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Xiaomi gestaltet sein Filialnetz grundlegend neu und vollzieht damit einen klaren Strategiewechsel: weg von einer schnellen Expansion, hin zu einem schlankeren und profitableren Vertriebsmodell. Das Unternehmen plant, mehr als 1.000 leistungsschwache Xiaomi Home-Filialen in China im Jahr 2026 zu prüfen und gegebenenfalls zu schließen. Ressourcen sollen systematisch in wachstumsstarke Bereiche wie Elektrofahrzeuge (E‑Mobility) und höhermargige Produkte verlagert werden, um langfristig rentablere Umsatzquellen zu schaffen. Diese Neuausrichtung ist Teil einer umfassenderen Retail-Strategie, die operative Effizienz, Margenverbesserung und skalierbare Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt stellt.
Warum die Änderung wichtig ist
In einer internen Mitteilung an Vertriebspartner erklärte Wang Xiaoyan, Senior Vice President der Xiaomi Group und Präsidentin von Xiaomi China, dass alle Stores, die vor dem 1. Januar 2025 eröffnet wurden, einer Bewertung unterzogen werden. Filialen, die Xiaomis dualen Kriterien für niedrige Effizienz und wiederkehrende Verluste entsprechen, sollen geschlossen werden. Um den Anpassungsprozess abzufedern und Partner zu entlasten, übernimmt Xiaomi einen einmaligen Anpassungskostenzuschuss in Höhe von 27,26 Millionen Yuan (etwa 3,8 Millionen US-Dollar). Diese Maßnahme ist als ein kalkulierter Investitionsschritt zu verstehen: kurzfristige Kosten, um langfristig die Struktur zu bereinigen und nachhaltige Profitabilität zu ermöglichen.
Das übergeordnete Ziel ist, die Verluste der Vertriebspartner zu begrenzen und das gesamte Retail-Ökosystem zu stabilisieren. Xiaomi schätzt, dass durch die Schließungen jährliche Partnerverluste um bis zu 72,46 Millionen Yuan (rund 10 Millionen US-Dollar) reduziert werden könnten. Dies zeigt einen klaren Trade-off: das Unternehmen nimmt kurzfristige Belastungen in Kauf, um chronische Unterperformance zu eliminieren und die langfristigen Ergebnisse zu verbessern. Für den Einzelhandel und die lokale Marktstruktur in China bedeutet das eine Umverteilung von Investitionen in profitablere Sparten wie Smartphones mit höherer Marge, Smart-Home-Geräte und besonders in den strategisch priorisierten Bereich der Elektrofahrzeuge.

Was Händler wissen müssen
Händler, die sich entscheiden, Filialen, die für eine Schließung vorgesehen sind, weiter zu betreiben, müssen sich auf verschärfte Rahmenbedingungen einstellen. Ab dem 1. Januar 2026 wird Xiaomi keine Store-Manager mehr für diese Standorte zuweisen und ferner keine Personalkosten mehr tragen. Das verlagert das volle betriebliche Risiko inklusive aller Personal- und Lohnkosten auf die Partner, die ihre Läden offenkundig weiterführen möchten. Für viele Händler ergibt sich dadurch eine klare, wenn auch harte Entscheidung: die Unterstützung von Xiaomi annehmen und schließen, oder erhöhte Risiken und laufende Kosten in Kauf nehmen, um weiterzugehen. In diesem Kontext sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Break-even-Dauer, Deckungsbeitrag und Cashflow-Prognosen für jeden Standort entscheidend.
Parallel zu den Filialschließungen strafft Xiaomi das Retail-Modell für seine Elektrofahrzeuge. Konkret reduziert das Unternehmen eine bisherige Personalstruktur, die intern als 1+2+11 beschrieben wurde, auf eine schlankere 1+1+5-Konfiguration. Ziel ist es, den Personalaufwand deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz pro Quadratmeter Verkaufsfläche zu steigern. Diese Maßnahme spiegelt eine taktische Ausrichtung wider: Priorisierung skalierbarer, höhermargiger Produktlinien wie EVs und ausgewählte Smart-Home-Geräte, kombiniert mit standardisierten Verkaufsprozessen und stärkerer Digitalisierung der Customer Journey. Händler sollten erwarten, dass Xiaomi zugleich höhere Anforderungen an Flächenproduktivität, Kundenbindungsmaßnahmen und Cross-Selling-Performance stellt.
Für Konsumenten und Marktbeobachter ist diese Entwicklung mehr als eine bloße Reduktion der Anzahl von Läden. Sie signalisiert Xiaomis breitere Strategie, Retail-Investitionen gezielt mit Wachstumspotenzialen in Einklang zu bringen, und zwar so, dass das Filialnetz insgesamt nachhaltiger und profitorientierter wird. Kunden könnten künftig verstärkt Erfahrungen in Stores vorfinden, die auf Erfahrungskauf und Beratungsqualität setzen — insbesondere in Bezug auf Elektrofahrzeuge, Smart-Home-Ökosysteme und vernetzte Services. Gleichzeitig wächst die Bedeutung digitaler Kanäle und Omnichannel-Strategien: Stores werden mehr zu Showrooms, während Verkauf und Service stärker digital unterstützt werden.
Auf der Produktebene investiert Xiaomi weiterhin signifikant in Künstliche Intelligenz (KI) und Software-Services als Ergänzung zum Hardwaregeschäft. Berichten zufolge arbeitet das Unternehmen an einem neuen KI-Assistenten namens "Mi Chat", was auf parallele Wetten auf Software-Services schließen lässt, die wiederkehrende Umsätze und höhere Margen erzeugen können. Solche Services sind wichtig, um das Ökosystem zu stärken: Künstliche Intelligenz, personalisierte Empfehlungen und datengetriebene Wartungs- bzw. Upsell-Angebote können die Customer Lifetime Value deutlich erhöhen. Aus Händlersicht bedeutet das: neben Flächen- und Personalkosten werden künftig auch Investitionen in digitale Infrastruktur, CRM-Systeme und Schulungen für verkaufsorientierte KI-Anwendungen relevant.
Wird diese Strategie einen Dominoeffekt bei anderen Konsumgütermarken auslösen? Wahrscheinlich ja. In einem Markt mit engen Margen und intensivem Kanalwettbewerb dürften mehr Hersteller ähnliche Wege gehen: konsequentes Schließen von leistungsschwachen Standorten, stärkere Konzentration auf renditestarke Segmente und ein gleichzeitiger Ausbau von Erlebnis- und Serviceangeboten. Die Trendlinien zeigen, dass Retail-Anbieter künftig stärker nach einem Mix aus physischen Showrooms, digitalen Touchpoints und Serviceabonnements streben, um Skaleneffekte zu nutzen und stabile Ertragsquellen aufzubauen. Für Wettbewerber im Bereich Consumer Electronics, E‑Mobility und Smart Home bedeutet das: Reaktionsfähigkeit, Investitionen in Margenoptimierung und eine klare Kanalstrategie bleiben entscheidende Erfolgsfaktoren.
Quelle: gizmochina
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