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TCL CSOT nutzte seine Global Display Tech‑Ecosystem Conference 2025 in Suzhou, um eine verstärkte Ausrichtung auf gedruckte OLED‑Fertigung sowie eine Reihe rekordverdächtiger Displays in den Kategorien OLED, Micro LED und MLED in den Fokus zu rücken. Das Unternehmen präsentierte Prototypen und geplante Massenproduktionslinien, die die Fertigung von Displays und ihre Einsatzbereiche neu definieren sollen – von XR‑Headsets über faltbare Smartphones bis hin zu großflächigen öffentlichen Installationen.
Gedruckte OLEDs: Präziser Inkjet‑Druck im Mittelpunkt
Im Zentrum der Ankündigungen stand das weltweit erste 5,65‑Zoll Real‑Stripe RGB OLED‑Telefonpanel, das mit gedruckter OLED‑Technologie hergestellt wurde. Das Display weist 390 PPI auf, erreicht dank seiner Real‑Stripe‑Pixelanordnung jedoch eine wahrgenommene Schärfe, die mit circa 490 PPI vergleichbar ist. TCL präsentierte dies als Beleg dafür, dass hochpräziser Inkjet‑Druck (IJP) sowohl hohe Pixeldichte als auch Fertigungseffizienz für Bildschirme der nächsten Generation liefern kann.
Technologische Besonderheiten und Vorteile
Der Einsatz von Inkjet‑Druckverfahren zur Aufbringung organischer Emissionsschichten ermöglicht eine pixelgenaue Materialabgabe ohne die Komplexität traditioneller Masken‑ und Vakuumprozesse. Vorteile sind unter anderem:
- Reduzierung von Materialverlusten durch gezielten Tropfensatz und weniger Ausschuss,
- Skalierbarkeit für unterschiedliche Panelgrößen von kleinen Smartphone‑Displays bis zu größeren Formaten,
- potenzielle Kosten‑ und Energieeinsparungen durch Wegfall mehrerer Vakuumschritte und verkürzte Prozessketten.
Aus technischer Sicht erlaubt IJP zudem neue Pixelarchitekturen wie Real‑Stripe‑Layouts, die die effektive Auflösung für das menschliche Auge optimieren, ohne die Rohpixelzahl unverhältnismäßig zu erhöhen. Dies ist besonders relevant für XR‑ und AR‑Anwendungen, bei denen die gefühlte Schärfe oft wichtiger ist als die nominelle PPI‑Zahl.
Produktionsfortschritt und Energieeffizienz

Über Prototypen hinaus betonte TCL Fortschritte in der Fertigung: Die t12 G5.5‑Linie für gedruckte OLEDs soll Berichten zufolge 300–400 Millionen Kilowattstunden pro Jahr einsparen, indem sie Vakuumverarbeitungsschritte reduziert. Solche Einsparungen sind nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern auch aus Sicht der Nachhaltigkeit und CO2‑Bilanz von großer Bedeutung, da die Displayproduktion energiereich ist.
Zusätzlich entwickelt das Unternehmen die t8 G8.6‑Linie, die TCL als weltweit erste Massenproduktionsanlage für gedruckte OLEDs in dieser Größenordnung bezeichnet. Solche Anlagen könnten die Markteinführung gedruckter OLEDs für größere Volumina und verschiedene Endgeräte beschleunigen, was die Lieferkette und OEM‑Strategien beeinflussen würde.
Wirtschaftlich betrachtet könnte die Verbreitung gedruckter OLED‑Fertigung die Kosten pro Panel senken und neue Playern den Markteintritt erleichtern. Gleichzeitig entstehen Anforderungen an Materialwissenschaften (Drucktinten, Lösungsmittel, Additive) und an Inline‑Messtechnik für Gewährleistung von Qualitätskontrolle und Langzeitstabilität.
Kleine Pixel, große Werte: Durchbrüche für XR und Wearables
Für XR‑ und Wearable‑Anwendungen stellte TCL kompakte Displays vor, die extreme Pixeldichten erreichen. Ein 2,56‑Zoll Real RGB OLED erreichte beeindruckende 1512 PPI – ein Wert, der anspruchsvolle Extended‑Reality‑Use‑Cases unterstützt, bei denen Fliegengittereffekte (Screen‑Door‑Effect) vermieden werden müssen. Ebenfalls bemerkenswert ist ein 0,28‑Zoll Full‑Color Micro‑LED‑Panel mit einer Auflösung von 1280×720, das rund 5131 PPI liefert und für AR‑Brillen sowie andere ultrakleine Wearables gedacht ist.
