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Google scheint an einer NameDrop-ähnlichen Funktion für Android zu arbeiten, die derzeit unter dem Namen Gesture Exchange auftritt — ein Kontaktfreigabe-Tool, das in einem aktuellen Google Play Services-Build entdeckt wurde. Frühe Codezeilen und Screenshots deuten auf einen einfachen, durch NFC initiierten Ablauf hin, mit dem Kontaktinformationen zwischen zwei Smartphones ausgetauscht werden können.
Wie Gesture Exchange aussieht
In den im Play Services-Paket gefundenen Screenshots ist eine aufgeräumte Benutzeroberfläche zu sehen, in der Nutzer auswählen können, welche Angaben geteilt werden sollen: Foto, Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder eine Option "Nur empfangen" ("Receive only"), die nichts zurücksendet. Auf der Empfängerseite erscheinen die Kontaktdaten mit einer Ein-Tipp-Speicheraktion sowie Schnellbuttons, um einen Videoanruf zu starten oder eine Nachricht zu senden.
Die Darstellung wirkt bewusst reduziert und selbsterklärend, damit der Austausch in Alltagssituationen schnell und intuitiv funktioniert. Solche klaren UI-Elemente sind wichtig, um die Akzeptanz bei Anwendern zu erhöhen und typische Hürden beim Teilen von Kontakten zu senken. Gleichzeitig deuten die Screenshots darauf hin, dass Google Wert auf konsistente Interaktionsmuster legt, die sich an bestehenden Android-Designprinzipien orientieren.
Wie es wahrscheinlich funktioniert — NFC plus schneller Handshake
Im Code wird NFC explizit erwähnt, was nahelegt, dass NFC als initialer Handshake dient, um zwei Geräte zu koppeln. Nach diesem kurzen Tap-to-Connect könnten die Smartphones auf Bluetooth, Wi‑Fi Direct oder eine lokale Peer-to-Peer-Verbindung umschalten, um die eigentlichen Kontaktdaten zu übertragen — wobei die aktuell vorliegenden Hinweise sich primär auf Kontaktfreigaben und nicht auf große Dateiübertragungen beziehen.
Technisch betrachtet ist ein NFC-basierter Startpunkt sinnvoll: NFC ermöglicht eine schnelle, berührungsbasierte Authentifizierung und reduziert das Risiko von Verbindungsfehlern, da die Geräte physisch nahe beieinander gehalten werden müssen. Anschließend bietet Bluetooth Low Energy (BLE) oder Wi‑Fi Direct den nötigen Durchsatz und die Reichweite, um Metadaten oder mehrere Felder des Kontaktprofils zügig zu synchronisieren. Eine mögliche Ablaufkette wäre: NFC-Tap → Austausch eines kurzen Verbindungstokens → Aufbau eines verschlüsselten BLE- oder Wi‑Fi-Links → sichere Übertragung der ausgewählten Kontaktfelder.
Aus Sicht der Sicherheit ist ein kurzlebiges, über NFC initiiertes Token-Verfahren vorteilhaft, weil es eine robuste Methode zur Verknüpfung zweier Geräte ohne dauerhafte Paarung bietet. In der Praxis könnte Gesture Exchange zusätzliche Schritte wie Benutzerbestätigung auf beiden Geräten, automatische Erkennung vertrauenswürdiger Kontakte oder ein sichtbares Einblendfeld mit Freigabeübersicht integrieren, um Social-Engineering-Risiken zu verringern.
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Warum das für Android-Nutzer wichtig ist
- Vertrautheit: Es spiegelt Apples NameDrop-Konzept wider und macht das Teilen von Kontakten plattformübergreifend intuitiver.
- Tempo: Ein-Tipp-Speichern und direkte Aktionsschaltflächen (Anruf oder Nachricht) beschleunigen reale Interaktionen.
- Datenschutzkontrollen: Optionen wie "Nur empfangen" legen nahe, dass Google über Nutzerzustimmung und selektives Teilen nachdenkt.
Die Einführung einer solchen Funktion könnte mehrere praktische Vorteile bringen: Geschäftsleute, die schnell Kontaktdaten austauschen müssen, Veranstaltungsbesucher, die Visitenkarten ersetzen wollen, und Familienmitglieder, die unkompliziert Telefonnummern weitergeben möchten. Außerdem fördert eine standardisierte Methode zur Kontaktübertragung den Komfort gegenüber der manuellen Eingabe von Telefonnummern oder dem Versenden von Visitenkarten per Messenger.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Interoperabilität zwischen Plattformen. Wenn Gesture Exchange ähnlich wie NameDrop funktioniert, erleichtert das den Kontakttransfer zwischen Android- und iOS-Geräten — ein bedeutender Vorteil in heterogenen Umgebungen. Für Organisationen und Entwickler bedeutet das außerdem eine Chance: Bei einer API-Öffnung könnten Drittanbieter-Apps das Feature nutzen, um Kontaktexporte in CRM-Systeme, Konferenz-Apps oder Event-Tools zu integrieren.
Was als Nächstes kommt — Funktionen und ein Name
Derzeit bezeichnet der Code die Funktion als Gesture Exchange und Contact Exchange, aber Google könnte vor der offiziellen Einführung einen eingängigeren Produktnamen wählen. Die aktuelle Build-Version konzentriert sich auf Kontakte, doch technisch steht einer späteren Erweiterung hin zu Dateifreigaben oder Medienübertragungen nichts im Wege. Die Entwicklung ist aktiv, aber ein öffentlicher Rollout könnte noch Wochen oder Monate dauern.
Bei der Erweiterung der Funktion könnten mehrere Richtungen denkbar sein: Integration mit Google Kontakte und Google Workspace, Unterstützung für digitale Visitenkarten (vCard), Auswahl granularer Freigabeberechtigungen (z. B. nur Telefonnummer, nur E-Mail) sowie Audit-Logs für Unternehmenskonten. Auch die Performance-Optimierung für unterschiedliche Android-Geräteklassen — von Mittelklasse-Smartphones bis zu High-End-Modellen — spielt eine Rolle, um zuverlässige Verbindungen und niedrige Latenz zu gewährleisten.
Aus Anwendersicht wäre eine schlanke, leicht verständliche Oberfläche wichtig: eine Übersicht, welche Daten geteilt werden, klare Hinweise zur Sicherheitsdauer der Verbindung und eine einfache Möglichkeit, geteilte Kontakte zu überprüfen oder zu löschen. Für Entwickler könnte Google auf bestehende Play-Services-APIs aufbauen und zugleich neue Schnittstellen bereitstellen, um die Funktion in Drittanbieter-Apps einzubetten.
Gesture Exchange hat das Potenzial, das Teilen von Kontaktdaten so einfach zu machen wie ein Tap — und falls Google Dateifreigabe ergänzt, könnte die Funktion zu einer ernsthaften Alternative zu Apples NameDrop werden. Entscheidend wird sein, wie Google Aspekte wie Kompatibilität, Datenschutz (GDPR-Hinweise, lokale Einwilligungen) und Sicherheit (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, kurzlebige Tokens) handhabt.
Insgesamt zeigt der Fund in der Play Services-Buildphase, dass Google an pragmatischen Lösungen arbeitet, die NFC, Bluetooth und lokale Peer-to-Peer-Technologien kombinieren, um einen schnellen, sicheren und benutzerfreundlichen Kontaktaustausch auf Android zu ermöglichen. Android-Nutzer, Entwickler und IT-Administratoren sollten dieses Feature im Auge behalten, da es bestehende Workflows vereinfachen und neue Integrationsmöglichkeiten eröffnen könnte.
Quelle: gsmarena


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