Remake produzieren, könnte die Serie zu den besten Comic-Adaptionen der letzten Jahre zählen." Diese Einschätzung verdeutlicht, dass der Erfolg stark von der Haltung des kreativen Teams gegenüber den zentralen ethischen Fragen und der politischen Dimension des Stoffes abhängen wird.
Casting, Produktionszeiträume und ein genauer Sendetermin sind bisher nicht bekannt gegeben worden. Wie bei vielen großangelegten Adaptionen werden die Entscheidungen des Kreativteams — Ton, Grad der Treue zur Vorlage, Besetzung und das Produktionsdesign — darüber entscheiden, ob diese Version von V for Vendetta ein kulturelles Ereignis wird oder als wohlmeinende, aber erfolglose Adaption in Erinnerung bleibt. Produktionsphasen wie Drehbuchentwicklung, Besetzungsphase, Vorproduktion und Dreharbeiten können sich über Monate bis Jahre erstrecken, je nach Produktionsaufwand, Drehorten und Terminkalendern der beteiligten Produzenten und Schauspieler.
Bislang gibt es jedoch Anlass zur Zurückhaltung und zugleich zur Hoffnung: Das Projekt befindet sich in der Entwicklung, erfahrene Kreative sind beteiligt, und HBOs bisherige Bilanz mit hochwertigen Comic-Adaptionen spricht dafür, dass die Serie eher als Prestige-Drama denn als konventionelle Superheldenproduktion positioniert werden dürfte. Wichtig werden transparente Kommunikationsschritte der Rechteinhaber, ein sensibler Umgang mit der Vorlage und klare kreative Linien sein, um die Erwartungen der Fangemeinde und eines anspruchsvollen Fernsehpublikums in Einklang zu bringen.
Abschließende Anmerkung: Beobachten Sie offizielle Updates; mit Warner Bros. Television, DC Studios und HBO als Partnern könnte diese Adaption die Art und Weise prägen, wie moderne Zuschauer eine der provokativsten Graphic Novels der Comicgeschichte wiederentdecken. Für Fans von Dystopie, politischem Thriller und literarisch anspruchsvoller Comic-Adaption bleibt V for Vendetta ein vielversprechendes, aber sensibles Projekt, dessen Weiterentwicklung sorgfältig verfolgt werden sollte.
Quelle: smarti
Kommentar hinterlassen