Warum hohe PPI für AR/VR wichtig sind
Bei AR‑Brillen und VR‑Headsets ist die Pixeldichte ein kritischer Faktor für Nutzerakzeptanz. Geringe Auflösungen führen zu sichtbaren Pixelstrukturen, die das Eintauchen und die Bildqualität beeinträchtigen. Gleichzeitig stellen Micro‑LEDs und sehr dichte OLEDs hohe Anforderungen an die Ansteuerungselektronik, Wärmeableitung und Fertigungspräzision. TCLs Demo‑Panels zeigen Fortschritte in mehreren dieser Bereiche: feine Bonding‑Techniken für Micro‑LEDs, präzise IJP‑Methoden für OLED‑Subpixel sowie passende Treiber‑ICs und Protokolle für hohe Datenraten.
Für AR‑Brillen sind neben der Pixelzahl auch Farbraum, Kontrast und Helligkeit entscheidend, da Displays häufig durch Linsen, Waveguides oder andere Optiken betrachtet werden. Micro‑LEDs bieten hier Vorteile bei Helligkeit und Lebensdauer, während gedruckte OLEDs Flexibilität bei Formfaktoren und Produktionskosten bieten können.
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Die gezeigten Muster verdeutlichen, dass Hersteller für AR/VR‑Produkte mehrere Displayoptionen abwägen: Micro‑LEDs für maximale Helligkeit und Robustheit, gedruckte OLEDs für kosteneffiziente, skalierbare Produktion, und hybride Ansätze in Kombination mit fortschrittlichen Optiken. Für Zulieferer und OEMs ergeben sich dadurch neue Architekturentscheidungen bei Produktdesign, Wärmemanagement und Taktung der Ansteuerung.
Gaming, Laptops und Tablets: Hohe Bildwiederholraten treffen auf hohe Auflösung
Auch für Gamer und Kreativschaffende gab es bedeutsame Neuheiten. TCL zeigte ein 16‑Zoll IJP OLED‑Laptoppanel mit 2,5K‑Auflösung und einer Bildwiederholrate von 240 Hz, das geschmeidige Bewegungen mit hoher Detailtreue kombiniert. Für besonders anspruchsvolle Gaming‑Displays demonstrierte das Unternehmen ein 57‑Zoll 8K MLED‑Panel, das eine beeindruckende Bildwiederholrate von 1000 Hz erreicht, angetrieben von seinem eigenen 6G2P‑Treiber‑IC und dem CSPI 5.1‑Protokoll.
Technische Implikationen für Gaming‑Monitore
Eine Kombination aus hoher Auflösung und hoher Bildwiederholrate setzt komplexe Anforderungen an die Datenverarbeitung, Bandbreite und die Taktung der Treiber. Treiber‑ICs wie das 6G2P müssen nicht nur hohe Pixelzahlen ansteuern, sondern auch effizient zwischen PWM‑ und PAM‑Steuerungen wechseln können, um sowohl Helligkeit als auch Farbtiefe präzise zu regeln. CSPI 5.1 bietet hierfür ein Protokoll, das latenzarme und hochfrequente Updates ermöglicht, was besonders bei 1000 Hz sinnvoll ist.
Für Laptops und mobile Workstations ist zudem die Energieeffizienz kritisch: hohe Bildwiederholraten erhöhen tendenziell den Stromverbrauch, weshalb Techniken wie LTPO‑Backplanes, teilbare Refresh‑Zonen und adaptive Bildwiederholraten (variable refresh) an Bedeutung gewinnen. TCLs 16‑Zoll‑Panel versucht, diese Anforderungen zu balancieren, indem es hohe Performance mit Inkjet‑gedruckter OLED‑Struktur verbindet.
Tablets: Partitionierte Bildwiederholraten und Multitasking
Tablets wurden ebenfalls vielseitiger: Ein 13,2‑Zoll‑OLED mit partitionierten Refresh‑Zonen erlaubt, dass verschiedene Bereiche des Displays mit unterschiedlichen Raten betrieben werden. Mithilfe einer LTPO‑Backplane lässt sich die Bildwiederholrate dynamisch zwischen 1 Hz und 120 Hz gestalten. Das ist besonders nützlich für energieeffizientes Multitasking – zum Beispiel Video‑Wiedergabe in einem Bereich bei niedriger Bildrate und ein Spiel oder interaktive Oberfläche in einem anderen Bereich bei hoher Bildwiederholrate.
Solche Technologien verbessern die Akkulaufzeit in mobilen Geräten und öffnen neue UX‑Möglichkeiten, bei denen das Betriebssystem oder Apps bewusst verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Leistungsprofilen ansprechen können. Für Entwickler und OEMs bedeutet das zusätzliche Komplexität in Treiber‑ und OS‑Integration, bietet aber klare Vorteile bei Nutzererfahrung und Energieeffizienz.
Faltbare, Tri‑Fold‑Displays und Belastungstests
TCL stellte zudem flexible Formfaktoren vor: ein 28‑Zoll Tri‑Fold‑OLED, das sich auf eine 16‑Zoll‑Grundfläche zusammenfalten lässt, sowie ein 6,73‑Zoll faltbares Smartphone‑Panel mit einigen der schmalsten Ränder in seiner Klasse. Das Unternehmen gibt an, dass das faltbare Panel bis zu 400.000 Biegezyklen bei Raumtemperatur überstehen kann – eine Kennzahl, die für OEMs interessant ist, die auf langlebige faltbare Geräte setzen.

Mechanik, Materialwahl und Lebensdauer
Die Belastbarkeit von Falt‑Panels hängt von mehreren Faktoren ab: Schichtaufbau der organischen Materialien, Schutzhüllen, Scharnierdesign und thermomechanische Spannungen bei wechselnder Temperatur. Eine Angabe von 400.000 Biegezyklen ist eine aussagekräftige Prüfgröße, doch OEMs achten zusätzlich auf Langzeitverhalten unter wechselnden Umweltbedingungen (Feuchte, Temperatur), Display‑Retention (Einbrennen), sowie auf unangenehme Haptik oder sichtbare Faltlinien nach langem Gebrauch.
Tri‑Fold‑Designs eröffnen neue Nutzungsszenarien: kombinierte Tablet‑/Laptop‑Formfaktoren, modulare Arbeitsflächen oder große, transportable Displays für unterwegs. Entscheidend sind einfache Mechanik, geringe Aufbauhöhe und zuverlässige Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit, damit die Panels auch in professionellen oder rauen Umgebungen eingesetzt werden können.
Große Panels und effizientere Installation
Im Bereich großformatiger Displays präsentierte CSOT ein 163‑Zoll‑Panel mit einem Kontrastverhältnis von 37.500:1, einer ultra‑niedrigen Reflexionskapselung, hybrider PWM+PAM‑Ansteuerung, 24‑Bit‑Farbtreue und einer Bildwiederholrate von 144 Hz mit Echtzeit‑Helligkeitsanpassung. Das Design fokussiert außerdem auf verringerte Bildschirmrandabstände und vereinfachte Montage für kommerzielle Displays und Digital Signage.
Solche großformatigen Panels zielen auf Anwendungen in Besprechungsräumen, Flagship‑Stores, Flughäfen und städtischen Installationen. Wichtige technische Aspekte sind hier Montagesysteme, Servicezugänglichkeit, Kalibrierbarkeit für konstante Farbtreue über große Flächen und modulare Verkettung mehrerer Panels für nahtlose Video‑Walls.

Insgesamt betonte TCL CSOT in seinen Ankündigungen den Aufbau eines Ökosystems rund um gedruckte OLEDs und KI‑gestützte Displaytechnologien, während gleichzeitig Pläne signalisiert wurden, diese Produkte über mehrere Kategorien hinweg zu verbreiten. Das zeigt eine kombinierte Strategie: Vorantreiben von Spitzentechnologien, parallel dazu Ausbau von Massenmarkt‑Produkten.
Ökosystem und Markteinfluss
Ein stabiles Ökosystem umfasst Materiallieferanten, Drucktintenhersteller, Ausrüster für IJP‑Maschinen, Treiber‑IC‑Designer, sowie Software‑ und Testdienstleister. TCLs Vorstoß in gedruckte OLEDs kann die Wertschöpfung in der Displayindustrie verschieben, indem er neue Zuliefererkreise aktiviert und Fertigungsprozesse neu definiert. Für Marktteilnehmer bedeutet das Chancen, aber auch Anforderungen an Investitionen in neue Kapazitäten und Qualifikationen.
Parallel zu den High‑End‑Demonstrationen hat TCL weiterhin Produkte für den Massenmarkt im Portfolio: In verwandten Verbraucher‑News hat TCL beispielsweise die preisgünstige T7 Series 4K QLED‑Fernseher mit 144 Hz und Google TV eingeführt – ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen sowohl auf Spitzentechnologie als auch auf volumenstarke Produktlinien setzt.
Die Kombination aus Forschung, Pilot‑ und Massenproduktionslinien, sowie die Integration von energieeffizienten Fertigungsverfahren könnten mittelfristig die Verfügbarkeit kostengünstiger, hochwertiger OLED‑Displays erhöhen und die Adoption in neuen Märkten wie AR/VR, Automotive‑HUDs sowie öffentlich nutzbaren Installationen beschleunigen.
Abschließend lässt sich sagen: TCL CSOTs Präsentationen auf der DTC 2025 zeigen nicht nur technologische Reife in mehreren Display‑Domänen, sondern setzen auch Impulse für die Industrie, wie Produktionskosten, Energieverbrauch und Formfaktorinnovation künftig zusammenwirken können. Für Hersteller, Entwickler und Betreiber von Endgeräten ergeben sich dadurch neue Designspielräume, aber auch Herausforderungen in der Integration und Qualitätssicherung.
Quelle: gizmochina


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